Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher, Zinsvergleiche
Fondsmuffel_Ferdinand
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von Fondsmuffel_Ferdinand »

Ich halte von all diesen Faustregeln ehrlich gesagt nicht viel. Drei Monatsgehälter, sechs Monatsgehälter — das sind Vereinfachungen für Leute, die nicht rechnen wollen. Was zählt: Wie lange dauert es realistisch, nach einem Jobverlust eine neue Stelle zu finden? In der Elektrobranche aktuell vielleicht zwei bis vier Wochen. In manchen anderen Berufen oder bei bestimmten Qualifikationsprofilen eher sechs Monate. Das ist die relevante Variable, keine abstrakte Monatsgehaltszahl. Ich selbst habe immer genau das berechnet und entsprechend zurückgelegt. Nicht mehr, nicht weniger. Alles andere ist Geld das arbeitslos rumliegt.
NullRound_Norbert
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von NullRound_Norbert »

bin lagerist, verdien nicht viel. bei mir ist der „notgroschen" einfach was übrig bleibt nach dem monat. das sind manchmal 300 euro manchmal 0. diese ganzen rechnereien mit monatsgehältern klingen für mich wie ein anderer planet. aber ich versuchs seit letzem jahr besser zu machen, hab jetzt 1.200 euro bei n26 liegen. bin stolz drauf auch wenns lächerlich klingt für manche hier
Schuldencoach_Susanna
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von Schuldencoach_Susanna »

@NullRound_Norbert das klingt überhaupt nicht lächerlich. 1.200 Euro aufgebaut zu haben ist eine echte Leistung und ein wichtiger erster Schritt. Finanzielle Resilienz ist ein Prozess, kein Zustand den man einmal erreicht und fertig. Ich arbeite beruflich mit Menschen in Schulden- und Finanznot und kann sagen: der erste Notgroschen von 1.000 Euro ist statistisch der wichtigste überhaupt. Er verhindert, dass kleine Krisen zu Teufelskreisen werden — kaputtes Auto, kein Kredit, Job verloren. Diese Kette sehe ich regelmäßig. Für die ursprüngliche Frage: Die Faustregel ist ein brauchbarer Startpunkt. Wichtiger ist aber die Frage nach der individuellen Risikosituation. Selbstständige, Alleinerziehende, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder in unsicheren Branchen brauchen mehr. Festangestellte in systemrelevanten Berufen mit niedrigen Fixkosten können mit weniger auskommen — solange sie diszipliniert genug sind, den Puffer bei Bedarf schnell wieder aufzufüllen.
Vergleichsportal_Vroni
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von Vergleichsportal_Vroni »

Ich finde die Diskussion super, aber niemand hat noch die Zinsseite richtig durchgekaut. Aktuell (Stand letzter Check): Tagesgeld-Zinsen variieren stark je nach Anbieter. Mein aktueller Überblick aus dem Gedächtnis: - Trade Republic: ca. 3,25% auf Verrechnungskonto (aber kein klassisches Tagesgeld, Einlagensicherung beachten!) - Barclays Tagesgeld: ca. 2,9% (Neukunden teils mehr) - Hanseatic Bank: ca. 2,75-3,0% - ING: ca. 2,5-3,0% je nach Aktionszeitraum - DKB: Cashkonto ca. 2,0% Der Unterschied zwischen bestem und schlechtestem Anbieter bei 7.000 Euro macht im Jahr etwa 90-150 Euro aus. Nicht riesig, aber warum Geld liegenlassen? ? Für die eigentliche Frage: 3 Monate Fixkosten plus ein kleiner Puffer für Unvorhergesehenes. Bei deiner Situation würde ich 5.000-6.000 Euro als Ziel setzen, Rest in ETFs.
GoldkäferGertrude
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von GoldkäferGertrude »

Ich bin da vielleicht altmodisch, aber ich halte immer noch etwas physisches Gold als Teil meines Notgroschens. Nicht viel, aber 2-3 Unzen liegen bei mir im Tresor. Das ist natürlich kein liquides Tagesgeld, ich weiß. Aber zum eigentlichen Thema: 3 Monate ist Minimum, kein Ziel. Als Selbstständige mit unregelmäßigen Einnahmen halte ich eher 8-10 Monate. Das klingt viel, aber ich hab in 2020 gemerkt wie schnell Aufträge wegbrechen können. Nie wieder so eine Situation ohne Polster. Für einen Elektriker mit Festanstellung und ohne Familie würde ich sagen: 3 Monate Netto reichen, aber mach dir klar warum du diesen Puffer hast und was „Notfall" für dich konkret bedeutet. Ein kaputtes Auto ist kein Notfall wenn du Bahn fahren kannst. Eine Zahnbehandlung für 2.000 Euro schon eher.
Nettolohn_Nadine_B
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von Nettolohn_Nadine_B »

Aus HR-Sicht kann ich noch ergänzen: Kündigungsfristen und ALG-Wartezeit sind oft unterschätzt. In der Probezeit kann man mit zwei Wochen Frist rausgeworfen werden — da hilft die 3-Monatsregel gut. Außerhalb der Probezeit mit 4 Wochen oder mehr Kündigungsfrist plus ALG-Anspruch nach kurzer Wartezeit sieht die Lage schon ganz anders aus. Also: wer lange im Betrieb ist und entsprechende Kündigungsfristen hat (bei manchen Tarifverträgen 6 Wochen+), braucht eigentlich weniger eigenen Puffer weil der Staat und der Arbeitgeber im Ernstfall überbrücken. ? Trotzdem: Notgroschen ist Notgroschen, nicht nur Jobverlust-Absicherung. Krankheit, Haushaltsgeräte, Zähne — das kommt immer ungelegen.
MinimalistinMiriam
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von MinimalistinMiriam »

Ich denke, die ganze Debatte dreht sich am Ende um eine einzige Frage: Wie lange brauchst du, um dich von einem finanziellen Schock zu erholen, ohne Schulden machen zu müssen? Alles andere — Monatsgehälter, Fixkosten, Faustregeln — sind nur Näherungswerte für genau diese Frage. Wenn du die ehrlich für dich beantwortest, weißt du auch wie groß dein Puffer sein muss. Bei mir sind es übrigens 4 Monate Fixkosten. Nicht weil irgendwer das sagt, sondern weil ich damit jede realistische Krise in meinem Leben überbrücken kann ohne in Panik zu verfallen. Den Rest — und das sind bei mir ca. 80% der monatlichen Sparrate — stecke ich in einen Comdirect ETF-Sparplan auf den MSCI World. Simpel, günstig, funktioniert.
SchuldenfreiIn3Jahren
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?

Beitrag von SchuldenfreiIn3Jahren »

Okay, ich zieh mal ein kleines Fazit für mich aus dieser Diskussion — ihr habt mir wirklich geholfen den Kopf zu sortieren: - Fixkosten statt Bruttogehalt als Berechnungsbasis macht mehr Sinn - Für meine Situation (Festanstellung, kein Eigentum, keine Familie): 3-4 Monate Fixkosten reichen, also ca. 4.200-5.600 Euro - Alles über ~6.000 Euro gehört in den ETF-Sparplan, nicht aufs Tagesgeld - Zinsvergleich lohnt sich — danke @Vergleichsportal_Vroni für den Überblick Ich werd meinen Tagesgeld-Puffer auf 5.500 Euro setzen und den Rest (~1.500 Euro aktuell) als Einmalanlage in meinen Sparplan packen. Klingt nach einem Plan. @NullRound_Norbert dein Kommentar hat mich auch nochmal geerdet — manchmal vergisst man dass nicht alle vom gleichen Ausgangspunkt starten. 1.200 Euro aufgebaut zu haben ist keine Kleinigkeit. ?
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