Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

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Geldschrauber_Tobi
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Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von Geldschrauber_Tobi »

Moin Leute ? Ich frag mich grad wieder mal wie ihr das so handhabt mit eurer Depotaufteilung. Ich bin jetzt seit knapp 3 Jahren dabei und hab angefangen mit nem MSCI World ETF über die DKB, alles schön brav. Dann hat mich irgendwann der Spieltrieb gepackt und ich hab angefangen Einzelaktien reinzumischen — BASF, ein bisschen Siemens, dann noch Nvidia weil alle drüber geredet haben ? Aktuell siehts bei mir so aus: ungefähr 70% ETFs (MSCI World + ein kleiner EM-Anteil) und 30% Einzelwerte. Ob das schlau ist weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Die Einzelaktien machen mir mehr Spaß aber gleichzeitig checke ich Bilanzen eigentlich kaum. Mich interessiert: - Wie ist eure Aufteilung konkret in Prozent? - Warum habt ihr euch so entschieden? - Hat sich das über die Jahre verändert? - Bereut ihr irgendwas davon? Bin gespannt was ihr so macht. Bei der Arbeit reden die Kollegen höchstens über Fußball, da ist hier mehr zu holen ?
ETF-Henning
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von ETF-Henning »

Klassische Frage, die hier alle paar Monate aufkommt — aber immer wieder interessant weil die Antworten so unterschiedlich sind. Bei mir: 95% ETFs, 5% Einzelaktien. Und das ist kein Versehen, das ist Überzeugung. Ich hab 2019 angefangen mit ~60% Einzelwerten (Microsoft, SAP, ein paar kleinere deutsche Werte). Dann hab ich angefangen ernsthaft die Literatur zu lesen — Kommer, Bernstein, ein bisschen Bogle — und hab kapiert dass ich mir selbst gegenüber ehrlich sein muss: Ich kann den Markt nicht schlagen. Nicht systematisch, nicht langfristig. Die 5% Einzelaktien die ich noch hab sind quasi mein ‚Spielgeld'. Zwei Positionen, beide im Plus, ich verkauf sie irgendwann wenn der Steuervorteil passt. Dein Setup mit 70/30 ist eigentlich gar nicht wild — solange du dir bewusst bist, dass die 30% Einzelaktien ein aktives Wette sind. Manche machen das super gerne und das ist auch okay. Nur: Vergleich die Performance ehrlich mit deinem ETF-Anteil nach ein paar Jahren. Die meisten sind dann ernüchtert ?
DepotDaddy_Dortmund
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von DepotDaddy_Dortmund »

Ich mach das seit 12 Jahren und meine Aufteilung ist ungefähr 60% ETF, 40% Einzelaktien. Aber — und das ist wichtig — die 40% sind nicht irgendwelche Zockerwetten sondern ein konzentriertes Portfolio aus 8-10 Unternehmen die ich wirklich kenne und verstehe. Ich bin Maschinenbauer, also schau ich mir v.a. Industriewerte an. Linde, Kion, Knorr-Bremse. Das sind Firmen wo ich ungefähr einschätzen kann was die machen und ob das Geschäftsmodell Sinn ergibt. Hat sich was verändert? Ja. Früher war ich bei 20% ETF und 80% Einzelaktien. Hab 2020 ordentlich eins auf die Mütze gekriegt mit ein paar Zyklikern, danach hab ich rebalanciert. Der ETF-Anteil gibt mir jetzt quasi einen ruhigen Schlaf-Puffer ? BASF würd ich persönlich übrigens grad nicht anfassen. Die kämpfen mit echten strukturellen Problemen, nicht nur Konjunktur. Aber das ist meine Meinung, keine Beratung etc pp.
Kapitalanleger_Kurt
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von Kapitalanleger_Kurt »

Ich investiere seit 1987 und habe die Strategie mehrfach grundlegend überarbeitet. In meiner aktiven Berufszeit habe ich vorwiegend Einzelaktien gehalten — damals gab es kaum kostengünstige Indexfonds für Privatanleger. Die Performance war durchwachsen. Einige Entscheidungen waren gut, andere kosteten mich erheblich. Heute, im Ruhestand, halte ich 80% in ETFs (Vanguard FTSE All-World, thesaurierend) und 20% in Dividendenaktien — konkret Unilever, Münchener Rück und einige weitere. Die Dividenden ergänzen meine Rente auf angenehme Weise. Mein Rat an jüngere Anleger: Wer die Zeit und Disziplin nicht aufbringt, Jahresabschlüsse ernsthaft zu lesen und zu verstehen, sollte Einzelaktien meiden. Der Markt besteht aus professionellen Akteuren mit erheblich besseren Informationen. Das ist keine Demotivation, sondern Realismus.
SparschweinSprenger_Susi
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von SparschweinSprenger_Susi »

omg ich hab 100% ETF und bin stolz drauf ?? ich bin Azubi, ich hab keine Zeit Bilanzen zu lesen und ehrlich gesagt auch kein bock. MSCI World läuft einfach, ich spar 50€ im Monat rein und vergess das Depot dann wieder für 3 Monate Einzelaktien kauf ich wenn ich reich bin lol
Kassenbon_Kerstin
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von Kassenbon_Kerstin »

Als Buchhalterin schaue ich das naturgemäß etwas strukturierter an. Meine aktuelle Aufteilung: 75% ETFs (MSCI World 50%, MSCI Europe 15%, EM 10%) und 25% Einzelaktien. Die Einzelwerte sind ausschließlich Unternehmen, deren Geschäftsberichte ich tatsächlich gelesen habe — das sind dann auch nur 6 Positionen. Was ich für sinnvoll halte: Die ETF-Quote sollte das Fundament sein, das man nicht anfasst. Einzelaktien können ergänzen, aber sie erfordern echten Aufwand. Wer das nicht leisten möchte oder kann, fährt mit 100% ETF langfristig in der Regel besser. Ein konkreter Hinweis: Bei Trade Republic und der DKB lässt sich das gut trennen — ich habe den ETF-Sparplan bei der DKB und kaufe Einzelwerte manuell über Comdirect. Das hilft mir, die Töpfe mental zu trennen.
GeldTagebuch_Greta
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von GeldTagebuch_Greta »

ich finds super interessant dass hier fast alle sagen ‚ich hab angefangen mit mehr Einzelaktien und bin dann zu mehr ETFs gewechselt' — das ist ja fast schon ein Muster ? Bei mir: 85% ETF, 15% Einzelaktien. Ich studier Psychologie und hab viel über Behavioral Finance gelesen, also bin ich eh misstrauisch gegenüber meinen eigenen Urteilen ? Overconfidence Bias und so. Die 15% Einzelaktien sind bei mir eher emotional begründet — ich halt Aktien von Firmen die ich persönlich mag und deren Produkte ich nutze. Macht das finanziell Sinn? Wahrscheinlich nicht immer. Aber es macht das Investieren für mich greifbarer und ich bleib dabei statt alles wieder rauszuschmeißen wenn mal was runtergeht ?
RatenkreuzRüdiger
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von RatenkreuzRüdiger »

also ich bin ja auch KFZ-Mechaniker wie du Tobi, und ich sag dir ehrlich: ich hab mal 50% in Einzelaktien gehabt. Wirecard war auch dabei. Ja. Ich weiß. Heute: 90% ETF, 10% Einzelaktien. Und die 10% sind eigentlich nur noch weil ich zu faul bin die letzten positionen zu verkaufen ? irgendwann mach ich das auch noch. Man lernt halt aus Fehlern. Manchmal teuerer als man möchte.
PKV_Probleme_Peter
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von PKV_Probleme_Peter »

Interessanter Thread. Meine Aufteilung ist momentan 55% ETFs und 45% Einzelaktien, wobei ich zugeben muss dass ich den Einzelaktien-Anteil eigentlich reduzieren wollte — aber irgendwie kommt immer was dazwischen. Das Problem das ich beobachte: Wenn eine Einzelaktie gut läuft, will man mehr davon kaufen. Wenn sie schlecht läuft, will man nicht mit Verlust verkaufen. So baut sich der Anteil fast automatisch aus, ohne dass man das aktiv entschieden hat. Ich versuche jetzt konsequent: Neue Sparraten gehen nur in ETFs. Einzelaktien werden nicht aufgestockt. Mal schauen ob ich die Disziplin halte.
GiroGuru_Gino
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Re: Einzelaktien vs. ETFs: Wie teilt ihr euer Depot auf — und hat sich eure Strategie geändert?

Beitrag von GiroGuru_Gino »

Als Bankkaufmann sag ich mal was Ketzerisches: Einzelaktien haben absolut ihren Platz, auch wenn die ETF-Fraktion das hier gerne anders darstellt ? Ich hab 50/50. Aber ich bin auch in einer Position wo ich täglich mit Märkten zu tun hab und das als echtes Hobby betreibe, nicht nur als Pflichtübung. Was ich kritisch sehe: Der pauschale Ratschlag ‚kauf einfach ETFs' ist für manche Menschen tatsächlich der richtige Weg — aber er macht die Leute auch passiv und lernfaul. Wer sich nie mit einzelnen Unternehmen beschäftigt, versteht nie wirklich was er da eigentlich kauft. Auch im ETF stecken ja Unternehmen drin. Nur meine Meinung, kein Widerspruch zu Hennings Ansatz — der ist für die meisten Menschen wahrscheinlich der richtigere ?
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