Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
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BuchhalterBodo_HB
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Danke für die bisherigen Antworten — das ist genau die Qualität die ich mir erhofft hatte.
@SteuerSparerin_Sina: Der Punkt mit der US-Originalversion ist interessant. Ich habe das Prinzip in deutschen Finanzblogs gelesen und dort wird meist einfach das Nettoeinkommen vom Gehaltszettel genommen. Wenn man die GKV (die ich schon herausgerechnet habe) nochmal separat betrachtet, verschiebt sich natürlich die Basis.
@Nebenkostencheck_Norwin: Guter Hinweis. Die letzte Abrechnung habe ich tatsächlich nur überflogen. Ich werde das nochmal genauer prüfen. Mieterverein ist eine gute Idee.
Was ich aus den Antworten mitnehme: Die Regel scheint strukturell für Haushalte mit entweder hohem Einkommen, Eigenheim oder Altmietvertrag gemacht zu sein. Für alle anderen ist es eher ein Zielanker als eine realistische Vorgabe. Das erklärt einiges.
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GeldgesprächGünstiger
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich verdien als Lagerist in Chemnitz ca. 2.100 netto. Miete 520 Euro warm (Ostdeutschland-Bonus ?). Das sind 25% — also eigentlich traumhaft für die Regel.
Trotzdem schaff ich keine 20% Sparrate weil mein Auto (brauche ich zwingend, öffi-Anbindung zum Lager ist ne Katastrophe) mich jeden Monat zusammen 380 Euro kostet (Rate, Versicherung, Sprit). Das haut rein.
Fazit: Auch mit günstiger Miete kann die Sparrate kippen wenn andere Fixkosten hoch sind. Das Auto ist bei mir der Killer, nicht die Miete.
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Haushaltsbuch_Hannelore
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich führe seit 2007 ein Haushaltsbuch — erst auf Papier, seit 2019 mit der App "Money Money" (hat sich für mich bewährt, keine Werbung). Was ich dabei über die Jahre gelernt habe:
Die 50/30/20-Regel ist gut als Diagnose-Werkzeug. Du schaust dir an wo du wirklich stehst und merkst dann z.B.: "Oh, ich gebe 38% für Fixkosten aus statt 50%" — oder umgekehrt. Das ist der eigentliche Wert. Als starre Vorgabe taugt sie für viele Haushalte nicht.
Wir sind ein Haushalt (ich Teilzeit, Mann Vollzeit), ca. 3.400 netto gesamt, Bielefeld, 870 Euro warm. Die 50% Fixkosten halte ich ein. Die 20% Sparrate auch meistens. Aber die 30% für "Wants" sind bei uns eher 18%, weil wir eben sparsam leben. Ist das schlimm? Nein. Uns fehlt nichts.
Was ich Bodo empfehlen würde: Einfach mal 3 Monate alles aufschreiben was reinkommt und rausgeht — ohne Kategorie-Druck. Dann siehst du wo es wirklich hängt.
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Mod_Ingrid_Finanzen
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Guter Thread, schön sachlich. Ich ergänze kurz aus meiner beruflichen Perspektive (Bankangestellte): Wir sehen in der Beratung oft, dass Kunden die Kategorie "Fixkosten" sehr unterschiedlich definieren. Manche rechnen Lebensmittel rein, manche nicht. Das macht die 50%-Marke schwer vergleichbar.
Eine sauberere Variante die ich empfehle: Nicht Prozente, sondern erst den monatlichen Mindestbetrag für Sparen festlegen (z.B. 200 Euro — was auch immer realistisch ist), diesen als Dauerauftrag einrichten, und dann mit dem Rest haushalten. Das ist psychologisch einfacher als Prozente zu verwalten und führt zum gleichen Ziel.
Die Regel ist ein Einstiegsmodell — für Finanz-Einsteiger nützlich, für erfahrene Haushalter wie Bodo eher zu grob.
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Disposchulden_Detektiv
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich arbeite als Sozialpädagoge mit Menschen in Schuldnerberatung. Was ich täglich sehe: Die wenigsten haben das Problem weil sie zu viel ausgeben — viele haben es weil die Fixkostenstruktur schlicht zu hoch ist für ihr Einkommen. Und daran ändert kein Budgetmodell was.
Die 50/30/20-Regel kann sogar schädlich sein wenn jemand mit 45% Fixkostenquote anfängt sich zu geißeln weil er "die Regel nicht schafft". Das erzeugt Stress, der oft in Kompensationskonsum endet. Ich sage das ohne Ironie.
Was wirklich hilft: Realistisches Ziel setzen ("Ich spare 5% diesen Monat"), steigern wenn Spielraum entsteht, nicht mit einem abstrakten Ideal vergleichen das für andere Einkommensverhältnisse gemacht wurde.
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GiroKontoGustav
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Also ich als Postbote in Erfurt (2.050 netto, Miete 640 Euro warm) hab von dieser Regel erst heute durch diesen Thread erfahren ? Ich spar einfach was am Monatsende übrig bleibt — manchmal 80 Euro, manchmal nix. Das klingt chaotisch aber funnktioniert irgendwie seit 20 Jahren.
Prozentrechnerei ist nix für mich. Aber der Thread ist trotzdem gut zum Lesen.
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GrenzpendlerGregor
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich lebe in der Grenzregion und arbeite in der Schweiz — das verzerrt natürlich alles gewaltig. Mit Schweizer Lohn und deutschen Lebenshaltungskosten ist die 50/30/20-Regel für mich leicht einhaltbar, fast schon langweilig. Das soll keine Prahlerei sein, sondern ein Hinweis auf das eigentliche Problem: Es geht nicht um Disziplin, es geht um Einkommenshöhe relativ zu Fixkosten.
Was ich aber trotzdem beitragen kann: Ich nutze das Prinzip zur Jahresplanung, nicht zur Monatsplanung. Weil mein Einkommen als Ingenieur mit Projektzulagen schwankt, rechne ich den Jahresdurchschnitt und plane die Sparrate danach. Das nimmt den monatlichen Druck raus.
Zur ursprünglichen Frage: In deutschen Großstädten mit Durchschnittsgehalt — strukturell kaum möglich, die 50%-Fixkostengrenze einzuhalten. Das ist ein politisches Problem, kein persönliches.
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KreditKritiker_Konrad
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Was ich komisch finde: alle reden über die 50% und die 20%, aber keiner redet über die 30% für Wünsche. Das ist doch der Knackpunkt. Bei 3.200 Euro netto wären das 960 Euro im Monat für Freizeit, Restaurantbesuche, Urlaub etc. Das klingt nach viel — und ist es auch.
Ich kenn Leute die jammern sie könnten nicht sparen, und gleichmal 200 im Monat für Lieferando, Netflix, Spotify, Amazon Prime, ein Fitnesstudio das sie nicht nutzen und irgendwelche App-Abos ausgeben die sie vergessen haben zu kündigen. Da kommt man schnell auf 400-500 Euro "Wants" die man gar nicht bewusst konsumiert hat.
Nicht für Bodo gesagt — der klingt reflektiert. Aber allgemein.
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BudgetBiene_Britta
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
KreditKritiker_Konrad schrieb:alle reden über die 50% und die 20%, aber keiner redet über die 30% für Wünsche
Da hast du ehrlich gesagt recht. Ich hab letztes Jahr mal alle meine Abos aufgelistet — das war ein kleiner Schock ? Allein 8 verschiedene Streaming- und Musik-Dienste, von denen ich 3 kaum genutzt hab. 47 Euro gespart, nur durch kündigen. Ohne auf irgendwas zu verzichten was mir wirklich was bedeutet.
Das ist der Bereich wo man tatsächlich noch was machen kann, selbst wenn die Fixkosten zu hoch sind. Die Miete kann ich nicht mal eben senken, aber die Abo-Welt schon.
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InvestNoob_2023
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
alter ich hab das grad gegoogelt und 50/30/20 klingt mega simpel aber wenn ich mein netto nehm (1.650€ callcenter ist halt kein traumjob lol) dann sind 50% davon 825 euro und meine miete ist schon 720 warm ?? da bleibt für sonstige fixes nix mehr übrig
wie soll das funtkionieren??? erklärt mir das mal jemand bitte ernsthaft ich raff das nicht. sparplan hab ich trotzdem 25€ weil mein kumpel gesagt hat anfangen ist wichtiger als die höhe ?