CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
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MahlzeitMathilda
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CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Also. Ich weiß nicht mal genau wie das passiert ist. ?
Ich hatte seit Monaten mit dem Gedanken gespielt, mal CFDs auszuprobieren — überall liest man ja davon, und ein Kollege meines Mannes hat angeblich damit „ordentlich was gemacht". Spoiler: Ich habe nichts gemacht. Außer 800€ in zwei Tagen in den Sand zu setzen.
Ich hab bei einem Broker angefangen (will den hier nicht nennen, aber es war einer der gängigen), kleinen Betrag eingezahlt, dachte ich mach das erstmal vorsichtig. Und dann... naja. Erster Trade lief super, zweiter auch. Dann hab ich den Hebel erhöht, weil ich ja offensichtlich ein Naturtalent bin ?. Danach kam der Absturz. Und dann — und das ist der beschämende Teil — hab ich versucht, die Verluste wieder reinzuholen. Das hat alles noch schlimmer gemacht.
Ich bin Lehrerin, ich kann Kindern erklären wie man rational denkt. Aber in dem Moment war ich alles andere als rational.
Meine Frage an euch: Welche konkreten Mechanismen nutzt ihr, um euch vor euren eigenen Impulsen zu schützen? Stop-Loss immer setzen? Nur bestimmte Positionsgrößen? Hebel komplett weglassen? Oder habt ihr einfach die Finger von CFDs gelassen?
Ich bin für alles offen. Auch für ein ehrliches „Mathilda, lass das einfach sein." ?
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WG_Kassenführer_Wim
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
oof, das kenn ich ? ich hab damals mit 300€ angefangen und war nach einer Woche bei 47€. Das Gefühl nach dem ersten Gewinn ist halt einfach zu gut — man denkt man hat den Code geknackt lol
Was mir geholfen hat: ich hab mir ne feste Regel gemacht, max 2% des Kontos pro Trade riskieren. Also bei 1000€ Konto niemals mehr als 20€ Verlustpotenzial. Klingt lächerlich, aber das bremst den Hebeldrang automatisch.
Und das mit dem „Verluste reinholen wollen" — das ist klassisches Martingale-Denken, das macht jeder, das ist keine Schande ?
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ZinsZombie_Zach
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
bro 800€ in 2 tagen ist eigentlich noch glimpflich davongekommen ngl ? ich kenn leute die haben in einer stunde mehr vertickt
aber mal ehrlich: CFDs ohne vorherige demo-phase ist halt schon mutig. oder unwissend. oder beides ? kein vorwurf, passiert den besten
stop loss ist pflicht, aber das problem ist: die meisten setzen ihn zu weit weg weil sie nicht wahrhaben wollen dass der trade schiefläuft. dann hilft er auch nix
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ZinsjaegerZimmer
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Ich möchte das etwas strukturierter angehen, weil ich denke, dass hier mehrere Fehler zusammengekommen sind, die man trennen sollte.
Erstens: Positionsgröße. Die 2%-Regel, die @WG_Kassenführer_Wim erwähnt hat, ist tatsächlich ein etabliertes Konzept aus dem professionellen Risikomanagement. Nicht mehr als 1-2% des Gesamtkapitals pro Trade riskieren.
Zweitens: Hebel. Die ESMA hat für Privatanleger in der EU Hebelbegrenzungen eingeführt — bei Hauptwährungspaaren max. 1:30, bei Aktien max. 1:5. Wer über einen EU-regulierten Broker handelt, ist da bereits geschützt. Manche suchen aber gezielt Offshore-Broker, um das zu umgehen. Das ist dann selbstverschuldet.
Drittens: Das Revenge-Trading. Das ist das eigentliche Problem. Kein technisches Werkzeug schützt davor — nur Selbstdisziplin oder eine feste Regel: Nach einem definierten Tagesverlust (z.B. 5% des Kontos) wird die Plattform für den Tag geschlossen.
Statistisch verlieren rund 74-80% aller CFD-Retailkunden Geld. Das ist keine Meinung, das steht in den Pflichtangaben der Broker.
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BeritausHamburg
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
@MahlzeitMathilda ich hab das fast genauso erlebt, vor etwa drei Jahren. Auch als Lehrerin, auch mit dem Gedanken „ich bin doch nicht dumm, ich kann das lernen". ?
Was mir wirklich geholfen hat, war eine ganz simple Maßnahme: Ich hab das Geld, das ich zum Spekulieren nutzen wollte, auf ein separates Konto gepackt — komplett getrennt vom Alltags- und Sparkonto. Und ich hab mir vorher aufgeschrieben: Dieses Geld ist weg. Es ist Lehrgeld. Ich trauere nicht drum.
Das klingt seltsam, aber es hat den emotionalen Druck rausgenommen. Ich hab danach viel ruhiger gehandelt — und irgendwann gemerkt, dass CFDs für mein Temperament einfach nichts sind. Ich bin jetzt bei ETFs und schlafe wieder gut. ?
800€ ist schmerzhaft, aber du hast es früh gemerkt. Das ist ehrlich gesagt ein Vorteil.
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RenteVomFeinsten_Reiner
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- Registriert: Fr Sep 04, 2020 10:00 pm
Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Na, willkommen im Club der Lehrgeld-Zahler! ? Ich hab in den 90ern Optionsscheine ausprobiert. Ergebnis ähnlich, damals hieß das noch nicht CFD aber das Prinzip ist dasselbe: Hebel + Emotion = Desaster.
Mein Rat nach 30 Jahren: Wenn du nach einem Gewinn anfängst zu denken „ich hab das verstanden" — dann hast du es am wenigsten verstanden. Das ist der gefährlichste Moment.
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BudgetBiene_Britta
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
ach Mathilda, das tut mir leid ? aber ich find es mutig dass du das hier so offen erzählst!
Ich hab noch nie CFDs gemacht aber ich kenn das Gefühl vom Online-Shopping wenn man gestresst ist — man denkt man hat alles im Griff und dann ist das Konto irgendwie leer ? ok das ist nicht ganz dasselbe aber der Impuls-Mechanismus ist ähnlich glaub ich
Was ich gelesen hab: manche Leute sperren sich selbst bei Brokern für bestimmte Zeiträume. Sowas wie Selbstausschluss. Gibt's das bei CFD-Brokern auch? Weiß das jemand?
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ZinsjaegerZimmer
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
@BudgetBiene_Britta Ja, seriöse Broker müssen im Rahmen der EU-Regulierung (MiFID II) Selbstausschluss- und Einzahlungslimits anbieten. Das nennt sich „Responsible Gambling"-ähnliche Maßnahmen, auch wenn CFD-Handel kein Glücksspiel im rechtlichen Sinne ist. Man kann Einzahlungslimits setzen, Konten temporär sperren lassen oder den Zugang zu bestimmten Produkten deaktivieren. Das muss man aktiv beantragen — aber es existiert.
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SparschweinSophie_CH
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Ich arbeite als Pharmazeutin und wir haben in der Ausbildung viel über kognitive Verzerrungen gelernt — und ich muss sagen: was du beschreibst, ist ein Lehrbuchbeispiel für den „Sunk-Cost-Fehler" kombiniert mit „Overconfidence Bias".
Der erste Gewinn gibt dir das Gefühl, Kontrolle zu haben. Das ist neurobiologisch erklärbar — Dopaminausschüttung, ähnlich wie bei anderen Belohnungsreizen. Danach erhöhst du den Einsatz. Dann der Verlust, und das Gehirn will unbedingt den vorherigen Zustand wiederherstellen. Klassisches Revenge-Trading.
Was dagegen hilft, ist tatsächlich vor dem Trade schriftlich festzuhalten: Bei welchem Verlust steige ich aus? Was ist mein maximaler Tagesverlust? Und dann — wichtig — diese Regel auch dann einhalten wenn alles in dir schreit, noch einen Trade zu machen.
Einige Trader führen ein Trading-Tagebuch genau für diesen Zweck. ?
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WochenmarktWanda
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
oh nein Mathilda ?? 800€ ist wirklich weh. Ich hätte das Herz nicht für sowas!
Ich mach ja nur ganz brav mein ETF-Sparplan bei der DKB, da passiert mir sowas nicht weil ich gar kein Konto für solche Sachen habe ? manchmal ist Unwissenheit echt Schutz
aber dass du das hier postest und drüber nachdenkst ist schon gut!! nicht einfach weitermachen und mehr versenken ?