Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
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MinuszeichenMirko
- Beiträge: 8
- Registriert: Mi Dez 07, 2022 11:00 pm
Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Moin moin ?
Also ich hab da mal ne Frage die mir gerade echt Kopfschmerzen macht. Ich hab vor ca. 6 Monaten Festgeld mit 18 Monaten Laufzeit abgeschlossen — war bei der ING, irgendwas mit 3,4% p.a. auf 8.000 Euro. Klang damals super, hab ich einfach gemacht ohne groß nachzudenken lol ?
Jetzt könnte es sein dass ich in den nächsten 2-3 Monaten das Geld brauche (Auto macht Probleme, könnte sein dass da was größeres ansteht). Und ich frag mich: kann man Festgeld überhaupt vorzeitig auflösen?? Und wenn ja was kostet das?? Ich hab die AGBs mal angelesen aber da steht so viel Krams drin den ich nicht kapiere ?
Hab auch gehört dass manche Banken da total stur sind und gar nicht auflösen, andere machen das aber schon. Weiß da jemand mehr? Und gibts irgendwelche Anbieter die da kulanter sind als andere? Würd halt ungern auf den Zinsen sitzenbleiben oder noch draufzahlen müssen.
Danke schonma im Vorraus ✌️
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Festgeld_Friederike
- Beiträge: 17
- Registriert: Mo Sep 07, 2020 10:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Guten Tag MinuszeichenMirko,
das ist ein häufig unterschätztes Thema, also gut, dass Sie nachfragen, bevor Sie vorschnell handeln.
Zunächst die grundlegende Wahrheit: Bei Festgeld in Deutschland besteht kein gesetzlicher Anspruch auf vorzeitige Auflösung. Das unterscheidet es fundamental vom Tagesgeld. Die Bank kann die Auszahlung also schlicht verweigern — und viele tun das auch, insbesondere in der aktuellen Zinsumgebung.
Bei der ING speziell: Nach meiner Kenntnis ist eine vorzeitige Auflösung dort grundsätzlich ausgeschlossen. Die AGB sind da eindeutig. Sie sollten also zunächst direkt bei der ING anrufen und nach einer Kulanzregelung fragen — manchmal gibt es Ausnahmen bei nachgewiesenem Härtefall (Krankheit, Todesfall in der Familie etc.), aber ein kaputter Wagen dürfte nicht dazuzählen.
Allgemein gilt: Banken, die eine vorzeitige Auflösung erlauben, erheben häufig eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Diese berechnet sich meist als Differenz zwischen dem vereinbarten Zins und dem aktuellen Marktzins für die Restlaufzeit — zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr. In der Praxis verlieren Sie oft einen Teil oder sogar alle bisher aufgelaufenen Zinsen.
Mein Rat: Prüfen Sie erst, ob ein Dispositionskredit auf dem Girokonto für die Überbrückung günstiger wäre als der Zinsverlust. Manchmal ist das tatsächlich die bessere Option.
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GrenzpendlerGregor
- Beiträge: 16
- Registriert: Di Jul 07, 2020 10:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Ergänzend zu Festgeld_Friederike: Ich habe mich beruflich bedingt mit verschiedenen Anbietern in DE und CH beschäftigt und kann ein paar konkrete Beispiele nennen.
Anbieter, die vorzeitige Auflösung grundsätzlich ausschließen (Stand: meine letzte Recherche):
- ING — kein vorzeitiger Zugriff, Punkt
- DKB — ebenfalls ausgeschlossen laut AGB
- Hanseatic Bank — keine vorzeitige Auflösung
Anbieter, bei denen es mit Abzügen möglich sein kann:
- Einige Direktbanken über Zinsportale (z.B. Raisin/WeltSparen) — hier kommt es auf die jeweilige Partnerbank an, die Konditionen sind sehr unterschiedlich
- Barclays — hatte in der Vergangenheit kulantere Regelungen, aber bitte aktuell nachprüfen
Was ich persönlich machen würde: Parallel zum Anruf bei der ING sofort schauen, ob ein Rahmenkredit oder ein günstiger Ratenkredit für die Auto-Reparatur nicht sinnvoller ist. Bei 8.000 Euro Festgeld zu 3,4% verlieren Sie bei vorzeitiger Auflösung nach 6 Monaten rechnerisch rund 136 Euro bereits aufgelaufene Zinsen — plus eventuelle Gebühren. Ein Kurzkredit über 3 Monate für vielleicht 2.000–3.000 Euro kann da günstiger sein.
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Quellensteuer_Quentin
- Beiträge: 21
- Registriert: So Mär 21, 2021 11:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Als Bankkaufmann kann ich die Ausführungen meiner Vorredner bestätigen und noch einen wichtigen Punkt ergänzen, der oft übersehen wird:
Selbst wenn eine Bank eine vorzeitige Auflösung gewährt, gibt es zwei unterschiedliche Methoden der Strafberechnung, die Sie kennen sollten:
- Zinsverlust-Methode: Die Bank zahlt nur den Betrag zurück, den Sie eingelegt haben — ohne jegliche Zinsen. Sie verlieren also die gesamte bisherige Verzinsung.
- Negativzins-Methode (selten, aber vorkommend): Bei manchen ausländischen Partnerbanken über Zinsportale kann sogar ein Abzug unter dem Einlagebetrag entstehen, wenn die Vertragsbedingungen das vorsehen. Das steht dann im Kleingedruckten.
Für Ihren konkreten Fall, @MinuszeichenMirko: Rufen Sie die ING an und lassen Sie sich die Ablehnung schriftlich bestätigen, falls sie ablehnen. Dann wissen Sie, wo Sie stehen. Alternativ: Haben Sie die Möglichkeit, den Festgeldvertrag als Sicherheit für einen Kredit zu hinterlegen? Manche Banken bieten das an — Sie bekommen dann einen günstigen Kredit gegen Verpfändung des Festgeldes. Das wäre die eleganteste Lösung.
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BausparkassenBernd
- Beiträge: 17
- Registriert: Mi Sep 16, 2020 10:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Ich sag jetzt mal was, was nicht alle gerne hören: Genau für solche Situationen ist ein Bausparvertrag manchmal gar nicht so verkehrt. ? Scherz beiseite — das hilft dir jetzt natürlich nicht weiter.
Aber ernsthaft: Ich kenne das Problem aus der Beratungspraxis. Viele Leute parken alles ins Festgeld und denken nicht daran, dass das Leben zwischendurch Überraschungen parat hat. Auto, Waschmaschine, Zahnarzt — da kommt immer was.
Was kurzfristig helfen könnte: Schau mal, ob du bei deiner Hausbank einen günstigen Ratenkredit bekommst. Wenn dein Festgeld als Bonität-Nachweis dient, sollte der Zinssatz überschaubar sein. 5–6% effektiv p.a. auf z.B. 2.000 Euro für 3 Monate kostet dich vielleicht 25–30 Euro Zinsen — das ist deutlich weniger als der Verlust beim Festgeld-Auflösen.
Für die Zukunft: Immer einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto lassen, bevor man alles ins Festgeld steckt. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber viele lernen es leider erst so.
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FINANZflüsterin_Fiona
- Beiträge: 16
- Registriert: Di Jan 24, 2023 11:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Ich möchte die Diskussion etwas strukturieren, weil hier gerade mehrere Aspekte durcheinander laufen.
Zum konkreten Fall: 8.000 Euro, 18 Monate, 3,4% p.a., 6 Monate gelaufen. Aufgelaufene Zinsen bisher: ca. 136 Euro brutto. Verbleibende Laufzeit: 12 Monate. Entgangene Zinsen bei sofortiger Auflösung (falls möglich): ca. 272 Euro.
Das sind die Zahlen, mit denen man rechnen muss.
Zur ING speziell: Die ING schließt laut AGB §4 eine vorzeitige Verfügung über Festgeldguthaben aus. Es gibt keine Kulanzregelung, die öffentlich bekannt ist. Das ist faktisch eine Sackgasse.
Was realistisch bleibt:
- Kredit zur Überbrückung (wie bereits erwähnt)
- Prüfen, ob die Reparatur wirklich sofort anfällt oder noch 6–8 Monate Zeit ist
- Für die Zukunft: Festgeld nur mit dem Geld abschließen, das man wirklich nicht braucht
Die Lektion hier ist bitter, aber lehrreich: Liquiditätsplanung vor Renditeoptimierung.
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BudgetBossBalint
- Beiträge: 23
- Registriert: Mo Feb 13, 2023 11:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Okay ich geb auch mal meinen Senf dazu ?
Ich hab vor einem Jahr eine ähnliche Situation gehabt — nicht mit der ING, sondern mit einem Festgeld über Raisin (WeltSparen). Da war die Partnerbank eine litauische Bank, und in deren AGB stand tatsächlich drin, dass man vorzeitig auflösen kann, aber mit Zinsabzug für die gesamte Laufzeit. Sprich: ich hätte meine bereits aufgelaufenen Zinsen verloren und nur mein Kapital zurückbekommen.
Hab dann kurz gerechnet: Kredit über 3 Monate vs. Zinsverlust. Kredit war günstiger. Ende der Geschichte.
Was ich für die Zukunft empfehle (und selbst mache): Festgeld-Leiter bauen. Also nicht alles auf einmal für 18 Monate, sondern z.B. drei Tranchen à 3.000 Euro mit 6, 12 und 18 Monaten Laufzeit. Dann ist alle 6 Monate ein Teil fällig und du hast immer etwas verfügbar. ?
Für jetzt: N26 oder DKB haben manchmal recht günstige Kredite für Bestandskunden. Lohnt sich zu checken.
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KontoKündigerin_Karla
- Beiträge: 11
- Registriert: Di Jan 18, 2022 11:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
omg die Festgeld-Leiter Idee von @BudgetBossBalint ist so simpel und so gut, warum denkt man da nicht früher drauf ?
Ich hab mal versucht bei einer Direktbank mein Festgeld vorzeitig aufzulösen (war Barclays, vor 2 Jahren ungefähr). Die haben mich erstmal 20 Minuten in der Warteschlange hängen lassen und mir dann erklärt dass das nicht geht. Punkt. Nicht mal ein "wir schauen ob wir kulant sein können" oder so. Einfach nö.
Also ich würd auf jeden Fall vorher anrufen und nett fragen ob die irgendwas machen können — manchmal hilft es wenn man sagt dass man sonst kündigt oder sowas. Aber rechne nicht damit dass die Bank da irgendwie nett ist lol. Die sind da eisenhart ?
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Girokonto_Gnom_Gerd
- Beiträge: 11
- Registriert: Mi Jul 21, 2021 10:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Ich hab mal Festgeld bei der Sparkasse gehabt, die haben mich damals auch voll abblitzen lassen ? Bin dann mit Hundeblick zum Schalter und der Typ hat geschaut als ob ich ihn persönlich beleidigte.
Am Ende hab ich einfach den Dispo genutzt. War nicht ideal aber hat gereicht bis das Festgeld dann irgendwann auslief. Kostet halt was aber manchmal ist das einfacher als sich mit Banken rumzuärgern oder? ?
Obwohl... ich glaub ich versteh das mit dem Dispo immernoch nicht ganz wie der genau berechnet wird lol
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Festgeld_Friederike
- Beiträge: 17
- Registriert: Mo Sep 07, 2020 10:00 pm
Re: Festgeld vorzeitig auflösen — welche Banken lassen das und was kostet es wirklich?
Girokonto_Gnom_Gerd schrieb:Bin dann mit Hundeblick zum Schalter und der Typ hat geschaut als ob ich ihn persönlich beleidigte.
Das ist leider typisch, und es ärgert mich als jemand, der großen Wert auf solide Kundenberatung legt. Aber zur Frage des Dispositionskredits, die Sie ansprechen: Der Dispo kostet bei den meisten Banken zwischen 8 und 13% p.a. — das klingt viel, aber auf einen kurzen Zeitraum von 2–3 Monaten und einen überschaubaren Betrag gerechnet ist es oft weniger schmerzhaft als ein Zinsverlust beim Festgeld.
Beispielrechnung: 3.000 Euro Dispo für 3 Monate bei 10% p.a. = ca. 75 Euro Zinsen. Verglichen mit dem Verlust von 272 Euro Festgeldzinsen bei vorzeitiger Auflösung ist das die klar günstigere Variante — sofern die 3.000 Euro für die Reparatur ausreichen.