Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher, Zinsvergleiche
ETF_Entdecker_Eddi
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Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von ETF_Entdecker_Eddi »

Hey Leute, ich hab letztens einen Artikel über die sogenannte Tagesgeld-Leiter Strategie gelesen und auch über die Festgeld-Variante. Prinzip kenn ich grob: man teilt sein Geld auf verschiedene Laufzeiten oder Konten auf, damit man immer irgendwie an Geld rankommt aber trotzdem höhere Zinsen mitnimmt. Klingt erstmal logisch. Aber ich frag mich ehrlich gesagt — lohnt sich das überhaupt? Also ich hab so ca. 8.000 € Notgroschen rumliegen, der Rest ist in ETFs. Hat das jemand mal richtig durchgerechnet? Also wirklich mit konkreten Zahlen, welcher Anbieter, welche Laufzeiten, und was am Ende mehr auf dem Konto ist im Vergleich zu einfach alles auf ein Tagesgeldkonto packen? Und noch was: bei welchen Beträgen fängt das überhaupt an, relevant zu werden? Ich stell mir vor dass der Zinsunterschied zwischen 3 Monaten und 12 Monaten Festgeld bei 8k vielleicht 30€ mehr im Jahr ist oder so — und dafür dann 4 Konten verwalten? Weiß nicht ob mir das den Stress wert ist ? Bin kein Finanzprofi, bin Lagerist in Dortmund und versuch halt mein Geld nicht auf dem Konto schlafen zu lassen. Freue mich über echte Erfahrungen, nicht nur Theorie!
TagesgeldTanja_FFM
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von TagesgeldTanja_FFM »

Hi Eddi, ich mach das tatsächlich seit gut zwei Jahren und hab mir damals eine kleine Tabelle gebaut. Lass mich konkret werden: Angenommen du hast 8.000 € und legst alles auf ein Tagesgeld bei aktuell z.B. 3,0% p.a. (ING, DKB, Trade Republic — je nach Aktionsangebot). Das wären 240 € Zinsen im Jahr, brutto. Jetzt die Leiter-Variante mit Festgeld: du teilst z.B. auf in 4 Tranchen à 2.000 €: - 2.000 € Tagesgeld (~3,0%) - 2.000 € Festgeld 3 Monate (~3,2%) - 2.000 € Festgeld 6 Monate (~3,4%) - 2.000 € Festgeld 12 Monate (~3,6%) Durchschnittszins wäre dann ca. 3,3%, also 264 € brutto. Unterschied: läppische 24 € im Jahr. Bei 8k macht das keinen Sinn. Ich würd die Grenze bei mindestens 30.000–50.000 € ansetzen, bevor sich der Verwaltungsaufwand rechtfertigt. Darunter: ein gutes Tagesgeldkonto, fertig.
Quellensteuer_Quentin
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von Quellensteuer_Quentin »

@TagesgeldTanja_FFM hat das gut zusammengefasst. Ich möchte aber einen Punkt ergänzen, der oft übersehen wird: Wenn du Festgeld bei ausländischen Anbietern (z.B. über Weltsparen/Raisin) nutzt, kann es sein, dass eine Quellensteuer im Herkunftsland einbehalten wird — z.B. bei portugiesischen oder rumänischen Banken. Die ist zwar anrechenbar, bedeutet aber zusätzlichen Aufwand in der Steuererklärung. Bei einem Mehrverdienst von 24 € im Jahr ist das schlicht nicht verhältnismäßig. Zur Festgeld-Leiter grundsätzlich: das Konzept macht strategisch mehr Sinn bei der Liquiditätsplanung als bei der Renditeoptimierung. Wenn du weißt, dass du in 6 Monaten Geld für ein Auto brauchst, aber den Rest 12 Monate nicht anfasst — dann ist es sinnvoll. Nicht wegen der Zinsdifferenz, sondern wegen der Planbarkeit.
WenigerIstMehr_Willi
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von WenigerIstMehr_Willi »

also ich sag's kurz: für 8k ist das overkill ? ich hab mal versucht drei verschiedene Festgeldkonten zu verwalten und nach vier Monaten hatte ich keine Ahnung mehr wann was ausläuft. Notizen auf Papier, Kalendereinträge, Erinnerungsmails an mich selbst... für am Ende vielleicht 18€ mehr. Nope. Trade Republic Tagesgeld, fertig. 3,75% aktuell (Stand: letzte Woche), kein Aufwand, täglich verfügbar. Das ist meine Leiter — eine Sprosse, genau die richtige Höhe ?
PragmatikPaula
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von PragmatikPaula »

Ich sehe das etwas differenzierter als Willi, auch wenn ich seinen Pragmatismus verstehe. Die Festgeld-Leiter hat bei größeren Beträgen einen Vorteil, der in dieser Diskussion noch nicht genannt wurde: Zinssicherung in einem fallenden Zinsumfeld. Wer im Frühjahr 2023 eine 12-monatige Leiter aufgebaut hat, hatte bis Anfang 2024 noch 4,0–4,2% auf Teile seines Geldes — während Tagesgeldkonten bereits auf 3,0–3,2% gesunken waren. Das ist kein riesiger Betrag, aber bei 50.000 € und 0,8 Prozentpunkten Differenz auf eine Jahrestranche sprechen wir von ca. 400 € Mehrertrag brutto. Das rechtfertigt dann durchaus etwas Verwaltungsaufwand. Für Eddis 8.000 €: Tanja hat recht, das lohnt sich nicht. Aber das Konzept an sich ist nicht dumm — es skaliert nur schlecht nach unten.
MedizinstudentMax_HH
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von MedizinstudentMax_HH »

Interessante Diskussion. Ich hab mit viel weniger Geld angefangen als ihr alle (danke BAföG ?) und frag mich: gibt es eigentlich eine Untergrenze, ab der Festgeld überhaupt Sinn macht? Also ich mein — wenn ich 3.000 € Notgroschen hab und davon 1.500 € für 12 Monate einsperre, und dann kommt doch irgendwas dazwischen, hab ich ein Problem. Tagesgeld fühlt sich da sicherer an, auch wenn der Zins etwas schlechter ist.
TagesgeldTanja_FFM
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von TagesgeldTanja_FFM »

MedizinstudentMax_HH schrieb:wenn ich 3.000 € Notgroschen hab und davon 1.500 € für 12 Monate einsperre, und dann kommt doch irgendwas dazwischen Genau das ist der Kernpunkt, Max. Den Notgroschen sollte man grundsätzlich nicht in Festgeld stecken — der muss liquide bleiben. Die Faustformel: erst wenn du über deinen Notgroschen hinaus sparst (also Geld das du definitiv x Monate nicht brauchst), kommt Festgeld überhaupt in Frage. Für dich klingt Tagesgeld aktuell tatsächlich die bessere Wahl.
WochenmarktWanda
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von WochenmarktWanda »

hallo zusammen ? ich les hier immer gerne mit aber meld mich mal zu wort! ich hab das mit der Leiter bei Weltsparen probiert, also Raisin heißt das glaub ich jetzt offiziell. War garnicht so kompliziert wie ich dachte, die haben ein Dashboard wo man alles sieht ? Ich hab 15.000€ aufgeteilt: 5k Tagesgeld (war damals bei der Younited Credit glaub 3,8%), 5k für 6 Monate und 5k für 12 Monate Festgeld. Am Ende des Jahres waren es ungefär 70-80€ mehr als wenn ich alles auf dem DKB Tagesgeld gelassen hätte. Ob mir das den Aufwand wert war? Ehrlichgesagt... naja ? einmal einrichten war okay aber dann wollte ich beim Auslaufen wieder verlängern und musste mich nochmal einloggen und entscheiden und so. Ich mach jetzt einfach nur noch das 12-Monat Festgeld für den Teil den ich sicher nicht brauch und der Rest bleibt Tagesgeld ✌️
Abgeltungssteuer_August
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von Abgeltungssteuer_August »

Ich möchte einen steuerlichen Aspekt in diese Diskussion einbringen, der bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Alle genannten Zahlen sind Bruttozinsen. Nach Abgeltungssteuer (25%) zuzüglich Solidaritätszuschlag verbleiben Ihnen effektiv rund 73,6% der Erträge — sofern Sie den Sparerpauschbetrag (1.000 € für Einzelpersonen, 2.000 € für Ehepaare) bereits durch andere Kapitalerträge ausgeschöpft haben oder ausschöpfen werden. Konkret: Tanja hat 24 € Mehrverdienst durch die Leiter errechnet. Netto wären das bei voll ausgereiztem Pauschbetrag ca. 17,60 €. Ist das relevant? Nein. Was hingegen relevant ist: Stellen Sie sicher, dass Sie einen Freistellungsauftrag bei jedem Institut eingerichtet haben, bei dem Sie Zinsen erzielen. Sonst wird die Steuer automatisch einbehalten und Sie müssen sie sich über die Steuererklärung zurückholen — was administrativ aufwendiger ist als die Leiter selbst.
ETF_Entdecker_Eddi
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von ETF_Entdecker_Eddi »

wow okay das hat mir echt geholfen, danke an alle ? Zusammenfassung für mich selbst (und falls jemand später sucht): - Bei 8k lohnt die Leiter nicht — Differenz zu simplem Tagesgeld sind ~20€ netto im Jahr - Sinnvoll ab ~30-50k, oder wenn man konkret weiß wann man das Geld braucht (Liquiditätsplanung, wie @Quellensteuer_Quentin sagt) - Stategisch interessant wenn Zinsen fallen könnten — dann Festgeld sichert höhere Zinsen - Freistellungsauftrag nicht vergessen!! (danke @Abgeltungssteuer_August, hätte ich glatt vergessen bei nem neuen Konto) Ich bleib erstmal bei Trade Republic Tagesgeld für den Notgroschen. Wenn ich irgendwann mehr angespart hab und über den Notgroschen rauskomme, dann schau ich nochmal. Macht Sinn so ?
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