FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Bitcoin, Altcoins, Wallets, Steuer auf Krypto, DeFi
SteuerSparSebastian
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von SteuerSparSebastian »

@EinzelkindEike_Invest Das BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022 hat diese 10-Jahres-Regelung für Staking und Lending tatsächlich bestätigt. Sie gilt, wenn aus den Coins Einkünfte generiert wurden — also z.B. Staking-Rewards. Für reine HODLer ohne Staking bleibt es bei einem Jahr. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele übersehen.
Altersvorsorge_Agatha
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von Altersvorsorge_Agatha »

Herzlichen Dank an alle, besonders an @SteuerSparSebastian für die ausführliche Erklärung! Das hat mir wirklich sehr geholfen. Eine Nachfrage noch: In meinem Beispiel bleiben nach dem Verkauf von 0,4 BTC ja noch Coins übrig. Also konkret: - Vom ersten Kauf (0,5 BTC zu 22.000 €) bleiben noch 0,1 BTC übrig, mit Anschaffungskosten von 0,1 × 22.000 € = 2.200 € - Der zweite Kauf (0,3 BTC zu 28.000 €) bleibt vollständig erhalten: Anschaffungskosten 8.400 € Das heißt, diese verbleibenden Coins werden in meiner FIFO-Dokumentation mit ihren ursprünglichen Anschaffungskosten weitergeführt? Beim nächsten Verkauf kämen dann zuerst die 0,1 BTC aus dem ersten Kauf dran, und dann die 0,3 BTC aus dem zweiten Kauf? Ich frage auch deshalb, weil ich bisher keine Software verwendet habe und alles in einer Excel-Tabelle dokumentiert habe. Wäre das ausreichend?
SteuerSparSebastian
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von SteuerSparSebastian »

@Altersvorsorge_Agatha Ihre Schlussfolgerung ist vollkommen korrekt. Die verbleibenden Bestände werden mit ihren ursprünglichen Anschaffungskosten weitergeführt — genau so, wie Sie es beschrieben haben. Beim nächsten Verkauf käme zuerst das 0,1 BTC-Restpaket aus dem ersten Kauf dran, dann das 0,3 BTC-Paket. Zur Excel-Tabelle: Das ist grundsätzlich zulässig, sofern sie vollständig, nachvollziehbar und mit Belegen hinterlegt ist. Das Finanzamt akzeptiert keine Tabelle ohne Nachweise (Kontoauszüge, Kauf-/Verkaufsbestätigungen). Ich würde trotzdem empfehlen, die Transaktionen zusätzlich in ein spezialisiertes Tool zu importieren — nicht wegen der Berechnung, sondern wegen der Revisionssicherheit und weil es bei einer Betriebsprüfung einfacher zu erklären ist.
MieteOderKauf_Moritz
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von MieteOderKauf_Moritz »

Kleiner Hinweis für alle die Tools nutzen wollen: Cointracking hat eine kostenlose Version, die aber auf 200 Transaktionen begrenzt ist. Für Vieltrader wird's dann schnell teuer (Jahresabo ca. 100–300 €). Koinly ist eine Alternative, die ich persönlich angenehmer zu bedienen finde. Beide exportieren fertige Steuerreports die man dem Steuerberater geben kann. Für Agatha mit überschaubaren Transaktionen reicht die Gratis-Version aber locker.
RatenkaufRebell_Rico
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von RatenkaufRebell_Rico »

alter ich hab das alles gelesen und mein kopf raucht ??? fifo, haltefristen, 10 jahre staking, zwei börsenstapel... kein wunder dass alle krypto-gewinne einfach verschweigen lol nein ich mach das natürlich nicht, Herr Finanzbeamter falls du mitliest ??
SparschweinSophie_CH
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von SparschweinSophie_CH »

@RatenkaufRebell_Rico Ich versteh den Frust, aber ehrlich gesagt ist es in der Schweiz noch komplizierter wenn man Krypto aktiv handelt — da wird schnell Gewerblichkeit unterstellt. Von daher: Das deutsche System mit der Ein-Jahres-Frist ist eigentlich gar nicht so schlecht ? Was ich noch ergänzen wollte: Wenn man Krypto als Geschenk oder Erbschaft erhält, übernimmt man steuerlich den Anschaffungszeitpunkt und -preis des Vorbesitzers. Das kann die FIFO-Kette nochmal komplizierter machen.
Festgeldfreund_Florian
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von Festgeldfreund_Florian »

Ich verfolge diesen Thread mit Interesse, auch wenn ich selbst keine Kryptowährungen halte. Was mich an der ganzen Thematik beschäftigt, ist die Frage der Rechtssicherheit: Die steuerliche Behandlung von Krypto ist in Deutschland nach wie vor nicht durch ein eigenständiges Gesetz geregelt, sondern wird über analoge Anwendung bestehender Normen hergeleitet. Das BMF-Schreiben von 2022 schafft zwar Orientierung, ist aber keine verbindliche Rechtsnorm. Ich würde Agatha deshalb empfehlen, bei einer Steuererklärung mit relevanten Beträgen auf jeden Fall einen Steuerberater hinzuzuziehen — auch wenn das kostet.
Tilgungsrechner_Theo
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von Tilgungsrechner_Theo »

Ich möchte noch einen praktischen Aspekt hinzufügen, der im Thread noch nicht erwähnt wurde: die Dokumentation der Transaktionskosten. Handelsgebühren (also die Gebühren, die Trade Republic oder Coinbase für Kauf und Verkauf berechnen) können die Anschaffungskosten erhöhen bzw. den Veräußerungserlös mindern. Das klingt marginal, macht aber bei mehreren Transaktionen einen messbaren Unterschied. Konkret an Agathas Beispiel: Wenn beim Kauf am 01.03.2023 eine Gebühr von z.B. 55 € angefallen ist, erhöhen sich die Anschaffungskosten für die 0,5 BTC auf 11.055 €, also 22.110 € pro BTC. Die anteiligen Anschaffungskosten für die 0,4 BTC wären dann 0,4 × 22.110 € = 8.844 € statt 8.800 €. Kein riesiger Betrag, aber korrekt ist korrekt. Gleiches gilt für Verkaufsgebühren: Diese mindern den Veräußerungserlös.
RenditeRosalie
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von RenditeRosalie »

Super Ergänzung von @Tilgungsrechner_Theo! Das vergessen wirklich viele. ? Ich nutze Koinly und dort kann man Gebühren direkt beim Import mitangeben — dann werden sie automatisch in die Berechnung einbezogen. Spart viel manuelle Arbeit. Noch ein Tipp für Agatha: Wenn du deine Excel-Tabelle weiterführst, würde ich mindestens diese Spalten empfehlen: - Datum der Transaktion - Börse / Wallet - Art (Kauf / Verkauf / Transfer) - Menge (BTC) - Kurs in € zum Zeitpunkt der Transaktion - Gebühren in € - Gesamtbetrag in € - FIFO-Restbestand nach Transaktion Das gibt dem Finanzamt alles was es braucht und dir die Übersicht. ?
KaskoKiller_Konrad
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Re: FIFO bei Krypto-Steuern: Wie rechne ich das konkret aus? (Mehrere Käufe, mehrere Börsen)

Beitrag von KaskoKiller_Konrad »

Gut strukturierter Thread. Ich ergänze kurz den Aspekt, der oft übersehen wird: Was gilt als Anschaffungszeitpunkt? Beim Kauf auf einer zentralen Börse (Trade Republic, Coinbase etc.) ist das eindeutig der Handelszeitpunkt. Bei dezentralen Transaktionen — etwa wenn man BTC aus einem Mining-Reward erhält oder über einen DEX tauscht — ist der Zeitpunkt und damit der anzusetzende Wert schon schwieriger zu bestimmen. Hier empfehle ich, den Kurs zum Zeitpunkt der Gutschrift in der Wallet zu dokumentieren, am besten mit einem Screenshot von einer anerkannten Quelle wie CoinMarketCap oder CoinGecko. Für Agatha dürfte das vorerst nicht relevant sein, aber wer später in DeFi einsteigt, sollte das im Hinterkopf haben.
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