Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

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PensionärPetershofen
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von PensionärPetershofen »

Gestatten Sie mir einen etwas anderen Blickwinkel. Ich habe drei Kinder großgezogen, heute alle finanziell solide aufgestellt, und wir hatten nie ein System. Was wir hatten: Offene Gespräche über Geld am Küchentisch. Wir haben nicht verheimlicht was Dinge kosten. Die Urlaubsplanung haben wir gemeinsam gemacht – mit echtem Budget. Die Kinder wussten dass ein Urlaub am Meer 800 Mark kostet und dass dafür an anderer Stelle verzichtet wird. Ich halte die heutige Tendenz zur Systematisierung (Gläser, Apps, Punkte) für einen Irrweg wenn sie nicht von echten Gesprächen begleitet wird. Das System ist nicht die Lektion. Die Lektion ist der Umgang mit knappen Ressourcen im echten Leben.
KreditkartenKönig_Karste
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von KreditkartenKönig_Karste »

@PensionärPetershofen Respekt, aber 800 Mark-Urlaub klingt nach einer Welt die es nicht mehr gibt ? Ich glaub kein Kind heute kapiert was eine Mark ist. Ich hab keine Kinder, also nehmt das mit Vorsicht – aber mein Bruder hat mit seinen Kids (9 und 12) Folgendes gemacht: Jeder bekommt beim Familienurlaub ein eigenes "Urlaubs-Budget" von z.B. 30€ für Souvenirs, Eis, Wasserpark-Extras. Was übrig bleibt, dürfen sie behalten. Der Kleine hat am Ende 18€ übrig gehabt und war stolzer darauf als auf das Spielzeug das er gekauft hätte. Das fand ich ziemlich clever. ?
Abgeltungssteuer_August
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Abgeltungssteuer_August »

Kurzer steuerlicher Hinweis, weil das hier noch niemand erwähnt hat: Wenn Sie für Ihre Kinder ein Depot oder Tagesgeldkonto eröffnen und dort Erträge anfallen, haben Kinder denselben Sparerpauschbetrag wie Erwachsene – aktuell 1.000 Euro pro Jahr (seit 2023). Bei kleinen Beträgen fällt ohnehin keine Steuer an, aber es schadet nicht, einen Freistellungsauftrag einzurichten. Das vergessen viele Eltern. Zum eigentlichen Thema: Finanzielles Grundverständnis ist in der deutschen Schule leider kaum curricular verankert. Was Eltern zu Hause vermitteln, ist oft das Einzige was bleibt.
Nebenkostencheck_Norwin
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Nebenkostencheck_Norwin »

Ich finde den Aspekt der Fixkosten interessant – den erklärt kaum jemand Kindern. Mein Sohn (10) hat mal gefragt warum wir nicht einfach mehr Geld ausgeben. Ich hab ihm dann unsere monatlichen Fixkosten aufgelistet: Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmittel. Er war ziemlich still danach. Nicht um ihn zu belasten, aber er hat seitdem viel bewusster mit Licht anlassen und langen Duschzeiten umgegangen. Manchmal sind die konkreten Zahlen aus dem echten Leben wirksamer als jedes Modell.
GrenzgängerGabi_AT
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von GrenzgängerGabi_AT »

In Österreich gibt es übrigens die Initiative "Finanzführerschein" für Schulen – sowas in der Art wäre für Deutschland auch schön. Aber das ist ein anderes Thema. ? Was ich ergänzen wollte: Wir haben mit unserer Tochter (jetzt 13, aber angefangen mit 8) ein kleines Haushaltsbuch geführt – ganz simpel, ein Heft mit zwei Spalten: Einnahmen und Ausgaben. Jeden Sonntag haben wir 5 Minuten zusammen reingeschaut. Das hat eine Routine geschaffen die bis heute hält. Sie führt jetzt ihr eigenes digitales Haushaltsbuch mit einer App (Money Manager). Der Übergang vom physischen Heft zur App war dann irgendwann ganz natürlich – weil sie das Prinzip schon verstanden hatte.
Quellensteuer_Quentin
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Quellensteuer_Quentin »

Zum Thema Kinderkonto kurze Ergänzung zu @Abgeltungssteuer_August: Bei der Comdirect (jetzt Commerzbank) und der DKB gibt es Jugendkonten die wirklich gut gemacht sind. DKB ab 14 Jahren, Commerzbank hat das "Junges Konto" ab 7 Jahren glaube ich. Kein Dispo, keine versteckten Gebühren. Für Grundschulkinder würde ich aber erstmal bei der Hausbank oder Sparkasse schauen – die Knax-Konten der Sparkasse sind pädagogisch begleitet und die Kinder kriegen ein kleines Heft mit Stempeln etc. Das ist für die Altersgruppe oft motivierender als ein schickes Online-Banking-Interface.
ModeratorStefan
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von ModeratorStefan »

Toller Thread, kurze inhaltliche Ergänzung von mir: Die empfohlenen Taschengeld-Beträge werden regelmäßig vom Deutschen Jugendinstitut und der Verbraucherzentrale aktualisiert. Stand 2024 gelten grob folgende Richtwerte (wöchentlich): 6-7 Jahre: 1,50-2€ / 8-9 Jahre: 2-3€ / 10-11 Jahre: 3-4€. Tanja, du liegst also gut im Rahmen. Kleiner Hinweis für alle: Bitte keine konkreten Produktlinks posten ohne Hinweis ob Affiliate oder nicht – Forenregel §4b. Danke. ?
FamilienFinanzFranka
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von FamilienFinanzFranka »

KreditkartenKönig_Karsten schrieb:Jeder bekommt beim Familienurlaub ein eigenes "Urlaubs-Budget"... Was übrig bleibt, dürfen sie behalten. Das machen wir genauso! ? Funktioniert wirklich gut. Mein Sohn hat letzten Sommer tatsächlich auf das überteuerte Strandeis verzichtet und dafür zuhause was Schöneres gekauft. Eigeninitiative, kein Eltern-Input. Genau das ist der Moment wo man merkt: es hat geklickt. Was ich noch ergänzen wollte zum Thema Bücher: "Das Beste, was Eltern für ihre Kinder tun können" von Beth Kobliner ist ganz okay, aber auf USA ausgerichtet. Für deutschsprachige Leser finde ich "Schule des Geldes" von Bodo Schäfer (Kinder-Version) trotz des etwas reißerischen Autors gar nicht schlecht als Einstieg für Kinder ab 8-9.
Mod_Katharina
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Mod_Katharina »

Wunderbarer Thread, danke an alle Beteiligten. Ich pinne den mal im Bereich "Finanzen & Familie" an – da wird er sicher noch einigen Eltern helfen. Eigene Anmerkung: Als Bankkauffrau kann ich bestätigen, dass das Thema Finanzbildung bei Kindern in der Beratungspraxis massiv unterschätzt wird. Wir hatten regelmäßig junge Erwachsene am Schalter die nicht wussten was ein Dauerauftrag ist. Das fängt zu Hause an – oder eben nicht. @Teilzeit_Tanja_Invest: Viel Erfolg mit deinen Zweien. Die Tatsache dass du dir Gedanken machst ist schon die halbe Miete. ✅
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