Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, gesetzliche Rente
VersicherungsVerdrossenV
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von VersicherungsVerdrossenV »

Was ich noch niemanden erwähnen sehen habe: Es gibt auch Riester-ETF-Fondssparpläne. Sutor Bank zum Beispiel bietet das an, früher war auch fairr.de groß – die haben aber eingestellt. Das wäre theoretisch eine Mischung aus staatlicher Förderung und Aktienrendite. Aber auch da gilt: Die Beitragsgarantie kostet Rendite, und die Verwaltungskosten fressen noch mehr. Für jemanden ohne Kinder und ohne sehr hohes Einkommen würde ich das auch nicht empfehlen. Insgesamt: Der klassische Riester-Banksparplan bei der Sparkasse ist wahrscheinlich das schlechteste Produkt das man sich 2022/23 noch andrehen lassen konnte. Beitragsfrei stellen, ETF-Sparplan, Ende der Geschichte.
ETF_Elsbeth
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von ETF_Elsbeth »

Ich unterrichte selbst und erkläre meinen Kollegen manchmal die Grundlagen der Altersvorsorge – da kommen immer wieder dieselben Missverständnisse. Eines davon: Viele glauben, Riester sei automatisch sicher und ETFs seien Zockerei. Das stimmt so nicht. Ein breit diversifizierter ETF auf den MSCI World enthält über 1.500 Unternehmen aus 23 Ländern. Das ist keine Spekulation, das ist strukturiertes Investieren in die globale Wirtschaft. Bei einem 28-Jährigen mit 39 Jahren bis zur Rente kann man kurzfristige Schwankungen sehr gut aussitzen. Das ist genau der Zeitraum, in dem ein Aktien-ETF sein volles Potenzial entfalten kann. Riester-Banksparplan ist in diesem Zeitraum renditetechnisch einfach nicht konkurrenzfähig. Ich würde dem Neffen auch empfehlen, sich den Finanztip-Riester-Rechner anzuschauen – die haben das gut aufbereitet, ohne Werbung für bestimmte Produkte zu machen.
NettorenditeNicolas
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von NettorenditeNicolas »

Ich möchte eine Zahl in den Raum stellen, die in dieser Diskussion fehlt: die effektive Förderquote. Bei 38.000 € brutto, ledig, keine Kinder: 175 € Zulage pro Jahr. Wenn er 80 € monatlich einzahlt (960 € p.a.), beträgt sein Eigenanteil nach Zulage 785 €. Die Förderquote liegt damit bei etwa 18 %. Das klingt erstmal nicht schlecht. Aber: Bei einem Banksparplan mit realen Ertragsaussichten von 2–3 % und einer Laufzeit von 39 Jahren ist die Förderung durch die Renditeeinbuße gegenüber einem ETF mehr als aufgefressen. Wenn der ETF 6 % p.a. nach Kosten bringt und der Riester 2,5 %, dann beträgt der Unterschied bei 80 € monatlich nach 39 Jahren über 100.000 € – selbst unter Berücksichtigung der nachgelagerten Besteuerung der Riester-Rente. Das ist keine Meinung. Das ist Zinseszinsrechnung.
Steuerflüsterin_Stefanie
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von Steuerflüsterin_Stefanie »

Ich möchte kurz auf den steuerlichen Aspekt eingehen, weil das oft falsch dargestellt wird – auch hier im Thread ein bisschen. Der Sonderausgabenabzug bei Riester: Ja, man kann bis zu 2.100 € geltend machen. Aber das Finanzamt prüft, ob der Steuervorteil größer ist als die Zulage. Wenn nicht, gibt's nur die Zulage – also keine Doppelförderung. Bei 38.000 € brutto und einem zu versteuernden Einkommen von schätzungsweise 28.000–29.000 € (nach Werbungskosten- und Sonderausgabenpauschale) liegt der Grenzsteuersatz bei rund 30–33 %. Auf 960 € Einzahlungen minus 175 € Zulage = 785 € Eigenanteil. Steuervorteil: maximal ~260 € minus die bereits verrechnete Zulage. Netto-Steuervorteil also sehr überschaubar, unter 100 € im Jahr. Und wichtig: Die Riester-Rente wird im Alter voll versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Wenn er im Alter wenig verdient, ist das günstig – aber beim ETF zahlt er nur 25 % Abgeltungsteuer auf Gewinne. Das muss man gegenrechnen. ?
VaterVierKinder_Bernd
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von VaterVierKinder_Bernd »

NettorenditeNicolas schrieb:Das ist keine Meinung. Das ist Zinseszinsrechnung. ? Das Zitat des Threads. Kann man eigentlich als Signatur nehmen. Ernsthaft aber: Ich glaube wir sind uns hier alle einig, was selten genug vorkommt. Beitragsfrei stellen, ETF-Sparplan aufsetzen, fertig. Dem Neffen viel Erfolg – mit 28 hat er noch so viel Zeit, dass selbst ein paar verschwendete Jahre mit Riester nicht tragisch sind.
RentenpunktRosemarie
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von RentenpunktRosemarie »

Ich lese hier immer mit und lerne noch was, auch mit 68 Jahren. Hätte ich damals gewusst, was ETFs sind, hätte ich vieles anders gemacht. Aber eine Frage an die Experten hier: Was ist eigentlich mit der gesetzlichen Rente? Ihr Neffe zahlt doch monatlich in die Rentenversicherung ein. Reicht das als Basis nicht irgendwann? Ich frage nur weil ich das Gefühl habe, daß viele junge Leute heute gar nicht mehr wissen, was sie aus der gesetzlichen Rente überhaupt erwarten können.
Zinsoptimist77
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von Zinsoptimist77 »

@RentenpunktRosemarie Gute Frage. Bei 38.000 € brutto und 45 Beitragsjahren würde er heute ca. 1.400–1.500 € gesetzliche Rente im Monat bekommen (Stand aktuelle Rentenwerte, nominal). Real – also nach Inflation – ist das deutlich weniger. Das Rentenniveau sinkt zudem langfristig weiter. Kurze Antwort: Nein, die gesetzliche Rente allein reicht nicht für einen komfortablen Ruhestand. Deshalb ist private Vorsorge wichtig – aber halt bitte in sinnvollen Produkten. ?
FestgeldFabienne
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von FestgeldFabienne »

Als Bankkauffrau muss ich kurz was loswerden, auch wenn's unbequem ist: Sparkassen-Berater haben ein Interesse daran, solche Produkte zu verkaufen. Nicht weil sie böse sind, sondern weil das ihr Job ist und sie Ziele haben. Ein Riester-Banksparplan ist einfach zu verkaufen und klingt solide. Das bedeutet nicht, dass alle Bankberater schlechte Empfehlungen geben. Aber bei Altersvorsorgeprodukten mit 40-jährigem Horizont lohnt sich immer eine Zweitmeinung – zum Beispiel bei einem unabhängigen Honorarberater oder eben in Foren wie diesem. ? Zur Ausgangsfrage: Beitragsfrei stellen, ETF-Sparplan. Das ist hier Konsens und der ist berechtigt.
Nebenkostenninja_Nils
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Re: Riester oder ETF-Sparplan mit 28 Jahren – was macht bei 38k Brutto mehr Sinn?

Beitrag von Nebenkostenninja_Nils »

Sorry für den Necro-Post, aber ich wollte kurz updaten: Ich war in fast derselben Situation wie der Neffe. Hab meinen Riester-Banksparplan vor 5 Monaten beitragsfrei gestellt (hat tatsächlich null gekostet, einfach Formular zur Sparkasse geschickt) und seitdem laufen 100 € monatlich in einen Vanguard FTSE All-World Accumulating bei Trade Republic. Erster Monat war psychologisch komisch weil der ETF direkt 3% gefallen ist. Zweiter Monat wieder gestiegen. Dritter Monat neues Allzeithoch. Jetzt bin ich 4% im Plus und vor allem: ich mach mir keine Gedanken mehr. Daumen drücken für alle die gerade überlegen. ?
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