Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
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BuchhalterBodo_HB
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Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Guten Tag zusammen,
nach dem Verkauf meiner Eigentumswohnung in Bremen stehen mir nun rund 150.000 € auf dem Girokonto zur Verfügung. Das Geld soll mittelfristig für eine neue Immobilie oder als Altersvorsorge dienen — konkreter Zeithorizont noch offen, vielleicht 3 bis 5 Jahre.
Mir ist bekannt, dass die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland pro Institut und pro Person bei 100.000 € liegt. Damit ist mir theoretisch ein Teil meines Geldes ungesichert. Als Buchhalter weiß ich, was es bedeutet, wenn ein Posten nicht gedeckt ist.
Meine konkreten Fragen:
- Ist die einfachste Lösung wirklich, das Geld auf zwei verschiedene Banken zu verteilen — z.B. 75.000 € bei der DKB und 75.000 € bei der ING?
- Tagesgeld oder Festgeld — was ist in meiner Situation sinnvoller, wenn ich die Liquidität nicht vollständig aufgeben möchte?
- Wie zuverlässig sind die freiwilligen Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken oder der Sparkassen? Kann man sich da wirklich drauf verlassen, oder ist das nur Marketing?
- Gibt es noch andere Wege, die ich nicht auf dem Schirm habe?
Für konkrete, belegbare Hinweise bin ich sehr dankbar. Meinungen ohne Substanz brauche ich in dieser Frage eher nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
Bodo
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KontoKompass_Kai
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Hallo Bodo,
gute Frage, und du hast das Problem bereits richtig eingekreist. Kurze Antwort auf deine erste Frage: Ja, zwei Banken ist der simpelste und zuverlässigste Weg. Ich würde aber noch ein bisschen differenzieren.
Die gesetzliche Einlagensicherung greift pro Einlagensicherungssystem — also nicht nur pro Bank, sondern auch pro System. DKB und ING gehören beide dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) an, zusätzlich zur gesetzlichen Pflichtversicherung. Das heißt, du hast dort de facto zwei Schutzebenen.
Konkret würde ich empfehlen:
- 75.000 € Tagesgeld bei der ING (aktuell noch akzeptable Zinsen, täglich verfügbar)
- 50.000 € Festgeld bei der DKB über 12 Monate (bessere Konditionen als Tagesgeld)
- 25.000 € als Puffer auf deinem laufenden Konto oder bei einer dritten Bank wie Comdirect oder N26
Die Aufteilung Tagesgeld/Festgeld hängt davon ab, wie sicher du bist, das Geld nicht anzufassen. Wenn du in 3–5 Jahren kaufen willst, aber nicht weißt wann genau, würde ich nicht alles ins Festgeld stecken — Vorfälligkeitsentschädigungen oder schlicht keine Kündbarkeit können schmerzhaft sein.
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BausparkritikBernadette
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Ergänzend aus juristischer Perspektive zu den freiwilligen Sicherungssystemen:
Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist tatsächlich kein reines Marketing. Er existiert seit 1976 und hat bislang — soweit öffentlich bekannt — keine einzige Einlage verloren. Die Schutzgrenzen liegen für Privatpersonen üblicherweise bei 15 % des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank, was in der Praxis Millionenbeträge bedeutet.
Allerdings ist Folgendes rechtlich wichtig: Dieser Fonds ist freiwillig und hat keinen Rechtsanspruch im klassischen Sinne — d.h., ein Anleger kann im Ernstfall nicht klagen wie bei der gesetzlichen Pflichtversicherung. Der BdB hat jedoch eine satzungsmäßige Verpflichtung, die in der Praxis als sehr bindend gilt.
Sparkassen und Volksbanken funktionieren anders: Sie haben ein institutsbezogenes Sicherungssystem (IPS), das die Institute selbst stützt, bevor Einlagen verloren gehen. Das ist strukturell sogar noch robuster — aber nur, wenn man bei einer Sparkasse oder Volksbank/Raiffeisenbank anlegt.
Fazit: Für 150.000 € reicht die Verteilung auf zwei seriöse deutsche Privatbanken vollkommen aus. Existenzielle Risiken entstehen bei dieser Summe nur in einem systemischen Bankencrash — und dann hätten wir ganz andere Probleme.
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RenditeRosalie
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Hey Bodo! ?
Ich verstehe die Nervosität, aber ehrlich gesagt — 150k auf zwei Banken verteilen und gut ist. Das ist keine Raketenwissenschaft. ING + DKB oder ING + Comdirect, fertig.
Was ich persönlich machen würde: 100k Festgeld (aufgeteilt auf zwei Banken à 50k) für 2 Jahre, den Rest auf einem Tagesgeldkonto parken. Revolut bietet gerade auch ganz okay Zinsen fürs Tagesgeld, aber da würde ich nicht mehr als 20–25k reinlegen — die sind nämlich in Litauen reguliert (Bank of Lithuania), also anderes Sicherungssystem als Deutschland. Das sollte man wissen. ?
Ansonsten: Trade Republic hat auch ein Tagesgeldäquivalent mit 3,25 % — aber das ist kein klassisches Tagesgeld, sondern Geldmarktfonds-basiert. Kein Einlagenschutz im traditionellen Sinne, aber auch kein Bankrisiko im klassischen Sinne. Für einen Teil des Geldes interessant, für den vollen Betrag würde ich das aber nicht nutzen.
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AzubiAlexander_2021
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
alter 150k einfach aufs konto legen und schlafen ?? ich würd mir da keine gedanken machen alter die banken gehen doch nicht pleite
ok nein ich weiß das is quatsch aber ernsthaft... n26 is doch auch gut oder? mein kumpel hat da alles drauf ?
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Kredithai_Kassandra
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
@AzubiAlexander_2021 N26 ist eine vollwertige Bank mit BaFin-Lizenz und gesetzlicher Einlagensicherung bis 100k. Also prinzipiell okay — aber für 150k würde ich da nicht alles reinpacken, und der freiwillige Zusatzschutz ist bei N26 deutlich dünner als bei etablierten Filialbanken.
Was ich Bodo noch mitgeben würde: Schau dir auch Festgeldangebote über Plattformen wie Weltsparen oder Zinspilot an. Da kannst du gezielt Banken aus verschiedenen EU-Ländern wählen, die jeweils bis 100k durch das nationale Sicherungssystem geschützt sind. Vorteil: bessere Zinsen möglich, Nachteil: du musst schauen, wie stabil das jeweilige Sicherungssystem ist. Bulgarien oder Rumänien würde ich meiden, Deutschland/Frankreich/Niederlande sind solide.
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FreistellungsauftragFred
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Da ich als Steuerfachwirt hier mitlese, möchte ich einen steuerlichen Hinweis einstreuen, der in solchen Diskussionen regelmäßig vergessen wird:
Bei 150.000 € Kapitalanlage entstehen je nach Zinssatz erhebliche Kapitalerträge. Beispiel: 3 % Zinsen auf 150.000 € ergibt 4.500 € Erträge pro Jahr. Der Sparerpauschbetrag für Einzelpersonen beträgt seit 2023 lediglich 1.000 € (für Verheiratete 2.000 €). Der darüber hinausgehende Betrag unterliegt der Abgeltungsteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.
Bitte stellen Sie sicher, dass bei jeder Bank, bei der Sie Kapital anlegen, ein entsprechender Freistellungsauftrag eingerichtet ist — und dass die Summe aller Freistellungsaufträge den Gesamtpauschbetrag nicht übersteigt. Andernfalls droht eine Über- oder Unterfreistellung mit Nachzahlungsrisiko oder unnötigem Steuerabzug.
Das klingt banal, aber ich sehe in der Praxis regelmäßig Fehler bei der Aufteilung des Freistellungsauftrags auf mehrere Institute.
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Frührentner_Franz
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- Registriert: So Sep 29, 2019 10:00 pm
Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Ich habe das vor einigen Jahren selbst durchgemacht — nach Verkauf unseres Hauses standen plötzlich 220.000 € auf dem Konto. Meine Frau hat fast täglich nachgeschaut, ob das Geld noch da ist.
Was wir letztendlich gemacht haben: je 80.000 € auf Festgeldkonten bei der Commerzbank (damals Comdirect, jetzt fusioniert) und der ING, den Rest auf einem Tagesgeldkonto der DKB. Hat gut funktioniert, keine Probleme.
Was ich im Nachhinein anders machen würde: nicht alles in Festgeld, weil wir dann doch früher als geplant kaufen wollten und an das Festgeld nicht rankamen. Tagesgeld ist flexibler, auch wenn die Zinsen manchmal schlechter sind. Für jemanden mit unklarem Zeithorizont wie dir würde ich maximal die Hälfte ins Festgeld stecken.
Und @AzubiAlexander_2021 — die Banken gehen schon mal pleite, Sohn. Schau mal nach, was 2008 passiert wäre ohne Staatshilfen.
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VerbraucherzentraleVinze
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Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
Gestatten Sie mir eine etwas grundsätzlichere Einordnung, Herr Bodo.
Die Einlagensicherungsrichtlinie der EU (DGSD 2014/49/EU), umgesetzt in deutsches Recht durch das Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), garantiert 100.000 € pro Gläubiger und pro Institut. Das ist harter Rechtsanspruch, keine Kulanzregelung. Im Entschädigungsfall hat die Sicherungseinrichtung 7 Arbeitstage Zeit zur Auszahlung — das wurde 2015 von ursprünglich 20 Tagen verkürzt.
Darüber hinaus gibt es eine sogenannte vorübergehend erhöhte Einlagensicherung (§ 8 EinSiG): Bei bestimmten Lebensereignissen — darunter ausdrücklich der Verkauf einer Immobilie — erhöht sich der Schutz vorübergehend auf bis zu 500.000 € für bis zu 6 Monate nach dem Eingang der Gelder. Das dürfte für Ihren Fall unmittelbar relevant sein.
Ich empfehle, dies schriftlich bei Ihrer Bank anzufragen und den Nachweis des Immobilienverkaufs zu dokumentieren. Die Frist beginnt mit dem Tag der Gutschrift.
Diese Information wird erschreckend selten kommuniziert, obwohl sie gesetzlich verankert ist.
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BuchhalterBodo_HB
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- Registriert: Mi Jan 29, 2020 11:00 pm
Re: Einlagensicherung über 100.000 € — wie verteile ich 150.000 € Erspartes wirklich sicher?
@VerbraucherzentraleVinzenz — das ist ein ausgesprochen wichtiger Hinweis, vielen Dank. Die vorübergehend erhöhte Einlagensicherung nach § 8 EinSiG war mir vollständig unbekannt. Ich werde das unmittelbar bei meiner Hausbank anfragen und den Kaufvertrag als Nachweis vorlegen.
Das ändert meine kurzfristige Situation erheblich: Wenn ich für bis zu 6 Monate auf bis zu 500.000 € geschützt bin, habe ich deutlich mehr Zeit, die Verteilung in Ruhe zu planen, anstatt überstürzt Konten zu eröffnen.
Danke auch an @FreistellungsauftragFred für den steuerlichen Hinweis — ich werde die Freistellungsaufträge entsprechend aufteilen, sobald die Konten stehen. Das ist tatsächlich eine häufige Fehlerquelle, die ich auch bei Mandanten schon gesehen habe.