Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
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NullzinsNervensäge
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Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Hallo zusammen,
ich bin seit einigen Jahren im Ruhestand und parke einen Teil meines Geldes – momentan rund 40.000 Euro – auf einem Tagesgeldkonto als eiserne Reserve. Zuletzt bei der ING, davor kurz bei der DKB. Jetzt lese ich immer wieder, dass manche Leute systematisch alle paar Monate die Bank wechseln, um den jeweiligen Neukunden-Bonus beim Tagesgeld mitzunehmen. Also: 3 Monate 4% bei Anbieter A, dann rüber zu Anbieter B für wieder 3 Monate, usw.
Klingt verlockend, aber ich bin skeptisch. Ich war 30 Jahre im Bankgeschäft und weiß, dass die Institute da nicht aus reiner Nächstenliebe handeln. Meine Fragen:
- Wie viel Zinsdifferenz entsteht da eigentlich real – nach Abzug von Aufwand und möglichen SCHUFA-Anfragen?
- Macht die SCHUFA-Abfrage bei jeder Kontoeröffnung den Score kaputt?
- Hat jemand das wirklich aktiv betrieben und kann konkret sagen: Das hat mir X Euro im Jahr gebracht?
- Gibt es versteckte Kosten oder Haken, auf die man als erfahrener Sparer trotzdem reinfallen kann?
Ich frage nicht weil ich das unbedingt machen will, sondern weil ich verstehen möchte ob das Modell wirklich funktioniert oder ob es sich am Ende nur für die Bank lohnt, die hofft, dass man bleibt.
Über ehrliche Einschätzungen freue ich mich. Danke.
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Zinsjäger_Joachim
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Hallo Ulrike,
ich betreibe das seit etwa drei Jahren aktiv und kann mit konkreten Zahlen antworten. Bei 40.000 Euro und einer typischen Bonusphase von 3–4 Monaten mit 3,5–4,5% p.a. (je nach Anbieter) landet man grob bei 350–600 Euro Zinsen pro Bonuszeitraum – gegenüber vielleicht 150–200 Euro beim Standardsatz der gleichen Bank danach. Der reale Mehrwert pro Wechsel liegt also bei 150–400 Euro vor Steuer.
Mein tatsächliches Vorgehen: Ich führe eine einfache Excel-Tabelle mit Eröffnungsdatum, Bonuslaufzeit, Zinssatz und dem jeweiligen Standardzins danach. Sobald die Bonusphase ausläuft, prüfe ich aktuelle Angebote – meist über Biallo oder Verivox – und eröffne das nächste Konto, bevor ich das alte kündige.
Zu den SCHUFA-Anfragen: Tagesgeldkonten ohne Kreditrahmen werden in der Regel nur als sogenannte Konditionsanfrage gemeldet, nicht als harte Bonitätsanfrage. Das schadet dem Score praktisch nicht. Bei manchen Direktbanken (z.B. Consorsbank, Targo) habe ich das explizit vorab nachgefragt – die bestätigen das schriftlich.
Einziger echter Aufwand: das PostIdent- oder VideoIdent-Verfahren, Kontonummer beim Arbeitgeber/Daueraufträgen ändern (aber bei einem reinen Tagesgeldkonto ohne Zahlungsverkehr ist das minimal), und die Steuerbescheinigungen zum Jahresende aus verschiedenen Quellen zusammensammeln.
Fazit: Bei Beträgen über 20.000 Euro lohnt es sich in meinen Augen klar. Darunter wird der Zeitaufwand von 1–2 Stunden pro Wechsel diskutabler.
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DepotzockDennis
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
krass dass du das wirklich so akribisch durchziehst Joachim ? ich hab mal bei der Trade Republic angefangen weil 4% aufs Verrechnungskonto und dachte mir "nice, einmal einrichten, fertig". Das ist natürlich was anderes als aktives Hopping aber für faule Leute wie mich ist das halt die Alternative lol
bei 40k würde ich aber auch mal überlegen ob nicht einfach ein World-ETF die bessere Lösung ist für den Teil der nicht wirklich als Notgroschen gebraucht wird. aber das ist eine andere Diskussion ?
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ImmoRenten_Irene_S
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
@Zinsjäger_Joachim macht das sehr strukturiert, das muss ich sagen. Ich hab das auch eine Weile gemacht, aber irgendwann aufgehört. Nicht weil es sich nicht lohnt, sondern weil es mich nervt. Jede neue Bank will gefühlt dein halbes Leben an Dokumenten, dann das Ident-Verfahren, und nach 3 Monaten fängt das Spiel von vorne an.
Bei mir waren es 25.000 Euro und ich schätze den Mehrwert auf vielleicht 200 Euro pro Jahr nach Abzug der Steuer. Das ist kein Pappenstiel, aber mein Stundenlohn als Verwalterin liegt höher als das. Reine Opportunitätskosten-Rechnung.
Für Rentner mit mehr Zeit und Disziplin kann es aber durchaus sinnvoll sein.
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WenigerIstMehr_Willi
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
ich glaub das wird hier bisschen schöngeredet. klar, 400 euro klingt gut – aber wie oft läuft das wirklich reibungslos? ich hatte letztes jahr eine situation wo mein geld 4 tage lang auf dem weg von alter zu neuer bank war und ich kurz dachte "oh gott wo ist mein notgroschen". Das ist kein theoretisches Problem, das ist echter Stress ?
außerdem: manche Anbieter (ich sag nur Renault Bank damals) haben die Bonuskonditionen nachträglich geändert bzw. die Laufzeit verkürzt. Steht alles im Kleingedruckten.
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NullzinsNervensäge
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
@Zinsjäger_Joachim – danke, das ist genau die Art konkreter Antwort, die ich gesucht habe. Die Unterscheidung zwischen Konditionsanfrage und harter Bonitätsanfrage ist mir als Ex-Bankerin natürlich bekannt, aber ich wollte wissen ob die Praxis auch wirklich so funktioniert. Gut zu hören, dass du das bestätigen kannst.
@WenigerIstMehr_Willi – das mit den 4 Tagen in der Luft ist tatsächlich ein valider Punkt. Als jemand der sein Leben lang mit Buchungsläufen zu tun hatte: Ich würde da immer eine kurze Überlappung einplanen und das alte Konto erst kündigen, wenn das Geld sicher angekommen ist. Aber nicht jeder denkt daran.
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NordseeNellie_spart
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
ich mach das schon seit 2 Jahren so und kann sagen: es klappt! ? Aber ich hab nur 8.000 Euro auf dem Tagesgeld, also ist der Gewinn pro Wechsel eher so 50-80 Euro. Macht mir trotzdem Spaß weil ich das Gefühl hab ich tu was aktives für mein Geld ?
Meine aktuelle Reihenfolge war: ING Neukunden (abgelaufen), dann Openbank (3 Monate 4%), jetzt schaue ich gerade ob Consorsbank noch was hat. Das klappt solange man aufpasst dass man wirklich noch "Neukunde" ist – manche Banken definieren das als "kein Konto in den letzten 12 Monaten". Einmal drauf reingefallen ?
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ETF_Elsbeth
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Ich möchte hier einen Aspekt einbringen, der bislang nicht erwähnt wurde: die steuerliche Komplexität. Wer bei vier verschiedenen Banken im Jahr Zinsen kassiert, hat am Jahresende vier Jahressteuerbescheinigungen. Solange man seinen Freistellungsauftrag korrekt aufteilt und keine Bescheinigung vergisst, ist das kein Problem – aber es erfordert Sorgfalt.
Freistellungsauftrag-Aufteilung sollte man jedes Jahr neu prüfen, wenn man die Konten wechselt. Ich habe schon erlebt, dass Leute vergessen, den Freibetrag von der alten Bank zurückzuziehen, und dann bei der neuen Bank Kapitalertragsteuer auf Beträge zahlen, die eigentlich noch steuerfrei wären.
Für jemanden mit 40.000 Euro und dem vollen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (bzw. 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung): Das ist definitiv verwaltbar, erfordert aber eine gewisse Disziplin bei der Dokumentation.
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FrugalistFinn_aus_Kiel
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
Guter Punkt von Elsbeth. Ich mache das seit ca. 2 Jahren und hab mir dafür tatsächlich ein kleines Skript gebaut das mich 6 Wochen vor Bonusende erinnert ? Aber ich bin halt Entwickler, das ist vielleicht nicht für jeden der Weg.
Meine Erfahrung mit dem Anbieter-Universum: Aktuell lohnen sich besonders Angebote von Openbank, Consorsbank, und gelegentlich Aktionen der Santander oder Renault Bank. Die Tagesgeldzinsen-Vergleiche auf Biallo sind ziemlich aktuell, die prüfe ich regelmäßig.
Was ich aber auch sagen muss: Der Zeitaufwand ist wirklich sehr gering wenn man es einmal als Prozess etabliert hat. VideoIdent dauert 10 Minuten, Überweisung anstoßen nochmal 5. Der eigentliche Flaschenhals ist das Warten bis das Konto freigeschaltet wird – manchmal 3-5 Werktage. Daher immer 2 Wochen vor Bonusende anfangen.
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TeilzeitTanja_Freiburg
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?
also ich find das ehrlich gesagt ein bisschen überwältigend ? Excel-Tabellen, Skripte, Freistellungsaufträge aufteilen... ich hab zwei Kids und kaum Zeit meinen eigenen Kühlschrank im Blick zu behalten.
Ich hab das einmal versucht mit der ING Aktion und dann aufgehört. Der Bonus war gut, aber danach hab ich vergessen zu wechseln und bin monatelang auf dem mickrigen Standardzins gesessen weil ich's schlicht verpeilt hab ? Das ist dann auch kein Gewinn mehr.
Für mich persönlich: lieber einmal im Jahr 1 Stunde für einen Gesamtvergleich, beste Bank raussuchen, da bleiben. Weniger optimiert aber ich mach's auch wirklich durch.