Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

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Azubi_Andi_2022
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Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von Azubi_Andi_2022 »

hey leute ? ich hab letztens nen youtube video gesehen wo jemand erklärt hat wie man mit sogenannten „Covered Calls" quasi zusätzliche Kohle auf seine aktien macht die man eh schon hat. klingt erstmal mega interessant ? also so wie ichs verstanden hab kaufst du z.b. 100 aktien von nem unternehmen und dann schreibst du ne call-option drauf und kassierst die prämie. wenn die aktie nicht bis zum strike steigt behältst du die prämie und deine aktien. nice oder? ? jetzt meine fragen weil ich echt nicht weiß ob das für uns normalos in deutschland überhaupt machbar ist: - welche broker erlauben das eigentlich? bei trade republic geht ja fast nix mit optionen oder? - braucht man irgendein spezielles depot oder zertifikat? - und steuerlich — wird die prämie die man kassiert sofort besteuert oder erst wenn die option ausgeübt wird? - gibt es ne mindestmenge an aktien die man haben muss? ich hab selbst grad ca. 30 aktien von BASF im depot bei N26 (glaub da geht sowas eh nicht lol ?) und würd das gerne mal ausprobieren. bin azubi also kein großer investor aber interessiert mich trotzdem. danke schonmal!! ?
GiroGuru_Gino
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von GiroGuru_Gino »

Hey Andi, gute Frage — und ja, das geht als Privatanleger in Deutschland, aber es ist komplizierter als das YouTube-Video vermuten lässt. ? Erstmal das Wichtigste: Optionen schreiben (also als Stillhalter auftreten) geht nur bei spezialisierten Brokern, die Optionshandel mit entsprechender Freischaltung anbieten. N26 und Trade Republic scheiden da komplett aus — die bieten keinen echten Optionshandel an. Broker die das für Privatanleger ermöglichen (mit Einschränkungen): - Comdirect — bietet Optionshandel über EUREX an, aber du brauchst eine Handelsfreischaltung und musst einen Erfahrungstest bestehen - DKB — eingeschränkt, eher mäßig für Optionen geeignet - Interactive Brokers (IBKR) — der Platzhirsch für sowas, auch für Privatanleger nutzbar, englischsprachig aber sehr mächtig Zur Mindestmenge: Eine Standard-Option an der EUREX deckt 100 Aktien ab. Du hast 30 BASF — das reicht leider nicht. Du bräuchtest mindestens 100 Stück. ? Zur Steuer komme ich gleich — da meldet sich bestimmt noch jemand kompetenteres als ich.
FinanzPhilosophin_Frauke
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von FinanzPhilosophin_Frauke »

Ich möchte die steuerliche Seite ergänzen, denn die ist tatsächlich nicht ganz trivial und in Deutschland leider etwas unübersichtlich geregelt. Optionsprämien als Stillhalter (also beim Schreiben eines Covered Calls): - Die vereinnahmte Prämie ist sofort bei Zufluss steuerpflichtig als Einkünfte aus Kapitalvermögen — 25% Abgeltungssteuer plus Soli - Wird die Option ausgeübt und Ihre Aktien werden zum Strike-Preis verkauft, entsteht zusätzlich ein Veräußerungsgewinn (oder -verlust) auf die Aktien selbst - Verfällt die Option wertlos, passiert steuerlich nichts mehr — die Prämie wurde ja schon versteuert Das klingt einfach, hat aber eine Tücke: Seit dem BGH-Urteil und der Handhabung durch das BMF können Verluste aus Optionsgeschäften nur sehr eingeschränkt mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden. Das betrifft zwar primär Käufer von Optionen, aber man sollte das im Blick haben. Mein Rat: Vor dem ersten Trade unbedingt einen Steuerberater konsultieren, der sich mit Kapitalmarktsteuerrecht auskennt. Das kostet einmalig etwas, spart aber Nerven.
KreditKritiker_Konrad
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von KreditKritiker_Konrad »

Ich will mal kurz Wasser in den Wein schütten. Nicht böse gemeint, Andi. 30 Aktien BASF — eine BASF-Aktie kostet gerade so um die 40-45 Euro. Das sind also vielleicht 1.300 Euro Depot. Für einen Covered Call brauchst du 100 Aktien, also rund 4.500 Euro allein in BASF. Das ist schon mal Hürde Nummer eins. Dazu kommen Depotgebühren bei Comdirect oder IBKR, Transaktionskosten pro Trade und der Spread beim Optionskauf. Bei BASF-Optionen mit kleinen Prämien kannst du schnell mehr an Kosten zahlen als du an Prämie einnimmst — besonders wenn du nur einen Contract handelst. Ich sage nicht, mach es nicht. Aber informier dich erstmal richtig, bevor du Geld in ein anderes Depot transferierst nur um dann festzustellen dass die Rendite nach Kosten mickrig ist.
Lagerist_Lars_Invest
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von Lagerist_Lars_Invest »

@KreditKritiker_Konrad ja aber so fängt man halt an oder? ? Keiner ist als Profi geboren. Ich handel seit 2 Jahren Covered Calls bei Interactive Brokers, bin auch kein Millionär. Mein Setup: 100 Apple-Aktien im Depot, jeden Monat ne Call-Option rausschreiben, 1-2% OTM (also leicht über aktuellem Kurs). Prämie liegt je nach Volatilität zwischen 30 und 80 Dollar pro Monat. Nicht weltbewegend aber hey, das ist Geld das ich sonst nicht hätte ? IBKR ist für Anfänger erstmal einschüchternd, aber die haben ne gute Lernkurve. Einfach mal Papierkonto eröffnen (also Übungskonto mit Spielgeld) und das durchspielen bevor man echtes Geld riskiert. @Azubi_Andi_2022 erstmal auf 100 Aktien aufstocken, dann IBKR anmelden, Optionen freischalten lassen (da gibts nen Fragebogen) und looslegen. Kein Hexenwerk ?
RentenpunktRosemarie
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von RentenpunktRosemarie »

Ich lese hier mit und lerne dabei — das finde ich bei diesem Forum immer wieder schön. Aber ich möchte einen Punkt ergänzen den ich für wichtig halte, gerade für jüngere Menschen. Ein Covered Call klingt zunächst nach „kostenloses Geld". Das ist er nicht. Man verkauft damit das Aufwärtspotenzial seiner Aktien. Wenn BASF plötzlich um 20% steigt, weil irgendetwas Positives passiert, nehmen Sie an diesem Kursanstieg nicht mehr teil — die Option wird ausgeübt und Sie müssen zum Strike-Preis liefern. Ich habe in meiner Berufslaufbahn bei der Verwaltung erlebt wie gut klingende Konstrukte bei näherer Betrachtung Haken haben. Das sage ich nicht um Sie zu entmutigen sondern damit Sie wirklich verstehen was Sie tun. Lesen Sie sich das Thema gut ein, bevor Sie anfangen. Vielleicht schauen Sie mal auf finanzfluss.de oder ähnlichen Seiten nach verständlichen Erklärungen.
Portfoliopfleger_Pit
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von Portfoliopfleger_Pit »

Um das hier etwas zu strukturieren — ein paar praktische Infos zum Broker-Thema für Deutschland: Interactive Brokers (IBKR) ist tatsächlich die erste Wahl für Privatanleger die ernsthaft Optionen handeln wollen. Mindesteinlage faktisch 0 Euro, aber unter 100k Depot zahlt man 3 USD/Monat Inaktivitätsgebühr (entfällt wenn man handelt). Optionsfreischaltung läuft über einen Fragebogen zu Erfahrung und Kenntnissen. Comdirect geht prinzipiell auch über die EUREX, ist aber teurer pro Trade und die Oberfläche für Optionen ist nicht sonderlich komfortabel. Für gelegentliche Trades ok. Tastyworks / tastytrade — inzwischen auch für Deutsche nutzbar, speziell auf Optionshandel ausgerichtet, günstige Konditionen. Prüft aber selbst ob die aktuell noch DE-Konten annehmen. Zur Freischaltung: Man muss bei jedem Broker angeben dass man Erfahrung mit Derivaten hat. Als blutiger Anfänger kann das ein Problem werden — manche Broker lehnen ab. IBKR ist da erfahrungsgemäß am kulantesten. ? Steuerlich: Was Frauke oben schrieb stimmt. Prämie sofort versteuert, Aktienverkauf (falls ausgeübt) separat. Euer Broker macht die Abgeltungssteuer automatisch wenn er ein deutsches Institut ist — bei IBKR als ausländischem Broker müsst ihr selbst in der Steuererklärung Anlage KAP ausfüllen.
ETF_Entdecker_Eddi
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von ETF_Entdecker_Eddi »

warte mal kurz — @Azubi_Andi_2022 du hast BASF aktien bei N26?? ? N26 hat doch gar kein richtiges Wertpapierdepot mehr oder? Die haben den Handel doch eingestellt. Oder hast du das über irgendne Partnerschaft gemacht? Bisschen verwirrt gerade lol
Azubi_Andi_2022
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von Azubi_Andi_2022 »

@ETF_Entdecker_Eddi ohh stimmt du hast recht ?? ich meinte glaub ich Revolut, da hab ich das gekauft. sorry für die verwirrung haha ich schmeiß die immer durcheinander aber danke an alle für die super antworten!! hab jetzt schon viel gelernt. also zusammengefasst: - N26/Revolut/Trade Republic — für optionen komplett ungeeignet - IBKR ist der go-to broker - ich brauch erstmal 100 aktien also noch 70 BASF kaufen - prämie wird sofort besteuert, muss ich bei IBKR selbst in der steuererklärung angeben @RentenpunktRosemarie danke für den hinweis mit dem aufwärtspotenzial, das war mir so nicht klar!! ? macht sinn dass man das bedenken muss werd erstmal das papierkonto bei IBKR ausprobieren wie @Lagerist_Lars_Invest gesagt hat ?
RenditeRosalie
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Re: Covered Calls auf eigene Aktien schreiben — geht das als Privatanleger in Deutschland überhaupt?

Beitrag von RenditeRosalie »

Schön dass du das mit dem Papierkonto angehen willst — das ist wirklich der richtige erste Schritt. ? Ich möchte noch einen steuerlichen Punkt ergänzen den @FinanzPhilosophin_Frauke angesprochen hat, aber der meiner Meinung nach noch mehr Betonung verdient: Das BMF-Schreiben von 2021 und die Verlustverrechnungsbeschränkung §20 Abs. 6 Satz 5 EStG: Verluste aus Termingeschäften (also auch Optionen) können nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden, maximal 20.000 Euro pro Jahr. Das klingt für kleine Privatanleger erstmal harmlos. Aber stell dir vor die Option läuft gegen dich — der Verlust kann steuerlich kaum verrechnet werden. Beim Covered Call ist das Risiko zwar begrenzt (du hast die Aktien ja), aber es ist wichtig das zu kennen. Außerdem: Bei IBKR als EU-Broker (Irland/Ungarn-Entität) musst du die Jahressteuerbescheinigung selbst erstellen bzw. Anlage KAP ausfüllen. Das ist kein Drama aber du brauchst den IBKR-Jahresbericht, den du im Kundenportal herunterladen kannst. Ich mache das jedes Jahr selbst, dauert ca. 2 Stunden mit WISO Steuer. ?
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