PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

KFZ, Haftpflicht, Hausrat, Berufsunfähigkeit, PKV
RatenkaufRebell_Rico
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von RatenkaufRebell_Rico »

alter ich blick da null durch aber 780€ im monat für krankenversicherung?? ?? ich zahl als angestellter so 220€ oder was und dachte das wäre schon viel lmao selbstständig sein klingt immer so geil bis man die echten kosten sieht digga ??
Festgeld_Friedhelm
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Festgeld_Friedhelm »

Ich war 40 Jahre Buchhalter und habe in dieser Zeit viele Mandanten mit PKV begleitet. Einige sachliche Ergänzungen: Die Beitragsentwicklung in der PKV hängt stark vom Kollektiv des Tarifs ab. Wenn ein Tarif für Neuabschlüsse geschlossen wird ("closed pool"), altert das Kollektiv und die Beiträge steigen überproportional – das ist ein bekanntes strukturelles Problem. Deswegen ist es wichtig zu fragen: Bietet der Versicherer noch aktiv Neuverträge in diesem Tarif an? Zur Debeka: Die ist Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, kein börsennotiertes Unternehmen – das führt tendenziell zu stabilerer Beitragspolitik, weil kein Renditedruck für Aktionäre besteht. Das ist kein Werbung, das ist Strukturmerkmal. Was ich meinen Mandanten immer empfohlen habe: Separates Sparkonto für PKV-Mehrkosten im Alter anlegen. Monatlich 150–200 € beiseite, ab dem ersten PKV-Jahr. Wer das 20 Jahre macht, hat einen ordentlichen Puffer. Klingt banal, macht es aber kaum jemand.
Nebenkostencheck_Norwin
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Nebenkostencheck_Norwin »

Ein praktischer Aspekt, der hier noch fehlt: Steuerliche Absetzbarkeit. Als Selbstständige kannst du PKV-Beiträge als Sonderausgaben geltend machen, allerdings nur den Basisschutz (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Der Basisschutz entspricht in etwa dem GKV-Leistungsniveau. Alles darüber (Chefarzt, Einbettzimmer etc.) ist nicht absetzbar. In der Praxis bedeutet das: Von einem 480 €-Tarif sind vielleicht 310–350 € steuerlich absetzbar. Das reduziert die effektive Mehrbelastung gegenüber der GKV erheblich – aber man muss es einrechnen, nicht ignorieren. Ich würde empfehlen: Lass dir von deinem Steuerberater einmal eine konkrete Vergleichsrechnung machen, nicht nur die Bruttobeträge vergleichen.
ZüriFinanzZara
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von ZüriFinanzZara »

Aus Schweizer Perspektive ist das alles etwas fremd – wir haben eine Krankenpflichteversicherung (KVG), die alle obligatorisch abschliessen müssen, ohne grosse PKV/GKV-Trennung. Aber ich verfolge solche Threads, weil ich die deutschen Regelungen für Grenzgänger verstehen muss. Was mich an dieser Diskussion interessiert: In Deutschland gibt es offenbar kaum einen echten Mechanismus, der Selbstständige vor dem PKV-Beitragsrisiko im Alter schützt. In der CH ist das über die Prämienverbilligung teilweise abgefedert. Habt ihr in Deutschland so etwas überhaupt auf dem Schirm? Ich meine den Notlagentarif (§ 153 VAG) – der greift zwar nur in echter Zahlungsunfähigkeit, aber immerhin. Für die OP: Ich würde zusätzlich zur PKV-Entscheidung überlegen, wie viel Liquiditätspuffer du für Beitragssteigerungen hast. Nicht nur Depot, sondern wirklich liquide Mittel. Das ist aus meiner Sicht das eigentliche Risikomanagement.
BeritausHamburg
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von BeritausHamburg »

Ich bin Lehrerin und damit Beamtin, also PKV mit Beihilfe – nicht wirklich vergleichbar. Aber ich möchte trotzdem auf etwas hinweisen, das in diesem Thread ein bisschen untergeht: ? Die Frage "PKV oder GKV" ist für eine 46-55-jährige Selbstständige eine andere als für jemanden mit 32. Der Einstieg in die PKV wird mit steigendem Alter teurer (Gesundheitsprüfung, höhere Einstiegsprämie). Gleichzeitig sind die verbleibenden Jahre bis zur Rente kürzer, in denen Altersrückstellungen aufgebaut werden können. Ich würde an Sandras Stelle einen unabhängigen Versicherungsmakler beauftragen – explizit unabhängig, also kein gebundener Vertreter. Einer der auf Honorarbasis arbeitet. Die haben keinen Anreiz, dich in die teuerste oder provisionsstärkste Lösung zu drängen. Das kostet ein paar hundert Euro, ist aber bei dieser Entscheidung gut angelegtes Geld. ?
NachtsparNorbert
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von NachtsparNorbert »

Festgeld_Friedhelm schrieb:Separates Sparkonto für PKV-Mehrkosten im Alter anlegen. Monatlich 150–200 € beiseite, ab dem ersten PKV-Jahr. Das macht mein Bruder tatsächlich – aber er nennt es sein "PKV-Angstgeld-Depot" und hat es in einen MSCI World ETF gepackt statt auf ein Sparkonto ? Seine Logik: Wenn er das Geld erst in 15 Jahren braucht, soll es wenigstens arbeiten. Ob das clever oder leichtsinnig ist, weiß ich nicht. Aber irgendwie klingt es nach ihm.
Girokonto_Gnom_Gerd
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Girokonto_Gnom_Gerd »

kurze Frage weil ich das noch nie verstanden hab: wenn man in der PKV ist und dann mal ein Jahr nix verdient (schlechtes Geschäftsjahr, krank etc) – zahlt man dann trotzdem den vollen beitrag?? bei der GKV geht der doch runter wenn man weniger verdient oder?? ?
NullzinsNervensäge
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von NullzinsNervensäge »

@Girokonto_Gnom_Gerd Ja, genau das ist eines der größten Risiken der PKV für Selbstständige. Der PKV-Beitrag ist einkommensunabhängig – du zahlst immer dasselbe, egal ob du diesen Monat 8.000 € oder 800 € verdient hast. In der GKV als freiwillig Versicherter wird der Beitrag ans tatsächliche Einkommen angepasst (mit Mindest- und Höchstbeitrag). Es gibt den Notlagentarif als absolutes Sicherheitsnetz – aber da sind die Leistungen auf das absolute Minimum reduziert (nur akute Erkrankungen und Schmerzen). Das ist kein komfortables Auffangnetz. Für eine Selbstständige mit schwankendem Einkommen ist das ein ernsthafter Nachteil der PKV, der in Vergleichsrechnungen gerne weggelassen wird.
Azubi_Andi_2022
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Azubi_Andi_2022 »

sorry für den off-topic aber ich lese hier mit weil ich nach der ausbildung vielleicht freelancen will ? und jetzt bin ich ehrlich gesagt ein bisschen erschrocken lol ? 780€ krankenversicherung als baseline... das hab ich echt nciht auf dem schirm gehabt danke an alle hier die das so detailiert erklären, ihr seid eigentlich die besten ?
Sparweltmeister_Sven23
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Re: PKV als Selbstständiger – welche Erfahrungen habt ihr nach 5+ Jahren gemacht?

Beitrag von Sparweltmeister_Sven23 »

omg ich dachte immer selbstständig sein = mehr geld behalten aber das hier liest sich wie ein horrorfilm für mein zukünftiges ich ?? PKV Beiträge die explodieren, kein weg zurück, kein arbeitgeber der irgendwas mitbezahlt... bruder respekt an alle die das durchblicken und trotzdem selbstständig bleiben ehrlich ?
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