Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

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Versicherungsmuffel_Vikt
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Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von Versicherungsmuffel_Vikt »

Moin zusammen, ich bin seit letztem Jahr in der PKV (AXA, Tarif MED Komfort U) und mein Versicherungsberater hat mir beim letzten Gespräch empfohlen, zusätzlich einen Krankentagegeldtarif abzuschließen. Kostet mich laut seinem Angebot ca. 28 € monatlich für 70 € Tagegeld ab dem 43. Krankheitstag. Jetzt mal ehrlich: Mein Arbeitgeber zahlt 6 Wochen lang das volle Gehalt weiter — das ist ja gesetzlich so. Danach kommt bei GKV-Versicherten das Krankengeld von der Kasse (70% des Bruttogehalts, gedeckelt). Aber was passiert bei mir als PKV-ler? Ich hab keine gesetzliche Kasse, die mir Krankengeld zahlt. Zahlt dann gar nichts? Mein Netto liegt bei rund 3.400 € im Monat. Ich hab einen Notgroschen von ca. 4 Monaten. Und ich frage mich: Wie realistisch ist es überhaupt, dass ich länger als 6 Wochen ausfalle? Ich bin 38, kein Vorerkrankungen, sitze den ganzen Tag vor dem Rechner. Ich will das nicht einfach abschließen weil der Berater es empfiehlt — der verdient ja auch dran. Aber vielleicht übersehe ich da was? Was sind eure Erfahrungen oder Einschätzungen? Brauche ich wirklich jede Versicherung? Spoiler: nein.
DepotDiversifizierer_Dan
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von DepotDiversifizierer_Dan »

Hey Viktor, gute Frage — und ja, du hast den entscheidenden Punkt selbst erkannt: Bei PKV-Versicherten zahlt niemand automatisch Krankengeld nach Woche 6. Die GKV macht das, die PKV nicht (zumindest nicht ohne separaten KTG-Tarif). Das ist der fundamentale Unterschied. ? Dein AG zahlt 6 Wochen, dann: Stille. Du müsstest entweder aus dem Ersparten leben oder einen KTG-Tarif haben, der einspringt. Mit 4 Monaten Notgroschen überbrückst du das zwar eine Weile, aber bei einer längeren Erkrankung (Burnout, Bandscheibenvorfall, whatever) frisst du dein Polster auf. 28 € für 70 € ab Tag 43 klingt erstmal günstig — aber check mal: Wie lange zahlt der Tarif? Bis Endalter 65? Und gibt's eine Karenzzeit-Option? Mit Beginn ab Tag 22 statt Tag 43 wäre das sinnvoller, aber halt teurer.
RisikostreuerRobert
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von RisikostreuerRobert »

Die Frage lässt sich präzise beantworten: Als PKV-Versicherter ohne Krankentagegeldtarif haben Sie nach Ende der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber keinerlei gesetzlichen Einkommensersatz. Das ist der wesentliche Unterschied zur GKV, wo der Anspruch auf Krankengeld nach § 44 SGB V greift. Ob 70 € Tagegeld ausreichen, ist eine andere Frage. Bei 3.400 € Netto wären das rechnerisch rund 2.100 € im Monat — das deckt die Hälfte Ihres Nettoeinkommens nicht. Ich würde die Kalkulation anders ansetzen: Welche Fixkosten haben Sie monatlich? Miete, PKV-Beitrag, eventuelle Kreditraten? Das ist die relevante Zahl, nicht das Netto. Der 4-Monats-Puffer federt ab, aber ein Burnout oder eine orthopädische Erkrankung dauert gerne 6-12 Monate. Dann wird's eng.
GiroGuru_Gino
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von GiroGuru_Gino »

Kurz zur Ergänzung: Der Berater empfiehlt das nicht nur, weil er Provision will — das ist tatsächlich eine echte Lücke im PKV-System. ? Aber 70 € Tagegeld ab Tag 43 ist meiner Meinung nach schon recht defensiv kalkuliert. Ich hab selbst mal verglichen: Bei der Barmenia und der Hallesche gibts KTG-Tarife, wo man flexibler in der Karenzzeit ist. Ab Tag 22 zahlen lassen kostet halt mehr, aber dann bist du auch nach 3 Wochen Krankheit schon abgesichert, nicht erst nach 6. Und Viktor: IT-Techniker, 38 — Burnout ist leider kein abstraktes Konzept in der Branche. Frag mal rum. ?
BudgetBärBenni
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von BudgetBärBenni »

ok warte ich check das grad nicht ganz ? PKV zahlt also NICHT automatisch wenn man krank ist und kein gehalt kriegt?? ich dachte PKV = premium = alles besser?? das ist ja eigentlcih krass unfair lol @Versicherungsmuffel_Viktor du hast echt recht dass man nicht einfach alles abschließen soll was der berater sagt aber das klingt hier halt wirklich nach einer echten lücke nicht nach nem verkaufstrick oder?
Mod_Ingrid_Finanzen
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von Mod_Ingrid_Finanzen »

Kurze Präzisierung für alle, die mitlesen: Die PKV ist eine Krankheitskostenversicherung — sie übernimmt Arzt- und Krankenhauskosten. Sie ersetzt kein Einkommen. Das macht ausschließlich ein separater Krankentagegeldtarif, den man als Zusatzbaustein abschließt (kann bei der PKV selbst sein oder bei einem anderen Anbieter). GKV-Versicherte haben das automatisch integriert (Krankengeld nach § 44 SGB V, ab der 7. Woche, max. 78 Wochen). PKV-Versicherte müssen das aktiv absichern. Das ist kein Mythos und kein Berater-Trick — das ist einfach die Rechtslage. Ob der konkrete Tarif von AXA sinnvoll ist oder ob ein anderer Anbieter besser passt, ist eine andere Diskussion.
KryptoKritikerin_Kathi
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von KryptoKritikerin_Kathi »

ich find das echt so ein klassisches PKV-Ding das man nicht auf dem Schirm hat wenn man wechselt ? alle reden immer von "günstigeren Beiträgen" und "Chefarztbehandlung" aber die Fallstricke kommen später @BudgetBärBenni ja genau so läuft das. PKV = du zahlst für Leistungen wenn du krank bist, nicht fürs Einkommen wenn du ausfällst. zwei völlig verschiedene Dinge. Hab ich auch erst beim dritten Erklären kapiert lmao Viktor ich würd das nicht beim selben Berater abschließen der dir das empfohlen hat. Lieg mal selbst Tarife bei check24 oder einem unabhängigen Makler gegen. Die Provision ist nämlich nicht ohne. ?
ETF-Henning
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von ETF-Henning »

Ich mach das mal etwas konkreter, weil hier viel "kommt drauf an" im Raum steht: Dein Szenario ohne KTG-Tarif: Woche 1-6: Arbeitgeber zahlt Gehalt → alles gut. Ab Woche 7: Nichts. Nada. Du greifst in den Notgroschen. Bei 4 Monaten Puffer (ca. 13.600 €) hast du vielleicht 5-6 Monate Luft, je nach Fixkosten. Danach Existenzkrise. Mit KTG ab Tag 43: 70 € × 30 = 2.100 € im Monat. Das ist nicht viel, aber zusammen mit deinem Puffer hält dich das deutlich länger über Wasser. Mein Take: Bei 28 € monatlich ist das Preis-Risiko-Verhältnis eigentlich okay. Die Frage ist eher, ob 70 € Tagegeld reicht oder ob du 100 € nehmen solltest. Rechne deine echten Fixkosten durch — Miete, PKV-Beitrag (der läuft ja auch im Krankenstand weiter!), Kredite. Dann weißt du, was du brauchst. ?
Haushaltsheld_Heiko
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von Haushaltsheld_Heiko »

Henning hat das gut aufgedröselt. Ich ergänz noch: Den PKV-Beitrag vergessen viele. Der läuft auch wenn du krank bist weiter — und der ist bei PKV gerne mal 400-600 € im Monat. Das frisst deinen Puffer mit. Ich bin GKV, aber mein Kumpel ist PKV-Angestellter und hatte letztes Jahr einen Bandscheibenvorfall — war 4 Monate raus. Hat ihn fast 8.000 € Erspartes gekostet weil er keinen KTG-Tarif hatte. Danach hat er sofort einen abgeschlossen, natürlich mit Ausschluss der Wirbelsäule dann. Bitter.
Versicherungsmuffel_Vikt
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Beitrag von Versicherungsmuffel_Vikt »

Okay, das mit dem PKV-Beitrag der weiterläuft hatte ich tatsächlich nicht auf dem Schirm. Danke @Haushaltsheld_Heiko — das ist ein gutes Argument. Mein AXA-Beitrag liegt aktuell bei 480 € monatlich. Die würden im Krankheitsfall also weiterhin abgehen, richtig? Das ändert die Rechnung schon. @ETF-Henning deine Aufstellung hilft. Meine Fixkosten liegen bei ca. 2.200 € (Miete 950 €, PKV 480 €, Rest Nebenkosten/Handy/etc.). Mit 70 € Tagegeld = 2.100 € wäre ich ungefähr bei null, müsste nichts aus dem Puffer nehmen. Das ergibt tatsächlich Sinn. Bleibt die Frage: Beim selben Berater oder woanders? @KryptoKritikerin_Kathi hat da einen Punkt.
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