500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
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NachzahlerNadja
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500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema Geldanlage und überlege, ob ich monatlich 500€ auf 8–10 Einzelaktien verteilen soll. Konkret dachte ich an etwas wie MSCI-Schwergewichte (z.B. ASML, Microsoft, Novo Nordisk, Münchener Rück, LVMH) plus ein paar kleinere Positionen in Branchen, die ich für zukunftsträchtig halte.
Mein Gedanke war: Wenn ich 500€ auf 10 Positionen aufteile, sind das pro Aktie nur 50€ im Monat. Bei manchen Brokern wie Trade Republic oder Scalable geht das per Sparplan recht günstig — aber ich frage mich, ob das bei so kleinen Beträgen überhaupt noch sinnvoll diversifiziert ist oder ob ich mir damit nur einbilde, etwas Besonderes zu tun, während ein simpler MSCI World ETF die bessere Lösung wäre.
Ein paar konkrete Fragen:
- Reichen 8–10 Aktien für eine echte Diversifikation, oder braucht man da eher 20–30?
- Macht es Sinn, Einzelaktien und einen ETF zu kombinieren?
- Wie handhabt ihr das bei ähnlichen Sparraten?
Ich bin Steuerfachangestellte, also die steuerliche Seite kenne ich ganz gut — mich interessiert vor allem die strategische Perspektive. Freue mich auf eure Einschätzungen!
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Frührentner_Franz
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Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Gute Frage, Nadja. Ich habe das selbst jahrelang so gemacht — und bin irgendwann zur Erkenntnis gelangt, dass 8–10 Aktien schlicht zu wenig sind, um wirklich diversifiziert zu sein. Wenn eine davon crasht (ich erinnere mich noch gut an meine Wirecard-Position aus 2019 — das war kein Spaß), kann das den gesamten Aufbau empfindlich treffen.
Mit 500€ im Monat würde ich persönlich folgendes Modell empfehlen: 350–400€ in einen soliden MSCI World ETF, z.B. über Trade Republic oder DKB, und den Rest — wenn es dich juckt — in einzelne Titel, die du wirklich gut kennst und analysiert hast. So hast du das Beste aus beiden Welten.
8–10 Aktien sind kein Quatsch, aber du trägst damit ein deutlich höheres idiosynkratisches Risiko als mit einem ETF auf 1.600 Titel. Das sollte man sich bewusst machen, bevor man loslegt.
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ZinsZombie_Zach
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Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
omg 50€ pro Aktie im monat lol... nadja ich sag dir was: kauf einfach den FTSE All World und geh schlafen ? 8 aktien sind doch kein portfolio, das ist ein wishlist bei amazon
nee aber mal ernst: wenn du nicht mindestens 20+ titel hast bist du eigentlich nur am zocken, auch wenns sich fancy anfühlt. warren buffett hat auch mal gesagt diversifikation ist schutz vor unwissenheit — und wir alle hier sind unwissend lmao
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NordbankNorbert
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Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Aus fachlicher Perspektive möchte ich ergänzen: Die Portfoliotheorie nach Markowitz zeigt, dass der größte Teil des unsystematischen Risikos erst ab ca. 20–25 verschiedenen, nicht korrelierten Titeln eliminiert wird. 8–10 Aktien — selbst wenn sie aus verschiedenen Branchen stammen — reduzieren das Einzelwertrisiko nur unzureichend.
Hinzu kommt: Bei 50€ pro Position entstehen bei manchen Brokern anteilig höhere Transaktionskosten, selbst wenn die Basis-Gebühren niedrig erscheinen. Bitte prüfen Sie auch die steuerliche Behandlung von Teilfreistellungen bei ETFs im Vergleich zu Einzeltiteln — als Steuerfachangestellte kennen Sie das sicher, aber für andere Mitleser ist das relevant.
Mein Rat: ETF-Kernposition mit optionaler Satellitenallokation in Einzelwerte.
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PortfolioPhilipp_B
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- Registriert: Mo Okt 14, 2019 10:00 pm
Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Ich mach das seit 4 Jahren mit einem Core-Satellite-Ansatz und bin damit ganz zufrieden. Konkret: 300€/Monat in den iShares Core MSCI World (über Scalable), 150€ in 3–4 Einzelaktien die ich wirklich verfolge, und 50€ in einen EM-ETF.
Der Vorteil: Du lernst dabei, Unternehmen zu analysieren, ohne dein gesamtes Kapital dem Einzeltitelrisiko auszusetzen. Und ehrlich gesagt macht es einfach mehr Spaß, wenn man auch einzelne Werte im Depot hat — der Spaßfaktor ist unterbewertet beim Thema Durchhaltevermögen.
Aber 10 Aktien mit je 50€ und kein ETF drunter? Das würde ich nicht machen. Wenn da 2–3 Titel ordentlich einbrechen, merkst du das im Gesamtportfolio sehr deutlich.
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Sparquote_Simone_DO
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- Registriert: Do Jan 21, 2021 11:00 pm
Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Hey Nadja! ? Ich bin auch Sparplan-Fan und hab mich lange mit genau dieser Frage beschäftigt.
Kurz meine Erfahrung: Ich hatte mal 12 Einzelaktien-Sparpläne gleichzeitig laufen — bei Trade Republic ist das ja easy einzurichten. Klingt toll, aber nach einem Jahr hab ich gemerkt: Ich verliere den Überblick, ich kann die Unternehmen nicht alle wirklich verfolgen, und meine 'Diversifikation' war in Wirklichkeit stark auf Tech und Konsumgüter konzentriert, weil ich halt das kaufe was ich kenne. ?
Jetzt: 70% MSCI World ETF, 20% Einzelaktien (nur noch 4 Titel, die ich wirklich verfolge), 10% Tagesgeld bei ING als Puffer. Viel ruhiger, viel klarer.
Für dich wäre mein Tipp: Fang mit dem ETF an, und wenn dich ein Unternehmen wirklich überzeugt — dann nimm es als Beimischung rein. Aber 10 Aktien gleichzeitig verwalten ist mehr Arbeit als man denkt! ?
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RisikoRudolf_aus_RLP
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- Registriert: Di Nov 17, 2020 11:00 pm
Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Also ich sag mal so — die ganze 'ETF ist König'-Fraktion hier hat nicht ganz unrecht, aber die tun auch so als wäre Einzelaktien kaufen gleichbedeutend mit Russisch Roulette spielen. ?
Ich hab selbst ein reines Einzelaktien-Portfolio, aktuell 22 Positionen, und fahre damit seit 8 Jahren besser als mein früherer MSCI World Sparplan. Aber — und das ist ein großes Aber — ich verbringe locker 3–4 Stunden pro Woche damit, Quartalsberichte zu lesen, News zu verfolgen und mein Portfolio zu pflegen. Das muss man wollen und können.
Mit 8–10 Aktien bist du weder Fisch noch Fleisch. Entweder du machst es richtig mit 20+ Titeln, oder du nimmst den ETF. Der Mittelweg ist meistens der schlechteste.
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BausparkritikBernadette
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- Registriert: Sa Jul 04, 2020 10:00 pm
Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Ich möchte eine etwas differenziertere Perspektive einbringen, da die bisherigen Beiträge die quantitative Seite gut abdecken, aber die qualitative vernachlässigen.
Die Frage nach Diversifikation ist nicht allein eine Frage der Anzahl der Positionen. Entscheidend ist die Korrelation zwischen den Titeln. Zehn Aktien aus unterschiedlichen Regionen, Branchen und mit verschiedenen Geschäftsmodellen können unter Umständen diversifizierter sein als ein ETF, der de facto zu 65–70% aus US-Titeln besteht und damit ein erhebliches Konzentrationsrisiko in einer einzigen Volkswirtschaft trägt.
Das soll nicht als Argument gegen ETFs verstanden werden — diese sind für die meisten Anleger die rationale Wahl. Aber die pauschale Aussage 'ETF schlägt immer Einzelaktien bei kleinen Beträgen' ist so nicht haltbar. Es kommt auf die konkrete Auswahl und Strategie an.
Zu Ihrer konkreten Frage: Bei 500€/Monat und 10 Positionen entstehen je nach Broker keine nennenswerten Kostennachteile mehr. Trade Republic oder Scalable ermöglichen Sparpläne kostenfrei oder nahezu kostenfrei. Das Kostenargument gegen Einzelaktien ist heute deutlich schwächer als noch vor fünf Jahren.
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Hypothekenhexe_Helga
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- Registriert: Mi Sep 29, 2021 10:00 pm
Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Och Nadja, ich kenn das Dilemma ? Ich hab damals auch mit nem bunten Strauß Einzelaktien angefangen — und irgendwann saß ich vor nem Depot mit 14 Positionen, von denen ich bei 6 nicht mehr wusste, warum ich die eigentlich gekauft hatte.
Das Hauptproblem bei vielen kleinen Positionen ist nicht die Diversifikation — das ist die Aufmerksamkeit. Du kannst nicht 10 Unternehmen wirklich gut beobachten, wenn du nebenbei noch arbeitest und ein Leben hast. Irgendwann läuft dann was schief bei einem Titel und du merkst es zu spät, weil du grad andere Sachen im Kopf hattest.
Mein Tipp: Weniger ist mehr. 3–4 Einzeltitel die du liebst, der Rest ETF. Und die ING hat gerade wieder ganz ordentliche Konditionen für Tagesgeld falls du auch nen Puffer brauchst.
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PensionärPetershofen
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- Registriert: So Nov 01, 2020 11:00 pm
Re: 500€/Monat in 8–10 Einzelaktien aufteilen — sinnvoll oder lieber alles in einen ETF?
Ich habe in meiner Berufslaufbahn viele Kolleginnen und Kollegen erlebt, die in Einzelaktien investiert haben. Manche haben damit gutes Geld verdient, manche haben alles verloren. Ich persöhnlich halte den ETF-Weg für den sichereren Weg, gerade für jüngere Menschen die noch viel Zeit haben.
500 Euro pro Monat ist kein kleiner Betrag. In 20 Jahren, wenn man das konsequent durchhält und der Zinseszins wirkt, kann das eine erhebliche Summe werden. Ich würde das nicht durch unnötiges Risiko gefährden.