Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Inflation, Zinsen, EZB, Geldpolitik, Konjunktur, Steuern allgemein
ZinsjaegerPro
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Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von ZinsjaegerPro »

Ich lese seit einigen Wochen immer wieder Warnungen von Ökonomen vor einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale in Deutschland. Die Gewerkschaften haben zuletzt kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt — ver.di im öffentlichen Dienst, IG Metall mit über 5 Prozent — und gleichzeitig bleiben die Verbraucherpreise auf erhöhtem Niveau. Mich beschäftigt das als Bankangestellter natürlich beruflich, aber auch privat. Daher meine Fragen an die Runde: - Wie entsteht eine Lohn-Preis-Spirale überhaupt mechanisch? - Sind die aktuellen Lohnabschlüsse in Deutschland wirklich ein Auslöser oder ist das mediale Übertreibung? - Was kann die EZB konkret dagegen tun — und zu welchem Preis? - Müssen wir als Sparer oder Kreditnehmer jetzt handeln? Ich bitte um sachliche Einschätzungen. Gerne auch kritische Gegenpositionen. Journalistische Schlagzeilen allein reichen mir nicht — ich will verstehen, was da wirklich dahintersteckt.
VergleichsViggo
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von VergleichsViggo »

Gute Frage, ZinsjaegerPro. Ich versuche mal den Mechanismus sauber aufzudröseln: Eine Lohn-Preis-Spirale funktioniert so: Hohe Inflation frisst Reallöhne auf → Gewerkschaften fordern höhere Nominallöhne → Unternehmen wälzen gestiegene Lohnkosten auf Produktpreise um → Preise steigen weiter → Gewerkschaften fordern erneut mehr Lohn. Und so weiter. Das Entscheidende dabei ist die Frage, ob sich Inflationserwartungen entankern. Solange Arbeitnehmer und Unternehmen glauben, dass die Inflation wieder auf 2 Prozent fällt, brechen sie den Kreislauf selbst. Gefährlich wird es, wenn alle dauerhaft mit 4-5 Prozent rechnen und entsprechend handeln. Nach aktuellen ifo- und Bundesbank-Daten sind die Inflationserwartungen in Deutschland noch einigermaßen verankert. Das ist der wesentliche Unterschied zu den 1970ern, als die Spirale wirklich eskalierte.
VollkaskoVermeiderin_Ver
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von VollkaskoVermeiderin_Ver »

Als Lehrerin kriege ich das ja quasi von zwei Seiten mit. Einerseits haben wir im öffentlichen Dienst auch Lohnerhöhungen bekommen — nicht ganz so üppig wie die IG Metall, aber immerhin. Andererseits merke ich im Supermarkt, dass das Geld trotzdem nicht wirklich weiter reicht. Ich frage mich: Wenn Lohnerhöhungen gerade mal die Inflation der letzten zwei Jahre ausgleichen, ist das dann überhaupt eine Spirale? Oder nur ein längst überfälliger Ausgleich? Die Reallöhne in Deutschland sind doch 2022 und 2023 massiv gefallen. Ich bin da skeptisch, ob man das wirklich als Spiralrisiko bezeichnen kann oder ob das einfach eine Normalisierung ist.
RenditeRalf_NRW
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von RenditeRalf_NRW »

VollkaskoVermeiderin_Vera trifft einen wichtigen Punkt, den Ökonomen gerne unter den Tisch fallen lassen: Der Unterschied zwischen Reallohnausgleich und einer echten Lohn-Preis-Spirale ist analytisch entscheidend. Eine Spirale entsteht erst dann, wenn Löhne über den Produktivitätszuwachs hinaus steigen und Unternehmen keine andere Wahl sehen als die Kosten weiterzugeben. In Deutschland liegt das Produktivitätswachstum derzeit nahe null — da ist schon ein Abschluss von 4 Prozent inflationstreibend, wenn die Margen der Unternehmen das nicht abfedern. Meine Einschätzung als Steuerberater: Branchen mit geringer Preissetzungsmacht — Handwerk, Gastronomie, Pflege — werden die Lohnkosten direkt weitergeben. Im internationalen Wettbewerb ausgesetzte Industrien dagegen können das nicht so einfach. Das Bild ist also sehr heterogen.
NordseeNellie_spart
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von NordseeNellie_spart »

Okay ich checks ehrlich gesagt nicht ganz ? also ich verdiene als Erzieherin nicht üppig, hab letztes Jahr 3,8% mehr bekommen und das Kita-Essen für die Kinder wurde direkt um 15% teurer. Wo ist da mein Vorteil bitte?? ? Ich glaub die Spirale läuft schon, die Frage ist nur für wen. Für mich jedenfalls dreht sie sich in die falsche Richtung lol
DispoZinsHasser_Dierk
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von DispoZinsHasser_Dierk »

ey lohn-preis-spirale klingt für mich nach nem fancy wort für „alles wird teurer aber dein lohn bleibt scheiße" ? hab letztes jahr 4,1% mehr verhandelt und der strom is um 22% hoch. super spirale. danke EZB ?? ersnthaft mal: wann haben die zuletzt irgendwas richtig gemacht? zinsen viel zu spät rauf, jetzt vielleicht zu früh runter. die pennen doch
ZinsZählerZeno
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von ZinsZählerZeno »

DispoZinsHasser_Dierk, ich verstehe den Frust, aber die EZB-Kritik ist in dieser Pauschalität nicht fair. Die Notenbank hat den Leitzins von 0 Prozent auf 4,5 Prozent in historisch kurzer Zeit angehoben — das ist geldpolitisch eine sehr aggressive Reaktion gewesen. Das eigentliche Problem: Geldpolitik wirkt mit 12-18 Monaten Verzögerung. Den Fehler hat die EZB 2021 gemacht, als sie die Inflation noch als ‚transitorisch' eingestuft hat. Das war rückblickend falsch. Aber seit 2022 hat sie reagiert. Zur Spirale: Die aktuellen Lohnabschlüsse liegen im Durchschnitt bei etwa 4,5 bis 5,5 Prozent für 2024. Bei einer Kerninflation von noch rund 3 Prozent ist das real moderat positiv — kein klassisches Spiralmuster bisher.
FinanzNerd_Thaddäus
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von FinanzNerd_Thaddäus »

Ich ergänze mal die technische Seite. Was viele vergessen: Eine Lohn-Preis-Spirale braucht zwei Voraussetzungen gleichzeitig: - Lohnsetzer mit Marktmacht — also starke Gewerkschaften, die Abschlüsse über Produktivität durchsetzen können - Preissetzer mit Marktmacht — also Unternehmen, die Preiserhöhungen am Markt durchsetzen können, ohne Kunden zu verlieren In Deutschland haben wir Punkt 1 in einigen Sektoren durchaus. Punkt 2 ist aber durch die Konjunkturschwäche 2024/2025 erheblich eingeschränkt. Wer kauft das teurere Produkt, wenn die Konsumlaune im Keller ist? Ich sehe das Risiko als moderat, nicht als akut. Die gefährlichere Dynamik kommt meiner Meinung nach aus den Dienstleistungspreisen — da ist die Inflation noch hartnäckiger als bei Gütern.
BonusMeilen_Boris
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von BonusMeilen_Boris »

FinanzNerd_Thaddäus, guter Punkt mit den Dienstleistungen. Das sehe ich in meiner Beratungspraxis auch deutlich. ? Wir haben intern alle Honorare um 8-12% angehoben, und die Kunden zahlen es — bisher jedenfalls. Friseur, Zahnarzt, Handwerker: alles signifikant teurer als 2021. Güterpreise normalisieren sich, Dienstleistungspreise bleiben oben. Genau das ist das Muster einer sich festsetzenden Inflation — nicht Hyperinflation, aber auch keine Entwarnung.
VorruhestandsVogt
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Re: Lohn-Preis-Spirale 2025 in Deutschland — echte Gefahr oder Panikmache der Ökonomen?

Beitrag von VorruhestandsVogt »

Ich bin jetzt 62 und habe die Phase 1978-1982 als junger Ingenieur noch bewusst miterlebt. Was damals passierte, war von anderem Kaliber als das, was wir heute diskutieren. Damals lagen Lohnabschlüsse bei 8-10 Prozent, Leitzinsen in Deutschland wurden auf über 12 Prozent getrieben, und die Rezession war spürbar brutal. Was mich heute mehr beunruhigt als eine klassische Spirale: die strukturelle Inflation durch die Energiewende, demografischen Wandel und Deglobalisierung. Das sind keine zyklischen Effekte, die die EZB wegzinsen kann. Das ist dauerhafter Kostendruck. Mein Rat für Sparer: Reale Assets nicht vernachlässigen. Ich selbst halte einen Teil meines Portfolios in Inflation-linked Bundesanleihen und Aktien produktivitätsstarker Unternehmen.
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