Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

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Dividenden_Dieter
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Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von Dividenden_Dieter »

Guten Tag zusammen, ich bin eigentlich ein klassischer Dividenden- und ETF-Anleger, aber 2024 habe ich mich von meinem Sohn überreden lassen, erstmals kleinere Beträge in Bitcoin und Ethereum zu investieren. Nun habe ich im Laufe des Jahres einige Positionen wieder verkauft und dabei Gewinne erzielt — insgesamt ca. 3.800 Euro über mehrere Transaktionen verteilt, teils auf Bitpanda, teils auf Kraken. Jetzt stehe ich vor der Steuererklärung 2025 (für das Jahr 2024) und frage mich, wie ich das korrekt angebe. Konkret beschäftigen mich folgende Punkte: - In welches Formular gehören Krypto-Gewinne genau? Anlage SO (sonstige Einkünfte) oder irgendwo anders? - Gilt die Ein-Jahres-Haltefrist wirklich absolut, also sind alle Coins, die ich länger als 12 Monate gehalten habe, tatsächlich steuerfrei? - Kann ich Tools wie Cointracking.info oder Koinly als Nachweis beim Finanzamt einreichen — oder basteln die sich da lieber selbst was zusammen? - Was ist mit der Freigrenze von 600 Euro? Ich habe gelesen, dass die ab 2024 auf 1.000 Euro angehoben wurde — stimmt das? Ich bin Ingenieur, kein Steuerexperte, und möchte das ordentlich und korrekt machen. Über konkrete Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen, Dividenden_Dieter
RürupRudolf
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von RürupRudolf »

Guten Tag, Dividenden_Dieter, als Steuerberater kann ich Ihnen hier einige belastbare Informationen geben. Formular: Krypto-Gewinne aus privatem Veräußerungsgeschäft gehören in die Anlage SO, Zeile 42 ff. (§ 23 EStG). Nicht in die Anlage KAP — das ist ein häufiger Fehler. Haltefrist: Ja, die Einjahresfrist gilt grundsätzlich. Coins, die Sie länger als 12 Monate gehalten haben, sind steuerfrei zu veräußern — vorausgesetzt, Sie können das nachweisen. FIFO (First In, First Out) ist die vom BMF bevorzugte Methode zur Ermittlung der Haltedauer, sofern keine andere Methode konsequent dokumentiert wurde. Freigrenze: Sie haben recht — durch das Jahressteuergesetz 2024 wurde die Freigrenze für private Veräußerungsgeschäfte von 600 Euro auf 1.000 Euro angehoben. Das gilt für Gewinne aus dem Jahr 2024. Achtung: Es handelt sich um eine Freigrenze, nicht um einen Freibetrag. Bei 1.001 Euro Gewinn ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Cointracking / Koinly: Diese Tools sind nicht offiziell vom Finanzamt „anerkannt" im Sinne einer Zertifizierung. Sie können jedoch die daraus exportierten Berichte als Belege beifügen. Entscheidend ist, dass die Berechnungen nachvollziehbar und die Rohdaten (Transaktionshistorie der Exchanges) vollständig vorhanden sind. Ich empfehle, zusätzlich die CSV-Exporte von Bitpanda und Kraken aufzubewahren. Bei 3.800 Euro Gewinn ist eine professionelle Begleitung meiner Einschätzung nach sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich, wenn die Transaktionslage überschaubar ist.
Zinseszins_Zelda
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von Zinseszins_Zelda »

Ergänzend zu RürupRudolf noch ein konkreter Hinweis zur FIFO-Methode: FIFO bedeutet, dass die zuerst gekauften Coins als zuerst verkauft gelten. Das klingt simpel, wird aber bei mehreren Käufen auf mehreren Plattformen schnell unübersichtlich. Cointracking.info beherrscht FIFO, LIFO und mehrere andere Methoden — aber die gewählte Methode muss für alle Coins eines Typs konsistent angewendet werden. Ich habe das letztes Jahr selbst durchgerechnet und die Ergebnisse von Cointracking mit einer eigenen Excel-Tabelle verglichen. Die Abweichung war unter 5 Euro — das Tool ist rechnerisch zuverlässig, sofern man alle Transaktionen korrekt importiert hat. Was viele vergessen: Auch der Transfer zwischen eigenen Wallets muss korrekt erfasst sein, sonst stimmen die Haltedauern nicht mehr.
AktienAntonia_HH
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von AktienAntonia_HH »

Hey Dieter! ? Willkommen im Krypto-Steuer-Chaos-Club, wir haben Kekse. Also ich nutze Koinly seit zwei Jahren und bin sehr zufrieden damit. Der Export als „Tax Report Germany" ist eigentlich ziemlich sauber aufgebaut. Ich hab den einfach ausgedruckt und als Anhang zur Steuererklärung mitgeschickt — kein Widerspruch vom Finanzamt (München-Schwabing, falls das relevant ist ?). Aber: Koinly kostet für mehr als 25 Transaktionen im Jahr Geld. Ich glaub das günstigste Paket liegt so bei 49 Euro oder so. Cointracking hat afaik auch eine kostenlose Version mit Limit. Für jemanden der nur zwei Exchanges hat und nicht hunderte Trades gemacht hat, reicht das aber meistens. Der wichtigste Tipp den ich hab: Alle API-Importe und CSV-Exporte von Bitpanda und Kraken für mindestens 10 Jahre aufbewahren. Das Finanzamt kann rückwirkend prüfen und dann braucht man die Rohdaten.
Zinsoptimist77
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von Zinsoptimist77 »

Die Freigrenze von 1.000 Euro — das ist wirklich eine der wenigen guten Neuigkeiten aus dem Steuerrecht der letzten Jahre. Kleiner Trost für alle, die 2023 noch mit 600 Euro gerechnet haben. @Dividenden_Dieter: Bei 3.800 Euro Gewinn sind Sie aber klar drüber. Da hilft die Freigrenze leider gar nichts, weil — wie RürupRudolf korrekt angemerkt hat — bei Überschreitung der komplette Betrag versteuert wird. Das ist tatsächlich ein unschönes Konstrukt.
FamilienFinanzFranka
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von FamilienFinanzFranka »

Ich hab das letztes Jahr zum ersten Mal auch durchgemacht und war ehrlich gesagt etwas genervt ? aber es war machbarer als gedacht. Was mir wirklich geholfen hat: ELSTER bietet in der Anlage SO eine Freitexteingabe, wo man die Berechnungsgrundlage erläutern kann. Ich hab da einfach reingeschrieben, dass ich FIFO angewendet habe, Cointracking genutzt wurde und die Rohdaten von den Exchanges vorliegen. Das Finanzamt (bei mir in NRW) hat das kommentarlos akzeptiert. Einen Steuerberater hab ich mir gespart weil meine Transaktionen überschaubar waren — vielleicht 30 Trades insgesamt. Wer hunderte Trades hat, sollte das nochmal überdenken. Ach so: Staking-Erträge sind übrigens nochmal ein separates Thema! Die kommen nicht in die Anlage SO sondern je nach Sachverhalt woanders hin. Habt ihr Staking gemacht @Dividenden_Dieter?
Dividenden_Dieter
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von Dividenden_Dieter »

Vielen Dank schon mal für die schnellen und hilfreichen Antworten! @FamilienFinanzFranka: Nein, kein Staking — ich habe nur gekauft und wieder verkauft. Das vereinfacht die Sache hoffentlich. @RürupRudolf: Die Anlage SO hatte ich schon vermutet, aber gut zu wissen, dass das bestätigt ist. Den Hinweis mit FIFO nehme ich mit. Eine Nachfrage noch: Muss ich den Cointracking-Bericht aktiv beifügen, oder reiche ich erst mal nur die Zahlen in ELSTER ein und lege den Bericht nur auf Nachfrage vor?
WohngeldWatcher_Werner
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von WohngeldWatcher_Werner »

Zur Nachfrage von Dividenden_Dieter: Grundsätzlich gilt im deutschen Steuerrecht, dass Belege nicht automatisch eingereicht werden müssen — sie sind aber auf Anforderung des Finanzamts vorzulegen. Bei Krypto-Sachverhalten empfehle ich jedoch, den Bericht proaktiv beizufügen, da viele Finanzämter noch wenig Erfahrung mit der Materie haben und die Bearbeitung sonst länger dauert oder Rückfragen kommen. Ich habe bei unserem Amt beobachtet, dass Krypto-Fälle häufiger in eine vertiefte Prüfung gehen als klassische Dividendeneinkünfte — nicht weil man Böses unterstellt, sondern weil die Sachbearbeiter oft unsicher sind. Vollständige Dokumentation beschleunigt das.
Zinsoptimist77
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von Zinsoptimist77 »

Ich nutze Cointracking seit 2021 und kann sagen: Das Tool ist gut, aber der Import ist manchmal frickelig. Kraken funktioniert per API sehr zuverlässig. Bitpanda hatte ich früher Probleme mit dem CSV-Format nach einem Plattform-Update — da musste ich manuell nacharbeiten. Mein Workflow: API-Import → alle Transaktionen manuell stichprobenartig gegen die Exchange-Historie prüfen → Report generieren → als PDF speichern. Das dauert vielleicht 2-3 Stunden, ist aber einmalig pro Jahr. Was ich noch hinzufügen würde: Cointracking hat auch eine Funktion zur Steueroptimierung, die zeigt, welche Verkäufe steuerlich günstig wären. Das ist für die Planung nützlich, aber für die Vergangenheit natürlich irrelevant.
InflationsAngstInga
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Re: Krypto-Gewinne 2024 in der Steuererklärung angeben — reicht Cointracking oder Koinly als Nachweis?

Beitrag von InflationsAngstInga »

also ich hab das auch letztes Jahr gemacht und muss ehrlich sagen, ich hab am ende einen Steuerberater gefragt. War günstiger als ich dachte, so 150 Euro Aufpreis auf die normale Erklärung. Für jemanden der das zum ersten mal macht und unsicher ist kann das Nerven sparen. Was mich ein bissl verwirrt hat: bei mir hat Cointracking andere Gewinne ausgewiesen als ich selber ausgerechnet hatte. Lag daran das ich einen Coin mal von einer Wallet auf eine andere transferiert hatte und das als Verkauf/Kauf gewertet wurde. Aufpassen also!
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