Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Haushaltsbuch, Notgroschen, FIRE, Geld lernen
ChillFaktor_Christoph
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von ChillFaktor_Christoph »

Ich geb mal den Gegenpol: Ich hab 3 verschiedene Apps ausprobiert, 2 Excel-Templates gebaut und am Ende... nichts davon konsequent durchgezogen ? Was bei mir tatsächlich funktioniert hat: Die 50-30-20-Regel als grobes Framework. 50% für Fixkosten, 30% für Lifestyle, 20% sparen/investieren. Und dann einfach schauen ob das ungefähr passt, ohne jede Ausgabe zu tracken. Kein Haushaltsbuch im klassischen Sinne, aber zumindest ein Rahmen. Bei 2.400€ netto wären das: 1.200€ Fixkosten, 720€ "Leben", 480€ sparen. Ist das realistisch in Köln? Kommt auf die Miete an ?
Mietwahnsinn_Moni
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von Mietwahnsinn_Moni »

50-30-20 klingt gut bis man in einer Großstadt wohnt ? Ich bin in München und zahle allein 1.050€ Kaltmiete für 32qm. Da ist die Regel schon beim ersten Punkt gesprengt. Aber grundsätzlich stimmt das Prinzip – man braucht irgendeine Art von Aufteilung. Ob das 50-30-20 ist oder was anderes, ist egal. Was ich der OP empfehlen würde: Einfach mal einen Monat lang alles aufschreiben, ohne sich zu optimieren. Kein Druck, keine Regeln. Nur gucken was wirklich passiert. Danach sieht man sehr schnell wo die Stellschrauben sind.
ETF_Einsteigerin_Eva
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von ETF_Einsteigerin_Eva »

Ich hab vor einem Jahr genau das gemacht was Moni beschreibt – einen Monat einfach alles notiert, ohne Druck. Das Ergebnis war... ernüchternd ? Ich hatte 180€ für Cafés und Restaurants, die ich komplett unterschätzt hatte. Danach hab ich mir die App Spendee geholt (kostenlose Version reicht am Anfang) und das hat bei mir gut funktioniert. Die Oberfläche ist schön und nicht so trocken wie manche deutschen Lösungen. Wichtig fand ich: nicht zu viele Kategorien. Ich hab mit 7 angefangen und irgendwann auf 12 erweitert als ich besser wusste was ich tracken will. Andersherum ist schwerer.
RentnerKarlheinz
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von RentnerKarlheinz »

Guten Tag, ich bin zwar nicht mehr im Berufsleben, aber ich möchte aus meiner Erfahrung heraus sagen: Das Wichtigste am Haushaltsbuch ist nicht das Werkzeug, sondern die Regelmäßigkeit. Ich habe über 30 Jahre jeden Monat meine Ausgaben notiert – anfangs in einem kleinen Heft, später dann am Computer. Was ich heute noch so mache: Am Ende jeden Monats schaue ich, ob meine Ausgaben in dem Bereich liegen, den ich mir vorgenommen hatte. Wenn nicht, überlege ich warum. Das genügt eigentlich. Für junge Leute würde ich außerdem empfehlen: Gleich von Anfang an einen kleinen Betrag zur Seite legen. Auch wenn es am Anfang nur 50 oder 100 Euro sind. Der Gewöhnungseffekt ist wichtg.
InflationsAngstInga
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von InflationsAngstInga »

Was ich noch ergänzen möchte, weil das hier noch nicht erwähnt wurde: Schreib dir auch auf, welche Ausgaben einmalig waren und welche regelmäßig sind. Gerade im ersten Jahr nach dem Studium gibt es viele einmalige Kosten – neue Möbel, Erstausstattung, vielleicht Umzugskosten. Die verfälschen dein Bild wenn du sie nicht kennzeichnest. Ich hab früher als Buchhalterin gearbeitet und das war das häufigste Missverständnis bei Leuten die ihr erstes Budget aufgestellt haben: Sie dachten "ich geb 500€ im Monat für Einrichtung aus" und wunderten sich. Nein – das war einmalig.
Zinsoptimist77
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von Zinsoptimist77 »

Solides Thema. Ich möchte noch einen konkreten Punkt hinzufügen der hier zu kurz kommt: Automatisierung. Sobald du weißt was deine monatlichen Fixkosten sind, richtest du am besten Daueraufträge ein – und zwar so, dass am 1. des Monats automatisch ein festgelegter Sparbetrag auf ein separates Konto geht. Nicht am Ende des Monats was "übrig bleibt" sparen. Das funktioniert nie. Konkret: Gehalt kommt rein, 300€ gehen automatisch auf Tagesgeld, 100€ in einen ETF-Sparplan. Was übrig bleibt, ist dein Budget für den Monat. Das Haushaltsbuch hilft dir dann nur noch zu verstehen ob du innerhalb dieses Budgets bleibst. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis nach 20 Jahren mit Haushaltsbuch.
Hypotheken_Hilde
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von Hypotheken_Hilde »

Ich finde es schön, wie viele hier schon konkrete Tipps gegeben haben. Ich möchte aber auf eine Frage eingehen die Claudia direkt gestellt hat und die bisher ein bisschen untergegangen ist: Wie lange dauert es bis es zur Gewohnheit wird? Meine ehrliche Antwort aus Erfahrung: 3 bis 4 Monate, wenn man konsequent ist. Die ersten Wochen ist man motiviert, dann kommt ein hektischer Monat, man vergisst einiges, fängt fast von vorne an. Das ist normal und kein Zeichen dass man es aufgeben soll. Was geholfen hat: Ich hab mir einen festen Termin gesetzt – jeden Sonntagabend 15 Minuten "Finanzzeit". Nicht spontan wenn ich Lust hab. Fester Termin im Kalender, wie ein Meeting mit mir selbst.
GiroKontoGustav
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von GiroKontoGustav »

Das mit dem festen Termin von Hilde kann ich nur bestätigen. Bei mir ist es Montagmorgen beim ersten Kaffee. Funktioniert seit Jahren so. Ach ja, und was ich noch loswerden wollte: Kontoauszüge aufheben! Klingt altmodisch, aber wenn man mal zurückschauen will was in einem bestimmten Monat vor 2 Jahren passiert ist, ist das Gold wert. Ich hab meine als PDF gespeichert, schön nach Jahr und Monat sortiert.
TagesgeldTanja_FFM
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von TagesgeldTanja_FFM »

Ich arbeite in einer Bank und sehe täglich wie wenig Leute ihren eigenen Kontostand kennen. Daher: gut dass du das angehen willst. Praktischer Tipp aus der Praxis: Schau dir bei deiner Bank an, ob es eine eingebaute Kategorisierungsfunktion gibt. Die DKB, ING und comdirect haben das alle – einfach im Online-Banking Transaktionen nach Kategorien filtern lassen. Nicht perfekt, aber für den Einstieg völlig ausreichend und ohne zusätzliche App. Wenn du dann nach 2-3 Monaten merkst, dass du mehr Tiefe willst, kannst du immer noch zu MoneyMoney oder YNAB wechseln. Erstmal mit dem anfangen was du schon hast.
Mahnbescheid_Monika
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Re: Mein erstes richtiges Haushaltsbuch nach dem Studium – womit anfangen?

Beitrag von Mahnbescheid_Monika »

@TagesgeldTanja_FFM das stimmt mit der DKB – hab ich auch gemacht am Anfang. Das reicht echt für die ersten Monate. Was ich noch sagen wollte: Pass auf mit "Shopping"-Kategorie. Ich hab alles was kein Lebensmittel war unter Shopping gepackt und dann gemerkt: da stecken Drogerie, Kleidung, Amazon-Zeugs und Geschenke alle zusammen drin. Das sagt einem am Ende nix. Lieber von Anfang an sauber trennen, auch wenn's mehr Aufwand ist.
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