Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, gesetzliche Rente
Quellensteuer_Quentin
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Beitrag von Quellensteuer_Quentin »

Zur Frage von Susanna bezüglich Ausgleichszahlungen: Ja, das gibt es. Ab 50 Jahren kann man bei der DRV eine sogenannte Ausgleichszahlung leisten, um Rentenminderungen bei vorzeitigem Rentenbezug zu kompensieren. Wie das funktioniert: Die DRV berechnet auf Antrag, wie viel man einzahlen müsste, um die Abzüge vollständig oder teilweise auszugleichen. Diese Einzahlung kann auch in Raten erfolgen. Steuerlich interessant: Die Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 EStG), was je nach Steuersatz die effektiven Kosten erheblich reduziert. Rechenbeispiel grob: Wenn jemand 30.000 € einzahlt und dadurch 150 € mehr Rente pro Monat bekommt, ist der Break-even bei ca. 200 Monaten ≈ 16,7 Jahren. Mit Steuerersparnis von z.B. 42% verkürzt sich das auf effektiv ~10 Jahre. Das kann sich lohnen — muss aber individuell gerechnet werden. Die DRV stellt dafür auf Antrag eine genaue Berechnung aus (Formular V0210).
BavarianBudgetBuam
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Beitrag von BavarianBudgetBuam »

@Quellensteuer_Quentin Servus, interessant — aber 30.000 € hat halt auch ned jeder mal eben rumliegen ? Das klingt nach nem Luxusproblem für Leute mit ordentlich Erspartem. Ich sag immer: Wer bis 65 schuftet und dann noch 2 Jahre dranhängt weil die Rentenrechnung besser wird, der hat seinen Lebensplan von Excel machen lassen. Muss jeder selbst wissen. Ich bin KFZ-Meister, meine Knie werden früher aufgeben als mein Konto. Die Frage stellt sich für mich anders als für Büromensch. ?
PflegeversicherungsPetra
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Beitrag von PflegeversicherungsPetra »

Ich arbeite in der Pflege und kann @RatenkaufRebell_Rico und @BavarianBudgetBuam nur zustimmen. Körperlich belastende Berufe sind eine ganz andere Welt. Was viele nicht wissen: Es gibt die Rente für besonders langjährig Versicherte — also 45 Beitragsjahre. Wer die hat, kann schon mit 63 ohne Abzüge in Rente gehen (Jahrgang 1964: mit 65). Das ist für viele in der Pflege, im Handwerk oder im Lager realistisch, wenn man früh angefangen hat. Ich hab mit 16 als Hilfskraft angefangen. Wenn ich durchhalte, hätte ich mit 61 die 45 Jahre voll. Ob ich das körperlich schaffe ist die andere Frage... aber zumindest die Option wäre da.
ETF_Elsbeth
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Beitrag von ETF_Elsbeth »

@PflegeversicherungsPetra Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Kleine Korrektur bzw. Präzisierung: Die abschlagsfreie Rente ab 63 für besonders langjährig Versicherte (45 Jahre) gilt aktuell nur für Geburtsjahrgänge bis 1952 uneingeschränkt. Für spätere Jahrgänge wurde das Eintrittsalter schrittweise angehoben. Für den Jahrgang 1964 liegt es bei 65 Jahren, nicht 63. Das ist ein verbreitetes Missverständnis, das ich selbst lange hatte. Die genaue Tabelle findet sich auf der DRV-Seite unter "Altersrente für besonders langjährig Versicherte".
Sparquote_Simone_DO
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Beitrag von Sparquote_Simone_DO »

Ich finde den Thread super, weil er zeigt wie komplex das Thema ist — und gleichzeitig wie wenig die meisten Leute darüber nachdenken, solange sie noch 30 sind. Ich bin Personalreferentin und merke das bei Gesprächen mit Kolleginnen ständig: Fast niemand hat eine klare Vorstellung, was seine Rente mal sein wird. Die meisten schätzen viel zu optimistisch. Was ich noch einwerfen wollte: Die Opportunitätskosten der zwei Jahre werden fast nie eingerechnet. Wer mit 65 aufhört und die gewonnene Zeit nutzt, um z.B. pflegebedürftige Eltern zu unterstützen, Enkel zu betreuen oder einfach gesund zu bleiben — das hat einen echten Wert, der sich nicht in der Rentenberechnung zeigt. Gesundheitsökonomen schätzen, dass frühere Verrentung bei körperlich Beschäftigten die Lebenserwartung sogar leicht erhöhen kann. Das verschiebt den Break-even zusätzlich. Rente ist eben nicht nur Mathe. ?
Lagerist_Lars_Invest
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Re: Rente mit 67 vs 65 – lohnt sich 2 Jahre länger arbeiten wirklich?

Beitrag von Lagerist_Lars_Invest »

ok ich hab jetzt den ganzen thread nochmal gelesen und mein fazit als 29-jähriger lagerist: 1. rente mit 67 lohnt sich finanziell nur wenn man alt genug wird (so ab 79 laut @ETF_Elsbeth) 2. für körperjobs ist früher rausgehen oft sinnvoller auch wenn man abzüge hat 3. ausgleichszahlungen sind ne option aber braucht man kohle für 4. am besten trotzdem privat vorsorgen damit man überhaupt die wahl hat punkt 4 ist wahrscheinlich der wichtigste und den machen die wenigsten ? ich auch noch zu wenig tbh
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