Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, gesetzliche Rente
AltersvorsorgeAnfänger_A
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Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von AltersvorsorgeAnfänger_A »

Hallo zusammen, ich dreh hier gerade ein bisschen durch und hoffe dass mir jemand helfen kann. Ich hab bis vor zwei Jahren bei nem Betrieb gearbeitet wo ich über den Arbeitgeber in eine Pensionskasse eingezahlt hab – das lief alles automatisch, ich hab da ehrlich gesagt nie großartig drüber nachgedacht. Waren glaub ich so 4-5 Jahre Beiträge. Jetzt hab ich von nem Kumpel gehört, dass diese Pensionskasse wohl in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Er meinte irgendwas von BaFin-Aufsicht und Leistungskürzungen. Ich hab dann selbst mal gegoogelt und da steht tatsächlich was von Sanierungsbedarf und so. Meine Fragen: - Was passiert mit meinen eingezahlten Kohlen wenn die wirklich pleite gehen? - Springt da irgendein Sicherungsfonds ein? Ich hab mal was vom Pensions-Sicherungs-Verein gehört aber ich weiß nicht ob das für Pensionskassen überhaupt gilt - Was soll ich jetzt konkret tun? Irgendwelche Briefe schreiben, Fristen beachten? Ich bin 31 und das ist zwar noch weit bis zur Rente aber ich will halt nicht einfach zusehen wie mein Geld weg ist. Bin Mechatroniker, von Finanzkram hab ich echt keine Ahnung. Danke schonmal
DepotDepp_Denny
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von DepotDepp_Denny »

Alter, das klingt nach nem richtig miesen Tag ? Keine Panik aber erstmal – Pensionskassen können in DE nicht einfach so puff verschwinden wie ne Pommesbude. Der PSVaG (Pensions-Sicherungs-Verein) ist tatsächlich ne Sache – ABER: der gilt hauptsächlich für Direktzusagen und Unterstützungskassen, also Pensionsfonds ja, Pensionskassen nur bedingt!! Das ist der Haken. Bei Pensionskassen greift der PSVaG normalerweise NICHT. Stattdessen ist die BaFin zuständig und kann eingreifen bevor's zur richtigen Insolvenz kommt. Schreib auf jeden Fall mal deinem alten Arbeitgeber an – der haftet nämlich subsidiär für deine Ansprüche wenn die Pensionskasse kürzt ? Das vergessen viele!
AzubineAmelieH
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von AzubineAmelieH »

warte mal kurz ich versteh das grad nicht ganz ? also der ARBEITGEBER haftet dann für das geld?? auch wenn man da schon gar nicht mehr arbeitet?? weil das wär ja krass, ich zahl auch grad über meine firma in irgendwas ein und hab keine ahnung was das überhaupt ist lol
HamburgerHaushalt_Hanne
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von HamburgerHaushalt_Hanne »

@AzubineAmelieH Ja genau so ist das! Das nennt sich subsidiäre Haftung des Arbeitgebers nach § 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG. Der Arbeitgeber steht quasi als Ausfallbürge dahinter, auch wenn du längst weg bist. Das gilt solange dein Anspruch als unverfallbar gilt – und der wird unverfallbar wenn du mindestens 3 Jahre dabei warst UND das 21. Lebensjahr vollendet hast (seit 2018, davor galten andere Fristen). @AltersvorsorgeAnfänger_Axel Axel, 4-5 Jahre eingezahlt – du bist also sehr wahrscheinlich auf der sicheren Seite was Unverfallbarkeit angeht ? Dein Ex-Arbeitgeber muss ran wenn die Pensionskasse kürzt. Das ist gesetzlich so geregelt. Erste konkrete Schritte: - Ruf bei deiner alten Firma an oder schreib eine Mail – frag nach deinem aktuellen Stand und der Versorgungszusage - Hol dir deinen letzten Jahresauszug der Pensionskasse raus - Schau ob du eine schriftliche Versorgungszusage hast (die solltest du bekommen haben als du eingetreten bist) Keine Panik, aber dran bleiben! ?
FrugalistFinn_aus_Kiel
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von FrugalistFinn_aus_Kiel »

Hanne hat das gut zusammengefasst. Ich ergänz noch kurz den PSVaG-Punkt weil da viel Verwirrung herrscht: PSVaG sichert ab: Direktzusagen, Unterstützungskassen, Pensionsfonds (regulierte) PSVaG sichert NICHT ab: Pensionskassen (reguläre), Direktversicherungen Bei Pensionskassen ist die BaFin der zentrale Akteur. Die kann Leistungskürzungen genehmigen (das ist das was du wohl gelesen hast), aber auch Sanierungs- und Finanzierungsmaßnahmen anordnen. Das klingt schlimm, ist aber oft kein Totalverlust – eher ein Haircut von 5-20%. Welche Pensionskasse ist es denn? Falls du's sagen magst – manche haben öffentlich bekannte Probleme (Caritas, BVV etc. hatten alle schon Presse). Ohne Namen ist die Einschätzung schwierig.
AltersvorsorgeAnfänger_A
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von AltersvorsorgeAnfänger_A »

@FrugalistFinn_aus_Kiel ich sag mal lieber keinen Namen öffentlich, will nix falsches schreiben. Aber ja, es geht um ne kleinere branchenspezifische Kasse, nicht die ganz großen. @HamburgerHaushalt_Hanne danke für die konkreten Schritte, das hilft wirklich! Ich glaub ich hab irgendwo noch Unterlagen, muss ich suchen.
SparschweinSophie_CH
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von SparschweinSophie_CH »

Ich bin zwar aus der Schweiz und unser System ist komplett anders (BVG mit Sicherheitsfonds, der wirklich universell einspringt), aber ich find das erschreckend wie wenig Leute in DE wissen in was sie da einzahlen. Eine Frage an die Deutschen hier: Gibt es eigentlich keine Pflichtinformation an die Versicherten wenn eine Pensionskasse in Schieflage gerät? Bei uns kriegt man da recht schnell Post.
LangzeitanlegerLothar
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von LangzeitanlegerLothar »

@SparschweinSophie_CH Die BaFin veröffentlicht zwar Informationen, aber eine direkte Informationspflicht gegenüber den Versicherten ist in Deutschland tatsächlich schwach ausgeprägt. Die Pensionskasse selbst muss bei geplanten Leistungskürzungen die Versicherten schriftlich informieren – aber das passiert oft sehr spät im Prozess. Zum eigentlichen Thema: Axel, ich unterrichte seit Jahren Wirtschaft und erkläre das meinen Schülern immer so: Eine Pensionskasse ist ein reguliertes Versicherungsunternehmen. Sie kann nicht einfach insolvent werden wie ein normales Unternehmen, weil die BaFin vorher eingreift. Was aber passieren kann – und das ist das eigentlich Unangenehme – ist eine dauerhafte Leistungskürzung. Konkret: Du bekommst später weniger Rente als zugesagt, aber nicht null. Die subsidiäre Arbeitgeberhaftung ist dein wichtigstes Instrument. Dein Ex-Arbeitgeber muss die Differenz ausgleichen. Falls dieser selbst insolvent ist, dann greift tatsächlich der PSVaG – das ist die letzte Sicherungsstufe.
RentnerKarlheinz
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von RentnerKarlheinz »

Ich möchte mal aus der Praxis berichten. Ich war zwar Beamter und hatte somit Pension, aber ein Kollege von mir hat genau dieses Problem mit seiner betrieblichn Altersvorsorge erlebt – vor etwa 8 Jahren. Seine Pensionskasse hat Leistungen um 12 Prozent gekürzt. Er hat dann seinen ehemaligen Arbeitgeber (ein mittelständisches Unternehmen) angeschrieben und die haben tatsächlich gezahlt, also den Differenzbetrag übernommen. Hat aber fast ein Jahr gedauert bis alles geklärt war. Schriftlich alles festhalten!
MaklerSchreck_Marko
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Re: Pensionskasse insolvent – bin ich jetzt meinen Rentenanspruch los?

Beitrag von MaklerSchreck_Marko »

Na toll, wieder mal das deutsche Vorsorgesystem das einem das Vertrauen in die bAV versaut ? Ernsthaft mal: wieso macht man sowas eigentlich noch freiwillig mit? Ich mein klar, Arbeitgeberzuschuss und Steuerersparnis sind nice – aber wenn ich hören muss dass die Kasse kürzt und ich dann meinen Ex-Chef verklagen muss um mein Geld zu kriegen... da kauf ich doch lieber einfach nen ETF-Sparplan und gut ist. @AltersvorsorgeAnfänger_Axel für dich jetzt: Anwalt für Arbeitsrecht könnte sinnvoll sein wenn der Arbeitgeber nicht kooperiert. Erstberatung kostet meist 190 Euro, lohnt sich aber wenn da ein paar Tausender auf dem Spiel stehen.
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