Private Altersvorsorge 2025: ETF-Depot, Rürup oder Riester – was rechnet sich?
Wer 2025 mit 40 Jahren in Rente geht, erhält im Schnitt 48 % seines letzten Nettogehalts als gesetzliche Rente – Tendenz sinkend. Für einen Arbeitnehmer mit 3.500 € Netto bedeutet das: rund 1.680 € monatlich. Ob das reicht, hängt vom Lebensstil ab. Für die meisten reicht es nicht.
Die Frage ist nicht ob, sondern wie man privat vorsorgt. ETF-Depot, Rürup, Riester und betriebliche Altersvorsorge funktionieren nach grundlegend verschiedenen Mechanismen – mit unterschiedlichen Steuereffekten, Kostenstrukturen und Risiken. Dieser Vergleich zeigt anhand konkreter Zahlen, welche Option für welches Einkommen und welche Lebenssituation tatsächlich sinnvoll ist.
Gesetzliche Rente allein reicht nicht: Die Rentenlücke berechnen
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem erwarteten Renteneinkommen und dem tatsächlich benötigten monatlichen Betrag. Sie lässt sich mit drei Werten grob berechnen:
- Erwartete gesetzliche Rente: Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung × Kaufkraftverlust durch Inflation
- Bedarf im Alter: Faustregel 70–80 % des letzten Nettogehalts
- Lücke: Bedarf minus erwartete Rente
Beispiel: Netto 3.500 €, erwartete Rente laut Bescheid: 1.800 € (nominal). Bei 2 % Inflation über 25 Jahre entspricht das real nur noch ca. 1.100 €. Bedarf: 2.450 €. Rentenlücke: rund 1.350 € monatlich.
Um diese Lücke durch Kapitalverzehr über 20 Rentenjahre zu schließen, wäre ein Kapitalstock von ca. 324.000 € nötig (ohne Zinsen im Rentenalter). Mit 4 % Entnahmerate nach dem 4-%-Regel-Ansatz wären es sogar 405.000 €. Diese Zahl macht klar: Die Wahl der Vorsorgestrategie hat erhebliche finanzielle Konsequenzen.
ETF-Depot als Altersvorsorge: Vor- und Nachteile ohne Versicherungsmantel
Ein ETF-Depot bei einem Broker wie Scalable Capital oder Trade Republic ist die flexibelste Form der privaten Altersvorsorge. Es gibt keine Laufzeitbindung, kein Versicherungsmantel-Overhead und keine versteckten Kosten.
Konkrete Kostenstruktur: Ein MSCI-World-ETF kostet 0,12–0,20 % TER pro Jahr. Bei einem Versicherungsmantel (ETF-Rentenversicherung) kommen typischerweise 0,5–1,5 % Verwaltungskosten hinzu – das frisst über 30 Jahre einen erheblichen Teil der Rendite.
- Vorteil: Volle Flexibilität, Entnahmen jederzeit möglich, Vererbbarkeit
- Vorteil: Halbeinkünfteverfahren ab 62 Jahren bei mind. 12 Jahren Haltedauer (bei Versicherungen)
- Nachteil: Keine Steuervorteile bei der Einzahlung
- Nachteil: Kapitalertragsteuer 25 % + Soli auf Gewinne (abgemildert durch Teilfreistellung von 30 % bei Aktien-ETFs)
Rechenbeispiel: 300 € monatlich über 30 Jahre bei 7 % Rendite = ca. 340.000 € Endkapital. Nach Steuer auf die Gewinne bleiben je nach persönlichem Steuersatz und Freistellungsauftrag etwa 270.000–295.000 € verfügbar. Für Selbstständige ohne BAV-Zugang ist das Depot oft die erste Wahl.
Rürup-Rente 2025: Für wen lohnen sich die Steuervorteile wirklich?
Die Rürup-Rente (Basisrente) ist steuerlich attraktiv, aber starr. Im Jahr 2025 sind Beiträge bis zu 29.344 € (Singles) bzw. 58.688 € (Ehepaare) als Sonderausgaben absetzbar – zu 100 %. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % bedeutet das: Pro 10.000 € Einzahlung spart man 4.200 € Steuern im laufenden Jahr.
Für wen rechnet es sich:
- Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherungspflicht mit hohem Einkommen (ab ca. 60.000 € zu versteuerndem Einkommen)
- Angestellte mit sehr hohem Einkommen im Spitzensteuersatz, die die GRV-Beiträge bereits ausschöpfen
Kritische Nachteile: Das Kapital ist nicht vererbbar (außer an Ehepartner/Kinder unter bestimmten Bedingungen), nicht beleihbar, nicht auszahlbar als Einmalbetrag. Die Rente wird nachgelagert besteuert – wer im Alter wenig verdient, profitiert. Wer im Alter ähnlich hohe Einkünfte hat, verliert den Steuervorteil teilweise wieder.
Fazit: Rürup lohnt sich primär für Selbstständige mit Spitzensteuersatz. Für Angestellte ist das ETF-Depot in den meisten Szenarien flexibler und oft renditestärker.
Riester-Rente: Wann ist sie trotz Kritik noch sinnvoll?
Die Riester-Rente steht seit Jahren in der Kritik: hohe Kosten, komplexe Zulagenbeantragung, geringe Renditen. Das stimmt für viele Produkte – aber nicht pauschal für alle Situationen.
Staatliche Zulagen 2025:
- Grundzulage: 175 € pro Jahr
- Kinderzulage: 300 € pro Kind (ab 2008 geboren), 185 € (vor 2008)
- Eigenbeitrag: mindestens 4 % des Vorjahres-Bruttoeinkommens, max. 2.100 € inkl. Zulagen
Rechenbeispiel Familie: Zwei Kinder (ab 2008), Bruttoeinkommen 30.000 €. Eigenbeitrag: ca. 975 €/Jahr. Zulagen: 175 + 600 = 775 €. Gesamtbeitrag: 1.750 €. Eigenanteil real: nur 975 €. Effektive Förderquote: 44 %. Das ist bei günstigen Produkten (z. B. Wohn-Riester oder fondsgebundene Tarife mit niedrigen Kosten) durchaus attraktiv.
Nicht sinnvoll: Für kinderlose Gutverdiener über 50.000 € Brutto. Hier überwiegen die Produktkosten den Steuervorteil meist. Auch Selbstständige sind in der Regel nicht förderberechtigt.
Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Arbeitgeberzuschuss richtig nutzen
Die betriebliche Altersvorsorge ist für Angestellte oft die unterschätzte Option – besonders wenn der Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt. Seit 2019 gilt: Bei Neuverträgen muss der Arbeitgeber mindestens 15 % des umgewandelten Betrags als Zuschuss beisteuern.
Steuerliche Mechanik 2025: Beiträge bis zu 3.624 € (4 % der Beitragsbemessungsgrenze West: 90.600 €) sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Weitere 1.800 € sind steuerfrei, aber sozialversicherungspflichtig.
Konkretes Beispiel: Arbeitnehmer wandelt 200 € brutto monatlich um. Nettoaufwand: ca. 100–120 € (je nach Steuerklasse). Arbeitgeber zahlt 30 € Pflichtanteil dazu. Effektiver Beitrag in die bAV: 230 €. Das ist ein Hebel von 1:2 beim Eigenbeitrag.
Achtung: Im Rentenalter werden bAV-Leistungen voll besteuert und es fallen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an (Freibetrag 2025: 176,75 € monatlich). Die bAV lohnt sich vor allem, wenn der Arbeitgeberzuschuss deutlich über dem Pflichtanteil liegt. Ohne Arbeitgeberzuschuss ist ein ETF-Depot oft rentabler.
Häufige Fragen
Kann ich ETF-Depot und Rürup gleichzeitig besparen?
Ja, und das ist für viele Selbstständige mit hohem Einkommen sogar sinnvoll. Die Rürup-Rente deckt den Steueroptimierungsanteil ab, das ETF-Depot sorgt für Liquidität und Flexibilität. Eine Kombination aus Rürup bis zur Steuerersparnis-Grenze + ETF-Depot für den Rest ist für Selbstständige im Spitzensteuersatz häufig die optimale Strategie.
Ist die Riester-Rente 2025 noch reformiert worden?
Stand 2025 gibt es keine grundlegende Reform. Die Bundesregierung hat verschiedene Modelle diskutiert (u. a. ein staatliches Altersvorsorgedepot), aber umgesetzt wurde nichts Substanzielles. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter, neue Verträge können abgeschlossen werden. Wer einen günstigen fondsbasierten Riester-Vertrag hat und Kinder hat, sollte ihn nicht vorschnell kündigen.
Ab welchem Einkommen lohnt sich die Rürup-Rente für Angestellte?
Für Angestellte ist Rürup erst ab einem zu versteuernden Einkommen von ca. 65.000–70.000 € sinnvoll – wenn GRV-Beiträge und andere Sonderausgaben bereits ausgeschöpft sind. Darunter ist der Steuereffekt meist zu gering, um die Nachteile (Illiquidität, nachgelagerte Besteuerung) zu kompensieren. Für die meisten Angestellten ist das ETF-Depot die bessere Wahl.
Was passiert mit meiner bAV, wenn ich den Job wechsle?
Bei einem Jobwechsel kann die bAV in der Regel mitgenommen oder beim alten Arbeitgeber weitergeführt werden (Portabilität nach § 4 BetrAVG). Der neue Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, denselben Vertrag weiterzuführen, muss aber einen neuen bAV-Vertrag anbieten. Wichtig: Nicht kündigen – der Rückkaufswert ist oft deutlich schlechter als das angesparte Kapital.
Wie hoch sollte meine monatliche Sparrate für die Altersvorsorge sein?
Eine verbreitete Faustregel: 10–15 % des Bruttoeinkommens monatlich für die Altersvorsorge. Wer spät anfängt (nach 40), sollte eher 20 % anstreben. Konkret: Bei 3.500 € Netto und einem Rentenbeginn in 25 Jahren wären 350–525 € monatlich nötig, um eine Rentenlücke von ca. 1.000 € zu schließen – bei angenommener Rendite von 6–7 % p.a. im ETF-Depot.
Welche Kombination aus ETF-Depot, Rürup, Riester und bAV für deine konkrete Situation sinnvoll ist, hängt von Einkommen, Familienstand und Risikobereitschaft ab. Im DailyFinanz-Forum diskutieren Gleichgesinnte ihre Strategien mit konkreten Zahlen – stell deine Situation vor und erhalte ehrliches Feedback statt Verkaufsgespräche.