Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gemacht

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P2P_Pessimist_Paul
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Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gemacht

Beitrag von P2P_Pessimist_Paul »

Moin zusammen, ich bin jetzt seit etwa einem Jahr dabei und habe gerade festgestellt, dass ich in den ersten Monaten durch schlecht gesetzte Orders so einiges verschenkt habe. Konkret: Ich habe mehrfach Market-Orders auf dünn gehandelte ETFs bei Trade Republic abgegeben — und wurde dann zu Kursen ausgeführt, die teilweise 0,8–1,2% über dem zuletzt angezeigten Preis lagen. Bei größeren Positionen (ab 2.000 €) fängt das richtig an zu schmerzen. Mein Hauptproblem war, dass ich nicht verstanden hatte, wie Market-Orders bei geringer Liquidität reagieren. Ich dachte, „Market" heißt „ich zahle den aktuellen Kurs" — nein, es heißt „ich zahle was auch immer gerade jemand fordert". Inzwischen setze ich fast alles über Limit-Orders, aber ich bin mir bei Stop-Limit-Orders noch nicht sicher wann die wirklich Sinn machen. Konkrete Fragen: - Wann ist eine Market-Order trotzdem okay? - Wie setzt man Limits sinnvoll (zu eng = nicht ausgeführt, zu weit = wofür dann)? - Stop-Limit vs. Stop-Loss — ich blick da noch nicht ganz durch - Typische Anfängerfehler, die ihr gesehen habt? Wäre über Erfahrungen aus der Praxis sehr dankbar, kein Lehrbuch-Kram bitte.
Zinsjäger_Joachim
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von Zinsjäger_Joachim »

Gute Frage, und du hast das Kernproblem bereits selbst erkannt. Lass mich das strukturiert durchgehen: Market-Order: Sinnvoll ausschließlich bei sehr liquiden Titeln — also z.B. DAX-Schwergewichte oder hochliquide ETFs wie der MSCI World von iShares. Dort ist der Spread in der Regel unter 0,05%. Bei allem anderen würde ich davon abraten, besonders außerhalb der Haupthandelszeiten. Limit-Order: Die Standardwahl für alles andere. Faustregel: Limit ca. 0,1–0,2% unter dem aktuellen Briefkurs setzen, bei normaler Volatilität wird man damit in der Regel ausgeführt. Wer es eilig hat, kann auch auf Briefkurs limitieren — dann fast sicher Ausführung, aber kein schlechterer Preis als erwartet. Stop-Limit: Das ist ein zweistufiges Instrument. Erst wenn der Stop-Kurs unterschritten wird, wird eine Limit-Order aktiviert. Der häufigste Anfängerfehler: Stop und Limit zu nah beieinander setzen. Bei einem schnellen Kursrutsch springt der Stop an, aber der Markt rauscht durch das Limit hindurch — und die Order wird nicht ausgeführt. Man bleibt dann mit der Position sitzen, obwohl man eigentlich absichern wollte. Empfehlung: Stop-Limit nur nutzen, wenn man wirklich weiß, was man tut. Für einfache Absicherung reicht ein normaler Stop-Loss (ohne Limit) oft besser, auch wenn der Ausführungspreis ungewiss ist.
Lagerist_Lars_Invest
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von Lagerist_Lars_Invest »

Alter, ich kenn das ? Hab mal ne Market-Order auf nen Nasdaq-ETF morgens um 8:45 gesetzt, also quasi kurz vor US-Open — der Spread war so breit wie mein Grinsen wenn ich Freitag Feierabend habe. Wurde 1,5% über NAV ausgeführt, mega frustrierend. Seitdem: immer Limit, immer. Und immer erst ab 10 Uhr handeln wenn die Märkte warm gelaufen sind ?
FestgeldFabienne
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von FestgeldFabienne »

Ich arbeite im Bankbereich und sehe täglich was dabei schiefläuft, also lass mich ein paar Punkte ergänzen: Zum Stop-Limit vs. Stop-Loss: Ein reiner Stop-Loss (bei manchen Brokern auch als „Stop-Market" bezeichnet) wird beim Erreichen des Stop-Kurses als Market-Order ausgeführt. Du bekommst also einen unbekannten Preis, aber die Ausführung ist (fast) garantiert. Ein Stop-Limit hingegen wird als Limit-Order ausgeführt — du kennst den Mindestpreis, aber bei starken Bewegungen kann die Order leer ausgehen. Für Privatanleger, die einfach Verluste begrenzen wollen, ist der Stop-Loss (Market) in den meisten Fällen die pragmatischere Wahl. Stop-Limit ist eher für erfahrenere Trader, die gezielt einen Preisbereich definieren wollen. Noch ein wichtiger Punkt: Bei Trade Republic und N26 gibt es teilweise Einschränkungen bei Ordertypen — bitte immer in den Handelskonditionen nachschauen, welche Typen überhaupt verfügbar sind. Comdirect oder die DKB bieten hier deutlich mehr Flexibilität.
DepotDepp_Denny
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von DepotDepp_Denny »

bro ich hab mal stop-limit gesetzt, stop bei 95€, limit bei 94,50€ — kurs ist in 3 minuten auf 91€ durchgerauscht ?? order nicht ausgeführt, ich hab noch 3 tage gezittert bis ich endlich verkauft hab lmaooo seitdem heißt es bei mir: stop-limit = stopp, lieber nicht ?
RoswithaSpartStreng
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von RoswithaSpartStreng »

Was hier noch nicht ausreichend erwähnt wurde: die Gültigkeit der Order. Eine Limit-Order, die man als „Tagesorder" aufgibt, verfällt um Mitternacht — viele Anfänger wundern sich dann, warum ihre Order am nächsten Morgen weg ist. Besser: Gültigkeit explizit auf z.B. 30 oder 90 Tage setzen, sofern der Broker das erlaubt. DKB und Comdirect bieten das standardmäßig an. Außerdem: Bei Order-Ergänzungen wie „Fill or Kill" oder „Immediate or Cancel" bitte genau wissen was man tut — diese Optionen können dazu führen, dass gar nichts ausgeführt wird, wenn nicht die volle Stückzahl sofort verfügbar ist.
KreditKritiker_Konrad
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von KreditKritiker_Konrad »

Ich würd das noch etwas ergänzen: die Wahl des Handelsplatzes ist mindestens genausowichtig wie der Ordertyp. Wer bei Trade Republic handelt, handelt über einen einzigen Market Maker (Lang & Schwarz). Da gibt es keinen echten Wettbewerb um den besten Preis. An der Xetra oder über Direkthandel bei Comdirect hast du mehr Transparenz und oft bessere Ausführungsqualität — vorallem bei ETFs mit mehr als ein paar Millionen Volumen täglich. Hab das selbst erlebt: gleicher ETF, gleiche Uhrzeit, Trade Republic 0,6% schlechter als Xetra-Kurs. Nicht dramatisch, aber bei regelmäßigem Investieren summiert sich das.
Taschengeld_Timo
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von Taschengeld_Timo »

warte mal kurz ich check das nciht ganz ? also stop-limit ist quasi: „wenn der kurs fällt, dann verkauf aber nicht billiger als X"? und stop-loss ist „wenn der kurs fällt, verkauf egal zu welchem preis"?? hab ich das richtig?? ??
Zinsjäger_Joachim
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von Zinsjäger_Joachim »

>> @Taschengeld_Timo schrieb: also stop-limit ist quasi: „wenn der kurs fällt, dann verkauf aber nicht billiger als X"? Ja, das hast du korrekt zusammengefasst. Beim Stop-Limit legst du zwei Kurse fest: den Stop-Kurs (Auslöser) und den Limit-Kurs (Mindestpreis). Fällt der Kurs auf den Stop, wird eine Limit-Order platziert — aber nur ausgeführt, wenn der Markt über dem Limit-Kurs bleibt. Beim Stop-Loss (Stop-Market) wird nach dem Auslösen einfach zum nächsten verfügbaren Marktpreis verkauft. Kein Limit, aber fast garantierte Ausführung.
Vergleichsportal_Vroni
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Re: Ordertypen richtig nutzen: Limit, Market, Stop-Limit — wann was sinnvoll ist und welche Fehler ich als Anfänger gem

Beitrag von Vergleichsportal_Vroni »

Super Thread, ich pack hier noch ein paar praktische Faustregeln rein, die ich über die Zeit gesammelt habe: - Market-Order: Nur für DAX-Werte oder S&P-500-ETFs, nur während der Kernhandelszeit (10–17:30 Uhr), niemals bei Earnings oder kurz nach Börseneröffnung ? - Limit-Order kaufen: Limit knapp unter Briefkurs setzen, Gültigkeit mind. 5 Tage. Bei volatilen Titeln lieber etwas Spielraum lassen. - Limit-Order verkaufen: Limit knapp über Geldkurs, nicht zu gierig — wer auf den letzten Cent wartet, sitzt manchmal ewig auf der Position. - Stop-Limit: Abstand zwischen Stop und Limit mind. 1–2%, bei volatilen Titeln eher 3–5%. Sonst passiert genau das was @DepotDepp_Denny beschrieben hat. Und ganz wichtig: Revolut und N26 haben sehr eingeschränkte Ordertypen, da gibt es oft nur Market. Wer aktiver handelt, sollte wirklich zu einem richtigen Broker wechseln — Comdirect oder DKB sind da deutlich besser aufgestellt. ?
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