Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
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PKV_Probleme_Peter
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Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Moin zusammen,
ich bin 38, arbeite als Ingenieur in Stuttgart und habe bisher komplett auf Riester verzichtet. War immer irgendwie auf der To-do-Liste, aber man schiebt es ja ewig vor sich her. Jetzt sitze ich vor dem Thema und frage mich ehrlich gesagt, ob der Zug nicht schon abgefahren ist.
Konkret zu meiner Situation: Ich zahle ordentlich Einkommensteuer, bin angestellt, und habe zwei Kinder (8 und 11 Jahre alt). Sprich: Ich wäre grundsätzlich förderberechtigt. Die Grundzulage von 175 Euro plus 2x 185 Euro Kinderzulage wären also drin – macht 545 Euro pro Jahr an Zulagen, wenn ich das richtig im Kopf habe. Dazu noch der Sonderausgabenabzug bis 2.100 Euro. Klingt gut auf dem Papier.
Aber dann lese ich immer wieder von den hohen Abschlusskosten mancher Riester-Verträge, der eingeschränkten Flexibilität (das Kapital ist ja quasi eingefroren bis 62), und dass viele Verträge bei Laufzeitende kaum mehr bringen als das eingezahlte Kapital plus Zulagen. Und dann denke ich: Warum nicht einfach 150 Euro im Monat in einen MSCI World ETF bei der DKB oder Trade Republic und fertig?
Was ich konkret wissen will: Macht Riester mit 38 Jahren und ~22 Jahren Restlaufzeit noch Sinn, oder ist das Rendite-Risiko-Verhältnis zu bescheiden? Hat jemand von euch das selbst durchgerechnet oder sogar konkrete Erfahrungen mit Riester-Fondssparplänen (z.B. UniProfiRente, DWS RiesterRente Premium)?
Freue mich auf ehrliche Meinungen – auch wenn die Antwort ist, dass ich das Riester-Schiff verpasst habe. ?
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AzubiAlexander_2021
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Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
alter ich hab keine ahnung von riester aber 545€ zulagen klingt doch nice oder? ? ich kriegs noch nichtmal auf die reihe meinen azubi-lohn sinnvoll anzulegen lol. aber ernsthaft, mein ausbilder hat riester und der flucht immer drüber, also kann nicht so geil sein ?
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Tilgungsrechner_Theo
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Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Peter, ich bin ebenfalls Ingenieur und in Stuttgart – hatte fast die gleiche Frage mit 40. Lass mich konkret werden:
Die 545 Euro Zulagen klingen gut, aber entscheidend ist, wie viel du selbst einzahlen musst, um die volle Förderung zu bekommen. Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 4% des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, abzüglich der Zulagen. Bei z.B. 70.000 Euro brutto wären das 2.800 Euro Jahresbeitrag, minus 545 Euro Zulagen = 2.255 Euro Eigenanteil, also knapp 188 Euro im Monat.
Der Steuervorteil über den Sonderausgabenabzug (bis 2.100 Euro) ist bei deinem Grenzsteuersatz von vermutlich 35-42% real spürbar – da kommen nochmal 200-300 Euro Steuererstattung oben drauf. Macht effektiv einen ordentlichen Förderanteil.
Das Problem: Die meisten klassischen Riester-Versicherungen sind Mist wegen der Kostenstruktur. Ein Riester-Fondssparplan über die DWS oder die UniProfiRente ist deutlich transparenter. Aber selbst da: Die Beitragsgarantie zwingt die Anbieter, einen Großteil konservativ anzulegen – das kostet Rendite.
Mein Fazit nach langem Rechnen: Mit zwei Kindern und hohem Grenzsteuersatz ist Riester für dich nicht unattraktiv, aber nur als Fondssparplan und nur wenn du die Kosten genau prüfst. Finger weg von Versicherungsmänteln.
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SelbstständigSilvia
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- Registriert: Mi Feb 26, 2020 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Ich kann leider nicht selbst Riester nutzen (Selbstständige, kein Pflichtmitglied in der GRV), aber ich hab mich trotzdem intensiv damit beschäftigt, weil mein Mann das gleiche Thema hatte.
Was ich sagen kann: Die Kinderzulagen sind tatsächlich ein starkes Argument, solange die Kinder noch kindergeldberechtigt sind. Dein 11-Jähriger wird aber in wenigen Jahren raus sein – spätestens mit 18, oder früher wenn kein Studium. Die 185 Euro pro Kind fallen dann weg. Das verkürzt deinen effektiven Förderhorizont erheblich.
Ich würde an deiner Stelle mal den Förderrechner der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) oder den von Finanztip nutzen – die rechnen dir das personalisiert durch. Finanztip empfiehlt seit Jahren die UniProfiRente SELECT oder den fairr-Riester (der ist mittlerweile aber eingestellt, glaube ich?). ?
ETF-Sparplan und Riester schließen sich übrigens nicht aus. Viele machen beides.
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NeobrokernNino
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- Registriert: Mo Feb 13, 2023 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
bro riester ist doch der letzte ? mein vater hat seit 20 jahren einen und is total unzufrieden. einfach alles in etfs hauen und gut is!! ? du hast noch 22 jahre, da macht der msci world so richtig brrr
außerdem bist du doch eh schon in der pkv oder? (laut username lol) keine ahnung ob das was ändert aber klingt nach nem profi-problem ?
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MinimalistinMiriam
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- Registriert: Di Nov 30, 2021 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
@NeobrokernNino PKV hat keinen Einfluss auf die Riester-Förderberechtigung, die hängt an der Rentenversicherungspflicht, nicht an der Krankenversicherung. Also kein Thema hier.
Zum eigentlichen Punkt: Ich finde die Frage nach der Flexibilität fast wichtiger als die Rendite. Das Kapital ist bis 62 wirklich kaum verfügbar – bei Kündigung verlierst du alle Zulagen und musst sie zurückzahlen, plus die Steuervorteile. Das ist ein echtes Klumpenrisiko wenn sich deine Lebenssituation ändert (Jobwechsel, Ausland, was auch immer).
Mit zwei Kindern in Stuttgarter Gehaltssphäre würde ich persönlich lieber 200 Euro monatlich in einen ETF-Sparplan stecken, voll flexibel, keine Bindung. Aber das ist eine Wertentscheidung, keine reine Renditerechnung.
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Festgeld_Franziska
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Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Ich möchte einen Punkt ergänzen, der oft untergeht: die nachgelagerte Besteuerung.
Riester-Renten werden im Alter voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Wenn du heute bei 42% Grenzsteuersatz Beiträge absetzt, aber im Rentenalter nur noch 20-25% Steuern zahlst (weil Gesamteinkommen niedriger), dann ist das ein echter Steuerstundungsvorteil. Genau dieser Effekt macht Riester bei hohem Grenzsteuersatz attraktiver.
Bei einem Ingenieur mit Stuttgarter Gehalt ist das ein valides Argument. Allerdings stimme ich zu, dass der Produktrahmen entscheidend ist. Eine klassische Riester-Rentenversicherung mit hohen Abschlusskosten frisst diesen Vorteil schnell auf.
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Netto_Norwin
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- Registriert: Do Jun 30, 2022 10:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
warte mal kurz... 545€ zulagen kriegt der geschenkt?? ich spar hier jeden monat an allem und krieg nix ? das system ist kaputt lmao
naja ernsthaft: mein kumpel hat den fairriester gemacht und der wurde glaub ich von sutorbank übernommen oder so, da war irgendwas komisch. würd mich informieren ob der noch läuft bevor du da einsteigst ?
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VersicherungsVeronika2
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- Registriert: Mo Jan 09, 2023 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Beruflich bedingt muss ich hier etwas Ordnung in die Diskussion bringen.
Zur Förderberechtigung: Peter, als Pflichtversicherter in der gesetzlichen Rentenversicherung bist du unmittelbar zulagenberechtigt. Korrekt. Die Kinderzulagen von 185 Euro gelten für nach 2008 geborene Kinder (300 Euro für vor 2008 geborene – ich weiß nicht exakt wann deine Kinder geboren sind, das könnte relevant sein).
Zu den Produkten: @Netto_Norwin hat recht, der fairr-Riester wurde 2022 eingestellt für Neuabschlüsse. Aktuell empfehlenswert für Fondssparpläne: UniProfiRente SELECT (Union Investment) und der DWS RiesterRente Premium – beide haben transparente Kostenstrukturen, wobei die DWS-Variante etwas günstiger im laufenden Aufwand ist.
Zur Rentabilität: Mit 22 Jahren Laufzeit, zwei Kindern und hohem Grenzsteuersatz ist Riester für dich rechnerisch sinnvoll – aber nicht als Versicherungsmantel, sondern als Fondssparplan. Ich würde einen Vergleich über das Bundesfinanzministerium-Tool oder Finanztip machen und dann konkret kalkulieren lassen.
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FinanzFinn
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- Registriert: Do Sep 10, 2020 10:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
okay ich hab mal kurz gerechnet (BWL-Student, das muss ich ja können ?):
Annahme: 70k Brutto, Grenzsteuersatz 42%, 2 Kinder nach 2008 geboren.
Eigenbeitrag netto nach Zulagen und Steuererstattung: grob 110-130€/Monat effektiv für 2.100€ Jahresanlage.
Das sind quasi ~545€ Zulagen + ~380€ Steuererstattung = 925€ Förderung auf 2.100€ Einzahlung. Also fast 44% Förderquote.
Kein ETF der Welt gibt dir 44% im ersten Jahr ? Das ist halt der Trick – die Förderung ist fett, aber das Produkt dahinter muss auch liefern. Deswegen: Fondssparplan ja, Versicherung nein.
Wenn du parallel noch 150€ in nen MSCI World packst, hast du eigentlich das Beste aus beiden Welten. Bin 23, mach selbst noch keinen Riester, aber mit deinen Konditionen würd ich's ernsthaft überlegen. ?