Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
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Portfoliopfleger_Pit
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
Ich mache das seit Jahren mit einer simplen Regel: einmal jährlich prüfen, nur eingreifen wenn Abweichung über 5 Prozentpunkte. Das hat in der Praxis dazu geführt, dass ich in manchen Jahren gar nichts gemacht habe.
Was ich zusätzlich mache: Ich führe eine kleine Excel-Tabelle wo ich Einstandspreise und aktuelle Steuerlast beim Verkauf simuliere. Klingt aufwendig, ist aber nach dem Einrichten 15 Minuten im Jahr. So sehe ich sofort ob ein Rebalancing-Verkauf sich nach Steuern überhaupt lohnt.
Rolf, bei 85k würde ich konkret so vorgehen: Zuerst checken ob du in diesem Jahr noch Freistellungsauftrag-Puffer hast. Falls ja, vielleicht einen Teil der Übergewichtung verkaufen bis der Freibetrag ausgeschöpft ist. Den Rest über Zukäufe im nächsten Jahr.
Stückweise über mehrere Jahre ist hier wirklich die klügste Taktik.
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Altersvorsorge_Agatha
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
Ich unterrichte Wirtschaft und erkläre Rebalancing manchmal vereinfacht so: Es geht nicht darum, den Markt zu timen, sondern darum, das ursprünglich gewählte Risikoprofil beizubehalten. Wenn der Aktienanteil durch Kursgewinne von 70% auf 78% gestiegen ist, trägt man schlicht mehr Risiko als ursprünglich gewollt.
Für Rolf im Ruhestand ist das besonders relevant: Im Gegensatz zu einem 30-Jährigen hat man weniger Zeit, einen starken Drawdown auszusitzen. Das ist ein echtes Argument für Rebalancing — nicht nur als abstrakte Portfoliotheorie.
Zur Frage 'lohnt sich das bei kleinen Depots': Bei unter 20.000 Euro würde ich sagen, der Aufwand überwiegt. Bei 85.000 Euro definitiv sinnvoll, insbesondere wenn man im Ruhestand ist und das Risiko kontrollieren möchte.
Der steueroptimierte Weg über Zukäufe ist hier klar zu bevorzugen, sofern frisches Kapital verfügbar ist.
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NeobrokernNino
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
lol ich hab noch nie rebalanced ?? mein depot ist seit nem jahr und ich hab einfach random gekauft was mir gefiel. nvidia hier, bitcoin-etf da, bisschen msci world weil alle sagen man soll das haben ?
aber ich glaub das ist halt kein richtiges portfolio mehr sondern eher chaos ? vielleicht sollte ich auch mal anfangen sowas zu planen. aber erstmal muss ich rausfinden was meine 'zielgewichtung' überhaupt sein soll lmao
@Renten_Rebell_Rolf respekt dass du sowas im ruhestand noch durchdenkst alter, das ist goals ?
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AktienAntonia_HH
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
@NeobrokernNino haha kenne das Gefühl ? aber mal ernsthaft — irgendwann bringt's schon was, das zu strukturieren.
Ich bin 29 und mach's so: Schwellenwert 5%, geprüft wird halbjährlich. Rebalancing fast immer über Zukäufe weil meine Sparrate noch ordentlich ist. Einmal hab ich tatsächlich verkauft (2022 als Anleihen-ETF stark gefallen war), aber das war eher Gelegenheit als Plan ?
Zur Steuerfrage: ich nutz den Freistellungsauftrag bei Comdirect und achte drauf, dass ich ihn voll ausschöpfe — also auch mal kleine Gewinne mitnehmen wenn noch Puffer da ist. So ein bisschen aktives Steuermanagement lohnt sich echt.
Rolf ich glaub 8 Prozentpunkte Abweichung ist noch kein Notfall, aber ein Auge drauf halten macht Sinn ✌️
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DividendenDame_Dorothea
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
Eine Perspektive, die hier noch fehlt: Ich setze bewusst auf ausschüttende ETFs, unter anderem genau wegen des Rebalancings. Die vierteljährlichen Ausschüttungen fließen nicht automatisch zurück, sondern ich lenke sie manuell in die untergewichtete Position.
Das ist kein großes Rebalancing, aber es wirkt kontinuierlich gegen die Drift — ähnlich wie das bei thesaurierenden Fonds mit einer angepassten Sparrate funktioniert.
Für Rolf: Bei 85.000 Euro und einer reinen Rentenphase würde ich mich fragen, ob ausschüttende ETFs nicht ohnehin sinnvoller sind als thesaurierende. Die Ausschüttungen fließen direkt aufs Konto und man hat ohne Verkäufe liquide Mittel. Das ist ein eigenes Thema, aber es hängt mit der Rebalancing-Frage zusammen.
Zum reinen Rebalancing: Ich prüfe jährlich, Schwelle bei 5 Prozentpunkten, und versuche alles über Zukäufe oder Ausschüttungslenkung zu lösen.
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HäuslebauHorst_BW
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
Also ich sag mal so — ich bin kein Finanzprofi, aber ich fahr seit Jahren gut mit der Regel: einmal im Jahr, Silvester-Check. Schön mit nem Glas Sekt draufschauen und entscheiden ob was getan werden muss ?
Ernst gesagt: Ich hab bei der ING ein Depot und bei Trade Republic eins. Wenn ich rebalancen muss, schau ich zuerst welches Depot mehr Verlustvorträge hat und ob ich da was verrechnen kann. Das hat mir schon zweimal bares Geld gespart.
Bei 85k und Rentner-Status würd ich wirklich nix überstürzen. Lieber ein Jahr warten, Freistellungsauftrag neu ausschöpfen und dann häppchenweise. Der Markt läuft nicht weg.
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StufiSparerin_Lena
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
ich studier BWL und wir hatten das Thema neulich im Seminar ? theoretisch ist schwellenwertbasiertes Rebalancing effizienter als zeitbasiertes, weil man nicht rebalancet wenn nix nötig ist. Aber praktisch machen das die wenigsten konsequent weil man dafür halt regelmäßig reinschauen muss.
Das coolste was ich gelernt hab: in Studien hat reines Rebalancing über Zukäufe ('cash-flow rebalancing') fast die gleichen Ergebnisse wie Verkaufsrebalancing — und spart halt Steuern und Kosten ?
@Renten_Rebell_Rolf für dich klingt das mit dem Nachkaufen also echt nach der besten Option, solange du noch irgendwie frisches Geld reinstecken kannst!
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Renten_Rebell_Rolf
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Re: Rebalancing im Depot — wie oft macht ihr das und nach welcher Regel?
Leute, ich bin platt — so viele gute Antworten! Danke an alle.
Also wenn ich das zusammenfasse: die meisten empfehlen Rebalancing über Zukäufe statt Verkäufe, und eine Schwelle von 5 Prozentpunkten gilt als vernünftig. Zeitbasiert (einmal jährlich) ist auch ok wenn man sich das Monitoring sparen will.
Ich hab noch eine kleine monatliche Sparrate von 200 Euro die ich bisher gleichmäßig aufgeteilt hab. Die werd ich jetzt für ne Weile komplett in den EM-ETF stecken. Das dauert zwar bei 85k eine Weile bis das was bewirkt, aber immerhin ohne Steuerfolgen.
@Abgeltungssteuer_August und @SteuerSparerin_Sina: den Tipp mit den Verlustverrechnungstöpfen kannte ich so nicht, danke! Werde ich bei meiner DKB mal nachschauen.
@NeobrokernNino keine Sorge, ich war mit 25 auch noch weit davon entfernt sowas zu planen. Kommt mit der Zeit ?
Grüße, Rolf