ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
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ImmoSkeptiker_Ivo
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ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
Hallo zusammen,
ich gehe demnächst für 12 Monate in Elternzeit und überlege, meinen laufenden ETF-Sparplan (300 € / Monat, thesaurierend, MSCI World über Trade Republic) für diesen Zeitraum zu pausieren. Hintergrund ist simpel: Das Elterngeld deckt unsere Fixkosten nur knapp, und ich möchte keinen zusätzlichen Druck aufbauen.
Drei Fragen beschäftigen mich konkret:
- Steuerlich: Hat das Pausieren irgendwelche Konsequenzen? Ich meine, Sparplan-Aussetzung ist ja kein Verkauf — aber gibt es irgendwas zu beachten, z. B. beim Freistellungsauftrag oder der Vorabpauschale?
- Elterngeld-Einfluss: Ich habe gelesen, dass laufende Kapitalerträge das Elterngeld theoretisch beeinflussen könnten. Mein ETF ist thesaurierend — ist das dann irrelevant? Was wäre bei einem ausschüttenden ETF anders?
- Pausieren vs. Reduzieren: Wäre es sinnvoller, statt komplett zu pausieren, einfach auf 50 € / Monat runterzugehen, um den Cost-Average-Effekt zu erhalten?
Ich bin kein Steuerlaie, aber bei Elterngeld-Kombinationsthemen verliere ich schnell den Überblick. Freue mich über fundierte Einschätzungen — gern auch mit konkreten Zahlen.
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ETF_Schweizerin_Eva
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
Gute Fragen, ich war selbst in einer ähnlichen Situation vor zwei Jahren. Lass mich die drei Punkte der Reihe nach durchgehen:
Steuerlich beim Pausieren: Kein Problem. Das Pausieren eines Sparplans ist kein steuerliches Ereignis. Keine Realisierung von Gewinnen, keine Änderung beim Freistellungsauftrag. Die Vorabpauschale fällt weiterhin an, sofern der Basiszins positiv ist und dein ETF Wertzuwächse hatte — das ist unabhängig davon, ob du gerade einzahlst oder nicht. Für 2024 war der Basiszins bei 2,29 %, also durchaus relevant.
Elterngeld und Kapitalerträge: Das ist der interessantere Punkt. Elterngeld wird auf Basis des Einkommens aus Erwerbstätigkeit berechnet — Kapitalerträge zählen grundsätzlich nicht dazu und beeinflussen die Höhe des Elterngeldes nicht. Ausschüttungen aus ETFs wären also für die Elterngeld-Höhe irrelevant. Allerdings: Beim Elterngeld Plus oder bei der Einkommensanrechnung im Elterngeld-Bezugszeitraum können Einkünfte eine Rolle spielen, wenn du nebenbei arbeitest. Rein passive Kapitalerträge sind aber raus.
Pausieren vs. Reduzieren: Den Cost-Average-Effekt bei 50 € statt 0 € zu halten klingt psychologisch gut, macht aber bei 12 Monaten mathematisch kaum einen Unterschied. Wenn die Liquidität eng ist, würde ich komplett pausieren und mir keine Sorgen machen.
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FondsFriedrike
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
@ETF_Schweizerin_Eva hat das eigentlich schon super erklärt ? ich würd nur noch ergänzen: bei Trade Republic kannst du den Sparplan auch einfach per App auf Pause setzen, das geht in 30 Sekunden und du kannst ihn genauso schnell wieder aktivieren. Kein Papierkram, kein Stress! ?
Ich hab meinen Sparplan letztes Jahr auch kurz pausiert (andere Gründe, aber trotzdem) und danach einfach wieder angestellt. Der Weltuntergang blieb aus ?
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WeltportfolioWalter
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
Ich möchte den Hinweis zur Vorabpauschale von ETF_Schweizerin_Eva präzisieren, da dieser Punkt häufig missverstanden wird.
Die Vorabpauschale ist eine Mindestbesteuerung auf thesaurierende Fonds. Sie wird zum Jahresbeginn des Folgejahres fällig und bemisst sich nach dem Basisertrag (Basiszins × Fondswert zu Jahresbeginn × 0,7 bei Aktienfonds nach Teilfreistellung). Wenn du also im Jahr der Elternzeit einen Fondswert von beispielsweise 30.000 € hast und der Basiszins bei 2,29 % liegt, ergibt sich ein Basisertrag von circa 481 €, nach Teilfreistellung (30 %) etwa 337 € steuerpflichtig. Das liegt im Rahmen des Sparerpauschbetrags (1.000 € für Einzelpersonen), sofern du ihn nicht anderweitig ausgeschöpft hast.
Das Pausieren des Sparplans ändert daran nichts — die Vorabpauschale hängt am Bestand, nicht an den Einzahlungen. Wer in der Elternzeit knapp bei Kasse ist, sollte sicherstellen, dass ausreichend Liquidität auf dem Verrechnungskonto liegt, damit Trade Republic die Vorabpauschale im Januar einziehen kann. Sonst droht technisch gesehen eine Unterdeckung, die den Broker zu einer Teilveräußerung zwingt — das wäre dann tatsächlich ein steuerliches Ereignis.
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AltersvorsorgeAnfänger_A
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
warte mal kurz — der Broker kann einfach so Anteile verkaufen wenn man nicht genug Kohle auf dem Konto hat?? Das wusste ich gar nicht ? Hab selbst nen Sparplan bei TR, da liegt kaum was auf dem Verrechnungskonto...
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VergleichsViggo
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
@AltersvorsorgeAnfänger_Axel Ja, das ist tatsächlich so geregelt. Wenn das Verrechnungskonto nicht gedeckt ist und die Vorabpauschale nicht eingezogen werden kann, ist der Broker verpflichtet, entsprechende Anteile zu liquidieren. Das ist gesetzlich so vorgesehen (§ 44 EStG i. V. m. den depotführenden Pflichten).
In der Praxis sind die Beträge bei kleineren Depots aber meistens so gering, dass 20–30 € auf dem Konto reichen. WeltportfolioWalter hat das gut vorgerechnet — bei 30.000 € Depotvolumen wären das grob 80–100 € Steuer (nach Freibetrag je nach individueller Situation). Wer also seinen Sparplan pausiert, sollte im Dezember kurz prüfen, ob genug auf dem Verrechnungskonto liegt.
Beim Thema Elterngeld noch eine Ergänzung: Es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen Elterngeld (Basiselterngeld) und ElterngeldPlus. Beim Basiselterngeld sind Kapitalerträge für die Berechnung irrelevant — weder thesaurierende noch ausschüttende ETF-Erträge fließen in die Bemessungsgrundlage ein. Das BEEG stellt explizit auf Erwerbseinkommen ab. Also auf beiden Seiten: kein Risiko durch den ETF.
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SparSpaß_Sabrina_K
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
okay ich versteh nur Bahnhof bei Vorabpauschale und BEEG aber ich find's irgendwie süß dass ihr alle so mega durchdacht seid ?? ich spar einfach drauf los und hoff das Beste lol
ernsthaft aber: @ImmoSkeptiker_Ivo einfach pausieren, Stress weg, Baby genießen ?✨ der MSCI World läuft auch ohne deine 300€ weiter
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Mahnbescheid_Monika
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
ich find das hier wirklich hilfreich, ich hätt das früher auch gebrauchen könnne als ich in Elternzeit war ? damals hab ich den Sparplan einfach vergessen und er ist weitergelaufen, weil ich nicht wusste dass man ihn pausieren kann. Hat mich 3.600 € in nem Jahr gekostet die ich eigentlich nicht hatte.
Am Ende wars gut das ich weitergespart hab, aber der Druck war unnötig. Also: wer pausieren will, KANN pausieren — niemand zwingt einen weiterzumachen und es ist kein Verrat am Vermögensaufbau ?
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WienerWanderer_AT
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
Kurze Anmerkung aus österreichischer Perspektive, weil ich den Thread mit Interesse lese: Bei uns ist die Rechtslage beim Kinderbetreuungsgeld (das österreichische Pendant) ähnlich — Kapitalerträge zählen nicht zum anrechenbaren Einkommen im Sinne des KBGG. Insofern deckt sich das mit dem, was hier für Deutschland beschrieben wird.
Was ich aber ergänzen würde: Der psychologische Aspekt des Cost-Averaging wird massiv überschätzt. 12 Monate Pause bei einem langfristigen Anlagehorizont von 20+ Jahren sind statistisch gesehen vollkommen irrelevant. Wer das nicht glaubt, darf gerne mal ausrechnen, was 12 × 300 € = 3.600 € im Verhältnis zu einem Depot stehen, das in 20 Jahren vielleicht 150.000 € oder mehr wert ist. Der Unterschied durch die Pause liegt im Rauschen.
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AktienAntonia_HH
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Re: ETF-Sparplan pausieren während Elternzeit — steuerliche Fallen oder Elterngeld-Risiko?
@WienerWanderer_AT jap, der Cost-Average-Mythos ist eh einer der hartnäckigsten im Finanzbereich ? Mathematisch schlägt Einmalinvestition langfristig den Sparplan, weil Märkte im Schnitt steigen. Aber das ist ne andere Diskussion...
Zum eigentlichen Thema: Ich würde Reduzieren statt Pausieren empfehlen, aber nicht aus mathematischen Gründen — sondern aus Gewohnheitsgründen. Wenn man erstmal pausiert hat, ist die Hürde zur Reaktivierung manchmal größer als gedacht. Kenne ein paar Leute, deren ‚12-Monate-Pause' sich auf 3 Jahre ausgedehnt hat ?
50 € / Monat halten die Routine aufrecht, ohne wirklich zu belasten. Das ist meine persönliche Präferenz.