Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
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Festgeldfreund_Florian
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Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
Guten Tag zusammen,
ich habe in letzter Zeit öfter gelesen, dass Geldmarktfonds als Alternative zum klassischen Tagesgeld gehandelt werden. Bisher parke ich meine Notfallreserve und einen Teil meiner kurzfristigen Rücklagen – zusammen knapp 30.000 Euro – auf einem Tagesgeldkonto bei der ING (aktuell 3,0 % für Neukunden, danach 2,5 %). Das reicht mir ehrlich gesagt nicht mehr wirklich, zumal der Zinssatz jederzeit gesenkt werden kann.
Nun bin ich auf Produkte wie den Xtrackers EUR Overnight Rate Swap ETF (DBX0AN) oder den Amundi Euro Liquidity UCITS ETF gestoßen. Die sollen sich an ESTR oder EURIBOR orientieren und aktuell auch so um die 3,5–3,7 % netto-ähnlich abwerfen.
Was mich beschäftigt:
- Ist das Risiko wirklich höher als beim Tagesgeld? Stichwort Einlagensicherung fehlt ja beim ETF.
- Wie läuft die steuerliche Behandlung? Ich habe gelesen, dass es bei thesaurierenden Fonds eine Vorabpauschale gibt – wie wirkt sich das konkret aus?
- Lohnt sich der Umstieg bei 30.000 Euro überhaupt, wenn man den Aufwand einrechnet?
Ich bin kein Anfänger, habe aber bisher hauptsächlich Festgeld und Tagesgeld genutzt. ETFs auf Aktien habe ich auch im Depot, aber das hier fühlt sich nochmal anders an.
Über konkrete Erfahrungen oder Zahlenvergleiche würde ich mich freuen.
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MobilePayMirko
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
Hey Florian, coole Frage – ich hab den Wechsel vor ~8 Monaten selbst gemacht, also kann ich aus eigener Erfahrung berichten.
Zur Einlagensicherung: Ja, die fehlt beim ETF – stimmt. Aber bei einem UCITS-ETF ist das Fondsvermögen Sondervermögen, d.h. wenn der Anbieter (Amundi, Xtrackers etc.) pleitegeht, ist dein Geld trotzdem geschützt. Das Risiko ist anders als beim Tagesgeld, aber nicht unbedingt höher. Was du hast, ist ein minimales Marktrisiko (der NAV schwankt leicht) und theoretisch Kontrahentenrisiko bei Swap-ETFs – beim physischen Replizierer fällt letzteres weg.
Der Xtrackers DBX0AN ist Swap-basiert, der Amundi Euro Liquidity ETF (LU1190417599) repliziert physisch. Ich nutze den Amundi über Trade Republic, läuft super. ?
Zu Vorabpauschale: Bei einem Geldmarktfonds mit ~3,5% Rendite und dem aktuellen Basiszinssatz von 2,29% (2024) fällt eine Vorabpauschale an – aber die ist überschaubar. Bei 30k wären das grob 100–130€ steuerpflichtig, also ~25€ Steuer, die du im Januar vom Verrechnungskonto brauchst. Kein Drama, wenn du genug Cash auf dem Depot hast.
Lohnt sich der Wechsel? Bei 30k und ~0,5% Unterschied wären das 150€ mehr pro Jahr. Ob dir das den Aufwand wert ist – musst du selbst entscheiden ?
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RürupRechnerRalf
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
Ein paar Ergänzungen, die ich für wichtig halte:
Die steuerliche Behandlung ist beim Geldmarktfonds tatsächlich etwas komplexer als beim Tagesgeld, wo die Zinsen schlicht als Kapitalertrag anfallen und automatisch mit 25% + Soli abgeführt werden.
Beim thesaurierenden ETF gibt es zwei Ebenen: (1) Die laufenden Erträge werden bereits auf Fondsebene mit einer Teilfreistellung von 0% (Rentenfonds ohne Aktienanteil) besteuert, und (2) die Vorabpauschale, die Mirko erwähnt hat. Der Basiszins 2024 liegt bei 2,29%, die Vorabpauschale berechnet sich als: Fondswert × Basiszins × 0,7. Bei 30.000€ wären das also 30.000 × 0,0229 × 0,7 = 481,- € steuerpflichtiger Betrag, darauf ~25% = ca. 120 € Steuerbelastung. Das wird im Januar fällig. Wichtig: Das wird auf die spätere Kapitalertragsteuer beim Verkauf angerechnet, ist also kein verlorenes Geld.
Was Mirko zum Sondervermögen sagt, ist korrekt. Ich würde dennoch darauf hinweisen, dass das Tagesgeld bis 100.000€ durch die gesetzliche Einlagensicherung der EU gedeckt ist – das ist ein anderer, direkterer Schutz. Für eine Notfallreserve ist mir persönlich der psychologische Faktor nicht egal.
Mein Fazit: Bei 30.000€ und einem Zeithorizont von mehreren Jahren – warum nicht einen Teil (z.B. 20.000€) in den Geldmarktfonds und 10.000€ im Tagesgeld als direkt zugänglichen Puffer?
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KassenzettelKlara
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
Ich steu mal was bei weil ich das letzte Jahr auch durchdacht habe ?
Also ich hab 15k auf dem Geldmarkfonds (Amundi bei Scalable) und 5k als echtes Tagesgeld für "oh nein der Kühlschrank ist kaputt"-Momente. Das fühlt sich gut an.
Was ich unterschätzt hab: Der ETF ist nicht immer sofort verfügbar. Scalable braucht beim Verkauf 2-3 Handelstage bis das Geld auf dem Verrechnungskonto ist, dann nochmal paar Tage bis zur Überweisung. Das sind schnell 5-7 Werktage. Fürs Notfallpolster also nicht ideal wenn mans wirklich eilig hat.
Tagesgeld = sofort. ETF = irgendwann diese Woche. Klingt nach wenig, aber wenn du dringend 3000€ brauchst macht das nen Unterschied ?
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GiroGrüblerGabriel
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
lol ich hab das hier gelesen und dachte kurz "oh nice, 150€ mehr im Jahr" und dann hab ich gerechnet was ich letzten Monat für unnötigen Kram ausgegeben hab ?
Nein aber ernsthaft: Für Leute wie mich die unregelmäßige Einnahmen haben ist das Liquiditätsproblem das Klara anspricht SEHR real. Ich brauch manchmal kurzfristig Geld wenn ein Auftrag später zahlt als gedacht. Da ist Tagesgeld einfach stressfreier.
Aber wenn du Florian sagst du hast 30k dort und das ist wirklich langfristig geparkt ohne dass du da regelmäßig dran musst – dann würd ich schon wechseln. Oder halt den Split den Ralf vorschlägt.
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FinanzFinn
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
ok ich muss hier mal den Elefanten im Raum ansprechen: der Zinsvorteil von 0,5% p.a. bei 30k sind 150€ brutto im Jahr ?
Nach Steuer bleiben davon ~110€. Dafür Depot eröffnen, Fonds kaufen, Vorabpauschale im Januar koordinieren, Steuererklärung komplizierter... ich weiß nicht Mann.
Wenn die Zinsdifferenz größer wäre oder die Summe deutlich höher (100k+) – klar, no-brainer. Aber bei 30k und ~0,5% Spread? Das ist ne persönliche Entscheidung, ob einem das der mentale Overhead wert ist.
Ich hab übrigens beides ? weil ich nicht entscheiden konnte.
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Dispofreiheit_Detlef
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
Ich würd das so sehen: Tagesgeld ist für Leute die nachts ruhig schlafen wollen. Geldmarktfond ist für Leute die auch nachts ruhig schlafen wollen aber vorher noch kurz googeln was ESTR ist ?
Ich hab selber nix davon weil bei mir das Geld eh nie lang rumliegt, aber mein Schwager hat genau so nen Split wie Ralf beschreibt und ist zufrieden. Der sagt der Aufwand hält sich in Grenzen wenn mans einmal eingerichtet hat.
Wichtig find ich was Klara sagt mit den Handelstagen. Das hab ich ehrlich gesagt gar nciht gewust.
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RürupRechnerRalf
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
FinanzFinn schrieb:Nach Steuer bleiben davon ~110€. Dafür Depot eröffnen, Fonds kaufen, Vorabpauschale im Januar koordinieren...
Das ist ein valider Punkt – aber ich würde die Rechnung etwas differenzierter sehen. Der Zinsunterschied ist heute 0,5%. In 6 Monaten kann das Tagesgeld auf 2,0% fallen (ING hat das historisch mehrfach schnell angepasst), der Geldmarktfonds folgt dagegen automatisch dem ESTR. Die Frage ist also nicht nur der heutige Spread, sondern die strukturelle Robustheit gegen Zinssenkungen.
Wer glaubt, dass die EZB 2025 weiter senkt, hat mit dem Geldmarktfonds mittelfristig nicht unbedingt mehr Rendite – aber wahrscheinlich auch nicht weniger als mit einem aktiv gemanagten Tagesgeldkonto das gerade in einer Aktionszinsphase ist.
Für Florian konkret: Die ING-Konditionen laufen irgendwann aus. Dann ist die Rechnung eine andere.
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MobilePayMirko
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Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
@RürupRechnerRalf genau das ist der Punkt den die meisten übersehen. Das Tagesgeld-Zins-Hamsterrad – ING läuft aus, dann zu DKB, dann zu Comdirect, dann irgendwann hat man keine "Neukunden"-Angebote mehr oder keinen Bock mehr auf den Aufwand. ?
Der Geldmarktfonds läuft einfach weiter. Set and forget im wahrsten Sinne.
@Festgeldfreund_Florian: Schau dir mal den Vergleich ESTR vs. durchschnittliche Tagesgeldverzinsung über 2022-2024 an – der ETF lag fast durchgehend über dem Marktdurchschnitt, nur die Spitzenangebote (Neukunden) waren teils besser.
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Festgeldfreund_Florian
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- Registriert: Fr Nov 27, 2020 11:00 pm
Re: Tagesgeld vs Geldmarktfonds – lohnt sich der Wechsel bei 30.000€?
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten – das hat mir wirklich weitergeholfen.
Den Punkt mit den auslaufenden Neukunden-Konditionen hatte ich ehrlich gesagt verdrängt. Meine ING-Phase läuft in drei Monaten aus, dann bin ich wieder bei 2,5% oder muss erneut wechseln. Das ist tatsächlich ein Argument das ich unterschätzt habe.
Ich werde es wohl so machen wie Ralf vorschlägt: 10.000€ bleiben als Tagesgeld für kurzfristige Liquidität, die restlichen 20.000€ gehen in den Amundi Euro Liquidity ETF (den physischen, kein Swap). Depot habe ich bei der comdirect, da sollte das unkompliziert einzurichten sein.
Die Vorabpauschalen-Berechnung von Ralf habe ich mir nochmal ausgedruckt, das macht Sinn. Ich stelle sicher, dass auf dem Verrechnungskonto immer genug für Januar liegt.
Was die 150€ Mehrertrag angeht – Finn hat natürlich recht, das ist kein Lebenswandel. Aber wenn der Spread sich durch sinkende Tagesgeldzinsen ausweitet, bin ich froh das schon umgestellt zu haben.