Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Steuererklärung, Freibeträge, Erbschaft, Pfändung
Hypotheken_Hilde
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Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von Hypotheken_Hilde »

Hallo zusammen, ich stehe gerade vor einer Frage, die mich ein bisschen nervös macht, weil ich da schlicht keine Ahnung habe. Mein Mann und ich lösen gerade unser gemeinsames Tagesgeldkonto auf – da liegen rund 80.000 €, die wir beide über die Jahre gemeinsam angespart haben. Das Geld soll jetzt auf sein Einzelkonto, weil wir damit (zusammen mit einem Kredit) ein Haus kaufen. Die Bank wickelt das so ab, dass der Kredit auf ihn läuft, also muss das Geld von seinem Konto kommen. Jetzt haben ein paar Freunde gemeint, das könnte als Schenkung gewertet werden und ich müsste vielleicht Schenkungssteuer zahlen oder zumindest irgendwas melden. Ich bin Lehrerin, kein Steuerprofi – also ich frag lieber dumm als gar nicht. Meine konkreten Fragen: - Gibt es bei Schenkungen zwischen Eheleuten überhaupt einen Freibetrag? - Wie hoch ist der – und gilt der pro Jahr oder einmalig? - Müssen wir das irgendwo melden (Finanzamt, Bank)? - Spielt es eine Rolle, dass das Geld ursprünglich auf einem gemeinsamen Konto lag? Danke schon mal! Ich hoffe, die Frage ist nicht zu banal für das Forum hier. ?
PassivEinkommen_Pit
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von PassivEinkommen_Pit »

Kurze Antwort: Ja, gibt's einen Freibetrag, und der ist happig groß. Eheleute können sich gegenseitig bis zu 500.000 € alle 10 Jahre steuerfrei schenken. Das steht in § 16 ErbStG. Deine 80k sind da locker drin, keine Schenkungssteuer. Zur Meldepflicht: Theoretisch müsste eine Schenkung dem Finanzamt angezeigt werden (§ 30 ErbStG), aber in der Praxis passiert das bei Beträgen innerhalb des Freibetrags kaum – und es gibt keine Konsequenzen, wenn nichts fällig wird. Das wird nur relevant, wenn du den Freibetrag sprengst. Das mit dem gemeinsamen Konto ist ein gutes Argument: Wenn das Geld schon beiden gehörte, ist es ohnehin keine klassische Schenkung von dir an ihn, sondern eher eine Vermögensumschichtung. Ich würd trotzdem kurz mit einem Steuerberater reden, wenn euch das wichtig ist – kostet 30 Minuten und gibt Sicherheit.
RatenkaufRebell_Rico
Beiträge: 22
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von RatenkaufRebell_Rico »

500k freibetrag?? alter das wusste ich gar nciht ? ich dachte das sind so 20k oder so wie bei eltern-kind. guter thread digga aber mal ehrlich hilde – wenn ihr eh verheiratet seid, guckt das finanzamt da doch gar net so genau hin oder? die ham doch wichtigeres zu tun lol ?
RenteRechtzeitig_Rita
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von RenteRechtzeitig_Rita »

Pit hat das korrekt dargestellt. Der Freibetrag für Ehegatten beläuft sich auf 500.000 Euro gemäß § 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG, und dieser Freibetrag gilt jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren. Das heißt: Nach Ablauf von zehn Jahren beginnt er neu. Man könnte also theoretisch alle zehn Jahre bis zu 500.000 Euro steuerfrei übertragen. Was ich aber ergänzen möchte: Die Anzeigepflicht gegenüber dem Finanzamt (§ 30 ErbStG) besteht grundsätzlich innerhalb von drei Monaten nach der Schenkung – unabhängig davon, ob Steuer anfällt oder nicht. In der Praxis wird das bei Beträgen weit unter dem Freibetrag selten kontrolliert, aber ich würde das nicht als Freifahrtschein verstehen. Noch wichtiger für euren Fall: Wenn das Geld auf einem gemeinsamen Konto lag, zu dem beide Eheleute gleichberechtigten Zugriff hatten, ist fraglich, ob hier überhaupt eine Schenkung vorliegt. Viele Finanzämter sehen das bei echten Gemeinschaftskonten von Ehepaaren entspannt. Trotzdem: Für einen Hauskauf in dieser Größenordnung lohnt sich ein kurzes Gespräch mit einem Steuerberater.
GrenzgängerGabi_AT
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von GrenzgängerGabi_AT »

Kleiner Hinweis aus österreichischer Perspektive, nur damit's nicht zu Verwechslungen kommt: In Österreich gibt es seit 2008 keine Schenkungssteuer mehr – dort müssen aber bestimmte Schenkungen (ab 50.000 € zwischen Ehegatten innerhalb eines Jahres) beim Finanzamt gemeldet werden, sonst gibt's Strafen. Das ist also das genaue Gegenteil von Deutschland. Da du in Freiburg bist, gilt natürlich deutsches Recht. Und da hat Pit alles Wesentliche gesagt. Ich wollte nur sichergehen, dass niemand die Länder durcheinanderbringt. ?
PfennigfuchserPaul_OWL
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von PfennigfuchserPaul_OWL »

@RatenkaufRebell_Rico naja das mit "die ham wichtigeres zu tun" würd ich net so sehen wenn's ums Haus geht ? Bei Immobilienkäufen schaut das Finanzamt schon genauer hin weil da halt viel Geld fließt und alles irgendwie dokumentiert wird. Grundbuch, Notar, Grunderwerbsteuer usw. – da entsteht automatisch eine Papierspur. Aber die gute Nachricht für Hilde: bei 80k und dem Freibetrag von 500k is da wirklich kein Stress. ?
NullRound_Norbert
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von NullRound_Norbert »

ich hab mal was ähnliches gemacht, meine frau hat damals von ihrem sonderkonto was auf meins überwiesen wegen autokafu. hab mich auch gefragt ob das ein problem is. beim steuerberater hat der nur gegrinst und gesagt "unter eheleuten ist das ehr selten ein thema solange ihr net millionäre seid" also ich würd mir da kein kopf machen, aber die anzeigepflicht die rita erwähnt hat is schon real – ob die jemand wirklich macht bei 80k weiß ich net
KaskoKiller_Konrad
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von KaskoKiller_Konrad »

Ich pack hier mal einen Aspekt drauf, den noch keiner erwähnt hat: die Herkunft des Geldes auf dem Gemeinschaftskonto kann durchaus relevant sein. Wenn beide Eheleute gleichermaßen eingezahlt haben (z.B. beide Gehälter liefen drüber), dann ist das Geld wirtschaftlich schon beiden zuzurechnen. Eine Übertragung auf ein Einzelkonto ist dann eher eine formale Umschichtung als eine echte Schenkung. Anders wäre es, wenn zum Beispiel nur einer der Partner eingezahlt hätte und der andere nichts. In eurem Fall klingt das unkritisch. Aber für den Hauskauf-Notar würde ich einfach sicherstellen, dass ihr die Herkunft des Eigenkapitals dokumentieren könnt (Kontoauszüge, ggf. kurze Erklärung). Das wollen manche Notare oder Banken sowieso zur Geldwäscheprävention sehen.
Hypotheken_Hilde
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von Hypotheken_Hilde »

Wow, danke für die schnellen und ausführlichen Antworten! Das beruhigt mich wirklich sehr. @KaskoKiller_Konrad das ist ein guter Punkt mit der Herkunft – wir haben tatsächlich beide unser Gehalt auf das gemeinsame Konto überwiesen, also dürfte das gut dokumentierbar sein. Kontoauszüge heben wir sowieso auf. Und die Anzeigepflicht beim Finanzamt – muss ich da aktiv etwas tun, also ein Formular ausfüllen? Oder läuft das irgendwie automatisch? Ich find's ja immer besser, auf der sicheren Seite zu sein.
RenteRechtzeitig_Rita
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Re: Schenkung zwischen Eheleuten – Freibetrag vorhanden? (80k€, Hauskauf)

Beitrag von RenteRechtzeitig_Rita »

Zur Nachfrage von Hilde: Nein, das läuft nicht automatisch. Man müsste selbst aktiv werden und eine formlose Anzeige an das zuständige Finanzamt schicken – also das Finanzamt des Schenkenden oder des Beschenkten. Es gibt kein einheitliches Formular dafür; ein kurzes Schreiben mit Namen, Adressen, Verwandtschaftsverhältnis, Betrag und Datum reicht in der Regel. In der Praxis: Bei Beträgen weit unter dem Freibetrag passiert nichts, wenn man's nicht meldet. Aber wenn euch die Sicherheit wichtig ist – und ich finde, bei einem Hauskauf sollte sie das sein – dann schickt einfach einen Brief ans Finanzamt. Das ist keine große Sache und kostet euch 20 Minuten.
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