PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

KFZ, Haftpflicht, Hausrat, Berufsunfähigkeit, PKV
Riestern_oder_nicht
Beiträge: 16
Registriert: Mo Mär 29, 2021 10:00 pm

PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Riestern_oder_nicht »

Hallo zusammen, ich bin seit knapp zwei Jahren selbstständig (Beratungsdienstleistungen, solo, kein Angestellter) und stecke gerade mitten in der Entscheidung PKV vs. freiwillige GKV. Aktuell zahle ich als freiwillig GKV-Versicherte knapp 780 € monatlich (TK, Einheitsbeitrag + Zusatzbeitrag, auf Basis meines letzten Einkommensteuerbescheids). Das ist ehrlich gesagt schmerzhaft. Ich habe jetzt ein paar Angebote eingeholt – Debeka und AXA – und komme bei einem soliden Tarif (keine absolute Sparversion, aber auch kein Goldtarif) auf ca. 420–480 € monatlich. Auf dem Papier also erstmal deutlich günstiger. Aber ich habe genug Horrorgeschichten gehört: Beiträge die sich bis 60 verdoppeln, Leistungen die stillschweigend eingeschränkt werden, und die Falle dass man als Selbstständige im Alter nicht mehr zurück in die GKV kommt. Mich interessiert deshalb vor allem: Was haben diejenigen von euch, die 5 Jahre oder länger in der PKV sind (als Selbstständige!), wirklich erlebt? Konkret: - Wie haben sich eure Beiträge entwickelt? - Gab es Leistungsablehnungen oder böse Überraschungen? - Bereut ihr den Wechsel – oder war es die richtige Entscheidung? - Hat jemand den Weg zurück in die GKV geschafft und wie? Ich bin kein Angstmensch, aber ich möchte mit 55 nicht in einer Falle sitzen. Über ehrliche Antworten freue ich mich.
NachtsparNorbert
Beiträge: 21
Registriert: Mo Aug 10, 2020 10:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von NachtsparNorbert »

Also ich bin zwar kein Selbstständiger, aber mein Bruder ist seit 2014 in der PKV (Freiberufler, IT). Der ist mit ~390 € eingestiegen bei der Debeka, zahlt jetzt – zehn Jahre später – 610 €. Das klingt erst mal okay, aber er hat in der Zeit auch zweimal den Tarif gewechselt (intern), weil Anpassungen günstiger wurden. Ohne aktives Dranbleiben wäre er jetzt wohl bei 720+ €. Sein Fazit: PKV lohnt sich, aber sie verwaltet sich nicht von selbst. Du musst alle paar Jahre kritisch prüfen, ob der Tarif noch passt. Wer das nicht macht, zahlt drauf.
NullzinsNervensäge
Beiträge: 18
Registriert: Sa Sep 21, 2019 10:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von NullzinsNervensäge »

Ich war 28 Jahre im Bankgeschäft und habe entsprechend viele Kollegen in allen Versicherungskonstellationen erlebt. Zur PKV für Selbstständige möchte ich ein paar Dinge klarstellen, die gerne verschwiegen werden: 1. Altersrückstellungen sind kein Geschenk. Die PKV bildet zwar Rückstellungen, aber die reichen in vielen Tarifen nicht aus, um Beitragssteigerungen im Alter vollständig abzupuffern. Die Versicherer sind gesetzlich verpflichtet, einen 10%-Zuschlag ab Alter 21 zu nehmen – das hilft, aber es ist kein Freifahrtschein. 2. Die Beiträge im Rentenalter sind das eigentliche Risiko. Als Selbstständige hast du keine Rentenversicherung, die automatisch einen Teil der PKV-Beiträge übernimmt (wie beim Angestellten). Du zahlst im Alter den vollen Beitrag aus eigener Tasche. Ich habe Leute gesehen, die mit 68 über 900 € monatlich PKV-Beitrag gezahlt haben – bei einer kleinen Rente oder Kapitalentnahme. 3. Rückkehr in die GKV: Praktisch unmöglich nach 55. Theoretisch geht es über Anstellung (mind. 1 Jahr, unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze), aber das ist für eine Selbstständige im Rentenalter keine realistische Option. Ich sage nicht: PKV ist falsch. Aber plane mit dem Worst Case, nicht mit dem Prospekt.
Kredithai_Kassandra
Beiträge: 12
Registriert: Mi Aug 03, 2022 10:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Kredithai_Kassandra »

Jurastudentin hier, also kein Praxisbericht – aber ich habe mich für ein Seminar intensiv mit dem Thema beschäftigt, deshalb ein paar rechtliche Hinweise: Der Wechsel zurück in die GKV ist nicht generell unmöglich, aber extrem schwer. Das BSG hat in mehreren Urteilen klargestellt, dass eine kurzzeitige Beschäftigung unter der JAEG (2024: 69.300 € Jahresbrutto) theoretisch GKV-Pflicht auslöst – aber das ist eine Konstruktion, die viele Krankenkassen inzwischen sehr kritisch prüfen. Wer das als reinen GKV-Trick nutzt, riskiert Anfechtung. Und noch was: Wartezeiten und Gesundheitsprüfung beim PKV-Einstieg sind das eine. Aber schau dir auch mal die Bedingungen für Beitragsanpassungen an (§ 203 VVG). Die Versicherer dürfen Beiträge erhöhen, wenn die Leistungsausgaben um mehr als 5% von der Kalkulation abweichen. Das ist kein seltenes Ereignis.
GiroGeizhals_Gretel
Beiträge: 18
Registriert: So Mär 06, 2022 11:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von GiroGeizhals_Gretel »

meine schwester ist selbstständige grafikerin, seit 2016 bei der Hallesche PKV. Die hat mir erzählt dass sie mit 380€ angefangen hat und jetzt bei 590€ ist. Klingt viel aber sie sagt immer noch besser als GKV wäre für sie teurer. Was sie nervt: einmal hat die PKV eine MRT abgelehnt weil angeblich nicht "medizinisch notwendig genug" dokumentiert war. Musste der Arzt nachliefern, hat am Ende geklappt, aber der Stress... sowas gibt's in der GKV eher nciht. Also nicht alles rosig aber insgesamt sagt sie: war richtig so.
VollkaskoVermeiderin_Ver
Beiträge: 9
Registriert: So Nov 07, 2021 11:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von VollkaskoVermeiderin_Ver »

Ich bin Lehrerin, also Beamtin, und daher selbst in der PKV – aber eben mit Beihilfe, das ist eine völlig andere Situation als für Selbstständige. Trotzdem ein Punkt, den ich hier noch nicht gelesen habe: Selbstbehalt-Tarife klingen verlockend günstig, können aber tückisch sein. Viele Selbstständige wählen hohe Selbstbehalte (800–1.500 € jährlich), um die Prämie zu drücken. Das funktioniert, solange man gesund ist. Chronische Erkrankung, Unfall, lange Physiotherapie-Serie – und plötzlich ist der gesparte Beitrag weg plus drauf. Das ist kein Geheimnis, aber ich sehe es trotzdem immer wieder unterschätzt. Und zum Thema Rückkehr GKV: @NullzinsNervensäge hat das gut zusammengefasst. Ich kenne eine Kollegin, die nach Ende der Beamtenkarriere (Wechsel in Angestelltenverhältnis) zurück musste – das war ein ziemlicher Verwaltungsaufwand, aber sie hat es geschafft. Für Selbstständige ist dieser Weg aber wirklich steinig.
RentnerInRente_Hedwig
Beiträge: 9
Registriert: Mi Mär 24, 2021 11:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von RentnerInRente_Hedwig »

Ich war 35 Jahre Lehrerin und bin seit meiner Pension in der PKV (Beihilfe + Ergänzungsversicherung, also auch nicht ganz vergleichbar). Aber mein Mann war von 1998 bis 2019 als freier Journalist selbstständig und in der PKV – ohne jede Beihilfe. Er kann also aus eigener Erfahrung berichten, und ich gebe das gerne weiter: Er ist 1998 mit 287 DM eingestiegen (Signal Iduna, damals noch günstig). 2010 war er bei ca. 520 €, 2019 beim Übergang in die Rente bei 810 €. Das ist eine erhebliche Steigerung. Dazu kommt: als er 2019 in die gesetzliche Rente ging, hat die Deutsche Rentenversicherung natürlich keinen Arbeitgeberanteil zur PKV übernommen – der Rentenbeitrag zur GKV wäre automatisch abgezogen worden, aber er blieb in der PKV und zahlte alles allein. Sein Fazit nach 21 Jahren: Die Leistungen waren sehr gut, keine größeren Ablehnungen. Aber finanziell war es im Alter eine echte Belastung. Er sagt, er hätte früher in einen günstigeren Tarif wechseln sollen und mehr Rücklagen speziell für die PKV im Alter bilden müssen. Für Sie als Beraterin: Haben Sie eine betriebliche Altersvorsorge oder anderen Kapitalstock, aus dem Sie die PKV im Alter finanzieren können? Das ist meines Erachtens die entscheidende Frage.
SparschweinSprenger_Susi
Beiträge: 22
Registriert: Di Apr 04, 2023 10:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von SparschweinSprenger_Susi »

ich versteh das System ehrlich gesagt noch nicht so 100% aber eine frage: wenn man als selbstständige so 780€ gkv zahlt – zahlt man das denn komplett alleine?? kein arbeitgeber der hälfte zahlt oder so? ? das klingt brutal ich mein ich zahl als azubi nix davon mit weil mein betrieb die hälfte übernimmt aber wenn ich mal selbstständig bin... alter das macht mir angst lol ?
Riestern_oder_nicht
Beiträge: 16
Registriert: Mo Mär 29, 2021 10:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Riestern_oder_nicht »

@SparschweinSprenger_Susi ja, genau das ist der Punkt ? Als Selbstständige zahlt man den kompletten Beitrag alleine – GKV wie PKV. Kein Arbeitgeber, der die Hälfte übernimmt. Deswegen ist der Vergleich "PKV vs GKV" für Selbstständige finanziell nochmal anders als für Angestellte. @RentnerInRente_Hedwig das mit Ihrem Mann ist ein sehr konkretes Beispiel, danke! Die Frage nach dem Kapitalstock ist berechtigt – ich habe ETF-Depot und eine kleine Immobilie, aber ich mache mir eben Sorgen, ob das reicht wenn die PKV-Beiträge mit 60+ wirklich in diese Richtung gehen.
MedizinstudentMax_HH
Beiträge: 16
Registriert: So Okt 16, 2022 10:00 pm

Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von MedizinstudentMax_HH »

Ich studiere Medizin und habe deshalb einen etwas anderen Blick auf das Thema: Die Unterschiede zwischen PKV und GKV in der tatsächlichen Versorgung werden oft übertrieben – in beide Richtungen. Was stimmt: PKV-Patienten bekommen schneller Termine beim Facharzt. Das ist empirisch belegt und liegt am Abrechnungssystem (GOÄ vs. EBM). Was übertrieben ist: die Vorstellung, dass PKV-Patienten grundsätzlich besser behandelt werden. Der Arzt macht das Gleiche, nur die Abrechnung ist anders. Relevanter für deine Entscheidung: Schau dir die Beitragsstabilität der Versicherer an. Die Debeka gilt als einer der stabilsten Anbieter historisch gesehen. Allianz und AXA haben in der Vergangenheit öfter stärker angehoben. Das ist keine Garantie für die Zukunft, aber ein Indikator. Und: Wenn du keine Vorerkrankungen hast und jung genug bist, sind die Altersrückstellungen ein echtes Asset. Mit 46+ wird der Einstieg in die PKV deutlich teurer und die Rückstellungen reichen weniger weit.
Antworten