Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

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RisikostreuerRobert
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Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von RisikostreuerRobert »

Ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiver mit der Frage, was eigentlich im Worst Case mit meinem Depot passiert, wenn ein Neobroker pleitegeht. Konkret habe ich Positionen bei Trade Republic und überlege, einen Teil zu Scalable Capital zu verlagern — aber bevor ich das tue, möchte ich das Thema Insolvenzsicherheit besser verstehen. Mir ist klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen der klassischen Einlagensicherung (bis 100.000 Euro für Bankguthaben) und dem Konzept des Sondervermögens bei Wertpapieren. Aber wie greift das in der Praxis bei Neobroker-Konstrukten? Konkret interessieren mich folgende Punkte: - Sind meine ETFs und Aktien bei Trade Republic rechtlich als Sondervermögen geschützt und damit insolvenzsicher — oder gibt es da Fallstricke? - Wie ist das bei Scalable Capital geregelt, die ja mit der Baader Bank als Depotbank arbeiten? - Was gilt für das Cashguthaben, das auf dem Verrechnungskonto liegt? - Gibt es historische Fälle, wo Anleger bei Broker-Insolvenzen tatsächlich Verluste erlitten haben? Ich bin Volkswirt, also darf man ruhig technisch werden. Mich interessiert die juristische und regulatorische Substanz hinter den Marketingversprechen der Anbieter.
KontoKompass_Kai
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von KontoKompass_Kai »

Gute Frage, ich versuche das mal strukturiert aufzudröseln, weil hier viele Leute unnötig in Panik geraten oder — schlimmer — fälschlicherweise denken, alles sei automatisch sicher. Sondervermögen bei Wertpapieren: Aktien und ETFs, die du über einen deutschen oder EU-regulierten Broker hältst, gelten rechtlich als dein Eigentum. Sie werden vom Vermögen des Brokers getrennt verwahrt. Im Insolvenzfall hat der Insolvenzverwalter keinen Zugriff darauf — du kannst deine Wertpapiere herausverlangen. Das ist in § 92 InsO sowie im Depotgesetz geregelt. Soweit die Theorie, und sie stimmt auch in der Praxis für seriöse Anbieter. Trade Republic ist seit 2023 eine vollregulierte Bank mit BaFin-Lizenz. Die Wertpapiere werden über die HSBC Deutschland als Verwahrstelle gehalten. Das Cash auf dem Konto unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Scalable Capital arbeitet tatsächlich mit der Baader Bank als depotführendem Institut. Das bedeutet: Im Insolvenzfall von Scalable selbst wäre dein Depot bei der Baader Bank, nicht bei Scalable. Eine zusätzliche Schutzschicht also. Der echte Fallstrick: Wenn der Broker Wertpapiere verleiht (Securities Lending), kann das die Sondervermögenseigenschaft theoretisch beeinträchtigen. Trade Republic macht das laut AGB in begrenztem Umfang. Lohnt sich, die aktuellen Bedingungen zu lesen.
ETF-Henning
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von ETF-Henning »

@KontoKompass_Kai hat das gut zusammengefasst. Ich ergänze kurz den historischen Teil, den Robert angefragt hat. Der bekannteste Fall in Deutschland war die Insolvenz der Lehman-Zertifikate — aber Achtung, das waren keine Aktien oder ETFs, sondern Schuldverschreibungen (also Inhaberschuldverschreibungen), die eben kein Sondervermögen darstellten. Die Anleger waren Gläubiger von Lehman Brothers und haben entsprechend Verluste erlitten. Das wird oft verwechselt. Bei echten Aktien und ETFs in einem deutschen Depot ist mir kein Fall bekannt, wo Anleger durch Broker-Insolvenz ihre Wertpapiere verloren hätten. Gab es Verzögerungen? Ja. Kompliziertes Übertragungsverfahren? Auch. Aber Totalverlust? Nein. Also: ETF-Sparplan bei Trade Republic — strukturell sicher. Zertifikate oder ETCs auf Rohstoffe (je nach Konstruktion) — da sollte man genauer hinschauen. ?
Netto_Norwin
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von Netto_Norwin »

ey warte mal kurz... also wenn Scalable pleite geht, ist mein kram einfach bei der Baader Bank und ich muss mir nix denken?? das klingt fast zu einfach lol ? ich dachte immer scalable IS der broker und wenn die weg sind ist mein geld weg. hab da 8k drin und bin jetzt irgendwie erleichert?
TagesgeldTanja_FFM
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von TagesgeldTanja_FFM »

@Netto_Norwin Im Grundsatz ja, aber ich würde das nicht ganz so entspannt sehen. Scalable ist als Wertpapierdienstleistungsunternehmen reguliert, die Baader Bank führt das Depot. Trotzdem gibt es in einem Insolvenzfall immer eine Übergangsphase, in der du nicht sofort auf dein Depot zugreifen kannst. Das kann Wochen dauern. Das eigentliche Risiko ist also nicht der Totalverlust, sondern die Illiquidität während der Abwicklung. Wenn du in dieser Zeit verkaufen müsstest — wegen eines Notfalls oder weil der Markt crasht — hast du ein Problem. Deshalb: Nicht alles auf einen Broker. Und das Cashguthaben auf dem Verrechnungskonto im Blick behalten — das ist Bankeinlage und nur bis 100.000 Euro gesichert.
Zinseszins_Zelda
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von Zinseszins_Zelda »

Ich möchte noch einen Punkt präzisieren, der in der Diskussion bisher etwas unscharf geblieben ist. Das Depotgesetz (DepotG) unterscheidet zwischen Streifbandverwahrung (individuelle Verwahrung) und Girosammelverwahrung. Bei Neobroker wird praktisch ausnahmslos die Girosammelverwahrung über Clearstream (früher Deutsche Börse Clearing) genutzt. Das bedeutet: Deine Aktien existieren nicht als physisches Stück mit deinem Namen drauf, sondern als Miteigentumsanteil an einem Sammelbestand. Das ist rechtlich vollkommen in Ordnung und schützt dich ebenfalls vor der Insolvenz des Brokers — du bist Miteigentümer des Gesamtbestands, nicht Gläubiger des Brokers. Der Insolvenzverwalter kann auf diesen Bestand schlicht nicht zugreifen. Die Frage nach Securities Lending, die @KontoKompass_Kai aufgeworfen hat, ist berechtigt. Trade Republic hat in der Vergangenheit kommuniziert, Wertpapierleihe anzubieten, wobei Kunden eine Beteiligung an den Erträgen erhalten. Wer das nicht möchte, sollte die AGB genau lesen und ggf. widersprechen.
SchnäppchenjägerSven
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von SchnäppchenjägerSven »

also ich fass das mal für die normalos zusammen: ETFs weg wenn broker pleite? NEIN. Geld auf dem verrechnungskonto weg? bis 100k auch NEIN (einlagensicherung). Zertifikate und komischer strukturierter kram? VIELLEICHT. ? hab selbst mal bei nem kleineren CFD-Anbieter Geld verloren aber das war halt CFD-Zeug, kein richtiges depot. seitdem nur noch ETFs bei großen anbietern. bin gechillt.
RisikostreuerRobert
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von RisikostreuerRobert »

Danke für die bisherigen Antworten — das ist schon sehr hilfreich. @Zinseszins_Zelda, der Hinweis auf die Girosammelverwahrung über Clearstream war mir in dieser Konsequenz nicht bewusst. Das beruhigt tatsächlich. Die Wertpapierleihe bei Trade Republic beschäftigt mich aber noch. Ich habe in den AGB gelesen, dass man automatisch teilnimmt und aktiv widersprechen muss. Weiß jemand, wie das konkret funktioniert und ob es einen messbaren Einfluss auf die Insolvenzsicherheit hat?
KontoKompass_Kai
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von KontoKompass_Kai »

@RisikostreuerRobert Zum Widerspruch bei Trade Republic: In der App unter Einstellungen → Konto → Wertpapierleihe lässt sich das deaktivieren. Dauert keine zwei Minuten. Zur rechtlichen Substanz: Solange die verliehenen Wertpapiere durch Sicherheiten (Collateral) vollständig besichert sind — was regulatorisch vorgeschrieben ist — bleibt dein wirtschaftlicher Anspruch gewahrt. Das Risiko ist theoretischer Natur, aber wer auf Nummer sicher gehen will, deaktiviert es einfach.
ChillFaktor_Christoph
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Re: Broker-Insolvenz: Ist mein Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital wirklich sicher?

Beitrag von ChillFaktor_Christoph »

ich find das alles n bisschen overengineered ehrlich gesagt ? die meisten leute hier haben 5k bis 20k im depot und machen sich sorgen wie ein hedgefonds manager klar ist das thema wichtig aber die wahrscheinlichkeit dass trade republic oder scalable morgen pleite geht ist ungefähr so groß wie dass ich im lotto gewinne. und ich spiel nicht mal lotto lol trotzdem nett dass mans versteht ?
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