Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
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MoppelMöhre_Martina
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Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
Hey Leute ?
Ich bin Erzieherin, verdiene 2.800€ netto und spare seit einem Jahr monatlich 150€ in einen MSCI World ETF (bei der DKB, Sparplan läuft automatisch). Das sind so knappe 5,4% vom Netto. Eigentlich dachte ich, ich bin schon mega stolz auf mich – aber dann lese ich überall "spare mindestens 20% vom Netto" und fühl mich direkt wieder schlecht ?
Miete kostet mich 780€ warm, ich hab noch einen Handy-Vertrag, Lebensmittel, ab und zu mal ausgehen... und am Ende des Monats ist halt nicht mehr viel übrig. Notgroschen hab ich so ca. 2.000€ auf dem Tagesgeldkonto – das reicht vielleicht für 2 Monate, ist also auch noch ausbaufähig.
Meine Frage: Gibt es wirklich eine Faustregel, die sagt "X% vom Netto in ETFs", oder ist das totaler Quatsch weil jeder andere Ausgaben hat? Und wie rechnet ihr das eigentlich – vor oder nach Notgroschen? Also erst den Notgroschen aufbauen und DANN mehr in ETFs, oder beides gleichzeitig?
Ich frag mich auch: Brauche ich als Erzieherin bei der mickrigen gesetzlichen Rente nicht eigentlich MEHR als 20%? Oder übertreibe ich gerade? ?
Bin für jeden Tipp dankbar, auch wenn er lautet "Martina, hör auf YouTube-Finanzgurus zu schauen" lol
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KontoWechselKlaus
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
Also ich sag mal so: die 10-20%-Regel ist halt ein Richtwert aus den USA, wo die Leute keine gesetzliche Rente haben wie wir. Trotzdem schadet es nicht sich daran zu oreintieren.
Du machst 150€ bei 2.800€ netto, das ist halt wenig. Aber besser als nix, das sag ich aus eigener Erfahrung. Ich hab mit 38 angefangen zu sparen, da war auch schon einiges verloren.
Erstmal würd ich sagen: Notgroschen auf 3 Monate aufstocken, also auf ca. 4.500-5.000€ bei deinen Ausgaben. Dann schau was übrig bleibt und erhöhe den Sparplan. Kein Hexenwerk.
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Azubi_Amelie_2022
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
omg ich hab 950€ netto als Azubi und spare 50€ ? du bist mit 150€ bei fast 3k schon voll okay finde ich!! keine ahnung warum alle immer so tun als wäre weniger als 20% eine Katastrophe
ich glaub das kommt voll drauf an ob du Miete zahlst, Schulden hast, Familie oder so. bei mir wäre 20% schlicht unmöglich lol ?
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DepotDepp_Denny
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
bruder (bzw. schwester lol) 5% ist halt echt mau wenn wir ehrlich sind ? aber ich versteh das, Erzieherin in Deutschland = systemrelevant aber bitte kein Geld dafür, klassisch ?
ich würd mal konkret durchrechnen: 2.800€ minus 780€ Miete = 2.020€. Davon Essen ~350€, Handy/Strom/Internet ~80€, Transport ~100€, bisschen Leben ~200€... bleiben locker 300-400€ übrig oder? Also hast du eigentlich Spielraum für mehr als 150€ ?
Notgroschen würd ich parallel aufbauen, nicht nacheinander. Sag mal 100€ täglich Tagesgeld, 200€ ETF. Dann hast du in nem Jahr 1.200€ mehr Puffer UND mehr im Depot. win win bro ?
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Doppeldeckerhorst
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
Ich fahr seit 22 Jahren Bus und hab erst mit 48 angefangen ernsthaft zu sparen. Also erst mal: keine Panik, mit 30 oder was auch immer du bist hat man noch massig Zeit.
Diese Prozentregel-Diskussion geht mir ehrlich gesagt auf den Zeiger. Als ob 20% für eine Erzieherin in Bielefeld dasselbe bedeuten wie für einen Unternehmensberater in Frankfurt. Das ist doch Quatsch.
Was ich machen würde: Notgroschen auf 3 Netto-Monatsgehälter bringen – bei dir also rund 8.400€. Ja, ich weiß, klingt viel. Aber bis dahin parallel 150€ ETF laufen lassen. Danach alles was du für den Notgroschen gespart hast, ab in den Sparplan.
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Abgeltungssteuer_August
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
Gestatten Sie mir eine etwas nüchternere Einschätzung.
Die verbreiteten Faustregeln – 10% nach Suze Orman, 20% nach diversen deutschen Finanzratgebern – sind statistisch abgeleitete Durchschnittswerte ohne Berücksichtigung individueller Rentenlücken. Für eine Erzieherin mit gesetzlicher Rentenversicherung, aber ohne betriebliche Altersvorsorge, ist die Situation tatsächlich besonders relevant.
Konkret: Bei 2.800€ Netto und aktuellem Rentenniveau können Sie mit einer gesetzlichen Rente von grob 1.400–1.700€ (vor Steuer, bei 40 Beitragsjahren) rechnen. Das Rentenniveau sinkt weiter. Eine Lücke von 600–900€ monatlich im Alter ist realistisch. Um diese über 20 Jahre Rentenbezug zu schließen, bräuchten Sie ein Depot von ca. 150.000–200.000€ – bei 7% p.a. Rendite und 30 Jahren Ansparzeit wären dafür ca. 160–190€ monatlich rechnerisch ausreichend.
Ihre 150€ sind also nicht so weit weg vom Ziel, wie es sich anfühlt. Aber mittelfristig auf 200–250€ zu erhöhen, sobald der Notgroschen steht, wäre sinnvoll.
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AzubiAlexander_2021
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
warte mal kurz @Abgeltungssteuer_August hat da gerade echt ne Zahl hingeworfen die ich ncht ganz checke ? also 160€ reichen für 200k depot? wie lang dauert das denn? hab mal schnell gerechnet... 160 x 12 x 30 = 57.600€ eigenes Geld rein. der rest kommt dann vom zinseszins oder wie? klingt irgendwie zu schön um wahr zu sein lol ?
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Abgeltungssteuer_August
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
AzubiAlexander_2021 schrieb:160 x 12 x 30 = 57.600€ eigenes Geld rein. der rest kommt dann vom zinseszins oder wie?
Genau so ist das gemeint. Der Zinseszinseffekt über 30 Jahre bei 7% p.a. (historische Durchschnittsrendite eines MSCI World, vor Inflation und Steuer) ergibt bei 160€ monatlich rechnerisch ca. 194.000€ Endwert. Davon haben Sie 57.600€ selbst eingezahlt – der Rest ist Kapitalwachstum. Das ist keine Magie, sondern Mathematik. Allerdings: nach Abgeltungssteuer und Inflation reduziert sich der Realwert erheblich. Deswegen lieber etwas mehr einzahlen als zu wenig.
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RenditeRechner_Raimund
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
Die Ausführungen von Kollege August sind im Grundsatz korrekt, ich möchte jedoch einen Aspekt ergänzen, der in solchen Diskussionen regelmäßig untergeht: der Freistellungsauftrag.
Bei einem Sparplan, der über viele Jahre läuft, sollte man frühzeitig einen Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank einrichten – derzeit 1.000€ pro Person jährlich. Das klingt banal, aber ich erlebe regelmäßig Mandanten, die das schlicht vergessen haben und dann unnötig Abgeltungssteuer auf Dividenden zahlen. Bei der DKB, die Sie nutzen, geht das online in zwei Minuten.
Zum eigentlichen Thema: Eine starre Prozentregel halte ich für wenig zielführend. Relevant ist die individuelle Rentenlücke, nicht ein generischer Richtwert.
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ETF-Henning
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Re: Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)
Ich versuch mal das alles etwas zu bündeln, weil ich glaube der Thread entwickelt sich gerade in die richtige Richtung. ?
Meine persönliche Priorisierung (für jemanden in deiner Lage):
- Notgroschen auf 3 Nettogehälter = ~8.400€. Du hast 2.000€, brauchst also noch ~6.400€. Bei 200€/Monat extra dauert das ca. 2,5 Jahre – parallel zum ETF-Sparplan.
- ETF-Sparplan mindestens halten, idealerweise auf 200€ erhöhen wenn möglich. MSCI World oder FTSE All-World sind beide fine, kein Grund zum Grübeln.
- Betriebliche Altersvorsorge checken: Bietet dein Träger (Kommune, freier Träger?) eine bAV an? Das wird oft übersehen und kann steuerlich interessant sein.
Die 20%-Regel ist für Leute gedacht, die kein BAföG, keine Schulden, keine Miete im teuren Pflaster haben. Bei 2.800€ Netto in Bielefeld (Miete 780€ warm – übrigens gar nicht mal so günstig) ist 10–12% realistischer als Ziel. Also 280–336€/Monat langfristig. Das ist ein machbares Ziel, kein utopischer Wert.