Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher, Zinsvergleiche
FINANZflüsterin_Fiona
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von FINANZflüsterin_Fiona »

Der Hinweis von @DispoDetektiv_Dirk auf Geldmarkt-ETFs ist wichtig und wird zu selten genannt. Sondervermögen ist Sondervermögen — selbst bei Insolvenz des Brokers gehört das Fondsvermögen den Anlegern, nicht der Insolvenzmasse. Das ist strukturell eine andere Art von Sicherheit als die Einlagensicherung. Für einen Selbstständigen mit 160k Liquiditätsreserve würde ich folgendes überlegen: - 3-6 Monate laufende Kosten wirklich liquide auf Tagesgeld (verteilt auf 2 Banken) - Mittelfristige Reserve in Festgeld mit Leitern (6/12/24 Monate gestaffelt) - Längerfristig nicht benötigte Beträge in einen Geldmarkt-ETF wie den Xtrackers EUR Overnight Rate Swap Das ist keine Anlageberatung, aber so würde ich die Struktur angehen.
Mahnbescheid_Monika
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von Mahnbescheid_Monika »

Also ich muss sagen ich hab von Geldmarkt-ETFs noch nie gehört ? klingt aber interessant. Kann man die einfach bei jeder Direktbank kaufen? Und wie sicher sind die wirklich wenn ne Krise kommt? Im 2008 sind doch auch Fonds abgestürzt oder? Sorry wenn das etwas off-topic ist aber ich find das spannend was @FINANZflüsterin_Fiona da schreibt ?
ETF_Opa_Ernst
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von ETF_Opa_Ernst »

@Mahnbescheid_Monika Kurze Antwort: Geldmarkt-ETFs investieren in kurzlaufende Staatsanleihen oder Overnight-Swaps, keine Aktien. 2008 sind Aktienfonds abgestürzt, nicht Geldmarktfonds — das ist ein anderes Risikoprofil. Totalverlust ist theoretisch denkbar, aber extrem unwahrscheinlich. In der Praxis sind die Schwankungen minimal. Ja, bei jeder normalen Direktbank (Comdirect, DKB, ING, Consorsbank usw.) kaufbar. Einfach nach ISIN suchen, z.B. LU0290358497 (Xtrackers EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF).
Kapitalanleger_Kurt
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von Kapitalanleger_Kurt »

Die Grundfrage des OP war gut gestellt und ist korrekt beantwortet worden. Ich möchte jedoch auf einen Aspekt hinweisen, der in solchen Diskussionen regelmäßig untergeht: Die Einlagensicherung schützt nominale Beträge — sie schützt nicht vor Kaufkraftverlust. Wer 160.000€ über mehrere Jahre auf Tagesgeldkonten parkt, dessen reale Kaufkraft kann trotz formaler Sicherung erheblich erodieren, wenn die Inflation über dem Zinsniveau liegt. Das ist zwischen 2020 und 2023 passiert — real haben viele Sparer trotz »sicherer« Einlagen Vermögen verloren. Die Streuung auf mehrere Banken ist richtig. Aber die Frage, ob 160.000€ vollständig in Bankeinlagen gehalten werden sollten, ist eine andere, die der OP sich stellen sollte.
SparplanSeppel
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von SparplanSeppel »

Ich finds amüsant dass hier aus ner simplen Frage zur Einlagensicherung grad ein komplettes Vermögensverwaltungs-Seminar wird ? Aber okay, is halt so in diesem Forum. Zum Kernthema: Ich hab mein Geschäftskonto bei der Volksbank und mein Privatgeld bei der Sparkasse. Beides Institutssicherung, kein einmaliger Knall wenn eine Pleite macht — die anderen springen ein. Des is mir lieber als irgendwelche Onlinebanken die mir 0,2% mehr geben aber aus Litauen operieren ?
NordbankNorbert
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von NordbankNorbert »

Eine sachliche Ergänzung noch zu den freiwilligen Sicherungssystemen, da das in diesem Thread etwas unscharf geblieben ist: Der private Bankenverband (Bundesverband deutscher Banken) betreibt zusätzlich zur gesetzlichen Sicherung einen freiwilligen Einlagensicherungsfonds. Dieser sichert Einlagen weit über 100.000€ ab — die genaue Grenze hängt vom Eigenkapital der jeweiligen Bank ab. Bei großen Privatbanken wie Deutsche Bank oder Commerzbank sind das Millionenbeträge. Das ist relevant für vermögende Privatkunden oder Firmenkunden mit hohen Einlagen. Diesen Fonds gibt es also zusätzlich zur gesetzlichen 100k-Sicherung — das sind zwei verschiedene Schichten. Volkbanken und Sparkassen haben diesen Fonds nicht, dafür aber eben ihre Institutssicherung.
DividendenDame_Dorothea
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von DividendenDame_Dorothea »

Ich möchte den Punkt von @Kapitalanleger_Kurt unterstützen. Als jemand, der bewusst auf Dividendenaktien setzt: Man sollte nicht vergessen, dass Einlagensicherung zwar das nominale Kapital schützt, aber keine Rendite garantiert. Für einen Selbstständigen ist eine ausreichende Liquiditätsreserve natürlich Pflicht — das ist nicht verhandelbar. Aber 160.000€ vollständig als Liquiditätsreserve? Das hängt natürlich vom Umsatz und den laufenden Kosten ab. Als Richtwert gilt oft 6-12 Monatsumsatz für Selbstständige. Was darüber hinausgeht, darf ruhig langfristiger angelegt werden.
Nebenjob_Nele
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von Nebenjob_Nele »

Ich bin auch selbstständig und kenn das Gefühl — man will einfach wissen dass das Geld da ist wenn man es braucht ? Steuernachzahlungen, Auftragslücken, whatever. Ich hab meine Reserve auf zwei Banken aufgeteilt (Tagesgeld ING + Festgeld Weltsparen) und gut ists. Mehr als 100k pro Bank liegt da eh nicht rum, also bin ich entspannt. Dieser Thread hat mir aber echt nochmal bestätigt dass ich das richtig gemacht hab ?
MahlzeitMathilda
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Re: Einlagensicherung 100.000€: gilt das pro Bank oder pro Person?

Beitrag von MahlzeitMathilda »

Sorry für den späten Einstieg, aber ich find den Thread so gut, ich muss kurz zusammenfassen — quasi als Merkzettel für alle die hier landen: - Grundregel: 100.000€ Schutz pro Person UND pro Bank (gesetzlich) - Gemeinschaftskonto: je 100k pro Kontoinhaber, also 200k bei zwei Personen - Sonderfall: bis 500k für max. 12 Monate nach bestimmten Lebensereignissen - Sparkassen/Volksbanken: kein direkter 100k-Anspruch, aber Institutssicherung (Bank darf nicht pleitegehen) - Privatbanken: gesetzliche 100k + freiwilliger Bankenfonds on top - Alternative: Geldmarkt-ETFs als Sondervermögen, nicht durch Einlagensicherung gedeckt aber anders geschützt Strategie für OP: Auf 2-3 Banken aufteilen, je unter 100k, fertig. ?
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