Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Ratenkredite, Umschuldung, P-Konto, SCHUFA
JungInvestorin_Mia
Beiträge: 11
Registriert: So Okt 02, 2022 10:00 pm

Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von JungInvestorin_Mia »

Hey Leute ? Ich steh grad vor nem echten Dilemma und hoffe ihr könnt mir helfen. Ich nehme einen Ratenkredit über 15.000€ auf (ING, 60 Monate, effektiv 6,99%) — hauptsächlich für meine Selbstständigkeit als Beraterin nebenbei neben dem Studium. Jetzt hat mir die Bankberaterin natürlich gleich eine Restschuldversicherung mit angeboten, die monatlich nochmal ca. 38€ obendrauf kommt. Das sind über die Laufzeit rund 2.280€ extra — also fast 15% des Kreditbetrags. ? Ich hab ein bisschen gegoogelt und gelesen, dass diese Versicherungen oft voller Ausschlussklauseln stecken — z.B. zahlt die bei Selbstständigen bei Arbeitslosigkeit oft gar nicht, weil man ja "freiwillig" aufhören kann. Das wäre bei mir als Selbstständige ja quasi immer ein Problem? Andererseits: Ich hab keine Berufsunfähigkeitsversicherung (noch nicht, ist auf meiner Liste ?) und kein Erspartes als Puffer. Wenn ich wegen Krankheit ausfalle, wär das tatsächlich eng. Meine konkreten Fragen: - Ist die Restschuldversicherung für Selbstständige wirklich so sinnlos wie alle sagen? - Gibt es Alternativen, die ich stattdessen in Betracht ziehen sollte? - Kann ich den Kredit auch ohne die Versicherung bekommen, oder drücken die das durch? Bin für jeden Hinweis dankbar! ?
WienerWanderer_AT
Beiträge: 15
Registriert: Di Jun 29, 2021 10:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von WienerWanderer_AT »

Mia, kurze Antwort zuerst: Ja, du kannst den Kredit ohne Restschuldversicherung bekommen. Die Banken dürfen die Versicherung in Deutschland nicht zur Bedingung für den Kredit machen — das ist rechtlich klar geregelt. Wenn die Beraterin dir was anderes sagt, einfach auf den Tisch legen, dass du das weißt. Zur inhaltlichen Frage: Als Selbstständige ist der Baustein "Arbeitsunfähigkeit durch Arbeitslosigkeit" bei einer RSV tatsächlich so gut wie wertlos. Die Klauseln schließen das fast immer aus, weil Selbstständige per Definition nicht arbeitslos im Sinne der Versicherungsbedingungen werden können. Du zahlst also für etwas, das nie greift. Der Baustein "Todesfall" ist zwar drin, aber 15.000€ Restschuld — lohnt sich da eine Risikolebensversicherung nicht deutlich billiger? Für dein Alter kriegst du eine RLV über 15.000€ für vielleicht 4-5€ im Monat, nicht 38€. Die 2.280€ die du sparst, steckst du besser in einen Notgroschen oder — wie du sagst — endlich in eine BU.
DepotDepp_Denny
Beiträge: 21
Registriert: Sa Jan 14, 2023 11:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von DepotDepp_Denny »

lol 38€ pro Monat für ne Versicherung die bei dir als Selbstständiger so gut wie nie zahlt ? das ist wie ne Garantieverlängerung beim Mediamarkt kaufen für ne Kaffeemaschine die du eh nach 3 Jahren wegschmeißt ich sag immer: wenn die Bank dir was verkaufen WILL, dann verdient sie damit. und wenn sie damit verdient, dann verlierst du. Ende der Diskussion ?
Portfoliopfleger_Pit
Beiträge: 11
Registriert: Fr Nov 29, 2019 11:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von Portfoliopfleger_Pit »

@DepotDepp_Denny hat im Kern recht, auch wenn ich's etwas differenzierter sagen würde. ? Die Restschuldversicherung ist strukturell ein schlechtes Produkt — das ist kein Geheimnis. Die Schadenquoten, die Verbraucherzentralen veröffentlichen, sind ernüchternd: Ein Großteil der Prämien landet als Provision bei der Bank oder beim Vermittler, nicht in der Risikodeckung. Bei manchen Produkten sind 50-70% der Prämie Abschlusskosten. Das ist der Grund, warum Banken das so aggressiv verkaufen. Für Mias konkrete Situation würde ich folgendes empfehlen: 1. RSV ablehnen — klar und ohne Diskussion. 2. Den Kredit trotzdem aufnehmen wenn er wirtschaftlich sinnvoll ist. 3. Parallel eine echte BU abschließen — als Selbstständige ist das ohnehin dringend nötig. Mit 20-25 Jahren zahlt man dafür noch vergleichsweise wenig. Ein letzter Punkt: Manche Banken binden die Konditionen subtil an die RSV (indem sie ohne RSV einen minimal höheren Zinssatz anbieten). Das solltest du explizit erfragen und vergleichen lassen.
Schnellrechner_Silvio
Beiträge: 13
Registriert: Mi Aug 10, 2022 10:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von Schnellrechner_Silvio »

Hey Mia, ich bin selbst Freiberufler und hab genau diese Situation vor zwei Jahren durchgemacht — Kredit über 12.000€ bei der Targobank, auch mit RSV-Angebot. Was ich rausgefunden hab: Der Baustein "Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit" kann theoretisch greifen, aber erst nach einer Wartezeit von 3-6 Monaten (je nach Anbieter) UND nur wenn du wirklich krankgeschrieben bist — als Selbstständige oft schwieriger durchzusetzen. Der Baustein "unverschuldete Arbeitslosigkeit" ist bei uns schlicht nicht versichert, steht aber oft im Kleingedruckten so verbuddelt, dass man es überliest. Ich hab die RSV abgelehnt und stattdessen einen kleinen Notgroschen aufgebaut (3 Monatsraten auf Tagesgeld geparkt). Viel pragmatischer. ? Achso und: Deine ING-Konditionen klingen okay für aktuell, aber check mal Verivox oder Check24 — manchmal kriegt man mit guter Schufa noch 5,x% effektiv hin, auch ohne RSV-Bündelung.
Dispofreiheit_Detlef
Beiträge: 16
Registriert: Di Dez 07, 2021 11:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von Dispofreiheit_Detlef »

Also ich bin kein Selbstständiger aber ich kann dir sagen: mein Kumpel hat mal ne RSV abgeschlossen, wurde dann wirklich arbeitslos — und die Versicherung hat nicht gezahlt weil er "zu früh" gekündigt hat oder irgendein Quatsch. Hat er mir damals erzählt, ich glaub bei ner CreditPlus oder sowas. Er war stinkesauer. Meiner Meinung nach: lass die Finger davon. Das Geld lieber auf Seite legen.
Wohnriester_Waltraud
Beiträge: 9
Registriert: Mi Feb 19, 2020 11:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von Wohnriester_Waltraud »

Ich möchte hier etwas Sachlichkeit einbringen, weil ich den Eindruck habe, dass die Restschuldversicherung hier zu pauschal verdammt wird. Es stimmt, dass die Produkte oft teuer und lückenhaft sind. Aber: Für Selbstständige ohne jegliche Absicherung — keine BU, kein nennenswertes Erspartes — kann der Todesfallschutz einer RSV tatsächlich eine Lücke schließen, die sonst offen bleibt. 15.000€ Schulden im Todesfall auf Angehörige zu übertragen ist keine Kleinigkeit. Allerdings: Wenn Mia keine Angehörigen hat, die für den Kredit haften würden (also kein Bürge, kein gemeinsamer Haushalt mit Erben), dann greift dieses Argument auch kaum. Mein Rat wäre: Die Versicherungsbedingungen konkret anfordern, die Ausschlüsse für Selbstständige schwarz auf weiß lesen lassen, und dann entscheiden. Nicht einfach ablehnen weil es alle ablehnen, aber auch nicht blind unterschreiben.
WochenendWarrior_Waldi
Beiträge: 13
Registriert: So Apr 18, 2021 10:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von WochenendWarrior_Waldi »

Ich glaub meine Bank hat mir das auch mal angedreht, hab ich direkt nein gesagt ? Ich mein, ich bin Kfz-Meister, kein Versicherungsexperte — aber wenn 38€ im Monat für ne Versicherung draufkommt die eh nicht zahlt, dann is das für mich klar. Und Mia: Wenn die Bank sagt sie gibst dir den Kredit nur MIT Versicherung — dann einfach die Bank wechseln. So einfach. Da draußen gibt's genug Anbieter. ?
Portfoliopfleger_Pit
Beiträge: 11
Registriert: Fr Nov 29, 2019 11:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von Portfoliopfleger_Pit »

Wohnriester_Waltraud schrieb:Für Selbstständige ohne jegliche Absicherung kann der Todesfallschutz einer RSV tatsächlich eine Lücke schließen Das ist ein fairer Punkt, Waltraud — aber der Todesfallschutz einer RSV ist trotzdem teuer im Vergleich zu einer reinen Risikolebensversicherung. Mia ist Ende 20 oder Anfang 20, hat keine Vorerkrankungen (nehme ich mal an). Eine RLV über 15.000€ Summe kostet sie vielleicht 50-60€ pro Jahr. Die RSV kostet 456€ pro Jahr. Und die RLV zahlt auch, wenn die RSV wegen irgendwelcher Klauseln nicht zahlt. Ich würde also sagen: Todesfallschutz ja — aber bitte nicht über eine RSV lösen.
Mod_Clemens_Finanzen
Beiträge: 12
Registriert: Sa Sep 14, 2019 10:00 pm

Re: Restschuldversicherung beim Ratenkredit — totale Abzocke oder doch sinnvoll?

Beitrag von Mod_Clemens_Finanzen »

Guter Thread, danke für die sachliche Diskussion bisher. Ich möchte noch einen rechtlichen Aspekt ergänzen, der hier noch nicht erwähnt wurde: Seit dem BGH-Urteil von 2017 (Az. XI ZR 552/15) und der darauffolgenden Regulierung durch die BaFin müssen Banken die Kosten der Restschuldversicherung unter bestimmten Umständen in den effektiven Jahreszins einrechnen. In der Praxis passiert das aber nicht immer korrekt, weshalb Verbraucherzentralen schon mehrfach Banken abgemahnt haben. Wer das prüfen möchte: Einfach anfragen, ob die RSV-Kosten im angegebenen effektiven Jahreszins enthalten sind. Oft sind sie es nicht — was den echten Preis des Kredits verschleiert. Das ändert nichts an den inhaltlichen Empfehlungen hier, ist aber ein gutes Argument in der Verhandlung mit der Bank.
Antworten