Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher, Zinsvergleiche
Tilgungsrechner_Theo
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Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von Tilgungsrechner_Theo »

Moin zusammen, ich habe gerade mein Festgeld bei der ING überprüft – vor gut einem Jahr hatte ich noch 3,75% auf 12 Monate bekommen, jetzt bieten die bei Neuabschluss gerade mal noch 2,3% an. Meine Hausbank (Volksbank Stuttgart) kommt sogar nur auf 1,8%. Das ist zwar immer noch besser als 2021, aber der Trend geht ganz klar in die falsche Richtung. Zur Situation: Ich sitze auf 25.000€, die ich mittelfristig nicht brauche. Anlagehorizont realistisch 5 Jahre, vielleicht auch 6-7 wenn es gut läuft. Ich habe einen Notgroschen von 3 Monatsgehältern separat und keine Konsumschulden. Risikotoleranz würde ich als mittel-hoch einschätzen – ich kann einen Drawdown von 30-40% theoretisch aussitzen, auch wenn es sich nicht schön anfühlen würde. Meine Überlegung: Statt das Geld jährlich in Festgeld zu parken, könnte ich doch einfach einen MSCI World oder ACWI ETF kaufen und den 5 Jahre laufen lassen. Historisch hätte das deutlich mehr gebracht als die aktuellen Festgeldzinsen. Aber ich weiß auch: Vergangenheit ist keine Garantie. Was macht ihr gerade mit euren Ersparnissen bei diesen Zinsen? Setzt ihr noch auf Festgeld, oder habt ihr auf ETFs umgeschwenkt? Gibt es vielleicht auch Mischstrategien, die Sinn ergeben? Danke für eure Einschätzungen.
DepotDiversifizierer_Dan
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von DepotDiversifizierer_Dan »

Hey Theo, klassische Frage – und ich glaube die stellen sich gerade ganz viele ? Kurz zu meiner Situation: Ich hab im letzten Jahr genau das durchgezogen, was du überlegst. 20k raus aus dem Festgeld-Karussell, rein in einen MSCI ACWI IMI (bei Trade Republic, Sparplan + Einmalkauf). Das war vor ca. 14 Monaten. Stand heute: deutlich im Plus, auch nach dem kleinen Ruckler im Frühjahr. Bei 5 Jahren Horizont und deiner Risikotoleranz würde ich ETF klar bevorzugen. Die 2,3% beim Festgeld klingen nach Inflation netto wie Stillstand. Ein MSCI World hat über rollende 5-Jahres-Zeiträume historisch nur in wenigen Phasen negativ abgeschlossen – und selbst da war es meist überschaubar. Aber: Ich würde nicht alles auf einmal reinwerfen. So 3-4 Tranchen über 6-12 Monate verteilt, einfach um das Timing-Risiko etwas zu glätten. Kein Market-Timing, nur Psycho-Management ?
Selbststaendige_Steffi
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von Selbststaendige_Steffi »

also ich bin als Freelancerin eh schon gezwungen, mehr Risiko einzugehen weil meine Einnahmen eh schwanken ? aber ich find die Frage super relevant! ich hab meine 15k (mehr hab ich leider nicht lol) seit letztem Jahr in einem FTSE All-World bei Scalable. die zinsen beim festgeld waren mir auch zu mager für die Bindung. 2,3% auf 12 monate und dann? wieder umschichten, wieder suchen, nervt. was mich beim ETF überzeugt hat: ich muss nichts tun. einmal kaufen, liegen lassen, fertig. als selbstständige hab ich genug andren stress ? @Tilgungsrechner_Theo dein notgroschen ist ja schon separat, das ist gut. dann spricht eigentlich nix dagegen, den rest arbeiten zu lassen oder?
Zinsoptimist77
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von Zinsoptimist77 »

Ich sehe das etwas differenzierter als meine Vorredner. Festgeld ist nicht tot. Man muss nur genauer hinschauen. Aktuell gibt es über Vergleichsportale wie Weltsparen oder Raisin noch Angebote um die 3,0–3,2% für 12 Monate, wenn man bereit ist, bei europäischen Banken anzulegen (z.B. Banca Progetto, Klarna Bank). Das ist zwar nicht mehr die Hochphase 2023, aber real nicht schlecht wenn man die aktuelle Inflation von ~2,2% dagegenstellt. Für jemanden mit 5 Jahren Horizont und echter Risikobereitschaft würde ich persönlich einen Mix fahren: 60% in einen breit gestreuten ETF (MSCI World oder ACWI), 40% weiterhin in Festgeld oder Tagesgeld als Puffer. Das gibt dir Upside-Potential, aber du behältst die Möglichkeit, bei einem Crash günstig nachzukaufen. Alles auf einmal in ETF schmeißen bei historischen Höchstständen – da zucke ich leicht zusammen, auch wenn ich weiß, dass Time in the Market beats Timing the Market.
FINANZflüsterin_Fiona
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von FINANZflüsterin_Fiona »

Ein paar Zahlen zur Einordnung, weil ich das immer gerne konkret mache: 25.000€ bei 2,3% Festgeld (jährlich thesauriert, 5 Jahre): ca. 28.000€ Endwert brutto, vor Steuer. 25.000€ im MSCI World bei angenommener Rendite von 7% p.a. (historischer Langfristschnitt): ca. 35.000€ – und das ist noch konservativ gerechnet. Der Unterschied ist strukturell, nicht marginal. Bei 5 Jahren Horizont ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem breit gestreuten Aktien-ETF schlechter dazustehen als mit Festgeld, historisch betrachtet unter 20% – je nach Quelle und Zeitraum. Für mich wäre das bei deiner beschriebenen Risikotoleranz kein Diskussionsthema. Was ich aber ergänzen würde: Klär vorher deinen Steuerfreibetrag. 1.000€ Sparerpauschbetrag (2.000€ für Ehepaare) sollte man ausschöpfen. Wenn du ETF-Gewinne realisierst oder Dividenden kassierst, wird das relevant.
GiroGeizhals_Gretel
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von GiroGeizhals_Gretel »

ich mach das schon ewig mit Tagesgeld und Festgeld und ehrlich gsagt hab ich die Nase voll ? immer diese Lockangebote die nach 3 Monate weg sind und dann kriegst du 0,5% oder so hab jetzt auch angefangen mit ETF, mein Sohn hat mir das erklärt. ING hat so nen komischen Sparplan-Rechner, da hab ich rumgespielt. klingt eigentlich garnicht so komplizert wie ich dachte. aber Theo, eine Frage: wie machst du das dann mit der Steuer? ich blick da noch nciht ganz durch ?
Steuerkram_Stine
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von Steuerkram_Stine »

@GiroGeizhals_Gretel Da kann ich kurz einspringen, weil das tatsächlich viele nicht auf dem Schirm haben: Bei ETFs in Deutschland wird die Abgeltungssteuer (25% + Soli + ggf. Kirchensteuer) fällig, wenn du Anteile verkaufst und Gewinne realisierst. Bei thesaurierenden ETFs gibt es außerdem die Vorabpauschale, die jährlich zum 2. Januar abgerechnet wird – das ist ein kleiner Steuervorgriff auf zukünftige Gewinne, kein großes Ding, aber man sollte Geld dafür auf dem Verrechnungskonto haben. Sparerpauschbetrag: 1.000€ pro Person. Den sollte man mit einem Freistellungsauftrag bei der Depotbank einrichten, sonst wird sofort Steuer einbehalten. Für Festgeld gilt das genauso – Zinsen sind Kapitalerträge und laufen auf den Freibetrag an. Nichts Exotisches, nur: nicht vergessen.
Festgeld_Friederike
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von Festgeld_Friederike »

Ich möchte hier mal ein bisschen den Advocatus Diaboli spielen, auch wenn ich weiß, dass ich damit gegen den Strom schwimme. Fünf Jahre klingen lang – sind es aber nicht immer. Ich habe 2018 auch gedacht, mein Anlagehorizont sei problemlos lang genug. Dann kamen 2020 der Corona-Crash und kurz darauf 2022 der Zinsanstieg, der Anleihen und viele Mischfonds pulverisiert hat. Wer da im falschen Moment verkaufen musste, hat echte Verluste gemacht. Ich sage nicht: kein ETF. Aber 25.000€ komplett in Aktien-ETF bei einem Horizont von genau 5 Jahren – das ist sportlich. Was, wenn in Jahr 4 das Dach erneuert werden muss? Oder eine Scheidung? Das Leben plant selten mit. Mein Ansatz seit Jahren: Festgeldleiter. Ich verteile das Kapital auf 1-, 2- und 3-jährige Festgelder bei verschiedenen Banken. So wird jedes Jahr ein Teil fällig, den ich je nach Marktlage entweder neu anlege oder bei Bedarf verwende. Flexibler als man denkt, und nachts schlafe ich gut.
Sparweltmeister_Sven23
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von Sparweltmeister_Sven23 »

bruder 25k ? ich hab 200€ im monat und denke schon ich wär reicht ?? aber ernsthaft, hab mal irgendwo gelesen dass der MSCI world in jedem 10-jahres-zeitraum seit 1970 positiv war. fünf jahre ist riskanter klar aber bei deiner kohle würd ich auch einfach reingehen alter. festgeld ist doch langweilig af ? ich mein 2,3%... meine oma kriegt mehr bei der sparkasse für brav sein lmao
AktienAntonia_HH
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Re: Festgeld oder ETF? Zinsen im Keller – was mache ich mit 25.000€?

Beitrag von AktienAntonia_HH »

@Sparweltmeister_Sven23 Haha okay die Oma-Sparkassen-Line hat mich erwischt ? Aber mal ernsthaft Theo: Ich bin auch Team ETF, aber ich geb Friederike recht – der Puffer muss stehen bevor man investiert. Du hast den Notgroschen separat, das ist super. Aber frag dich wirklich: könntest du psychologisch damit leben, wenn die 25k in Jahr 2 auf 15k schrumpfen? Auf dem Papier? Und sie trotzdem liegen lassen? Wenn ja: MSCI ACWI oder World, thesaurierend, fertig. Ich persönlich hab den Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25) – gibts bei fast jedem Broker als Sparplan oder Einmalkauf. Kosten 0,22% TER, breit diversifiziert, kein Klumpenrisiko. Wenn nein, wenn du also weißt dass du bei -30% nachts nicht schlafen kannst: dann vielleicht wirklich der 60/40-Mix den Markus weiter oben erwähnt hat. Kein Schande ?
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