Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
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ZinsjaegerPro
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Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
Ich hatte vor drei Wochen einen Unfall, eindeutig meine Schuld. Das Auto (VW Golf VII, Bj. 2016, ca. 87.000 km) ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Die Versicherung – es ist meine eigene Vollkasko – hat jetzt ein Angebot von 4.200 Euro rausgeschickt, basierend auf einem Gutachten, das der von der Versicherung beauftragte Gutachter erstellt hat.
Ich halte das für deutlich zu wenig. Ich habe vor dem Unfall auf mobile.de und AutoScout24 ähnliche Fahrzeuge verglichen – da lagen vergleichbare Golfs mit ähnlicher Laufleistung eher zwischen 7.500 und 9.000 Euro. Das Auto war gepflegt, Scheckheft lückenlos, neue Reifen erst letztes Jahr. Der Gutachter der Versicherung hat das Fahrzeug soweit ich weiß nur kurz besichtigt und nicht in den Innenraum geschaut.
Jetzt stellen sich mir folgende Fragen:
- Lohnt es sich, einen unabhängigen Kfz-Gutachter auf eigene Kosten zu beauftragen?
- Was kostet so ein Gutachten ungefähr?
- Kann ich die Versicherung damit konfrontieren und die Summe noch nach oben verhandeln?
- Gibt es eine Frist, nach der ich das Angebot nicht mehr anfechten kann?
Ich habe das Angebot noch nicht angenommen und auch nichts unterschrieben. Hat jemand Erfahrung damit?
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BudgetBossBalint
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
Ja, lohnt sich definitiv – zumindest wenn der Unterschied so groß ist wie bei dir. Kurz die wichtigsten Punkte:
- Ein unabhängiger Kfz-Sachverständiger kostet je nach Fahrzeugwert und Region zwischen 150 und 400 Euro für ein Kurzgutachten, ein vollständiges Wertgutachten kann auch 500–700 Euro kosten.
- Wichtig: Bei einem selbstverschuldeten Unfall mit Vollkasko übernimmt die Versicherung die Gutachterkosten nicht automatisch – das ist anders als beim Haftpflichtschaden des Unfallgegners. Die Kosten trägst du selbst.
- Trotzdem: Wenn du mit einem Gegengutachten von 7.000+ Euro argumentierst, ist eine Nachverhandlung auf 5.500–6.000 Euro sehr realistisch. Die Differenz zahlt das Gutachten locker raus.
Wichtig: Setz der Versicherung schriftlich per E-Mail eine Frist (z.B. 14 Tage) und widersprich dem Angebot ausdrücklich. Solange du nichts unterschrieben hast, bist du frei.
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Nettolohn_Nadine_B
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
Ich hatte fast genau das gleiche Problem letztes Jahr – allerdings war ich nicht schuld, deshalb lief es etwas anders. Aber ich hab trotzdem mal kurz mit einem Gutachter gesprochen und der hat mir erklärt: Der Wiedersbeschaffungswert (also was du brauchst, um dir ein vergleichbares Auto zu kaufen) ist oft höher als das, was Versicherungsgutachter ansetzen. Die nehmen gerne niedrige DAT- oder Schwacke-Werte als Basis und subtrahieren dann noch für jeden Kratzer. ?
Mein Tipp: Ruf mal bei einem DEKRA- oder TÜV-Sachverständigen an, die machen oft eine kostenlose Ersteinschätzung am Telefon. Dann weißt du zumindest ob ein Gegengutachten aussichtsreich ist bevor du Geld ausgibst.
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SelbstständigSilvia
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
3.000 Euro Differenz zwischen Angebot und Marktwert – da würde ich auf jeden Fall nicht einfach unterschreiben. Ich hab das mal für mein Geschäftsauto durchgefochten (auch Vollkasko, auch meine Schuld) und am Ende 1.400 Euro mehr rausgeholt, ohne eigenes Gutachten. Allein schon dadurch, dass ich der Versicherung 5 aktuelle Inserate von mobile.de mit ähnlicher Ausstattung und Laufleistung als PDF geschickt habe und freundlich aber bestimmt auf Nachbesserung bestanden habe.
Die Versicherungsgutachter sind nicht per se böse, aber sie haben einen systemischen Anreiz, konservativ zu bewerten. Das ist kein Geheimnis. ?
Wenn das nicht reicht, dann Gutachter – aber erstmal den einfachen Weg versuchen.
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AzubineAmelieH
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
warte mal kurz – du hast nen Golf VII mit scheckheft und neuen reifen und die geben dir 4200?? das ist ja fast nix ? mein bruder hat seinen golf (älter, mehr km) für 6500 verkauft letztes jahr. da stimmt doch was nicht
ich würd da auf gar keinen fall unterschrieben haben sorry ?
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SparstrumpfSigrid
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
Ich bin zwar keine Expertin für Kfz-Sachen, aber mein Mann hat das vor einigen Jahren ähnlich erlebt und ich erinnere mich noch gut daran. Er hat damals einen Anwalt für Verkehrsrecht hinzugezogen – die erste Beratung war kostenlos und der hat dann einen Brief an die Versicherung geschrieben. Allein dadurch ist das Angebot um fast 1.800 Euro gestiegen, ohne dass ein neues Gutachten nötig war.
Ob das heute noch so einfach geht, weiß ich nicht. Aber manchmal hilft schon das Signal: Hier sitzt jemand, der sich nicht abspeisen lässt.
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BudgetBossBalint
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
SelbstständigSilvia schrieb:Allein schon dadurch, dass ich der Versicherung 5 aktuelle Inserate von mobile.de mit ähnlicher Ausstattung und Laufleistung als PDF geschickt habe
Genau das ist der erste Schritt, den ich auch empfehle. Und dabei auf folgendes achten: Die Inserate sollten vergleichbare Ausstattung haben (also z.B. auch Navi, Sitzheizung falls vorhanden) und möglichst aus derselben Region stammen, weil regionale Preisunterschiede real sind. Händlerpreise sind als Basis eigentlich am stärksten, weil der Wiederbeschaffungswert = was du zahlen müsstest, um das gleiche Auto zu kaufen, nicht was Privatleute verlangen.
@ZinsjaegerPro: Schreib die Ablehnung des Angebots unbedingt schriftlich, am besten per Einschreiben oder zumindest per E-Mail mit Lesebestätigung. Mündlich zählt nichts.
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SparSpaß_Sabrina_K
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
ich bin zwar komplett unqualifiziert für sowas aber 4200€ für nen gepflegten golf klingt nach nem schlechten witz ? das ist ja fast restwert-niveau
@SparstrumpfSigrid idee mit dem anwalt find ich gut!! hab gehört dass viele kanzleien für verkehrsrecht erstberatung kostenlos machen oder? wär auf jeden fall nen versuch wert
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Nebenjob_Nele
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
Kurze Ergänzung zu den Gutachterkosten: Es gibt auch freie Kfz-Sachverständige, die nicht von TÜV oder DEKRA sind – die sind oft günstiger (ab ca. 120 Euro) und nicht weniger kompetent. Wichtig ist, dass der Gutachter als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger zugelassen ist, dann hat das Gutachten auch rechtlich Gewicht.
Und noch was: Die Versicherung hat in den AVB meistens eine sogenannte Sachverständigenklausel. Die besagt, dass bei Streit über den Fahrzeugwert ein offizielles Sachverständigenverfahren eingeleitet werden kann. Das kostet zwar beide Seiten etwas, aber es ist ein formalisierter Weg, der die Versicherung zwingt, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Schau mal in deine Vertragsunterlagen ob das drin steht. ?
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SparschweinSophie_CH
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Re: Totalschaden: Versicherung bietet nur 4.200 € – lohnt sich ein eigener Gutachter?
Aus der Schweiz schau ich manchmal etwas neidisch auf euren Verbraucherschutz – hier ist das ähnlich mühsam, aber wir haben den TCS (Touring Club Schweiz), der sowas für Mitglieder übernimmt. Habt ihr in Deutschland nicht den ADAC? Die bieten doch auch Rechtsschutz und Gutachter-Vermittlung an, oder? Falls du dort Mitglied bist wäre das vielleicht der erste Anruf. ?
Ansonsten: 4.200 für dieses Auto klingt wirklich nach einer sehr konservativen Bewertung. Ich würde nicht unterschreiben.