Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher, Zinsvergleiche
GiroKontoGustav
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von GiroKontoGustav »

Ich hab das auch mal ausprobiert, vor zwei Jahren ungefär. Hat geklapt aber ich hab einmal vergessen das alte Konto zu kündign und dann liefen zwei Tagesgedlkonten gleichzeitig. War nicht schlimm aber unübersichtlich. Jetzt hab ich alles bei der Sparkasse. Einfacher. ?
Steuerflüsterin_Stefanie
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von Steuerflüsterin_Stefanie »

Elsbeth hat das steuerliche Thema schon angesprochen, ich möchte noch etwas ergänzen was oft übersehen wird: Wenn man bei mehreren Banken gleichzeitig Zinsen erhält und die Freistellungsaufträge nicht sauber aufgeteilt hat, kann es passieren, dass Kapitalertragsteuer einbehalten wird, obwohl man unter dem Pauschbetrag liegt. Das bekommt man zwar über die Steuererklärung zurück – aber man muss sie dann auch machen. Bei Leuten die sonst keine Anlage KAP brauchen ist das ein Extra-Aufwand. Umgekehrt: Wer ohnehin eine Steuererklärung abgibt (was bei Rentnern mit anderen Einkünften häufig der Fall ist), dem entsteht daraus kaum Mehrarbeit. Dann ist das wirklich nur eine Zeile mehr in der Anlage KAP. Und noch ein Punkt der selten diskutiert wird: Bei manchen Instituten (Renault Bank war bekannt dafür) wurden Zinsen nicht täglich, sondern zum Quartalsende gebucht. Wenn man dann zwischendurch kündigt, muss man prüfen ob die aufgelaufenen Zinsen korrekt ausgezahlt werden. Laut AGB muss das so sein – aber prüfen schadet nicht.
WeltportfolioWalter
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von WeltportfolioWalter »

Ich möchte die Diskussion um eine Perspektive erweitern, die bislang nur am Rande gestreift wurde. Bei 40.000 Euro Tagesgeld stellt sich grundsätzlich die Frage nach der Zweckbestimmung dieses Kapitals. Handelt es sich um einen Notgroschen (Daumenregel: 3–6 Nettmonatseinkommen), ist die Optimierung über Bankenwechsel sinnvoll und das Geld sollte liquide bleiben. Handelt es sich jedoch um Kapital, das langfristig nicht benötigt wird, ist der Opportunitätskostenverlust gegenüber einem diversifizierten Aktienportfolio erheblich – auch wenn die aktuelle Tagesgeldrendite nominell attraktiv wirkt. Die Differenz zwischen 3,5% Tagesgeld (optimiert) und einem langfristigen realen Aktienmarktrenditeerwartungswert von ca. 5–7% real p.a. ist bei einem Zeithorizont von 10+ Jahren signifikant. Das ist keine Kritik am Tagesgeld-Hopping per se, sondern ein Hinweis auf die Gesamtallokation.
VersicherungsVerdrossenV
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von VersicherungsVerdrossenV »

WeltportfolioWalter schrieb:Die Differenz zwischen 3,5% Tagesgeld und einem langfristigen realen Aktienmarktrenditeerwartungswert von ca. 5–7% real p.a. ist bei einem Zeithorizont von 10+ Jahren signifikant. Das stimmt grundsätzlich, aber die Frage war konkret nach Tagesgeld-Hopping – nicht nach Asset Allocation. Wenn Ulrike sagt, das ist ihre eiserne Reserve, dann ist das eine bewusste Entscheidung und kein Fehler. Nicht alles muss in Aktien. Zum eigentlichen Thema: Ich hab das 18 Monate lang gemacht und dann aufgehört. Nicht wegen Aufwand, sondern weil die Bonusangebote schlechter wurden als die Zinsen generell gestiegen sind. Als die ING und DKB schon 3,5% Standardzins boten, waren manche Bonusaktionen nur noch 4% für 3 Monate – der Delta schrumpft deutlich. Das Modell lohnt am meisten wenn die Bonuszinsen weit über dem Marktdurchschnitt liegen. Das war 2022/2023 der Fall. Aktuell muss man genauer hinschauen.
FreiheitsfondsFrederike
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von FreiheitsfondsFrederike »

Ich finde die Diskussion super, aber ein praktischer Punkt fehlt noch: Einige Banken haben mittlerweile die Neukunden-Definition verschärft. Bei der Openbank z.B. gilt als Neukunde nur wer noch NIE ein Konto dort hatte – nicht nur die letzten 12 Monate. Das limitiert das Hopping-Universum auf Dauer. Außerdem: Wer das systematisch betreibt sollte wissen, dass manche Banken inzwischen in den AGB stehen haben, dass Bonuskonditionen nur für "reguläre" Neukunden gelten und sie sich vorbehalten, den Bonus zu verweigern wenn Hinweise auf systematisches Hopping vorliegen. Hab das bisher noch nicht erlebt, aber es steht da drin. ?
Zinsjäger_Joachim
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von Zinsjäger_Joachim »

@FreiheitsfondsFrederike – der Punkt mit der lebenslangen Neukunden-Definition ist korrekt für die Openbank, das sollte man wissen. Praktisch bedeutet das, wer sie einmal "verbraucht" hat, ist raus. Deshalb empfehle ich, solche Angebote strategisch einzusetzen, also nicht als ersten Schritt sondern eher nach hinten zu schieben. Mein aktuelles Ranking nach Aufwand-Nutzen-Verhältnis für 2024/2025: 1. Consorsbank – unkompliziertes VideoIdent, faire Bonuslaufzeit 2. Tagesgeld der Santander – etwas umständlicheres Onboarding aber guter Zins 3. Openbank – sehr gut, aber einmal verbraucht ist verbraucht @TeilzeitTanja_Freiburg – dein Punkt ist völlig legitim. Das hier ist kein System für jeden. Wer weiß, dass er es nicht durchzieht, verliert tatsächlich durch den vergessenen Wechsel mehr als er durch den Bonus gewinnt.
NullzinsNervensäge
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Re: Neukunden-Bonus Tagesgeld: lohnt sich der ständige Bankwechsel wirklich?

Beitrag von NullzinsNervensäge »

So, nach all diesen Antworten habe ich jetzt ein deutlich klareres Bild. Mein persönliches Fazit: Das Tagesgeld-Hopping funktioniert – aber es ist kein Automatismus und kein passives Einkommen. Es erfordert Disziplin, eine gewisse Grundordnung und regelmäßige Aufmerksamkeit. Wer das mitbringt, kann bei Beträgen wie meinen 40.000 Euro durchaus 300–500 Euro im Jahr herausholen. Das entspricht einem anständigen Abendessen pro Monat, nicht mehr und nicht weniger. Was mich überzeugt hat: der Hinweis von @ETF_Elsbeth und @Steuerflüsterin_Stefanie zur steuerlichen Sorgfalt – das werde ich auf jeden Fall beachten. Und @VersicherungsVerdrossenVeit hat recht: Der Delta zwischen Bonus und Standardzins ist das entscheidende, nicht der Bonuszins in absoluten Zahlen. Ich werde es moderat versuchen – maximal 2 Wechsel pro Jahr, nur wenn die Differenz klar über 1 Prozentpunkt liegt. Wer mehr will, soll das gerne machen, aber mit 63 Jahren habe ich keine Lust mehr auf unnötige Komplexität.
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