Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Haushaltsbuch, Notgroschen, FIRE, Geld lernen
Geldschrauber_Tobi
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Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von Geldschrauber_Tobi »

Hey Leute, ich bin 34, KFZ-Mechatroniker in Stuttgart, Alleinverdiener mit 2.500€ netto. Meine Frau ist gerade in Elternzeit mit unserem Kleinen (1 Jahr), das ältere Kind ist 4. Wir wohnen zur Miete, zahlen 980€ warm inkl. Nebenkosten. Ich hab letzte Woche zum ersten Mal wirklich was über FIRE gelesen und dachte erst: krass, coole Idee. Und dann: warte mal, ich bin Alleinverdiener mit zwei Kindern, 2.500€ netto und spare aktuell gute 300€ im Monat. Bin ich hier falsch? ? Zur Bestandsaufnahme: ETF-Sparplan läuft seit 2 Jahren mit 150€/Monat auf einen MSCI World. Notgroschen ca. 4.000€. Kein Eigenheim, kein Kredit. Schulden null. Die 300€ Sparrate klingt nach nix, aber wir kommen damit gerade noch so hin ohne komplett auf alles zu verzichten. Was mich interessiert: - Ist FIRE mit unserer Ausgangslage überhaupt ein sinnvolles Ziel oder soll ich einfach nur schauen dass ich normal in Rente gehe? - Welche Stellschrauben wären für uns als Familie mit kleinen Kindern besonders relevant? - Lohnt sich da überhaupt groß Strategie wenn meine Frau vielleicht in 2-3 Jahren wieder arbeiten geht? Ich erwarte keinen Zaubertrick, ich will nur wissen ob ich in die richtige Richtung denke oder ob ich das Konzept direkt in die Tonne kloppen soll. ?
ETF-Henning
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von ETF-Henning »

Kurze Antwort: Nein, nicht in die Tonne. Lange Antwort: FIRE ist kein binäres Ding — entweder mit 40 raus oder gar nicht. Was du beschreibst ist eher Coast FIRE: du sparst jetzt so viel, dass das Depot irgendwann von alleine auf dein Ziel zuwächst, ohne dass du weiter einzahlen musst. Mit 34 und bereits laufendem Sparplan bist du da gar nicht so weit weg davon, wie du denkst. Rechenbeispiel: Wenn du heute 10.000€ im Depot hättest (150€/Monat seit 2 Jahren, Marktrendite — sagen wir du bist bei ~8–9k) und das 25 Jahre bei 7% p.a. wachsen lässt, landet das bei ~55.000€. Das ist natürlich kein FIRE, aber zeigt: Zeit ist dein größter Hebel. Der echte Gamechanger für euch: wenn deine Frau wieder arbeitet. Selbst 800€ netto zusätzlich und ihr könnt die Sparrate verdoppeln. Das ist die Stellschraube Nummer 1 für euch gerade.
PassivEinkommen_Pit
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von PassivEinkommen_Pit »

@ETF-Henning hat das gut erklärt mit Coast FIRE. Ich ergänze mal aus Elternsicht (hab selbst zwei Kinder, 7 und 10): Die Phase mit Kleinkindern und Alleinverdiener ist die härteste. Das geht vorbei. Plane nicht für heute, plane für in 3 Jahren wenn eure Situation sich ändert. Was ich dir konkret empfehle: Mach jetzt schon ein Haushaltsbuch, auch wenn's weh tut. Nicht um zu sparen, sondern um zu wissen wo das Geld hingeht. Bei uns waren es damals die ganzen kleinen Ausgaben — Kita-Ausflüge, Spielzeug, spontane Einkäufe. Das summiert sich auf 200-300€/Monat die man gar nicht auf dem Schirm hat. 150€/Monat in den MSCI World ist übrigens kein schlechter Start. Einfach so weitermachen und die Sparrate erhöhen sobald es geht.
ChillFaktor_Christoph
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von ChillFaktor_Christoph »

bro ich verdien als Sozialpädagoge auch nicht die welt und hab trotzdem angefangen ? du hast null schulden, einen laufenden sparplan und einen notgroschen — das ist ehrlich gesagt schon mehr als die hälfte meiner kollegen mit 34 klar ist FIRE mit 2.500€ kein "mit 45 am strand"-szenario aber vielleicht "mit 58 ohne stress arbeitne" und das ist doch auch was oder? ? stell die frage mal andersrum: was passiert wenn du NICHTS änderst? dann hast du halt gesetzliche rente + irgendwas kleines vom depot. mit strategie wirds halt mehr. klingt banal aber das ist eigentlich die ganze story lol
Festgeld_Franziska
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von Festgeld_Franziska »

Ich möchte einen Aspekt einbringen, der hier noch fehlt: Absicherung vor Optimierung. Haben Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Als Alleinverdiener mit zwei Kleinkindern und Alleinverdienerhaushalt ist das keine optionale Überlegung. Wenn Sie als KFZ-Mechatroniker berufsunfähig werden, kollabiert das gesamte Konstrukt sofort. Eine BU kostet in Ihrem Alter vielleicht 80–120€/Monat, ist aber die Grundlage für alles andere. Erst absichern, dann optimieren. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.
Geldschrauber_Tobi
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von Geldschrauber_Tobi »

@Festgeld_Franziska guter Punkt, ich hab tatsächlich keine BU. Das war bisher immer so ein "muss ich mal angehen"-Thema. Weißt du was sowas für einen Mechatroniker so kostet? Ich hab Angst dass das gleich wieder 150€/Monat frisst die ich in den ETF stecken wollte ?
VersicherungsVormund_Vol
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von VersicherungsVormund_Vol »

Ich beantworte das mal direkt, da ich täglich mit solchen Fällen zu tun habe. Als KFZ-Mechatroniker sind Sie in Berufsgruppe 3 oder 4 (je nach Anbieter), das ist handwerklich-körperlich und damit teurer als z.B. ein Büroangestellter. Für 34 Jahre, 2.500€ Nettoeinkommen, BU-Rente von 1.500€/Monat bis 67 — rechnen Sie grob mit 120–170€ Bruttobeitrag je nach Anbieter und Gesundheitshistorie. Gute Anbieter für Ihren Beruf aktuell: Alte Leipziger, Nürnberger, Swiss Life. Die Bewertungskriterien für handwerkliche Berufe unterscheiden sich erheblich — lassen Sie das von einem unabhängigen Makler vergleichen, nicht direkt beim Vertreter abschließen. Und ja: die BU geht vor dem ETF. Immer.
FamilienFinanzFranka
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von FamilienFinanzFranka »

Ich bin in einer ähnlichen Konstellation (zwei Kinder, Teilzeit, Karlsruhe) und kann ein paar konkrete Dinge beisteuern: Kindergeld: 250€/Kind/Monat — das landet hoffentlich nicht komplett im Konsum. Bei uns gehen 100€ davon direkt in Junior-Depots (je ein ETF-Sparplan pro Kind). Klingt vielleicht komisch wenn man selbst knapp bei Kasse ist, aber das sind Beträge die man kaum merkt und in 15 Jahren sind das keine Peanuts mehr. Steuerklasse prüfen: Als Alleinverdiener mit Kindern habt ihr vermutlich 3/5 oder ihr seid noch in der alten Kombi. Macht mal eine Steuerberechnung — je nach Setup können ein paar hundert Euro Unterschied im Jahr rauskommen. Das klingt nach wenig, ist aber zusätzliche Sparrate. Frau wieder in Arbeit: Genau wie Henning sagt — das ist der eigentliche Turbo. Selbst 600€ netto Teilzeit verändern die Gleichung komplett. Plant das konkret, nicht als "irgendwann mal".
Riestern_oder_nicht
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von Riestern_oder_nicht »

Was ich mich bei solchen Threads immer frage: habt ihr eigentlich schon die staatlichen Förderungen voll ausgeschöpft? Mit zwei Kindern und Alleinverdiener können Riester-Zulagen sich durchaus lohnen — Grundzulage 175€ + 300€ pro Kind (bei nach 2008 geborenen Kindern). Das sind 775€ pro Jahr die der Staat einfach dazugibt, wenn man den Mindesteigenbeitrag aufbringt. Ich weiß, Riester hat einen schlechten Ruf, aber für Familien mit Kindern ist die Zulagenförderung rechnerisch oft interessanter als man denkt. Muss man halt mal durchrechnen.
SteuerSparSebastian
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Re: Mit 34 und zwei Kindern Richtung FIRE — machbar mit 2.500€ netto?

Beitrag von SteuerSparSebastian »

Kurze Ergänzung zu Riester: Der Mindesteigenbeitrag beträgt 4% des Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich der Zulagen. Bei 2.500€ netto und angenommenem Brutto von ca. 3.800€ sind das rund 152€ Eigenbeitrag im Jahr — also ca. 13€/Monat — um die vollen Zulagen zu erhalten. Das ist tatsächlich ein extrem günstiges Verhältnis von Eigenbeitrag zu Förderung. Allerdings: Die Rendite des eigentlichen Riester-Produkts ist oft mäßig. Man sollte die Zulagenförderung separat von der Produktqualität betrachten. Fondssparpläne über Anbieter wie fairr (jetzt Raisin Pension) sind deutlich besser als klassische Versicherungsprodukte, aber auch da gibt es Kostenstrukturen zu beachten. Für den Fragesteller wäre eine steuerliche Einzelfallbetrachtung sinnvoll — pauschal kann man das nicht beurteilen.
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