Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
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Null_Schulden_Niko
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Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Moin zusammen,
ich steh grad vor einer Entscheidung und drehe mich im Kreis. Ich überlege seit Wochen ob ich meinen Kram einem Robo-Advisor in die Hand geben soll oder einfach selbst nen ETF-Sparplan aufsetze. Konkret schau ich mir Scalable Capital und Quirion an — aber das könnte genauso gut irgendein anderer Robo sein.
Das Problem: Die nehmen ca. 0,75% p.a. obendrauf gegenüber einem simplen MSCI World ETF bei der Direktbank. Bei 20.000€ Depot sind das 150€ im Jahr. Klingt erst mal nicht viel, aber auf 20 Jahre hochgerechnet wird das halt ein ordentlicher Batzen der mir fehlt.
Andererseits: Ich bin Lagerist, kein Finanzprofi. Ich hab keine Ahnung ob ich im nächsten Crash einfach stur durchhalte oder doch die Nerven verliere und alles verkaufe. Vielleicht ist der Robo genau deshalb was für mich — weil er einfach weiter macht ohne dass ich draufschauen muss? ?
Meine Fragen an euch:
- Ist 0,75% p.a. wirklich so schlimm langfristig?
- Was bringt das Rebalancing vom Robo wirklich — kann ich das nicht einfach selbst machen?
- Hat jemand von euch beides ausprobiert und kann vergleichen?
Ich spar aktuell 200€/Monat und will das auf 10-20 Jahre anlegen. Kein Zocker, will einfach dass mein Geld nicht auf dem Tagesgeldkonto fault. ?
Danke schon mal!
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GiroGuru_Gino
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Hey Niko, gute Frage — und ich sag's direkt, weil ich von Berufs wegen weiß wie die Banken das vermarkten: 0,75% p.a. ist auf lange Sicht tatsächlich ein Renditekiller.
Kleines Rechenbeispiel: 200€/Monat über 20 Jahre, 7% Bruttorendite angenommen. Ohne Extrakosten: ca. 104.000€. Mit 0,75% Mehrkosten (also 6,25% effektiv): ca. 93.500€. Das sind über 10.000€ Unterschied — nur wegen der Gebühr. Das ist kein Pappenstiel.
Für das Rebalancing brauchst du keinen Robo. Einmal im Jahr anschauen, wenn eine Position >5% vom Zielgewicht abweicht, nachkaufen. Fertig. Das schaffst du auch als Nicht-Finanzprofi.
Mein Tipp: Nimm einen MSCI World + EM ETF (z.B. 70/30), Sparplan bei der Consorsbank oder Trade Republic, und schau nur einmal pro Quartal rein. Weniger ist mehr. ?
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Abgeltungssteuer_August
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Dem Rechenbeispiel von Gino ist grundsätzlich zuzustimmen, jedoch möchte ich einen Aspekt ergänzen, der in solchen Vergleichen regelmäßig ignoriert wird: die steuerliche Behandlung von Rebalancing-Vorgängen.
Wenn Sie beim selbstverwalteten ETF-Portfolio Positionen verkaufen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, fällt Abgeltungssteuer auf realisierte Gewinne an (25% zzgl. Soli). Ein Robo-Advisor rebalanciert intern, ohne dass Sie als Anleger zwingend einen steuerpflichtigen Vorgang auslösen — das hängt jedoch von der konkreten Konstruktion ab und ist nicht pauschal zutreffend.
Prüfen Sie bitte bei den konkreten Anbietern, wie deren Rebalancing steuerlich behandelt wird. Das kann in der Praxis den Kostenvorteil des DIY-Ansatzes teilweise wieder aufzehren.
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BudgetBärBenni
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
alter ich bin student und hab das gleiche durchgemacht ? hab mal kurz Scalable Capital getestet, war ok aber dann hab ich gemerkt: ich zahl halt einfach dafür dass jemand anders auf einen Knopf drückt den ich auch drücken könnte lol
bin jetzt bei Trade Republic, MSCI World Sparplan, 50€/Monat. Fühlt sich eigentlich gar nicht stressig an?? Man schaut halt einfach nicht jeden Tag drauf ??
aber ich versteh auch wenn man kein Bock hat sich einzulesen. ist halt type-abhängig
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Inflationsschutz_Irene
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Ich sehe das etwas differenzierter als die bisherigen Antworten. Die 0,75% sind natürlich ein echter Kostenfaktor, aber ich finde die psychologische Komponente wird hier unterschätzt.
Ein Robo-Advisor verhindert aktiv, dass du in einem Crash-Szenario auf "Alles verkaufen" klickst. Und das ist kein kleines Feature — das ist für viele Anleger der entscheidende Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg. Ich kenne Leute, die im März 2020 alles rausgeschmissen haben und dann den Anstieg verpasst haben. Die hätten mit einem Robo wahrscheinlich besser abgeschnitten, trotz Mehrkosten.
Wenn du dir selbst vertraust, dass du eisern dabei bleibst: DIY ist klar besser. Wenn du unsicher bist: die Gebühr kann sich lohnen als eine Art Versicherung gegen die eigene Psyche. Das ist keine Schwäche, das ist Selbstkenntnis.
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Maklerschreck_Manfred
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Ich war 40 Jahre in der Bank und kann Ihnen sagen: Der Robo-Advisor ist für die Bank ein wunderbares Geschäftsmodell. Für den Kunden — naja.
Früher haben wir aktiv gemanagte Fonds verkauft mit 1,5-2% TER plus Ausgabeaufschlag. Heute verkaufen die Robos quasi dasselbe Versprechen ("wir kümmern uns für Sie") für 0,75%. Das ist besser als damals, aber verglichen mit einem simplen World-ETF für 0,12-0,20% TER ist es immer noch teuer.
Ich selbst habe seit der Rente einen FTSE All-World bei Comdirect laufen. Kein Rebalancing-Stress, weil der Fonds das selbst macht. Einfacher geht's nicht.
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BudgetBärBenni
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
@Maklerschreck_Manfred warte mal kurz — FTSE All-World macht das Rebalancing selbst?? hab ich nicht gewusst ehrlich gesagt ? also der Vanguard FTSE All-World passt die Gewichtungen intern an ohne dass man was tun muss?
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Maklerschreck_Manfred
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
@BudgetBärBenni Ja, genau das ist der Vorteil eines breit gestreuten Welt-ETF. Der Index selbst — in dem Fall der FTSE All-World — gewichtet die enthaltenen Aktien nach Marktkapitalisierung. Wenn also eine Aktie oder Region an Gewicht verliert, passiert das automatisch im Index und damit im ETF. Sie müssen nichts tun. Das nennt man auch "natürliches Rebalancing".
Das ist übrigens einer der Hauptgründe, warum manche Experten sagen: Ein einziger breit gestreuter ETF ist für 90% der Privatanleger völlig ausreichend.
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Zinsoptimist77
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Ich hab beides gemacht — zur Befriedigung der Frage von Niko. Zwei Jahre Quirion, dann gewechselt auf DIY mit zwei ETFs (MSCI World + EM 70/30).
Mein ehrliches Fazit: Der Robo hat mich nicht schlechter schlafen lassen, aber auch nicht besser. Die Performance war in etwa vergleichbar, was mich rückblickend ärgert, weil ich eben für dieses "vergleichbar" 0,75% extra gezahlt habe.
Was mir beim Eigenbau aufgefallen ist: Man beschäftigt sich zwangsläufig mehr mit dem Thema und versteht langsam warum man was hält. Das ist kein Nachteil, auch wenn es anfangs nach Arbeit klingt. Nach 3 Monaten ist der Sparplan eingerichtet und läuft — da ist kein wöchentlicher Aufwand.
Einziger Vorteil Robo den ich anerkennen würde: Onboarding ist tatsächlich einfacher für absolute Anfänger.
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RenditeRechner_Raimund
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Re: Robo-Advisor vs. selbst gebauter ETF-Sparplan — lohnt sich die Bequemlichkeit?
Herr August hat einen wichtigen Punkt angesprochen, den ich als Steuerberater vertiefen möchte.
Beim selbstverwalteten Portfolio mit mehreren ETFs entsteht beim Rebalancing durch Verkauf tatsächlich ein steuerpflichtiger Vorgang. Bei 200€ monatlicher Sparrate und einem angenommenen Depot von 20.000€ wird sich das in den ersten Jahren jedoch in sehr überschaubaren Grenzen halten — die Freistellungsaufträge (aktuell 1.000€ für Einzelpersonen) dürften den Großteil abdecken.
Ein steuerlich eleganterer Ansatz: Rebalancing nicht durch Verkauf, sondern ausschließlich durch gezieltes Übergewichten der Käufe der untergewichteten Position. Bei 200€/Monat kann man die monatliche Rate flexibel auf die Positionen verteilen, die gerade hinter der Zielallokation zurückliegen. Kein Verkauf, keine Steuerpflicht, gleiche Wirkung.