Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
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Mod_Clemens_Finanzen
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Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Ich stoße in letzter Zeit immer wieder auf Berichte von Leuten, die systematisch alle paar Monate die Bank wechseln, um den jeweils besten Neukunden-Zinssatz beim Tagesgeld mitzunehmen. Das klingt erstmal verlockend – aktuell werben ING, DKB, Consorsbank, Trade Republic und Co. ja teils mit deutlich über dem Dauerkundenzins liegenden Aktionszinsen für Neukunden.
Meine Frage an die Community: Betreibt jemand das aktiv, und rechnet sich das tatsächlich?
Konkret beschäftigt mich Folgendes:
- Jede Neukontoeröffnung zieht in der Regel eine SCHUFA-Anfrage nach sich. Wie stark beeinträchtigt das den Score, wenn man das z.B. zweimal im Jahr macht?
- Wie hoch muss das angelegte Kapital sein, damit der Zinsvorteil den Zeitaufwand (Kontoeröffnung, Ident-Verfahren, Ummeldung der Daueraufträge etc.) rechtfertigt?
- Gibt es Banken, die Neukunden nach dem Aktionszeitraum aktiv auf den schlechteren Dauerzins «fallen lassen», ohne vorher zu informieren?
Ich habe selbst mal vor einigen Jahren bei der Consorsbank von einem Aktionszins profitiert, war aber damals zu bequem, danach zu wechseln – und hab anschließend ein gutes Jahr lang Minizinsen kassiert. Das ärgert mich heute noch.
Wer hat konkrete Erfahrungen damit gesammelt – positiv wie negativ?
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KreditkartenKönig_Karste
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Ich mach das seit ca. 2020 ziemlich konsequent. Kurz mein Setup: Ich halte meinen Notgroschen (ca. 30.000 €) auf einem Tagesgeldkonto und rotiere das Kapital alle 3–4 Monate zur nächsten Neukundenofferte.
Meine Bilanz letztes Jahr: ING Neukunden-Bonus (4 Monate, 4,0%), dann Consorsbank (3 Monate, 4,3%), dann Openbank (4 Monate, 4,0%). Im Vergleich zum Dauerkundenzins der ING (war zwischenzeitlich bei 2,0%) hab ich damit locker 400–500 € mehr rausgeholt. Das ist kein Vermögen, aber für einen Nachmittag Aufwand pro Quartal ist das ne ordentliche Stundenrate. ?
SCHUFA: Ich hab explizit nachgefragt bei einer Anfrage – Tagesgeldkonten werden als «Konditionsanfragen» eingestuft, nicht als Kreditanfragen. Die beeinflussen den Score deutlich weniger als ein Kredit oder eine Kreditkarte. Zumindest war das meine Erfahrung bei Check24.
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RentenpunktRosemarie
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Also ich bin da ehrlich gesagt etwas überfragt, was die ganzen technischen Details angeht. Aber ich habe letztes Jahr auf Empfehlung meiner Tochter ein Konto bei der ING eröffnet, weil es dort 4% für Neukunden gab. Nach vier Monaten war der Zins plötzlich bei 1,75%. Ich habe das gar nicht mitbekommen, bis mein Sohn bei einem Besuch in meinen Kontoauszug geschaut hat.
Also ja: Die lassen einen klanglos auf den schlechteren Zins fallen. Kein Brief, keine E-Mail, nix. Das finde ich nicht in Ordnung, ehrlich gesagt.
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FINANZflüsterin_Fiona
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
@RentenpunktRosemarie Das ist leider Standard bei fast allen Anbietern. Die Aktionskonditionen sind im Kleingedruckten auf x Monate befristet, danach gilt automatisch der variable Standardzins. Eine aktive Benachrichtigung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben – ärgerlich, aber legal.
Zum Rechenbeispiel, das ich mir selbst mal aufgestellt habe: Bei 20.000 € Anlagesumme und einem Vorteil von 1,5 Prozentpunkten über 4 Monate sind das brutto ca. 100 €. Nach Abzug der Abgeltungssteuer (26,375% inkl. Soli) bleiben etwa 74 €. Wenn man den Freistellungsauftrag noch nicht ausgeschöpft hat, sind es die vollen 100 €.
Für 50.000 € wären das entsprechend ca. 250 € netto – für 1–2 Stunden Aufwand durchaus attraktiv. Unter 10.000 € würde ich mir den Stress ehrlich gesagt nicht machen.
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BudgetBärBenni
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
alter ich hab grad mal 3000€ auf dem tagesgeld lmao, das lohnt sich für mich also absolut nicht ? aber interessant zu wissen für später
eine frage noch: zählt das wirklich nicht für die schufa? ich dachte jede kontoerföffnung zieht einen negativen eintrag?
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TagesgeldTanja_FFM
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- Registriert: So Apr 11, 2021 10:00 pm
Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
@BudgetBärBenni Kurz zur SCHUFA-Frage, weil das hier öfter verwechselt wird: Es gibt zwei Arten von Anfragen. Eine Kreditanfrage (z.B. bei Kredit, Kreditkarte) landet negativ in der SCHUFA und ist für andere Auskunfteien sichtbar. Eine Konditionsanfrage (die meisten Girokonten, Tagesgeldkonten) wird zwar gespeichert, hat aber deutlich geringeren Einfluss auf den Score und ist für Dritte nicht sichtbar.
Als Bankkauffrau kann ich sagen: Zweimal im Jahr ein Tagesgeldkonto eröffnen macht den Kohl bei der SCHUFA wirklich nicht fett. Wer aber gleichzeitig einen Kredit beantragen will, sollte den Zeitpunkt trotzdem gut wählen.
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SkeptischerSigurd
- Beiträge: 21
- Registriert: Sa Nov 30, 2019 11:00 pm
Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Ich bin ja grundsätzlich skeptisch bei sowas. Die Banken bieten diese Aktionen nicht aus Menschenliebe an – die wollen, dass du nachher bleibst und den Mist-Zins akzeptierst. Oder noch besser, dass du irgendwann ein Depot oder eine Versicherung dort abschließt.
Ich hab das mal 2022 mit der Consorsbank gemacht. Aktionszins abgegriffen, danach Konto wieder gekündigt. Hat funktioniert. Aber ich frage mich: Wann sperren die Banken einen irgendwann aus, wenn man das zu oft macht? Gibt's da Erfahrungen?
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VergleichsViggo
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- Registriert: Fr Nov 29, 2019 11:00 pm
Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
@SkeptischerSigurd Die meisten Banken definieren «Neukunde» als Person, die in den letzten 12–24 Monaten kein Konto bei ihnen hatte. Das steht oft im Kleingedruckten. Theoretisch könnte man also im Zweijahresrhythmus zur selben Bank zurückkehren.
Praktisch hab ich mir dafür eine einfache Tabelle angelegt: Datum der Eröffnung, Aktionszeitraum, Kündigungsdatum, wann ich wieder «Neukunde» bin. Das klingt aufwändiger als es ist – nach dem dritten Mal macht man das in 20 Minuten.
Meine aktuell laufenden Konten: Trade Republic (3,75% Tagesgeld, kein befristeter Aktionszins, dafür Dauerhaftigkeit), Openbank als Puffer. Ich rotiere nicht mehr so aggressiv wie früher, weil die Zinsdifferenzen gerade kleiner werden.
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KaskoKiller_Konrad
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- Registriert: Do Jul 15, 2021 10:00 pm
Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Was ich noch ergänzen würde: Nicht vergessen, den Freistellungsauftrag bei jedem neuen Konto korrekt zu setzen. Ich hab das einmal vergessen und dann Kapitalertragsteuer auf Zinsen gezahlt, obwohl mein Gesamtbetrag noch unter dem Freibetrag (aktuell 1.000 € für Einzelpersonen) lag. Das kostet zwar nichts dauerhaft – man kriegt das über die Steuererklärung zurück – aber es ist lästig.
Außerdem: Manche Banken verlangen bei Kündigung eine schriftliche Kündigung per Post oder zumindest per Einschreiben. Das ist heute zum Glück seltener, aber prüfen lohnt sich bevor man unterschreibt.
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Teilzeit_Tanja_Invest
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: Lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Ich mache das seit zwei Jahren und kann sagen: Es lohnt sich, aber man braucht ein gewisses System. Ich habe mir angewöhnt, jeden Aktionszins-Ablauf als Kalender-Erinnerung einzutragen – 4 Wochen vorher, damit ich in Ruhe das nächste Konto eröffnen und das Geld überweisen kann.
Was mich wirklich nervt: Das Video-Ident-Verfahren. Manchmal funktioniert das auf Anhieb, manchmal sitzt man dreimal da und der Anruf bricht ab. DKB war bei mir besonders zäh. ? Postident ist ehrlich gesagt entspannter, aber man muss zur Post.
Mein Tipp für Einsteiger: Mit einer Bank anfangen, die einfaches Online-Ident hat. Ich hatte mit der ING und der Openbank gute Erfahrungen gemacht.