Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

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FreiheitsfondsFrederike
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von FreiheitsfondsFrederike »

Ich finde diese Diskussion super, aber ich will mal eine andere Perspektive einbringen ? Niko, du schreibst selbst dass du nicht weißt ob du im Crash durchhältst. Das ist die ehrlichste und wichtigste Aussage in deinem Post. Weil: die beste Strategie ist die, die du auch wirklich durchziehst. Ich bin Sozialarbeiterin, hab mit Finanzen nix am Hut gehabt bis vor zwei Jahren. Ich hab damals mit einem Robo angefangen (Ginmon, falls das jemand kennt), einfach weil ich keinen mentalen Overhead wollte. Nach einem Jahr hab ich mich so weit eingelesen, dass ich selbst Bescheid wusste — und bin dann zu DIY gewechselt. Der Robo war für mich quasi ein Lernpuffer. Vielleicht ist das ja auch für dich ein Weg? Statt "entweder oder" einfach mit dem Robo starten, Gebühren als Lerngebühr betrachten, und wenn du merkst du hast das Vertrauen in dich selbst — umsteigen. Die Welt geht nicht unter wenn du ein Jahr länger Gebühren zahlst. ✌️
InvestNoob_2023
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von InvestNoob_2023 »

alter ich check das nicht ganz ? also wenn ich bei Trade Repulic einfach nen sparplan auf den MSCI world mach is das das selbe wie dieser robo kram nur halt billiger oder?? weil ich dachte robo macht irgendwie mehr sorry wenn das dumm klingt aber ich bin auch neu hier ?
GiroGuru_Gino
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von GiroGuru_Gino »

InvestNoob_2023 schrieb:also wenn ich bei Trade Republic einfach nen sparplan auf den MSCI world mach is das das selbe wie dieser robo kram nur halt billiger oder? Im Prinzip ja — mit einem Unterschied: Der Robo macht automatisch Rebalancing wenn dein Portfolio aus der Zielallokation läuft, und hat meistens eine ausgeklügeltere Mischung aus verschiedenen Asset-Klassen (manchmal Anleihen, Gold, etc. dabei). Ein simpler MSCI World Sparplan macht das nicht automatisch — aber wenn du nur einen ETF hast, brauchst du auch kein Rebalancing. ? Also kurz: Ja, für den Anfang ist ein MSCI World Sparplan absolut solide und billiger. Kein Hexenwerk.
ETF_Erna_aus_Erfurt
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von ETF_Erna_aus_Erfurt »

Ich muss auch mal was sagen, ich bin hier zwar kein Experte aber ich hab das selbst durchlebt. Ich hab 2021 mit Scalable Capital angefangen weil ich dachte ich blicks nicht selbst. 0,75% hab ich brav gezahlt, ein Jahr lang. Dann hab ich hier im Forum gelesen wie einfach das eigentlich ist, hab mir zwei Stunden Zeit genommen, Sparplan bei der ING eingerichtet — MSCI World und fertig. Bereue nur dass ich nicht früher gewechselt hab. Das Rebalancing hab ich noch nie machen müssen weil ich nur einen ETF bespare. Kein Stress. Wenn ich mal zwei ETFs hätte würd ich einfach wie @RenditeRechner_Raimund schreibt die monatliche Rate anpassen statt zu verkaufen. Das klingt eigentlich logisch.
BavarianBudgetBuam
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von BavarianBudgetBuam »

Niko, pass auf — ich erklär dir das als KFZ-Meister ? Ein Robo-Advisor ist wie wenn du dein Auto in die Werkstatt gibst obwohl du selbst Öl wechseln könntest. Geht schon, kostet aber extra. Und der Mechaniker macht nix Zauberhaftes — er macht halt das was du auch könntest wenn du dir kurz YouTube anschaust. Jetzt könnte man sagen: "Aber ich hab keine Zeit!" — ja, für einen Sparplan einrichten brauchst du 2 Stunden einmalig. Das ist kein Zeitproblem, des is a Motivationsproblem. Und des sagst mir selbst ja auch so halb ? Mia in Bayern sagen: Schau, dass d Geld beinander hast. 0,75% mehr im Jahr is auf 20 Jahr halt a paar Tausender. Lohnt si ned.
SparschweinSophie_CH
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von SparschweinSophie_CH »

Aus Schweizer Perspektive kurz: Bei uns ist das Thema ähnlich gelagert, nur dass wir mit Frankenwährungsrisiko noch einen extra Faktor haben wenn wir in Euro-ETFs investieren. Was ich aber sagen wollte: Ich hab mich letztes Jahr intensiv mit dem Thema beschäftigt und einen interessanten Aspekt gefunden. Manche Robos — z.B. Quirion oder Weltsparen — haben für kleinere Depots unter 10.000€ teilweise günstigere Einstiegskonditionen oder sogar Flat Fees statt prozentualer Gebühr. Da lohnt sich der direkte Vergleich der Kostenstruktur, nicht nur der pauschale "0,75%"-Vergleich. ? Für Nikos Situation mit 200€/Monat und einem wachsenden Depot würde ich aber trotzdem sagen: DIY ist langfristig günstiger. Der Aufwand ist wirklich überschaubar.
Disposchulden_Detektiv
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von Disposchulden_Detektiv »

Ich arbeite als Sozialpädagoge und sehe in meiner Beratung oft Menschen, die gar nichts anlegen weil sie sich nicht entscheiden können. Aus dieser Perspektive: Wenn der Robo-Advisor der einzige Weg ist, den du tatsächlich gehst — dann ist er besser als die Alternative "ich warte noch bis ich alles verstanden habe". Aber bei dir klingt das nicht so. Du bist hier, du stellst konkrete Fragen, du rechnest nach. Du bist kein typischer Nicht-Entscheider. Ich tippe: Du schaffst das auch selbst. Konkret empfehlen würde ich dir: Lies dir die Finanztip-Seite zum Thema ETF-Sparplan durch (kostenlos, gut erklärt, keine Produktwerbung), und dann entscheide. Du wirst sehen: Es ist wirklich nicht kompliziert.
ImmoInvestorin_Inge
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von ImmoInvestorin_Inge »

Interessante Diskussion. Ich investiere hauptsächlich in Immobilien, aber ETFs laufen bei mir nebenher — und ich hab bewusst auf den Robo verzichtet. Was mich bei Robo-Advisors stört: Du gibst die Kontrolle ab. Nicht nur über das Rebalancing, sondern auch über die Asset-Allokation. Die entscheiden welche ETFs, welche Gewichtung, manchmal auch welche Anleihenquote. Wenn du das nicht selbst durchschaust, weißt du eigentlich nicht wirklich was du hast. Bei Immobilien würde ich auch nicht einfach jemandem sagen "kauf mir was Schönes" ohne zu wissen was. Beim ETF-Depot sollte das ähnlich sein. Zwei Stunden Grundwissen, dann selbst entscheiden.
SteuerSparSebastian
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von SteuerSparSebastian »

Ich möchte die steuerliche Dimension noch etwas schärfer fassen als meine Kollegen August und Raimund es bereits getan haben. Bei einem selbstverwalteten ETF-Portfolio können Sie den Freistellungsauftrag von 1.000€ (Einzelperson, Stand 2024) gezielt steuern — etwa indem Sie in Jahren mit geringen sonstigen Kapitalerträgen bewusst Gewinne realisieren und reinvestieren (sogenanntes "Tax-Loss-Harvesting" funktioniert in Deutschland zwar nicht in der US-amerikanischen Form, aber gezieltes Gewinnemittnahme innerhalb des Freibetrags ist möglich). Ein Robo-Advisor handelt nach eigenem Ermessen und berücksichtigt Ihren individuellen Freistellungsauftrag in der Regel nicht aktiv. Das ist ein echter Nachteil, der in der reinen Kostenrechnung nicht auftaucht. Fazit aus steuerlicher Sicht: Das selbstverwaltete Portfolio bietet mehr Steuergestaltungsspielraum — vorausgesetzt, der Anleger nutzt ihn auch aktiv.
Null_Schulden_Niko
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?

Beitrag von Null_Schulden_Niko »

Leute, erstmal fettes Danke für die ganzen Antworten — das hätte ich nicht erwartet ? Ich glaub ich hab jetzt meine Entscheidung: DIY ETF-Sparplan, und zwar mit einem einzigen breit gestreuten ETF erstmal. Wahrscheinlich Vanguard FTSE All-World oder MSCI World, muss ich noch genauer vergleichen. Den Tipp von @RenditeRechner_Raimund mit dem Rebalancing über Kaufanpassungen statt Verkäufe fand ich super clever — das hätte ich so nicht gedacht. Und @FreiheitsfondsFrederike hat recht, ich bin offensichtlich kein totaler Anfänger mehr wenn ich hier so eine Frage stelle ? Was mich am meisten überzeugt hat: Die Erfahrung von @Zinsoptimist77 der beides gemacht hat und sagt die Performance war vergleichbar. Dann kann ich mir die 0,75% auch sparen. Depot wird wohl bei der ING oder Consorsbank — muss ich noch schauen welche Konditionen besser sind. Sparplan läuft dann ab nächsten Monat. Mal schauen ob ich im nächsten Crash ruhig bleibe ?
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