Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

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Festgeldfreund_Florian
Beiträge: 12
Registriert: Fr Nov 27, 2020 11:00 pm

Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von Festgeldfreund_Florian »

Hallo zusammen, ich beschäftige mich gerade damit, ob es sinnvoll ist, gleichzeitig zwei oder drei Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken zu führen. Der Hintergrund ist der übliche: Die eine Bank lockt mit einem Neukundenangebot für drei Monate, danach fällt der Zins auf ein eher bescheidenes Niveau, und man schaut neidisch auf die nächste Aktion woanders. Konkret habe ich aktuell ein Tagesgeldkonto bei der DKB und überlege, ob ich zusätzlich bei der ING oder Hanseatic Bank ein zweites Konto eröffne, um flexibler zu sein. Eventuell sogar ein drittes bei Trade Republic, die ja momentan auch attraktive Konditionen bieten. Meine Fragen dazu: - Wie handhabt ihr den organisatorischen Aufwand — Überweisungen zwischen den Konten, Zugangsdaten, Übersicht behalten? - Wie verteilt ihr die Freistellungsaufträge? Muss man da penibel aufpassen, damit man nicht zu viel oder zu wenig verteilt? - Wird die Steuererklärung dadurch merklich komplizierter, z. B. wenn man mehrere Jahressteuerbescheinigungen zusammenführen muss? Ich bin kein Freund von unnötigem bürokratischem Aufwand, aber wenn es sich finanziell deutlich lohnt, bin ich bereit, das zu organisieren. Über konkrete Erfahrungen würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße, Florian
InvestNoob_2023
Beiträge: 16
Registriert: Sa Apr 01, 2023 10:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von InvestNoob_2023 »

ey florian alter ? ich hab bei mir grad DKB, N26 UND trade republic laufen. klingt krass aber ist eigentlich null stress?? ich mein du loggst dich einmal die woche ein, guckst kurz obs noch passt, fertig. freistellungsauftrag hab ich einfach alles auf eine bank gepackt lol. ob das klug ist weiß ich auch nciht aber bis jetzt hat mich keiner angerufen deswegen ?
RentenpunktRosemarie
Beiträge: 18
Registriert: Mi Nov 13, 2019 11:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von RentenpunktRosemarie »

Guten Tag Florian, ich führe seit einigen Jahren zwei Tagesgeldkonten, eines bei der ING und eines bei der Comdirect. Den Aufwand halte ich für überschaubar, sofern man es von Anfang an ordentlich strukturiert. Beim Freistellungsauftrag empfehle ich, ihn entsprechend der voraussichtlichen Zinserträge aufzuteilen. Wenn Sie bei Bank A mit 60 Euro Zinsen rechnen und bei Bank B mit 40 Euro, dann verteilen Sie den Freibetrag von 1.000 Euro (bzw. 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) anteilig. Das kann man natürlich nur schätzen, aber eine grobe Aufteilung verhindert, dass eine Bank zu viel Kapitalertragsteuer einbehält. Die Steuererklärung wird tatsächlich etwas aufwändiger, weil man mehrere Jahressteuerbescheinigungen bekommt. Wenn man jedoch die Günstigerprüfung beantragt oder ausländische Quellensteuern anrechnen möchte, muss man ohnehin die Anlage KAP ausfüllen — dann fallen zwei Bescheinigungen kaum ins Gewicht. Mit freundlichen Grüßen, Rosemarie
Null_Schulden_Niko
Beiträge: 16
Registriert: Sa Nov 21, 2020 11:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von Null_Schulden_Niko »

@InvestNoob_2023 bitte sag mir nicht, dass du den kompletten Freibetrag nur auf eine Bank gelegt hast und die anderen dann munter Steuern abziehen ? das wäre so ein klassischer Anfängerfehler, kein Vorwurf, aber check das mal kurz! @Festgeldfreund_Florian ich mach das seit ca. 3 Jahren mit 3 Konten. DKB als Hauptkonto, Barclays für Aktionen und Trade Republic als Puffer. Aufwand: ehrlich gesagt minimal wenn man einmal nen Rhythmus hat. Ich überweise einfach am Monatsanfang kurz um, fertig. Die paar Minuten sind es bei nem Betrag ab 20k+ definitiv wert.
BausparkritikBernadette
Beiträge: 17
Registriert: Sa Jul 04, 2020 10:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von BausparkritikBernadette »

Zur steuerlichen Frage möchte ich etwas Klarheit schaffen, da hier häufig Missverständnisse kursieren. Der Sparerpauschbetrag beträgt seit 2023 für Ledige 1.000 Euro, für gemeinsam Veranlagte 2.000 Euro. Dieser Betrag gilt insgesamt für alle Kapitalerträge, nicht je Institut. Sie können ihn frei auf mehrere Banken verteilen, die Summe der erteilten Freistellungsaufträge darf jedoch den Pauschbetrag nicht überschreiten. Praktisch empfiehlt sich folgendes Vorgehen: - Schätzen Sie die Zinserträge je Konto am Jahresanfang anhand des angelegten Kapitals und des aktuellen Zinssatzes. - Verteilen Sie den Freistellungsauftrag proportional, mit einem kleinen Puffer nach oben beim Hauptkonto. - Korrigieren Sie unterjährig, falls sich die Zinssätze wesentlich ändern — das ist formlos per Online-Banking möglich. Mehrere Jahressteuerbescheinigungen sind kein Problem. Sie werden in der Anlage KAP zusammengeführt. Wer ohnehin keine Anlage KAP einreicht, weil alles korrekt versteuert wurde, muss gar nichts tun. Komplizierter wird es allenfalls, wenn bei einem Institut zu wenig freigestellt war und Sie sich die überzahlte Steuer über die Erklärung zurückholen möchten — aber das ist kein Mehraufwand, sondern schlicht eine Rückerstattung.
ETF_Zweifler_Egon
Beiträge: 6
Registriert: Di Jun 01, 2021 10:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von ETF_Zweifler_Egon »

Ich versteh den ganzen Aufwand ehrlich gesagt nicht. Ich mein, wir reden über was — 0,3 Prozent mehr Zins auf vielleicht 10.000 Euro? Das sind 30 Euro im Jahr brutto. Nach Steuer noch weniger. Dafür dann zwei oder drei Logins, drei Briefkästen die vollgemüllt werden mit Kontoauszügen und Datenschutzerklärungen... Nicht meine Welt. Ich habs mal probiert mit Barclays als Zweitkonto, nach einem Jahr wieder gekündigt. Der Nerv war mir das nciht wert.
ZüriFinanzZara
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Registriert: So Nov 28, 2021 11:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von ZüriFinanzZara »

@ETF_Zweifler_Egon das Argument stimmt natürlich bei kleinen Beträgen. Aber ab einer gewissen Summe verschiebt sich die Rechnung deutlich. Bei 50.000 Euro Tagesgeld und 0,5 Prozentpunkten Unterschied sind das 250 Euro Mehrertrag im Jahr — das empfinde ich persönlich als durchaus relevant. Ich führe aktuell Konten bei ING und Hanseatic Bank. Der organisatorische Aufwand hält sich in Grenzen: Beide Konten sind mit meinem Hauptkonto verknüpft, Überweisungen dauern einen Werktag, Online-Banking läuft problemlos. Was ich tatsächlich unterschätzt hatte: Man bekommt von beiden Instituten Post, Datenschutzhinweise, gelegentlich Änderungsmitteilungen. Das summiert sich. Wer das digital abwickeln kann, hat klar die bessere Lösung. Steuerlich: Ich fülle ohnehin die Anlage KAP aus, daher ist eine zweite Bescheinigung für mich kein Mehraufwand.
Nebenkostencheck_Norwin
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Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von Nebenkostencheck_Norwin »

Ich sehe das pragmatisch. Hier meine Kurzfassung aus eigener Erfahrung mit drei Konten (DKB, Barclays, Trade Republic): - Aufwand: Gering, wenn man einmal im Monat 10 Minuten investiert. Ich nutze eine simple Tabelle, wo ich Kontostand, Zinssatz und Freistellungsbetrag je Konto eintrage. - Freistellungsauftrag: Ich verteile grob nach Kapitaleinsatz. Bei 40k auf Konto A und 20k auf Konto B teile ich 666 zu 334 Euro auf. Passt meistens gut genug. - Steuern: Zwei oder drei Bescheinigungen sind null Problem. Ich scanne die einfach ein und hefte sie digital ab. ELSTER übernimmt die Werte, fertig. Lohnt es sich? Bei mir ja, weil ich die Beträge habe, bei denen sich Zinsdifferenzen materiell auswirken. Bei 5.000 Euro Gesamtersparnis würde ich mir den Aufwand sparen.
Schuldenfrei_Schorsch
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Registriert: Sa Nov 30, 2019 11:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von Schuldenfrei_Schorsch »

@ETF_Zweifler_Egon hat nen Punkt, aber ich geb ihm nur halb recht. Wenn man eh schon Online-Banking macht und kein Papier-Fetischist ist, dann sind drei Logins kein Drama. Ich hab früher auch gedacht ‚zu viel Aufwand' und hab dann gemerkt dass ich in zwei Jahren locker 400 Euro liegen gelassen hab. Für mich ärgerlicher als der Aufwand wäre das gewesen. Tipp von mir: Revolut als drittes Konto hab ich wieder rausgeworfen, weil der Support mich in den Wahnsinn getrieben hat. Lieber bei deutschen oder zumindest deutschen zugelassenen Banken bleiben, da ist im Problemfall die Einlagensicherung klarer geregelt.
Mod_Sabine_PF
Beiträge: 11
Registriert: Mi Sep 04, 2019 10:00 pm

Re: Mehrere Tagesgeldkonten bei verschiedenen Banken — lohnt sich der Aufwand wirklich?

Beitrag von Mod_Sabine_PF »

Schöner Thread, danke Florian für die strukturierte Frage — und danke an alle für die konstruktiven Antworten. Kurzes Mod-Update: Ich pinne das mal nicht, aber wer nach ‚Freistellungsauftrag aufteilen' sucht, findet hier eine gute Diskussion. Inhaltlich noch ein Hinweis, der bisher nicht explizit erwähnt wurde: Die Einlagensicherung spricht übrigens für mehrere Konten bei verschiedenen Banken, nicht nur gegen. Pro Institut und Einleger sind in der EU bis zu 100.000 Euro gesetzlich geschützt. Wer mehr als das auf einem Tagesgeldkonto parkt, sollte das ohnehin auf mehrere Institute verteilen — dann ist der Mehraufwand durch bessere Zinsen quasi ein kostenloser Bonus. Was die steuerliche Seite angeht: @BausparkritikBernadette hat das sehr präzise zusammengefasst, dem ist wenig hinzuzufügen. Wer unsicher ist, kann auf der Seite des Bundeszentralamts für Steuern (bzst.de) den aktuellen Stand zur Freistellungsauftragsverwaltung nachschlagen — die bieten sogar eine Übersicht aller erteilten Aufträge an. Viel Erfolg bei der Entscheidung, Florian! ?
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