Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

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ImmoTraumSabrina
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Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von ImmoTraumSabrina »

Hallo zusammen ? Ich plane gerade, mein Portfolio etwas krisenfester zu machen und möchte ca. 10% in Gold halten. Mein restliches Portfolio ist hauptsächlich MSCI World + etwas EM, also klassisch passiv. Jetzt stehe ich vor der Frage: Nehme ich einen Gold-ETC (z.B. Xetra-Gold oder EUWAX Gold II) oder kaufe ich einfach physische Goldmünzen/-barren? Der ETC wäre natürlich deutlich bequemer – einfach über mein Depot bei der DKB kaufen, fertig. Aber ich habe irgendwo gelesen, dass im echten Krisenfall ein ETC vielleicht nicht das Gleiche ist wie echtes Gold in der Hand. Mein konkretes Portfolio hat aktuell einen Wert von ca. 85.000 €, also würden die 10% ungefähr 8.500 € sein. Das ist jetzt nicht riesig, aber auch kein Kleingeld. Meine offenen Fragen: - Ist der physische Goldlieferanspruch bei Xetra-Gold oder EUWAX Gold II wirklich im Krisenfall durchsetzbar? - Wie sieht das steuerlich aus – ETC vs. physisches Gold? - Wenn physisch: Wo kaufen, wie lagern? Ich bin keine Goldbuggerin, aber ein bisschen Absicherung scheint mir sinnvoll. Was meint ihr? ?
SteuerSparSebastian
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von SteuerSparSebastian »

Ich fange mal mit dem Steuerlichen an, weil das oft der entscheidende Punkt ist und gern vergessen wird. Gold-ETC (physisch hinterlegt, wie Xetra-Gold): Diese Produkte werden steuerlich wie eine Direktanlage in Gold behandelt – also nicht wie ein Investmentfonds. Das bedeutet: Gewinne nach einer Haltefrist von 12 Monaten sind steuerfrei gemäß § 23 EStG. Das gilt für Xetra-Gold und EUWAX Gold II, wurde durch ein BMF-Schreiben von 2020 klargestellt. Vor Ablauf der Jahresfrist fällt hingegen Ihr persönlicher Einkommensteuersatz an – kein Abgeltungssteuersatz. Physisches Gold (Münzen, Barren): Gleiches Prinzip – nach 12 Monaten steuerfrei. Beim Kauf gilt: Barren und bestimmte Anlagemünzen (z.B. Krügerrand, Maple Leaf) sind mehrwertsteuerfrei. Silbermünzen hingegen nicht, das wird oft verwechselt. Steuerlich sind beide Varianten also nahezu identisch, wenn man die Jahresfrist einhält. Der Unterschied liegt woanders – Lagerung, Liquidität, Gegenparteirisiko.
Dauerauftrag_Dieter
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von Dauerauftrag_Dieter »

Ich hab beides. Paar Unzen Krügerrand im Tresor zuhause und Xetra-Gold im Depot. Ehrlich gesagt schlaf ich mit dem physichen besser, auch wenns irrational ist. Der Tresor hat mich damals 180 Euro gekostet beim Hornbach, in die Wand gedübelt, fertig. Für 8.500 Euro würd ich vielleicht die Hälfte physisch machen und die andere Hälfte als ETC – dann hast du das Beste aus beiden Welten und musst nicht alles in die Wohnung schleppen.
SkeptischerSigurd
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von SkeptischerSigurd »

Also ich sag's mal direkt: Wer glaubt, er kann im echten Systemkollaps seinen Xetra-Gold-ETC einlösen, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Wenn die Deutsche Börse dicht macht oder die Bank pleite geht – viel Spaß beim "physischen Auslieferungsanspruch". Ich bin da old school: echtes Gold, eigene Hände, fertig. Keine Gegenpartei, kein Emittentenrisiko. Klar, man muss es lagern, aber das ist nun wirklich kein Hexenwerk.
Kassenbon_Kerstin
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von Kassenbon_Kerstin »

Ich möchte kurz bei Sigurds Punkt einhaken, weil er zwar dramatisch formuliert ist, aber einen realen Kern hat. Bei Xetra-Gold liegt das Gold tatsächlich als Sondervermögen bei der Clearstream Banking AG. Es ist also bilanziell getrennt vom Emittenten (Deutsche Börse Commodities GmbH). Im Insolvenzfall des Emittenten ist das Gold theoretisch geschützt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem unbesicherten Zertifikat. Aber: Sigurd hat insofern recht, dass bei einem wirklich extremen Szenario (Handelsaussetzung, Systemkrise etc.) die praktische Durchsetzbarkeit schwierig werden könnte. Das ist kein konstruiertes Risiko, das sollte man sich bewusst machen. Für ein normales Krisenszenario – Inflation, Währungsturbulenzen – reicht ein seriöser ETC aber völlig aus. Man muss nicht von Apokalypse-Szenarien ausgehen.
BavarianBudgetBuam
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von BavarianBudgetBuam »

Mei, ich hab mir letztes Jahr 5 Gramm Goldbarren beim Degussa-Laden in München gekauft, einfach so zum Anfassen. War irgendwie schee ? Aber im Ernst: für 8.500 Euro würd ich mir keinen Kopf machen wegen Tresor und Lagerung. Paar Münzen zu Hause, Rest als ETC, passt. Wenn das Portfolio mal auf 200k geht, kann man immer noch umdenken. Und @SkeptischerSigurd: wenn der Euro wirklich komplett abrauscht, dann nutzts dir dein Goldbarren auch nix wenn du nix zu essen hast. Aber gut, das ist ne andere Diskusion ?
Immokoenig_RLP
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von Immokoenig_RLP »

Ich sehe das pragmatisch. Ich halte selbst einen kleinen Goldanteil, aber primär als psychologischen Anker – nicht weil ich wirklich glaube, dass Gold mich rettet wenn alles brennt. Für deine Situation, Sabrina: ETC ist vollkommen in Ordnung. Xetra-Gold und EUWAX Gold II sind beide physisch hinterlegt, liquide, und du sparst dir Spread-Kosten beim Kauf (beim Händler zahlst du 2-5% über Spot, die du erst mal wieder reinholen musst). Der Auslieferungsanspruch bei Xetra-Gold ist übrigens real – du kannst tatsächlich physisches Gold anfordern, aber erst ab 100g aufwärts und mit Kosten. Das macht für deine Größenordnung eh keinen Sinn. ?
Hypotheken_Hilde
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von Hypotheken_Hilde »

Ich hab mich vor einem Jahr auch genau mit dieser Frage beschäftigt und bin letztlich bei einem Mix gelandet: 60% EUWAX Gold II (über das Depot bei der comdirect), 40% physisch als Münzen. Was mich beim EUWAX Gold II überzeugt hat: Der wird an der Börse Stuttgart gehandelt, ist MwSt-frei, und der Spread ist sehr gering. Außerdem kann man ab einer Unze physisch ausliefern lassen – deutlich niedrigere Schwelle als bei Xetra-Gold. Für das physische Gold: Ich hab bei proaurum.de bestellt, Wiener Philharmoniker, 1-Unzen-Münzen. Problemlos, seriöser Händler. Die Münzen liegen im kleinen Tresor, den mein Mann eh schon hatte. Der Gedanke, dass ich einen Teil wirklich anfassen kann, tut mir gut. Auch wenn das rational vielleicht nicht ganz begründbar ist.
KaskoKiller_Konrad
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von KaskoKiller_Konrad »

Kleiner Hinweis aus Versicherungsperspektive, den hier noch niemand erwähnt hat: Wenn ihr physisches Gold zuhause lagert – prüft eure Hausratversicherung. Die meisten Policen decken Bargeld und Wertsachen nur bis zu einem bestimmten Betrag ab, oft 1.000–2.000 € für Schmuck/Edelmetalle. Bei 4.000 € Gold im Tresor seid ihr dann schnell unterversichert. Das lässt sich in der Regel durch einen Zusatzbaustein lösen, kostet aber natürlich extra. Außerdem: Tresor muss oft bestimmte Anforderungen erfüllen (Gewicht, Verankerung), damit der Versicherungsschutz greift. Nicht alle 180-Euro-Tresore vom Baumarkt reichen da aus. ?
Dauerauftrag_Dieter
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Re: Gold ETF vs. physisches Gold – was macht mehr Sinn im Portfolio?

Beitrag von Dauerauftrag_Dieter »

KaskoKiller_Konrad schrieb:Tresor muss oft bestimmte Anforderungen erfüllen (Gewicht, Verankerung), damit der Versicherungsschutz greift. Danke für den Hinweis, das wusst ich ehrlich gesagt nciht. Muss ich mal meine Police raussuchen. Mein Tresor wiegt bestimmt 30 Kilo und ist in der Wand, hoffentlich reicht das...
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