Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
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RatenkaufRebell_Rico
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Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Yo Leute, ich frag hier mal für meine Freundin mit, die is nämlich etwas zu schüchtern für sowas ?
Sie jobbt seit ca. 2 Jahren als Minijobberin in einem Blumenladen, verdient so um die 520 € im Monat (also genau die Grenze). Ihr Arbeitgeber zahlt zwar den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung, aber das wars dann auch schon. Kein bAV, kein nix. Sie ist 28, keine Kinder, wohnt zur Miete in Chemnitz.
Jetzt haben wir uns letztens hingesetzt und überlegt: was macht man da eigentlich für die Rente? Ich hab gehört man kann sich freiwillig in die gesetzliche RV einschreiben oder sowas? Stimmt das? Lohnt sich das oder ist das Käse?
Und generell: welche privaten Optionen gibt es für sie? Riester? ETF-Sparplan? Irgendwas anderes? Sie hat nach Abzug aller Kosten vielleicht 150-200 € im Monat übrig, die sie anlegen könnte.
Ich blick da selbst nicht so richtig durch weil ich Vollzeit angestellt bin und das bei mir alles automatisch läuft irgendwie ? Danke schonmal für jeden Tipp!! ?
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Mod_Clemens_Finanzen
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Gute Frage, und die Situation ist tatsächlich häufiger als man denkt. Kurzer Überblick zum Einstieg:
Freiwillige Aufstockung in der gesetzlichen RV: Ja, das geht. Minijobber sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig, können aber auf Antrag davon befreit werden. Wer nicht befreit ist (oder die Befreiung zurückzieht), kann auf den vom Arbeitgeber gezahlten Pauschalbeitrag von 15 % eigene Beiträge drauflegen, bis der Mindestbeitrag von derzeit ca. 100 € / Monat erreicht ist. Das verschafft vollwertige Pflichtbeitragszeiten — wichtig u.a. für Erwerbsminderungsrente und Mutterschutz-Anrechnungszeiten.
Riester: Nur für Pflichtversicherte in der gesetzlichen RV interessant. Wenn sie aufstockt (s.o.), käme das in Frage. Bei 28 Jahren und niedrigem Einkommen ist die Grundzulage von 175 € / Jahr aber ein netter Bonus — vorausgesetzt, der Vertrag ist nicht zu teuer. Viele Riester-Verträge sind es leider.
ETF-Sparplan: Simpelste und flexibelste Option. 100-150 € / Monat in einen breit gestreuten Welt-ETF (z.B. MSCI World oder All Country World) über eine Neobroker-Plattform. Kein Steuerbonus, aber maximale Flexibilität und historisch solide Renditen.
Ich würde empfehlen, das in dieser Reihenfolge anzugehen: 1) RV-Pflicht prüfen / Aufstockung beantragen, 2) ETF-Sparplan starten, 3) Riester nur mit sehr genauem Kostencheck.
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Schuldenfrei_Schorsch
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Was Clemens sagt stimmt, aber ich würd noch ergänzen: die freiwillige Aufstockung in der gesetzlichen RV lohnt sich vor allem wegen der Erwerbsminderungsrente. Das vergessen die meisten. Wenn man jung ist denkt man, man wird schon nicht krank — aber ich kenn genug Leute die mit 40 aus dem Arbeitsleben rausgeflogen sind. Ohne Pflichtbeitragszeiten gibt's da oft nix oder kaum was.
Also: Aufstockung machen, Pflichtzeiten sichern, und dann parallel ETF. Die gesetzliche Rente allein reicht eh für niemanden mehr.
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ImmoInvestorin_Inge
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Ich werfe mal einen anderen Aspekt ein: Hat sie langfristig vor, Vollzeit oder zumindest mehr zu arbeiten? Wenn ja, würde ich den Fokus auf den Aufbau eines ETF-Notgroschens legen, damit sie irgendwann flexibel ist — z.B. für eine Weiterbildung oder einen Jobwechsel. ?
Zur Immobilie als Altersvorsorge sage ich hier bewusst nichts, das sprengt bei 520 € Minijob-Einkommen den Rahmen. Eigenkapital ist da noch weit weg.
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SparenOderLeben_Sigi
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Kurze Frage zwischendurch: Hat sie die Befreiung von der RV-Pflicht schon beantragt, oder ist die noch gar nicht befreit? Das ist nämlich der erste Schritt den man klären muss, bevor man über Aufstockung redet ?
Viele Minijobberin beantragen die Befreiung reflexartig weil der Arbeitgeber das so vorschlägt (der spart sich damit nichts, aber manche denken das). Wenn sie die Befreiung nie beantragt hat, zahlt sie vielleicht schon automatisch in die RV ein — dann ist die ganze Aufstockungs-Diskussion eh schon durch.
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RatenkaufRebell_Rico
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
@SparenOderLeben_Sigi oh shit guter punkt ? ich frag sie mal. ich glaub sie hat das nie explizit beantragt aber bin mir nicht sicher ob der arbeitgeber das für sie gemacht hat oder so. sie kümert sich darum!
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Dividendenonkel_Detlef
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Zur Riester-Frage noch ein konkreter Hinweis: Bei niedrigem Einkommen kann Riester tatsächlich attraktiv sein, weil man nur 4 % des Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen muss (Mindestbeitrag 60 € / Jahr), um die volle Zulage von 175 € zu bekommen. Bei 520 € × 12 = 6.240 € Jahreseinkommen wären das 249,60 € Eigenbeitrag — und man bekommt 175 € Zulage drauf. Das ist eine staatliche Förderquote von fast 70 %. Auf dem Papier.
Das Problem: Viele Riester-Verträge fressen diese Förderung durch Kosten auf. Ich würde nur einen ETF-basierten Riester-Vertrag in Betracht ziehen, z.B. über Fairr (jetzt Raisin Pension) — und auch da genau die Kostenquote prüfen. Klassische Versicherungs-Riester-Produkte würde ich ihr nicht empfehlen.
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LangzeitanlegerLothar
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Ich unterrichte u.a. Wirtschaft und erkläre das meinen Schülern gerne so: Die drei Säulen der Altersvorsorge sind gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge. Für eine Minijobberin fällt Säule 2 fast komplett weg. Das bedeutet, Säule 1 (durch Aufstockung stärken) und Säule 3 (ETF, ggf. Riester) umso wichtiger werden.
Was ich konkret empfehlen würde: Neobroker-Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital eröffnen, 100 € / Monat in einen MSCI World All Country ETF (z.B. Vanguard FTSE All-World, ISIN IE00B3RBWM25) als Sparplan. Kosten nahezu null. Über 35 Jahre bei 7 % durchschnittlicher Rendite wären das rechnerisch über 170.000 €. Das klingt viel — und es ist viel Vorlaufzeit nötig — aber mit 28 hat sie genau diese Zeit.
Den Rest (50-100 €) würde ich in die RV-Aufstockung stecken, damit die Pflichtbeitragszeiten laufen.
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KurzarbeitKarl
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
Ich bin auch Teilzeit und hab mir das Thema letztes Jahr mal genauer angeschaut. Die RV-Aufstockung klingt erstmal gut aber man muss wissen: der Mindestbeitrag liegt bei ca. 100 € / Monat, davon zahlt der AG 15 % vom Minijob-Lohn also grob 78 €. Sie müsste also rund 22 € drauflegen um auf den Mindestbeitrag zu kommen. Das ist überschaubar und lohnt sich meiner Meinung nach definitiv wegen der Absicherung bei Erwerbsminderung, wie Schorsch schon sagt.
Hab ich selber so gemacht, kein Regret ?
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Schnäppchensenator_Sven
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Re: Altersvorsorge Minijob — welche Optionen hat meine Freundin überhaupt?
alter ich bin auch im einzelhandel und kenn das problem ? unser chef hat uns damals bei minijob auch erstmal gesagt "brauchste die RV-Befreiung, kriegste mehr netto" — klar, weil ER dann den vollen pauschalbeitrag ALLEINE trägt. is aber trotzdem quatsch wenn man jung ist und keine absicherung will ?
ETF is die antwort bruder. einfach trade republic, 100 euro monatlich, msci world, fertig. in 30 jahren freut sie sich