Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
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Schuldencoach_Susanna
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Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
Ich beschäftige mich gerade intensiver mit meiner eigenen Altersvorsorge und bin dabei über eine Frage gestolpert, die mir keine Ruhe lässt: Lohnt es sich eigentlich finanziell, bis 67 zu arbeiten, statt mit 65 in Rente zu gehen?
Klar, mit 65 gibt es Abzüge — das weiß ich. 0,3 % pro Monat des vorzeitigen Renteneintritts, also 7,2 % bei zwei Jahren. Aber gleichzeitig bekommt man ja zwei Jahre früher Rente. Irgendwann müsste sich das doch ausgleichen — die Frage ist nur wann.
Ich hab mal versucht das selbst durchzurechnen, aber ich komme auf unterschiedliche Ergebnisse je nachdem wie ich es aufstelle. Angenommen, jemand würde mit 65 eine Rente von ca. 1.200 € netto bekommen (mit Abzügen), und mit 67 dann voll 1.400 € — ab welchem Alter hat der Wartende dann überhaupt mehr Geld insgesamt bekommen als der, der früher aufgehört hat?
Und dann ist da noch die Frage: Was ist mit den zwei Jahren, die man noch arbeitet? Man zahlt ja weiter Beiträge ein und verdient Entgeltpunkte. Aber man verzichtet auch auf Freizeit, Gesundheit, ggf. Lebensqualität. Das lässt sich schlecht in Euro umrechnen.
Ich frage nicht nur für mich — ich arbeite mit Menschen, die solche Entscheidungen irgendwann treffen müssen und oft keine Ahnung haben, was das konkret bedeutet. Würde mich über echte Zahlen und Erfahrungen freuen.
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ETF_Elsbeth
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
Das ist eine sehr konkrete Frage, die ich mir selbst auch schon gestellt habe — ich bin jetzt 51 und denke öfter darüber nach.
Zur Rechnung: Der Break-even-Punkt liegt bei dem von dir genannten Beispiel ungefähr so:
- Mit 65: 1.200 € × 24 Monate = 28.800 € Vorsprung bis zum 67. Lebensjahr
- Differenz danach: 1.400 € − 1.200 € = 200 € mehr pro Monat mit 67
- Break-even: 28.800 € ÷ 200 € = 144 Monate = 12 Jahre
Das heißt: Wer mit 65 anfängt, hat erst ab ca. 79 Jahren weniger Geld insgesamt bekommen als jemand der bis 67 gewartet hat. Statistisch gesehen wird ein heute 65-jähriger Mann in Deutschland im Schnitt etwa 83, eine Frau etwa 86. Also liegt man bei den reinen Zahlen knapp über dem Break-even — aber das ist kein komfortabler Puffer.
Was die Rechnung aber nicht berücksichtigt: Wer mit 65 in Rente geht und die 1.200 € anlegt (oder auch nur 30% davon), verschiebt den Break-even noch weiter nach hinten. Das ist das Argument, das viele Frührentner unterschätzen.
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Lagerist_Lars_Invest
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
krass dass du das so sauber durchgerechnet hast @ETF_Elsbeth ? ich dachte immer man muss einfach solange wie möglich arbeiten weil "mehr Rente gut"
aber wenn ich das richtig verstehe: wer gesundheitlich angeschlagen ist oder in nem stressigen job hängt, macht mit früher in rente gehen finanziell eigentlich keinen riesen fehler?? zumindest nicht sofort
ich bin 29 und das klingt nach nem problem das ich in 35 jahren hab lmao aber trotzdem interessant ?
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RatenkaufRebell_Rico
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
alter digga ich arbeite im einzelhandel und ich sag euch: ich geh mit 63 in rente ODER ich lieg vorher unterm tresen ??
ernsthaft mal — die leute die sagen "ach zwei jahre sind doch nicht so lang" haben noch nie 8 stunden kassiert oder paletten geschleppt. für büromenschen mag das anders sein aber für uns is jedes jahr mehr arbeit buchstäblich körperlich spürbar
die rentenabzüge sind mir dann ehrlich gesagt wumpe wenn ich dafür noch 2 jahre lebensqualität hab ?
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Steuerkram_Stine
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
Kurze Ergänzung zum steuerlichen Aspekt, den hier noch niemand angesprochen hat:
Die Rente ist steuerpflichtig — und zwar zunehmend. Wer 2025 in Rente geht, muss 83,5 % seiner Rente versteuern (der sog. Besteuerungsanteil). Bei 1.400 € Bruttorente landet man schnell über dem Grundfreibetrag, wenn noch andere Einkünfte dazukommen.
Wer hingegen mit 65 früher in Rente geht und dadurch weniger Bruttorente hat, zahlt unter Umständen auch weniger Steuern — oder gar keine. Das kann den Netto-Unterschied zwischen 1.200 und 1.400 € deutlich kleiner machen als er auf den ersten Blick wirkt.
Ich würde da immer empfehlen, das mal mit konkreten Zahlen beim Steuerberater oder zumindest mit dem kostenlosen Rentenrechner der DRV durchzuspielen.
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Altersvorsorge_Axel
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
Guter Thread. Ich ergänze mal ein paar Punkte, die in der Praxis oft vergessen werden:
1. Die Abzüge sind dauerhaft. Die 7,2 % werden nicht irgendwann wieder aufgeholt — sie gelten lebenslang. Wer also 20 Jahre lang Rente bezieht, zahlt diese Kürzung 20 Jahre lang. Das ist kein Einmalverlust.
2. Wer mit 65 in Rente geht, zahlt keine Rentenbeiträge mehr. Das klingt trivial, aber das bedeutet auch: kein weiterer Aufbau von Entgeltpunkten. Wer in den letzten zwei Berufsjahren noch gut verdient, verliert damit potentiell 0,5–1,5 Entgeltpunkte. Bei aktuellem Rentenwert (West: ca. 37,60 € pro Punkt, Stand 2024) sind das 20–56 € monatlich — dauerhaft.
3. Flexirente nutzen. Es gibt die Möglichkeit, ab 63 (mit ausreichend Beitragsjahren) in Teilrente zu gehen und gleichzeitig weiterzuarbeiten. Das ist für viele ein sinnvoller Mittelweg, der aber erschreckend wenig genutzt wird.
Die pauschale Antwort "früher ist besser" oder "länger ist besser" gibt es nicht. Es hängt von Gesundheit, Job, Familienstand und vor allem der privaten Vorsorge ab.
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SparschweinSprenger_Susi
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
ich versteh das alles noch nciht so richtig weil ich 22 bin und Azubi ? aber ich find es irgendwie erschreckend dass man das alles selbst durchrechnen muss?? warum erklärt einem das niemand einfach in der schule oder so
@Altersvorsorge_Axel die flexirente kannte ich gar nicht, klingt eigentlich ganz sinnvoll ?
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ModeratorStefan
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
Sehr guter Thread bisher. Kurze Anmerkung zur Methodik: Die Beispielzahlen von Susanna (1.200 vs. 1.400 € netto) sind plausibel für einen Durchschnittsverdiener, aber individuell sehr verschieden. Wer genau wissen will, wo er steht, sollte die persönliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung nutzen — die kommt jedes Jahr per Post und enthält eine Hochrechnung.
Außerdem: Die DRV hat einen Online-Rentenrechner, der auch Szenarien für früheren Renteneintritt mit Abzügen durchrechnet. Den hab ich selbst schon genutzt — ist etwas sperrig, aber die Zahlen sind realistisch.
@Steuerkram_Stine hat recht mit dem Besteuerungsanteil. Kleine Korrektur: Der Anteil steigt jährlich um 0,5 Prozentpunkte für jeden neuen Rentnerjahrgang. Wer also 2040 in Rente geht, hat ggf. schon 100% Besteuerungsanteil. Das ist ein massiver Faktor, den kaum jemand auf dem Schirm hat.
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PeterOhnePlan
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
ich check das alles so halb aber eine frage die mich wirklich umtreibt: was is wenn man einfach stirbt mit 70 ?? dann hat man die ganze zeit bis 67 geackert und kriegt am ende 3 jahre rente
ich mein das nicht zynisch ich mein das ernsthaft lol. mein opa hat mit 65 aufgehört und ist mit 68 gestorben. der hatte halt wenigstens 3 jahre was davon
irgendwie muss man da auch einfach auf sein bauchgefühl hören oder?? ?
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Schuldencoach_Susanna
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?
Danke für die vielen konkreten Antworten — das hilft wirklich weiter!
@ETF_Elsbeth deine Break-even-Rechnung ist genau das, was ich gesucht habe. 79 Jahre als Kipppunkt — das ist ehrlich gesagt später als ich dachte. Ich hab intuitiv mit 75 oder so gerechnet.
@PeterOhnePlan ich versteh was du meinst und das ist kein schlechter Einwand. Das Todesfallrisiko ist ein echtes Argument. Aber ich denke, für die meisten Menschen ist die Frage eher: Was wenn ich 85 werde und mit 65 in Rente gegangen bin? Dann zählt die monatliche Differenz plötzlich sehr.
Was mich noch interessiert: Gibt es eigentlich Möglichkeiten, die Abzüge bei Frühverrentung auszugleichen — also Ausgleichszahlungen an die Rentenkasse? Ich meine sowas gelesen zu haben, aber keine Ahnung ob das für Normalverdiener Sinn ergibt.