Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

KFZ, Haftpflicht, Hausrat, Berufsunfähigkeit, PKV
Klaus_K
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Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von Klaus_K »

Guten Tag zusammen, ich stelle diese Frage nicht für mich – ich bin Rentner und das Thema hat sich erledigt – sondern für meinen Sohn, der mich darum gebeten hat, das hier einzustellen. Er ist 38, Angestellter (Vertriebsleiter), verdient ca. 6.200 € brutto, und ist seit drei Jahren in der PKV (Hallesche, Tarif NK). Sein Versicherungsberater empfiehlt ihm nun zusätzlich einen Krankentagegeld-Tarif für Angestellte. Der Tarif würde ab dem 43. Krankheitstag greifen und etwa 90 € pro Tag kosten – nein, Verzeihung, zahlen. Prämie wäre ca. 38 € im Monat. Die Frage, die er sich stellt und die ich ehrlich gesagt auch nicht klar beantworten kann: Der Arbeitgeber zahlt ja die ersten 6 Wochen den Lohn weiter (§ 3 EFZG). Danach springt doch bei PKV-Versicherten das Krankentagegeld ein – aber woher? Aus der PKV, wenn man den Tarif hat. Ohne Tarif: gar nichts? Ich meine, das kann doch nicht sein. Was passiert ohne Krankentagegeld-Tarif nach Woche 6? Zahlt die Krankenkasse – also die PKV – da irgendetwas? Oder steht man wirklich mit null da? Würde mich über sachkundige Einschätzungen freuen. Der Berater hat natürlich Interesse daran, einen weiteren Tarif zu verkaufen – das ist mir bewußt.
ImmoSkeptiker_Ivo
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von ImmoSkeptiker_Ivo »

Kurze Antwort: Ja, ohne expliziten Krankentagegeld-Tarif in der PKV bekommt man nach den 6 Wochen Lohnfortzahlung tatsächlich gar nichts von der PKV. Die PKV ist eine reine Kostenerstattungsversicherung – sie bezahlt Arzt, Krankenhaus, Medikamente. Einkommensersatz ist da nicht drin, es sei denn man hat das extra vereinbart. GKV-Mitglieder bekommen nach den 6 Wochen Krankengeld von der Kasse (ca. 70% des Brutto, max. 70% der Beitragsbemessungsgrenze). PKV-Versicherte haben das eben nicht automatisch – das muss man separat abschließen. Bei 6.200 € brutto und ohne Krankentagegeld-Tarif: nach Woche 7 = 0 Euro Einnahmen. Das ist keine Theorie, das passiert.
DepotDiversifizierer_Dan
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von DepotDiversifizierer_Dan »

@ImmoSkeptiker_Ivo hat das schon gut zusammengefasst. Ich ergänze mal aus eigener Erfahrung: Ich bin auch PKV (DKV) und hab den KTG-Tarif. Mein Arbeitgeber hat mir mal erklärt, dass viele PKV-Neulinge genau diesen Punkt übersehen – man denkt, "PKV ist doch viel besser als GKV", stimmt auch für Behandlungsleistungen, aber beim Krankentagegeld muss man selbst aktiv werden. ? 38 € im Monat für 90 € täglich ab Tag 43 klingt für mich bei dem Gehalt eigentlich nach einem fairen Preis. Ich zahle für einen ähnlichen Schutz (85 €/Tag) bei der DKV ca. 41 € – und das seit 4 Jahren ohne eine einzige Leistung in Anspruch genommen zu haben. Trotzdem würde ich ihn nicht kündigen. Frag mal nach: Greift der Tarif auch bei Psyche? Burnout etc.? Das ist heutzutage nicht selbstverständlich und manche Tarife haben da Ausschlüsse oder Wartezeiten.
Riester_Realist_Rainer
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von Riester_Realist_Rainer »

Also ich kenn das Thema von nem Kumpel, der 9 Wochen krankgeschrieben war (Bandscheibe). Der war in der GKV, hat Krankengeld bekommen – war weniger als sein Netto, aber immerhin was. Wenn der in der PKV ohne KTG-Tarif gewesen wäre: Totalausfall ab Woche 7. Bei 6.200 € brutto sind das irgendwas um die 3.800-4.000 € netto die Monat, schätze ich mal. Mal angenommen der ist 2 Monate lang krank – das sind 2 Monate ohne Einkommen. Klar hat man Rücklagen, aber man verbrennt die halt sinnlos. Die 38 € Prämie sind da absolut vertretbar. Das ist weniger als ein Restaurantbesuch.
FinanzPhilosophin_Frauke
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von FinanzPhilosophin_Frauke »

Ich möchte die Diskussion etwas strukturieren, weil ich glaube, dass hier zwei Fragen vermischt werden: 1. Ist Krankentagegeld grundsätzlich nötig? Ja, für PKV-Versicherte ohne ausreichendes Vermögen eindeutig. Die Lücke nach Woche 6 ist real und kein Konstrukt eines provisionshungrigen Beraters. 2. Ist dieser konkrete Tarif der richtige? Das hängt davon ab, was drinsteckt. Wichtige Punkte: Ab wann greift er exakt (Tag 43 bedeutet: der 43. Krankheitstag, oder ab Beginn der 7. Woche?), gibt es eine Begrenzung der Leistungsdauer, gibt es Ausschlüsse für psychische Erkrankungen, Sucht, Vorerkrankungen? Ich würde dem Sohn raten, den Tarif-Bedingungstext selbst zu lesen – nicht die Zusammenfassung des Beraters. Und ggf. mit einem unabhängigen Versicherungsberater (Honorarbasis, z.B. über BfV oder VEMA) gegenlesen lassen.
SparstrumpfSigrid
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von SparstrumpfSigrid »

Mein Gott, das wusste ich gar nicht so genau! Ich war mein Leben lang in der GKV, da lief das automatisch. Dass man bei der PKV das extra abschließen muss – das ist ja eignetlich ein Skandal das man so übersehen kann. Danke fürs Erklären hier. Ich lerne immer noch dazu ?
KreditBremse_Kira
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von KreditBremse_Kira »

ok wait ich check das kurz: PKV zahlt KEINE Behandlung wenn man krank ist?? oder hab ich das falsch verstanden ? ach so nein, die PKV zahlt schon Arzt und so, aber kein Geld zum Leben wenn man nicht arbeiten kann. ok das macht Sinn aber auch irgendwie keinen lol. wozu zahlt man dann die hohen beiträge wenn man trotzdem blank dasteht ? aber srsly für den sohn von @Klaus_K klingt das nach nem no-brainer wenn er keine riesigen rücklagen hat
ImmoSkeptiker_Ivo
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von ImmoSkeptiker_Ivo »

KreditBremse_Kira schrieb:wozu zahlt man dann die hohen beiträge wenn man trotzdem blank dasteht Weil die PKV-Beiträge für Behandlungsleistungen gedacht sind – bessere Ärzte, Einbettzimmer, keine Wartezeiten. Das ist der Deal. Einkommensersatz ist strukturell etwas anderes und gehört nicht zur Krankenversicherung im eigentlichen Sinne, das ist eher Richtung Berufsunfähigkeit / Einkommensabsicherung. In der GKV ist das Krankengeld quasi implizit mit drin (der Beitragssatz finanziert das mit). In der PKV ist es ein Zusatzbaustein. Kein besser/schlechter, nur anders strukturiert.
MamiSpartHart
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von MamiSpartHart »

Ich finds manchmal echt frustrierend wie komplex das alles ist ? Ich bin in der GKV und hab noch nie drüber nachgedacht ob das Krankengeld automatisch kommt oder nicht. Jetzt mach ich mir Sorgen ob das bei mir auch so ist ? Aber zum Thema: mein Schwager ist PKV und hatte mal 4 Wochen eine Grippe-Komplikation. Der war froh, dass es "nur" 4 Wochen waren, also noch innerhalb der Lohnfortzahlung. Hätte es 8 Wochen gedauert – er hätte keinen Krankentagegeld-Tarif gehabt. Er hat danach sofort einen abgeschlossen. ? Also: besser vorher als nachher.
Festgeld_Franziska
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?

Beitrag von Festgeld_Franziska »

Als Ärztin, die selbst in der PKV ist (Hallesche übrigens auch, NK Plus), kann ich das Gesagte bestätigen. Der KTG-Tarif ist für Angestellte in der PKV kein Luxus, sondern Basisabsicherung. Ein Punkt, der hier noch nicht erwähnt wurde: Wer als Angestellter in die PKV wechselt, verliert den GKV-Krankengeldanspruch vollständig. Es gibt keine Rückoption, keine Grundabsicherung. Die PKV-Grundtarife enthalten kein Krankengeld – das muss wirklich extra vereinbart werden. Bei der Hallesche gibt es den Tarif KT, der recht solide ist. Ich würde aber trotzdem schauen, ob der angebotene Tarif keine Karenzzeit bei psychischen Erkrankungen hat – die Hallesche hat da in manchen Tarifen 3 Jahre Wartezeit drin. Das ist ein relevanter Punkt.
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