Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

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KreditmuffelKai
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Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von KreditmuffelKai »

Hey Leute, ich beschäftige mich grad intensiv mit kleineren Biotech-Werten und bin ehrlich gesagt hin- und hergerissen. ? Einerseits klingen manche Sachen mega spannend — kleine Firmen die an Krebstherapien oder seltenen Krankheiten forschen, Kursvervielfachungen von 300% oder mehr wenn Phase-3 klappt. Andererseits weiß ich ja dass das Ding auch komplett auf null gehen kann wenn die Studie floppt. Hab das letztes Jahr bei einem Wert live miterlebt, der ist nach negativen Phase-2-Daten von 8 Euro auf 1,20 Euro abgestürzt. Autsch. Meine Frage an euch: Wie geht ihr das an? Habt ihr eine feste Regel wie viel Prozent eures Gesamtdepots maximal in solche Hochrisiko-Werte fließt? Ich hab gelesen dass manche Leute die 5%-Regel nutzen — also nie mehr als 5% des Depots in einen einzelnen spekulativen Wert. Andere streuen auf mehrere Biotechs und nehmen insgesamt 10-15% Depotanteil. Was ist euer Ansatz? Und wie schätzt ihr das Risiko bei Phase-1 vs Phase-2 vs Phase-3 Studien ein? Bei Phase-1 ist das ja nochmal eine ganz andere Hausnummer als bei Phase-3 wo man schon mehr Daten hat. Bin Elektriker, kein Finanzprofi — also gerne auch für Normalos erklären ?
CashbackCasimir
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von CashbackCasimir »

Klassische Frage, klassisches Dilemma ? Ich fahr seit etwa 2 Jahren mit Biotechs und hab meine Lektion gelernt: maximal 10% des Gesamtdepots in den gesamten Biotech-Bereich, und davon nie mehr als 3% in eine einzelne Position. Der Trick ist: Du musst dir vorher überlegen ob du den kompletten Einsatz abschreiben kannst ohne dass es wehtut. Nicht „ohne dass es ärgerlich ist" — das wird es immer sein. Sondern wirklich: kannst du die Kohle verschmerzen? Ich hab letztes Jahr bei Formycon und MorphoSys mitgespielt. MorphoSys war dann ja bekanntlich eine wilde Achterbahn. Lehre daraus: Auch Phase-3-Kandidaten können böse enden. ?
Daueroptimiererin_Doro
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von Daueroptimiererin_Doro »

Ich arbeite als PTA und kann zumindest zur fachlichen Seite etwas beitragen, was die Risikoeinschätzung angeht: - Phase 1: Sicherheit und Dosisfindung — Erfolgswahrscheinlichkeit bis zur Zulassung historisch ca. 5-10% - Phase 2: erste Wirksamkeitsdaten — kumulative Erfolgsrate steigt auf etwa 15-20% - Phase 3: große Vergleichsstudie — hier sind wir bei ca. 50-60% Erfolgswahrscheinlichkeit bis Zulassung Diese Zahlen kommen aus Industrieanalysen (z.B. BIO-Report 2021). Onkologie ist dabei nochmal deutlich schlechter als z.B. seltene Erkrankungen. Was ich persönlich mache: Ich investiere ausschließlich in Phase-2/3-Kandidaten und nie mehr als 2% pro Position. Insgesamt nicht über 8% des Depots. Wer bei Phase-1-Unternehmen einsteigt, betreibt im Grunde Venture Capital — das sollte man sich bewusst sein.
DepotzockDennis
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von DepotzockDennis »

Ich bin da ehrlich gesagt deutlich aggressiver unterwegs ? Hab zeitweise 25% in Biotech gehabt. War dumm, weiß ich. Hab 2021 mit Curevac richtig auf die Fresse gekriegt. Jetzt: maximal 15%, verteilt auf mindestens 5 Werte. Diversifikation innerhalb des Sektors ist das A und O weil du nie weißt welche Studie durch die Decke geht. Einer von fünf reicht wenn er sich verdreifacht um die anderen vier Totalverluste auszugleichen. Aber mal ehrlich: Wer Phase-1 kauft und nicht auf einen Totalverlust vorbereitet ist, der soll lieber einen MSCI-World-ETF kaufen. ?
BuchhalterBodo_HB
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von BuchhalterBodo_HB »

Ich möchte hier eine etwas nüchternere Perspektive einbringen. Die Frage nach dem „Depotanteil" ist zwar praktisch, greift aber zu kurz. Entscheidend ist die absolute Verlusttragfähigkeit. Wenn jemand 5.000 Euro Depot hat und 10% in Biotech investiert, sind das 500 Euro — für viele verschmerzbar. Bei 200.000 Euro Depot und 10% sind das 20.000 Euro Totalverlustpotenzial — eine andere Hausnummer. Meine persönliche Grenze: Ich halte generell keine Einzelaktien mit binärem Ergebnisrisiko. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine Feigheit. Die Renditeerwartung nach Wahrscheinlichkeitsgewichtung ist bei den meisten Kleinstbiotechs schlicht negativ, sobald man Liquiditätskosten und Spread einrechnet. Wer es dennoch tut: Bitte steuerliche Verlustverrechnung nicht vergessen. Totalverluste bei Aktien sind seit 2020 nur noch begrenzt verrechenbar (max. 20.000 Euro pro Jahr gegen andere Kapitalerträge). Das verschlechtert die Kalkulation weiter.
AzubiAlexander_2021
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von AzubiAlexander_2021 »

alter ich hab letztes jahr mein erstes halbes jahr azubi-gehalt in so einen biotech zock gesteckt lmao ? war natürlich phase 1 und natürlich ist die studie geflopt jetzt bin ich schlauer: nie wieder mehr als ich komplett vergessen kann. bei mir sind das aktuell 50 euro max pro position haha
VaterVierKinder_Bernd
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von VaterVierKinder_Bernd »

Ich glaube das Wichtigste ist zunächst die Frage: Wofür ist das Geld eigentlich gedacht? Bei mir ist das Depot klar aufgeteilt: 85% langfristiger Vermögensaufbau (ETFs, solide Dividendenwerte), 15% für „Spielgeld" wo ich auch mal spekulativer bin. Und selbst in diesem Spielgeld-Topf machen Biotechs nie mehr als die Hälfte aus — also effektiv unter 8% des Gesamtdepots. Mit vier Kindern kann ich mir keine bösen Überraschungen leisten. Wer Biotech kauft sollte wirklich sicherstellen dass dieses Geld nicht für Altersvorsorge, Notgroschen oder andere konkrete Ziele verplant ist. Das klingt banal, aber viele Menschen vermischen das gedanklich. @KreditmuffelKai: Du bist Elektriker, du hast ein gutes Einkommen und weißt was Risiko bedeutet. Solange du nicht auf Kredit spekulierst und der Betrag wirklich „verschmerzbar" ist — go for it, aber mit Kopf.
SparstrumpfSigrid
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von SparstrumpfSigrid »

Ich bin ja schon etwas älter und habe in den 90ern den Neuen Markt miterlebt. Da gab es auch viele kleine Firmen mit großen Versprechen. Das Ende ist bekannt. Ich sage nicht, dass Biotech schlecht ist — aber das Muster ist immer dasselbe: Euphorie, Kursverdopplungen, dann eine Hiobsbotschaft und plötzlich ist alles weg. Mein Mann hat damals 30% seines Depots in solche Werte gesteckt. Wir haben nie darüber hinweggekommen. Also mein Rat: 5% Depotanteil maximal, und nur wenn Sie das Geld wirklich nicht brauchen. Nicht weil ich einen Spielverderber abgeben will — sondern weil ich das Gegenteil live gesehen habe. ?
Quellensteuer_Quentin
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von Quellensteuer_Quentin »

Zur steuerlichen Ergänzung von @BuchhalterBodo_HB: Die Verlustverrechnungsbeschränkung auf 20.000 Euro jährlich bei Aktienverlusten (§ 20 Abs. 6 Satz 4 EStG) ist tatsächlich ein oft unterschätzter Faktor. Konkret bedeutet das: Wenn eine Position mit 30.000 Euro Totalverlust endet, können Sie im Jahr des Verlustes nur 20.000 Euro gegen realisierte Aktiengewinne verrechnen. Die restlichen 10.000 Euro werden vorgetragen. Das klingt nach einem Detail, hat aber bei größeren Positionen echten Einfluss auf die Nettorendite. Praktischer Hinweis: Wer mehrere Depots bei verschiedenen Banken (DKB, Comdirect, ING) führt, muss die Verlustbescheinigung aktiv beantragen — das passiert nicht automatisch depotübergreifend.
KassensturzKarla
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Re: Biotech-Aktien: Totalverlust-Risiko realistisch einschätzen — wie viel Depotanteil riskiert ihr?

Beitrag von KassensturzKarla »

ich glaub das ist so eine typische sache wo jeder sagt „ich mach das kontrolliert" und dann doch mehr reinpackt als geplant ? kenn ich von mir selbst hab mal angefangen mit „nur 3%" und dann kam eine gute News und ich hab nachgekauft und plötzlich war ich bei 12%. das ist die eigentliche gefahr finde ich — positions-schleichen nennt man das glaub ich. jetzt hab ich bei mir im depot-tracker eine harte grenze eingetragen und wenn die überschritten wird kauf ich einfach nicht mehr nach. klingt simpel, hat aber wirklich geholfen ?
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