CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
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DepotDaddy_Dortmund
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Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Ok ich versuch mal konkret zu werden, weil ich selbst zwei Jahre CFDs gehandelt hab (mit gemischtem Erfolg, sagen wir es so ?).
Was bei mir funktioniert hat:
- Stop-Loss IMMER setzen, noch bevor der Trade eröffnet wird — nicht danach
- Maximalhebel selbst auf 1:5 begrenzen, egal was der Broker anbietet
- Keine Trades nach 22 Uhr und keine Trades wenn ich schlechte Laune hab (klingt dumm, ist aber ernst gemeint)
- Feste Verlustgrenze pro Tag: bei mir waren das 50€. Wenn die erreicht war, PC aus.
Das mit dem PC ausschalten ist übrigens nicht metaphorisch — ich hab die Browserverknüpfung gelöscht und musste jedes Mal erst umständlich die URL eintippen. Das hat bei Impulsen tatsächlich gebremst. ?
Aber ehrlich gesagt: Ich hab irgendwann aufgehört, weil der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis einfach nicht stimmte. Jetzt ETFs, Dividendentitel, fertig. Langweilig aber effektiv.
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KontoKündigerin_Karla
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- Registriert: Di Jan 18, 2022 11:00 pm
Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
@DepotDaddy_Dortmund das mit dem URL eintippen ist eigentlich genial lol ? Reibung erzeugen, damit der Impuls abkühlt bevor man handelt. Das ist tatsächlich ne Technik aus der Verhaltenspsychologie!
Ich arbeite in der Sozialarbeit und wir nennen das „environmental design" — du gestaltest deine Umgebung so, dass schlechte Entscheidungen schwerer werden. Statt Willenskraft brauchst du Hindernisse.
Für CFDs konkret: Nur so viel einzahlen wie du wirklich verbrennen kannst. Kreditkarte vom Konto trennen. Manche lassen sich von nem Freund das Passwort ändern nach 22 Uhr ? whatever works
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VersicherungsVormund_Vol
- Beiträge: 13
- Registriert: Sa Apr 18, 2020 10:00 pm
Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Ich möchte hier einen Punkt einbringen, der bisher noch nicht explizit genannt wurde: die steuerliche Komponente.
CFD-Verluste sind in Deutschland seit 2021 in der Verlustverrechnung stark eingeschränkt. Verluste aus Termingeschäften — und CFDs fallen darunter — können nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden, maximal 20.000€ pro Jahr. Mit anderen Kapitalerträgen (z.B. ETF-Gewinnen) ist das nicht mehr möglich.
Das bedeutet: Wer CFDs handelt und Verluste macht, sitzt auf steuerlich unverwertbaren Verlusten, es sei denn, er macht in Folgejahren entsprechende Gewinne. Das erhöht das Risiko strukturell nochmals erheblich.
Ich rate grundsätzlich davon ab, ohne fundierte Kenntnisse in diesem Bereich aktiv zu werden. Die 800€ Verlust sind schmerzhaft — aber die Lektion ist günstig erkauft, wenn man sie jetzt ernst nimmt.
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NüchternerNikolai
- Beiträge: 10
- Registriert: Fr Okt 04, 2019 10:00 pm
Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Der steuerliche Hinweis von @VersicherungsVormund_Volker ist korrekt und wichtig. Ich ergänze die empirische Perspektive:
Studien zur CFD-Performance von Privatanlegern — u.a. von der ESMA sowie nationalen Regulatoren — zeigen konsistent, dass zwischen 74% und 83% der Retailkunden Nettoverluste erzielen. Diese Zahlen sind keine Schätzungen, sondern von den Brokern selbst verpflichtend zu veröffentlichen und stammen aus echten Kontodaten.
Der entscheidende Befund ist dabei: Selbst erfahrene Trader verbessern ihre Performance über Zeit nur marginal. Die Verlustquote sinkt bei „aktiveren" Tradern nicht signifikant — sie handeln nur häufiger, was die Transaktionskosten erhöht.
Die Frage „Wie schütze ich mich vor mir selbst?" setzt implizit voraus, dass das Produkt bei ausreichend Disziplin profitabel sein könnte. Das ist für die überwiegende Mehrheit der Privatanleger empirisch nicht belegbar.
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MahlzeitMathilda
- Beiträge: 12
- Registriert: Sa Apr 17, 2021 10:00 pm
Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Okay ich lese gerade alle Antworten und muss kurz durchatmen. ?
@ZinsjaegerZimmer danke für die strukturierte Auflistung, sowas hilft mir als Lehrerin tatsächlich mehr als man denkt.
@SparschweinSophie_CH das mit dem Dopamin erklärt so vieles. Ich hab buchstäblich gezittert nach dem ersten Gewinn.
@NüchternerNikolai — ja, du hast recht. Ich glaub ich hab die Frage falsch gestellt. Vielleicht ist die echte Frage: Warum mach ich das überhaupt?
@VersicherungsVormund_Volker das mit der Steuer wusste ich NICHT. Das macht es noch bitterer.
@DepotDaddy_Dortmund ich hab das mit dem URL-eintippen meinem Mann erzählt und er hat gelacht, aber ich glaub das ist echter als man denkt.
Ich glaube mein Fazit nach dieser Diskussion: CFDs sind für mich nichts. Nicht weil ich zu dumm bin, sondern weil mein Temperament nicht dazu passt. Ich mach weiter mit meinem Comdirect-Depot und ETFs. Langsam, langweilig, aber ohne Herzrasen. ?
Danke euch allen wirklich. Das Forum ist manchmal besser als jeder Therapeut. (Nicht ersetzen, nur ergänzen! ?)
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ModeratorStefan
- Beiträge: 12
- Registriert: Fr Sep 13, 2019 10:00 pm
Re: CFD-Handel ausprobiert und 800€ in zwei Tagen verloren — wie schützt man sich vor sich selbst?
Schöner Thread — und ein gutes Beispiel dafür, wie so eine Diskussion laufen sollte: ehrlich, konkret, ohne gegenseitiges Niedermachen.
Ich pinne das mal kurz an, weil die Frage „Wie schütze ich mich vor Impulsentscheidungen beim Trading?" regelmäßig auftaucht und hier wirklich gute Antworten zusammengekommen sind.
Für alle, die das später lesen: Der Hinweis von @VersicherungsVormund_Volker zur Verlustverrechnungsbeschränkung seit 2021 ist besonders wichtig und wird oft übersehen. Wer mehr dazu lesen will — das Bundesfinanzministerium hat dazu ein Schreiben veröffentlicht, einfach nach „BMF-Schreiben Termingeschäfte 2021" suchen.
@MahlzeitMathilda — 800€ Lehrgeld für eine Erkenntnis, die manche erst nach 8.000€ ziehen. Nicht schlecht. ?