Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
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BuchhalterBodo_HB
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Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Guten Abend zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiver mit der 50/30/20-Regel — also 50% des Nettoeinkommens für Fixkosten (Miete, Strom, Versicherungen etc.), 30% für Wünsche und Freizeit, 20% für Sparen und Schuldenabbau. Das Prinzip klingt auf dem Papier schlüssig und ich verstehe die Logik dahinter.
Was mich aber zunehmend zweifeln lässt: Ich wohne in Bremen, zahle 1.050 Euro Warmmiete für eine 75qm-Wohnung (zu zweit, kein Luxus), und komme netto auf rund 3.200 Euro. Das sind schon 33% nur für die Miete. Rechne ich Strom, Telefon, KFZ-Versicherung, GEZ und die Krankenkasse für meine Frau dazu, bin ich locker bei 55–58% Fixkostenquote — und Bremen ist nun wirklich keine Hochpreisstadt wie München oder Frankfurt.
Ich frage mich daher ernsthaft: Lebt hier irgendjemand tatsächlich nach diesem Prinzip? Nicht theoretisch, sondern im echten Alltag? Und falls ja: Wie habt ihr das hinbekommen? Habt ihr euer Einkommen erhöht, Kosten radikal gesenkt oder einfach die Kategorien anders definiert?
Ich will keine Motivationsfloskeln, sondern echte Zahlen und echte Erfahrungen. Als Buchhalter schätze ich Klarheit.
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BudgetBiene_Britta
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Hallo Bodo! ? Also ich versuchs zumindest... mit 2.200 netto als Krankenpflegerin in Hannover ist das ehrlich gesagt ein Kampf. Meine Miete allein frisst schon 38%, und dann kommen noch Strom, Handyvertrag, Auto (brauche ich für Schichtarbeit leider) dazu.
Was ich gemacht hab: ich hab die Kategorien ein bisschen verbogen. Bei mir heißt "Needs" jetzt alles was ich WIRKLICH brauche — also auch Berufsbekleidung und das Bahnticket. Dafür hab ich Streaming-Abos gecancelt (spart 28 Euro im Monat) und koche konsequent vor. Die 20% Sparquote schafffe ich meistens nicht — eher so 12-15%. Aber der Weg zählt oder? ?
Für Großstädte glaube ich ehrlich: die Regel ist für amerikanische Verhältnisse gemacht worden. Da sind die Gehälter anders als die Mieten skaliert.
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FreiberuflerFinanzen_Fin
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
lol als Freiberufler in Berlin ist das ne Witzfrage ? ich hab Monate wo ich 40% spare und Monate wo ich froh bin wenn ich nicht ins Minus rutsche. Das 50/30/20-Ding ist doch eher was für Leute mit konstantem Gehalt.
Abgesehen davon: die Regel kommt von Elizabeth Warren, ursprünglich aus ihrem Buch "All Your Worth" (2005). Damals in den USA. Berliner Mietenrealität 2024 hat damit nix am Hut. Ich zahl 1.300 kalt für ne 2-Zimmer-Wohnung in Prenzlauer Berg (geerbt vom Vormieter, sonst wärs noch mehr). Das sind bei nem durchschnittlichen Monat locker 45% netto — und ich verdien eigentlich ganz ok.
Was bei mir funktioniert: ich hab ein fixes "Gehalt" das ich mir selbst überweise, und davon dann die Prozentregel. Aber die 20% Sparen kommen drauf noch die Steuerrücklage obendrauf. Freiberufler-Bonus: man denkt anders über Geld nach wenn man selbst für die KV zahlt ?
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SteuerSparerin_Sina
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Die Kritik an der 50/30/20-Regel ist berechtigt, aber ich würde eine Nuance ergänzen: Die Regel bezieht sich auf das verfügbare Nettoeinkommen nach Pflichtabzügen, nicht auf das Gehaltszettel-Netto. In der US-Originalversion werden Steuern und Sozialabgaben bereits herausgerechnet, bevor die Prozente angewendet werden.
In Deutschland ist das komplizierter, weil wir die GKV, Pflegeversicherung etc. schon vor dem Netto abziehen — aber KFZ-Versicherung oder Rundfunkbeitrag tauchen im Netto trotzdem noch auf. Warren würde die wohl zu den "Needs" zählen, nicht als Abzug vom Berechnungsbetrag.
Was ich bei Mandanten sehe: Die Regel funktioniert zuverlässig ab etwa 3.500 Euro Netto für eine Einzelperson in einer Stadt wie München oder Frankfurt. Darunter wird die Fixkostenquote strukturell zu hoch. Das ist kein persönliches Versagen — das ist Mathematik.
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Nebenkostencheck_Norwin
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich hake kurz bei Bodo ein: 1.050 Euro Warmmiete für 75qm in Bremen klingt eigentlich noch moderat. Aber habt ihr die Nebenkostenabrechnung mal genau geprüft? Ich sehe als Hausverwalter regelmäßig, dass Vermieter Positionen abrechnen die schlicht nicht umlagefähig sind — Hausmeisterkosten für Reparaturen etwa, oder Verwaltungsgebühren.
Wenn du da 50-80 Euro rausholst, verbessert sich deine Fixkostenquote spürbar. Nicht dramatisch, aber es ist Geld das dir rechtlich zusteht. Der Mieterverein Bremen kostet ca. 90 Euro Jahresbeitrag und prüft die Abrechnung kostenlos.
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ZockerZimmer_Zeitz
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
bro ich studier in Halle und hab 800 bafög + 200 nebenjob lmaooo 50/30/20 ist bei mir eher 90/15/-5 ?? aber ich hab trotzdem nen 25€ ETF sparplan laufen weils cooler ist als garnix ? manchmal frag ich mich ob ich das geld überhaupt hab aber hauptsache der sparplan läuft ehh
ernst gemeint tho: die regel macht für studenten oder Mindestlohn-Leute 0 sinn. das ist für die mittelklasse gemacht die schon halbwegs stabil ist
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RentnerInRente_Hedwig
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich lese diesen Thread mit großem Interesse. Zu meiner aktiven Zeit als Lehrerin habe ich nie von dieser Regel gehört — wir haben einfach jeden Monat aufgeschrieben was rein- und rausgeht und geschaut was übrig bleibt. Das nannte man damals Haushaltsbuch.
Was ich sagen kann: Als wir noch in der Wohnung in Würzburg lebten (mein Mann und ich, 1990er Jahre), hat die Miete nie mehr als 25% unserer Einnahmen ausgemacht. Das war damals möglich. Heute würde ich sagen: Wer in einer Großstadt unter 4.000 Euro netto verdient und nicht schon seit Jahren eine günstige Wohnung hat, der kämpft gegen das System — nicht gegen sich selbst.
Meine Rente beträgt 1.820 Euro, dazu die Witwenrente meines verstorbenen Mannes. Die 20% spare ich tatsächlich noch, weil meine Miete seit 15 Jahren stabil ist (1.100 Euro Genossenschaft). Das ist aber Glück, kein Verdienst.
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SparplanSeppel
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Also i sag mal so: Ich bin Zimmerermeister in Augsburg, 3.800 netto, Eigenheim abbezahlt (keine Miete, nur Nebenkosten und Rate läuft seit 12 Jahren). Da ist die 50/30/20-Sache ehrlich gesagt kein Hexenwerk — i schaff sogar mehr als 20% Sparquote.
ABER: Das hat nix mit der Regel zu tun, das liegt daran dass ich kein Mietproblem hab. Wenn ich heute als Mieter in Augsburg anfangen müsste — 1.200 Euro für ne vernünftige Wohnung easy — wärs wieder eng. ?
Die Regel ist also eigentlich ne Regel für Eigenheimbesitzer oder Leute mit Altmietverträgen. Wer heute neu einzieht zahlt einfach zu viel Miete für das Schema.
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Doppelverdiener_Dana
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Wir (Marc und ich) versuchen das tatsächlich — mit einem Twist. Wir rechnen nicht pro Person sondern als Haushalt. Zusammen kommen wir auf ca. 7.200 Euro netto. Frankfurt, 3-Zimmer, 1.850 Euro warm. Das sind 26% der gemeinsamen Einnahmen — also machbar.
Das Problem: Sobald man anfängt wirklich aufzuschreiben was "Needs" und was "Wants" sind, gibt's heftigen Gesprächsbedarf ? Marc findet sein Fitnessstudio (75€/Monat) sei ein Need wegen Rückenproblemen. Ich finde mein Leseflatrate-Abo sei ein Need für meine geistige Gesundheit. So läuft das.
Ehrlich gesagt funktioniert die Regel bei uns nur weil wir zwei Gehälter haben. Für Alleinverdienende unter 3.500 netto in einer Großstadt sehe ich das strukturell nicht machbar — und das sage ich ohne Schuldzuweisung.
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TagesgeldThorsten_K
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Re: Gibt es hier Menschen die wirklich nach dem 50/30/20 Prinzip leben?
Ich lebe in Kassel, was den Vorteil hat dass Mieten noch halbwegs human sind. 900 Euro warm für 70qm, Netto 2.900 Euro — da komme ich auf 31% Mietquote. Mit allen anderen Fixkosten lande ich bei ca. 48%. Also knapp unter der 50%-Marke, was ich als Erfolg werte.
Die 20% Sparen: Ich bespare monatlich 300 Euro in einen MSCI-World-ETF (Xtrackers bei der DKB, kostenloser Sparplan) und überweise 280 Euro auf ein Tagesgeldkonto als Notgroschen-Aufbau. Das sind zusammen ca. 20%.
Was ich gelernt habe: Man muss die Sparrate automatisieren — Dauerauftrag am 1. des Monats, direkt nach Gehaltseingang. Was weg ist, fehlt nicht. Das klingt banal, aber ohne diesen Mechanismus wäre ich bei Null.