Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
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SchuldenfreiIn3Jahren
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Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Moin zusammen,
ich bin grad dabei meinen Finanzkram neu aufzustellen und hänge bei der Frage fest: wie groß soll der Notgroschen eigentlich sein? Überall liest man diese 3-Monatsgehälter-Regel, aber ich frag mich ob das noch zeitgemäß ist oder ob das einfach irgendwann mal jemand gesagt hat und alle wiederholen das seitdem blind nach.
Bisschen Kontext zu mir: Ich bin Elektriker, angestellt, relativ sicherer Job weil Fachkräftemangel und so. Keine Kinder, keine Immobilie, Miete 750 Euro warm. Netto komm ich auf knapp 2.400 im Monat. Ich hab aktuell rund 7.000 Euro auf dem Tagesgeld bei der ING (3,25% oder so, keine Ahnung ob das noch aktuell ist).
Jetzt überleg ich: reichen mir 3 Monate (also ~7.200 Euro) wirklich aus, oder sollte ich eher 6 Monate puffern? Und ab wann sollte überschüssiges Geld lieber in ETFs oder sowas fließen statt auf dem Tagesgeld zu versauern?
Klar, jeder hat andere Umstände — aber mich interessiert vor allem wie ihr das handhabt und ob die 3-Monatsregel für Leute mit Familie, Eigenheim oder unsicherem Job komplett anders aussieht.
Was meint ihr? ?
Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Guten Tag,
die Drei-Monatsregel stammt ursprünglich aus einer Zeit, in der Tagesgeld kaum Zinsen brachte und Opportunitätskosten entsprechend gering waren. Sie ist als grobe Orientierung durchaus brauchbar, aber keineswegs in Stein gemeißelt.
Aus meiner langjährigen Tätigkeit als Steuerberater kann ich sagen: Entscheidend ist nicht die Anzahl der Gehälter, sondern die tatsächliche monatliche Belastung. Wer 750 Euro Miete zahlt und keine Unterhaltsverpflichtungen hat, braucht objektiv weniger liquide Reserve als jemand mit Hausdarlehen, zwei Kindern und einem Dienstwagen-Leasingvertrag.
Für Ihre Situation — Facharbeiter mit gesicherter Beschäftigungsperspektive, keine Immobilie, keine Kinder — würde ich persönlich sagen: 3 Monate sind völlig ausreichend, 4 Monate wären komfortabel. Alles darüber hinaus gehört sinnvoll angelegt.
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KassenzettelKlara
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Also ich sag mal so: drei Monatsgehälter klingt schön und gut, aber ich als Erzieherin hab einfach mal nachgerechnet was ich wirklich brauche wenn der schlimmste Fall eintritt ?
Ergebnis: meine monatlichen Fixkosten sind eigentlich viel niedriger als mein Netto. Also warum sollte ich 3x mein Gehalt horten wenn ich mit 3x meinen Fixkosten schon gut abgesichert bin? Seitdem denke ich in Fixkosten-Monaten, nicht in Gehalts-Monaten. Klingt logischer für mich ?
Bei dir mit 750 warm und sonst wenig Verpflichtungen würd ich sagen: 5.000 Euro und der Rest geht in den Sparplan. Aber das ist nur meine Meinung, ich bin keine Finanzberaterin lol
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Riestern_oder_nicht
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Die Faustregel ist meiner Meinung nach für Angestellte im öffentlichen Dienst wie mich fast schon überdimensioniert. Ich hab Unkündbarkeit, Beihilfe, Beamtenpension — da reicht eigentlich ein Monat als Puffer für unvorhergesehene Ausgaben.
Aber für jemanden im Privatsektor, auch wenn der Arbeitsmarkt gerade gut aussieht: Konjunkturen drehen sich. Was heute Fachkräftemangel ist, kann in drei Jahren schon anders aussehen. Das haben wir in der Industrie öfter gesehen als einem lieb ist.
Ich würde trotzdem nicht auf mehr als 4 Monate gehen wenn keine Familie und kein Eigentum vorhanden ist. Der Rest gehört angelegt.
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SelbstständigSilvia
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Als Freelancerin lache ich immer ein bisschen wenn ich lese „3 Monatsgehälter reichen". ?
Ich halte 6 bis 9 Monate meiner durchschnittlichen Monatsausgaben auf dem Tagesgeld — aktuell bei der DKB und einem kleinen Teil bei Trade Republic für etwas mehr Zinsen. Der Grund ist simpel: Aufträge können wegbrechen, Rechnungen werden spät bezahlt, Krankheit bedeutet null Einnahmen. Für mich ist der Notgroschen keine Faustregel sondern existenzielle Notwendigkeit.
Für dich als Festangestellten mit Fachkräftemangel-Bonus würde ich sagen: 3 Monate sind absolut okay, vielleicht 4 wenn du nachts ruhiger schläfst. Alles andere: ETF-Sparplan anwerfen. Die Inflation frisst den Rest sonst still und leise auf.
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Maklerschreck_Manfred
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Man muss hier wirklich unterscheiden zwischen dem psychologischen und dem rationalen Notgroschen. Aus meiner Zeit im Bankwesen kenne ich beide Typen von Kunden.
Der rationale Ansatz sagt: berechne deine tatsächlichen monatlichen Mindestausgaben (Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Strom) und halte drei bis vier Monate davon flüssig. Bei Ihrer Miete von 750 Euro und sagen wir 400 Euro sonstigen Fixkosten wären das grob 3.450 bis 4.600 Euro — also deutlich weniger als drei Bruttogehälter.
Der psychologische Notgroschen ist der, bei dem man abends ruhig schlafen kann. Den darf man nicht unterschätzen. Wenn Sie mit 10.000 Euro besser schlafen, dann legen Sie 10.000 zurück und fertig. Finanzen ist auch Kopfsache.
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Girokonto_Gabi_Gera
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
haha ich hab noch nie in meinem leben einen „notrgochen" gehabt bis ich 38 war ? immer lebte ich von gehalt zu gehalt. jetzt hab ich endlich 2000 euro auf nem tagesgeld und fühle mich wie ne millionärin ehrlichgesagt
also für manche leute ist die frage schon luxus. aber schön dass du dir gedanken machst, das sollten mehr leute tun!
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RenditeRechner_Raimund
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Ich möchte eine oft übersehene Dimension in die Diskussion einbringen: die steuerliche Behandlung der Tagesgeldzinsen und die damit verbundene Nettorendite.
Bei aktuell rund 3,0 bis 3,5 Prozent Tagesgeldzinsen und einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag verbleiben netto etwa 2,2 bis 2,6 Prozent. Bei einer Inflationsrate, die zuletzt bei 2,2 bis 2,5 Prozent lag, ist der Realertrag auf dem Tagesgeld nahezu null oder sogar negativ.
Das bedeutet: Liquiditätsreserve ja, aber bitte so bemessen wie nötig und nicht als Sparinstrument missbrauchen. Alles über vier Netto-Monatsausgaben hinaus sollte bei einem 26-35-jährigen Angestellten ohne familiäre Verpflichtungen in ein breit diversifiziertes Portfolio fließen. Der Sparerfreibetrag von 1.000 Euro pro Person sollte dabei vollständig ausgeschöpft werden.
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SchuldenfreiIn3Jahren
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Danke euch schon mal für die ersten Antworten! Interessant dass mehrere von euch in Richtung Fixkosten statt Gehalt denken — das macht tatsächlich mehr Sinn wenn ich drüber nachdenke.
@KassenzettelKlara dein Ansatz mit den Fixkosten-Monaten ist eigentlich einleuchtend. Ich hab mal schnell gerechnet: Miete 750, Versicherungen ca. 150, Lebensmittel 300, sonstiger Kram ~200 — macht so 1.400 Euro wirklich notwendige Ausgaben. 3x davon wären 4.200 Euro. Das wär deutlich weniger als ich dachte.
@RenditeRechner_Raimund ja den Sparerfreibetrag hab ich noch nicht voll ausgeschöpft, guter Punkt. Muss ich mal schauen was da noch Luft ist.
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Doppelverdiener_Dana
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Re: Tagesgeld als Notgroschen: Sind 3 Monatsgehälter wirklich genug oder totaler Quatsch?
Ich glaube die richtige Antwort hängt wirklich stark vom Lebensstil ab. Wir sind Doppelverdiener, keine Kinder, Eigentumswohnung mit Kredit. Wir halten 6 Monate kombinierte Fixkosten auf dem Tagesgeld — aufgeteilt zwischen ING und Barclays (wegen Einlagensicherung, je 100k abgesichert, auch wenn wir da noch weit entfernt sind ?).
Der Grund für die 6 Monate bei uns: wenn eine Heizung bricht, das Auto streikt UND einer von uns kurz ausfällt — das kann gleichzeitig passieren. Mit Immobilie kommen unerwartete Kosten viel häufiger als man denkt. Die letzte Überraschung war eine Balkonsanierung für 4.800 Euro. Ohne Puffer wäre das unangenehm geworden.
Für dich ohne Immobilie: ich würde bei 3-4 Netto-Monatsgehältern bleiben und den Rest wirklich investieren. Der Zinseszins-Effekt ist in deinem Alter noch riesig. ?