Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Steuererklärung, Freibeträge, Erbschaft, Pfändung
Taschengeld_Timo
Beiträge: 18
Registriert: Mi Mär 29, 2023 10:00 pm

Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von Taschengeld_Timo »

hey leute ? ich blick da grad echt nicht durch und hoffe ihr könnt mir weiterhelfen ? also ich mach ne Ausbildung als Bürokaufmann und arbeite so ca. 60 Tage im Jahr von zuhause. das ist nicht jeden monat gleichmäßig oder so, manchmal 2 wochen am stück, manchmal gar nicht. mein arbeitgeber hat das offiziell genehmigt (schriftlich sogar). jetzt will ich das natürlich in der steuererklärung geltend machen, weil ich bin ja kein vollidiot lol ? aber ich hab kein eigenes arbeitszimmer!! ich hab nur einen schreibtisch im schlafzimmer, der halt auch für alles andere genutzt wird (zocken, netflix, was auch immer). fragen die mich grad beschäftigen: - kann ich trotzdem irgendwie das häusliche arbeitszimmer absetzen oder geht das nur wenn man ein echtes separates zimmer hat? - was ist mit der homeoffice-pauschale? die kenn ich irgendwie vom hörensagen, aber ich weiß nicht genau wieviel das bringt - kann ich beides kombinieren oder schließt das eine das andere aus?? bei 60 tagen macht das ja vielleicht nicht mega viel aus aber hey, als azubi nimmt man jeden euro mit ? danke schonmal!
WGKostenWenke
Beiträge: 21
Registriert: So Okt 09, 2022 10:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von WGKostenWenke »

ok also das häusliche arbeitszimmer kannst du schon mal vergessen wenn du nur nen schreibtisch im schlafzimmer hast ? das FA will da ein separates Zimmer sehen, das nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird. dein gaming-setup fliegt dir da sofort um die Ohren lol aber die homeoffice-pauschale ist genau für solche fälle wie dich gemacht! seit 2023 sind das 6€ pro Tag, max. 1.260€ im Jahr (also max. 210 Tage). bei deinen 60 Tagen wären das 360€ die du einfach so als werbungskosten angibst. kein nachweis von tatsächlichen kosten nötig. und ja, du kannst die pauschale UND das arbeitszimmer nicht gleichzeitig für denselben tag geltend machen — macht ja auch keinen sinn. aber das arbeitszimmer ist eh raus bei dir.
ChillFaktor_Christoph
Beiträge: 9
Registriert: Mi Jul 21, 2021 10:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von ChillFaktor_Christoph »

@WGKostenWenke hat das eigentlich schon gut zusammengefasst ? nur kurze Ergänzung: die 6€/Tag klingen nach wenig aber die werden einfach zu deinen Werbungskosten addiert. als azubi hast du wahrscheinlich eh kaum andere werbungskosten, also schau mal ob du damit über den arbeitnehmer-pauschbetrag von 1.230€ kommst — erst dann bringt dir das überhaupt was steuerlich. bei 60 tagen x 6€ = 360€. wenn du sonst nix anderes hast, liegst du damit noch unter dem pauschbetrag. also realistically: wahrscheinlich null euro ersparnis für dich persönlich ? aber trotzdem machen, weil: falls du noch fahrtkosten zur arbeit hast, fortbildungskosten, gewerkschaftsbeitrag etc. — das alles stapelt sich!
Taschengeld_Timo
Beiträge: 18
Registriert: Mi Mär 29, 2023 10:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von Taschengeld_Timo »

ohhh okay das mit dem pauschbetrag hab ich gar nicht auf dem schirm gehabt ? ich hab halt fahrtkosten zur arbeitsstätte (bus, ca. 8km einfache strecke, ~200 arbeitstage) — rechnet sich das dann mit rein?? weil dann könnt ja doch was bei rauskommen?
FamilienFinanzFranka
Beiträge: 14
Registriert: Mo Nov 08, 2021 11:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von FamilienFinanzFranka »

Ja, Fahrtkosten zählen natürlich dazu! Die Entfernungspauschale beträgt 0,30€ pro Kilometer für die ersten 20km und ab dem 21. km sogar 0,38€ (einfache Strecke, nicht hin und zurück). Bei 8km einfacher Strecke und ~200 Tagen: 200 × 8 × 0,30€ = 480€. Plus deine 360€ Homeoffice-Pauschale macht das zusammen 840€. Damit bist du noch unter dem Pauschbetrag von 1.230€ — also bringt dir die Steuererklärung wahrscheinlich nichts, weil das Finanzamt den Pauschbetrag sowieso automatisch ansetzt. Es sei denn du hast noch was anderes: Arbeitsmittel (Headset, Maus, etc.), Fachliteratur für die Ausbildung, Prüfungsgebühren… das lohnt sich alles aufzuschreiben.
BeritausHamburg
Beiträge: 14
Registriert: Mo Jan 17, 2022 11:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von BeritausHamburg »

Ich möchte nochmal kurz zum häuslichen Arbeitszimmer zurück, weil das viele falsch verstehen. ? Das Finanzamt prüft da wirklich genau: Das Zimmer muss räumlich abgetrennt sein (eigene Tür!), und es darf quasi nicht auch privat genutzt werden. Ein Schreibtisch im Schlafzimmer reicht definitiv nicht — da wurde auch schon Klage eingereicht und verloren. Aber noch was: Selbst wenn man ein echtes Arbeitszimmer hätte, wäre das für Arbeitnehmer seit 2023 nur noch absetzbar wenn der Arbeitgeber keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Als Azubi hast du ja einen Arbeitsplatz im Betrieb. Also wäre das Arbeitszimmer ohnehin schwierig geltend zu machen, selbst mit separatem Raum. Fazit: Homeoffice-Pauschale ist für dich die einzig sinnvolle Option. ?
RoswithaSpartStreng
Beiträge: 19
Registriert: Mo Aug 24, 2020 10:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von RoswithaSpartStreng »

Berit hat das korrekt dargestellt. Ich möchte noch einen Punkt hinzufügen, der häufig übersehen wird: Die Homeoffice-Pauschale kann nur für Tage angesetzt werden, an denen Sie überwiegend im Homeoffice tätig waren. Ein Tag, an dem Sie morgens kurz Mails zuhause bearbeitet haben und dann ins Büro gefahren sind, zählt nicht als Homeoffice-Tag im Sinne der Pauschale. Führen Sie daher unbedingt eine Dokumentation der tatsächlichen Homeoffice-Tage — am besten mit Datum, Uhrzeit und einer kurzen Tätigkeitsbeschreibung. Das genehmigte Schreiben des Arbeitgebers ist gut, reicht aber allein nicht aus.
Geldschrauber_Tobi
Beiträge: 21
Registriert: Sa Apr 10, 2021 10:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von Geldschrauber_Tobi »

Warte mal kurz — stimmt das wirklich dass man das Arbeitszimmer auch als Angestellter nicht mehr absetzen kann seit 2023? Ich dachte das wurde nur irgendwie umgestrickt?
PassivEinkommen_Pit
Beiträge: 22
Registriert: Mo Nov 02, 2020 11:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von PassivEinkommen_Pit »

@Geldschrauber_Tobi die Regelung hat sich tatsächlich nochmal geändert. Seit VZ 2023 gilt: Arbeitszimmer ist absetzbar wenn es der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist — also z.B. für Selbständige die hauptsächlich von zuhause arbeiten. Für Arbeitnehmer die aber auch einen Büroarbeitsplatz beim AG haben, ist das praktisch raus. Davor gab's noch die Möglichkeit mit 1.250€ Deckelung wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht — das ist aber seit 2023 abgeschafft und durch die erhöhte Homeoffice-Pauschale (6€ statt früher 5€) ersetzt worden. Für Timo ist das eh irrelevant wegen Schreibtisch im Schlafzimmer, aber gut dass das hier nochmal klargestellt wird.
FinanzFinn
Beiträge: 18
Registriert: Do Sep 10, 2020 10:00 pm

Re: Homeoffice-Pauschale vs. häusliches Arbeitszimmer — was lohnt sich bei 60 Tagen?

Beitrag von FinanzFinn »

kurz offtopic aber: Timo, als Azubi machst du überhaupt eine Steuererklärung? Bist du dazu verpflichtet oder freiwillig? ? weil wenn du unter dem Grundfreibetrag liegst (2024: 11.604€) kriegst du eh alles zurück was du an Lohnsteuer gezahlt hast, unabhängig von Werbungskosten
Antworten