Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

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Teilzeit_Tanja_Invest
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Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Teilzeit_Tanja_Invest »

Hallo zusammen ? Ich hab zwei Kinder, 7 und 9 Jahre alt, und merke gerade dass das Thema Geld bei uns irgendwie zu kurz kommt. Die Kleine fragt im Supermarkt einfach nach allem und der Große denkt, Geld kommt aus dem Automaten. Klassisch halt. Wir machen seit ein paar Monaten Taschengeld – 2€ pro Woche für die Siebenjährige, 4€ für den Neunjährigen. Die Empfehlung mit dem Alter in Euro hab ich irgendwo gelesen. Aber ich frag mich ob das wirklich reicht als Konzept, oder ob da mehr dahinterstecken sollte. Was ich mir konkret vorstelle: dass sie verstehen, dass Geld begrenzt ist, dass man für Dinge sparen muss, und dass es eine Verbindung gibt zwischen Arbeit und Geld – ohne dass ich sie gleich als Haushaltshilfen einspanne ? Habt ihr konkrete Methoden die bei euch funktioniert haben? Spardosen mit Unterteilung (Ausgeben/Sparen/Verschenken hab ich gesehen)? Apps für Kinder? Irgendwelche Bücher oder Spiele? Oder einfach Alltagssituationen nutzen? Ich bin für alles offen. Hauptsache es ist nicht so trocken dass sie direkt abschalten ? Auch mit 25h/Woche lässt sich was aufbauen.
Bauspar_Benedikt
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Bauspar_Benedikt »

Guten Tag Tanja, das Taschengeld-Konzept nach Lebensjahr in Euro pro Woche ist tatsächlich eine gängige Faustregel, die auch das Deutsche Jugendinstitut in ähnlicher Form empfiehlt. Für den Einstieg absolut solide. Was bei uns damals gut funktioniert hat: Ein einfaches Drei-Gläser-System. Kein spezielles Produkt, einfach drei alte Marmeladengläser mit Aufklebern: Ausgeben, Sparen, Schenken. Das Geld wird bei jeder Auszahlung sofort aufgeteilt – z.B. 50% Ausgeben, 40% Sparen, 10% Schenken. Das macht das Abstrakte sehr greifbar. Der entscheidende Punkt: Eltern müssen konsequent bleiben. Wenn das Ausgaben-Glas leer ist, gibt es kein Nachschießen. Das klingt hart, ist aber die eigentliche Lektion. Ein Kind das einmal auf das gewünschte Spielzeug verzichten musste weil das Geld weg war, vergisst das nicht so schnell.
GeldwertGerhard_BO
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von GeldwertGerhard_BO »

Ich sag mal so: Bei uns damals gabs keine Spardosen mit drei Fächern oder Apps. Trotzdem haben meine Kinder alle irgendwie den Dreh rausgekriegt mit Geld. Der Schlüssel war: die durften mit zum Einkaufen und haben gesehen wie ich das Budget eingeteilt hab. Manchmal hab ich sogar laut gezählt was im Portemonnaie ist. Das klingt altmodisch, aber Kinder lernen nunmal durchs Zuschauen. Wenn die Eltern selbst keinen Plan haben, helfen auch drei Gläser nix. Was ich heute meinen Enkeln zeige: Die Kontoauszüge (die einfachen Buchungen, nicht die komlizierten). Dass Strom Geld kostet, Gas Geld kostet. Das macht mehr Eindruck als jedes Spiel.
Teilzeitsparer_Tobi
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Teilzeitsparer_Tobi »

hey Tanja, ich bin Erzieher also ich kenn das aus der anderen Perspektive ? Was ich im Kindergarten und auch bei Schulkindern immer wieder sehe: Abstrakte Konzepte landen einfach nicht. Aber sobald es um echte Wünsche geht – ein bestimmtes Lego-Set, eine Süßigkeit – dann sind die Kids plötzlich hochmotiviert zu rechnen. Tipp: Mach mit dem Neunjährigen mal einen "Sparplan" für irgendwas was er sich wünscht. Zusammen ausrechnen wie viele Wochen das dauert. Das ist echter Matheunterricht den sie nicht vergessen. Bei 4€ pro Woche und einem 20€-Wunsch sind das 5 Wochen – das können Grundschulkinder super nachvollziehen. Für Apps: Rooster Money oder iallowance hab ich von Eltern gehört, aber selber nicht getestet. Klingt mir ehrlich gesagt fast zu digital für Grundschulkinder, aber wer weiß ?
FamilienFinanzFranka
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von FamilienFinanzFranka »

Oh, das ist mein Lieblingsthema! ? Ich hab auch zwei Kinder (8 und 11) und wir haben da einiges ausprobiert. Das Drei-Gläser-System wie Benedikt beschreibt, haben wir auch – funktioniert super. Aber was wirklich den Unterschied gemacht hat: Wir haben angefangen, beim Einkaufen laut zu vergleichen. "Das Markenjoghurt kostet 1,89€, das No-Name 0,79€ – was nehmen wir?" Die Kinder lieben es plötzlich, den günstigeren Preis zu finden. Fast ein Spiel. Was ich nicht empfehle: Taschengeld an Haushaltsaufgaben knüpfen. Das klingt erstmal logisch (Arbeit = Geld), aber dann streiken sie bei normalen Aufgaben weil "dafür kriegich ja nix". Taschengeld sollte bedingungslos sein, find ich. Sonderverdienste für außergewöhnliche Jobs (Garten umgraben etc.) können zusätzlich kommen. Buch-Tipp: "Der Kaufmann von Venedig"? Nein, zu früh ? Aber "Rico, Oskar und die Tieferschatten" hat meiner Tochter irgendwie geholfen zu verstehen dass Geld knapp sein kann. Etwas um die Ecke gedacht, aber es hat funktioniert.
Maklerschreck_Manfred
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Maklerschreck_Manfred »

40 Jahre im Bankwesen und ich sage: Das Wichtigste was man Kindern beibringen kann ist nicht wie man spart, sondern warum. Kinder die verstehen dass Geld Freiheit bedeutet – die eigene Entscheidungen zu treffen – gehen anders damit um als Kinder die nur "spare, weil man spart". Ich hab meinem Sohn damals erklärt: Wer Geld hat, muss nicht jeden Job annehmen. Das hat ihn mehr motiviert als jede Spardose. Zum Thema Apps: Ich bin skeptisch. Das abstrahiert Geld noch weiter. Scheine und Münzen anfassen, zählen, im Portemonnaie haben – das hat einen anderen Effekt als Zahlen auf einem Bildschirm. Zumindest für Grundschulkinder.
GeldwertGerhard_BO
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von GeldwertGerhard_BO »

@Maklerschreck_Manfred hat recht mit den Scheinen und Münzen. Mein Enkelsohn (8) weiß genau wie viel 50 Cent sind weil er sie schon oft gezählt hat. Aber er hat keine Ahnung was auf dem Handy seiner Eltern passiert wenn die bezahlen. Das ist doch das Problem mit der digitalen Welt. Ich wäre vorsichtig mit Apps für Kinder unter 10. Erst die Grundlagen, dann die Technik.
SparSpaß_Sabrina_K
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von SparSpaß_Sabrina_K »

okay ich bin zwar keine Mutter aber ich WÜNSCHTE meine Eltern hätten mir das früher erklärt ?? bei mir wars so: null finanzielles Bewusstsein bis ich mit 18 ausgezogen bin und plötzlich nicht wusste was eine Überweisung ist lol. also das was ihr hier macht ist schon mal 1000x besser als nix das mit den drei Gläsern find ich so cute aber auch so genial gleichzeitig?? hätte ich das als Kind gehabt würde ich heute nicht jeden Monat kurz vor dem 28. auf mein Konto starren ?
FinanzNerd_Thaddäus
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von FinanzNerd_Thaddäus »

Schöner Thread. Ich ergänze mal die etwas nerdige Perspektive. ? Das Drei-Gläser-System ist gut, aber man kann es eine Stufe weiterdenken: Ab ca. 10-12 Jahren kann man den "Spar-Teil" nicht einfach ins Sparschwein stecken, sondern auf ein echtes Konto. Die Deutsche Bank und Sparkasse haben Kinderkonten (Knax, Yomo, etc.) – die sind kostenlos und haben oft spielerische Apps dabei die das Abstrakte etwas greifbarer machen. Noch weiter gedacht: Ich hab mit meinem Neffen (11) mal gemeinsam 10€ in einen ETF-Sparplan gesteckt (über mein Depot, er hat das begleitet) und ihm gezeigt wie sich der Wert verändert. Einmal im Monat schauen wir rein. Er fragt mich jetzt freiwillig nach Börsennews. Das Zinseszins-Prinzip hab ich ihm an einem einfachen Beispiel erklärt: 100€ die jedes Jahr 7% wachsen, sind nach 10 Jahren fast 200€. Das hat geklickt. Für Grundschulkinder würde ich aber erstmal bei physischem Geld bleiben, Gerhard und Manfred haben da nicht Unrecht.
Teilzeit_Tanja_Invest
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Re: Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Beitrag von Teilzeit_Tanja_Invest »

Wow, so viele tolle Antworten, danke! ? Das mit den Marmeladengläsern klingt wirklich simpel und gut. Ich glaub das probieren wir als erstes aus. Und @FamilienFinanzFranka – der Punkt mit den Haushaltsaufgaben ist wichtig, das hab ich auch schon irgendwo gelesen aber gut nochmal zu hören. Ich wollte das eigentlich koppeln, bin jetzt aber überzeugt dass das eine schlechte Idee wäre. @Teilzeitsparer_Tobi – der Sparplan für einen konkreten Wunsch ist genial. Mein Großer will gerade unbedingt ein bestimmtes Lego-Technik-Set für 45€. Das wäre ja fast 12 Wochen sparen wenn er alles reinlegt. Gut, wir teilen auf, also eher 5-6 Wochen aus dem Spar-Anteil. Ich machs mal mit ihm zusammen auf Papier. ? Die App-Frage ist noch offen für mich – ich schau mir Rooster Money mal an auch wenn ich die Münzen-Argumentation total verstehe.
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